Forum: Kultur
Deutschland vor dem WM-Finale: Fußball, ein Ammenmärchen

Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.

Seite 3 von 11
schwaebischehausfrau 11.07.2014, 16:23
20. Nur einer hat ein Problem damit...

Klar, eine wöchentliche Kolumne muß gefüllt werden und da denkt der Autor sich woh: Wenn ich heute nicht irgendwas über Fußball schreibe, dann liest mich sowieso kein Mensch. Stimmt, aber er hätte es trotzdem besser sein gelassen. Denn wahrscheinlich ist er der Einzige, der eine "... gleichzeitig laut und gekränkt auftrumpfende deutsche Geschichtspolitik.." herbeifabuliert. 99% der Menschen in Deutschland freuen sich auf ein Fußballspiel, o.k. ein zugegebenermassen besonders wichtiges Fußballspiel. Niemand deutet mehr in diese Fußball-WM hinein als sie ist, niemand "politisiert sie" - ausser wahrscheinlich diejenigen Leute, die sich für diesen Sport nicht interessieren, aber trotzdem irgendwie mitreden wollen und etwas Aufmerksamkeit erheischen wollen. Überflüssig!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
W. Robert 11.07.2014, 16:24
21. Alles dicht

Vielleicht ist das gerade kein guter Zeitpunkt für einen kritischen Kommentar zum Thema Fußball, in einem von der Fußballeuphorie besoffenen Umfeld. Fußball ist eben Popkultur, und in dieser Sparte sind wir erfolgreich.
Ansonsten, was Film und Musik angeht: Möglichst schnell wegzappen,, jahrelanges Elend lässt einem da keine Alternative. Bücher? Nun ja, wenn man nicht gerade Lehrer oder Feuilletonist ist, muss das auch nicht unbedingt sein. Wir haben ja immerhin noch den Spon -Lyrik-Thread, der ist allerdings geschlossen, wegen der Dominanz der Fußball-Dichter. Eventuell schreibt Grass ja mal ein Gedicht über diese Misere, dann ist wieder was los.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
corcoran42 11.07.2014, 16:26
22. Aha

"Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel", schreibt Herr Diez, und hat damit natürlich Recht. Aber wer hätte denn wirklich ernsthaft etwas anderes behauptet? Eine Fußball-WM oder gar ein WM-Titel machen ein Land nicht besser - und auch nicht schlechter. Die Leute freuen sich (oder trauern ein paar Stunden oder Tage) und gehen dann wieder ihrer Alltagswege. Was vorher war, ist eine willkommene Abwechslung vom Normalen, so wie Weihnachten oder in einigen Regionen Karneval. Fußball ist nicht Politik, sagt Herr Diez - und es klingt bedauernd. Ich sage: Fußball ist nicht Politik - und das ist auch gut so. Sicherlich: Deutschland könnte weitaus politischer sein. Es ist fast schon absurd, was in den letzten Monaten so passiert ist, ohne dass irgendwer großartig aufgemuckt hat, von der NSA-Totalüberwachung über ein zukunftsfeindliches Rentengeschenk der GroKo. Aber dass es beim WM-Gucken um ein kollektives Begeisterungs- oder ggf. Trauerritual geht und nicht um Hartz IV oder die Außenpolitik, ist eine Pseudo-Erkenntnis, die man eigentlich nur mit einem "ja, und?" kommentieren kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Blindleistungsträger 11.07.2014, 16:51
23. Der Weltraum - Unendliche Weiten

Zitat von telltaleheart
Dammich provokativ dieser Text, aber erfrischend und wahr. Fußball, oder besser dieser Hype um Fußball und ganz besonders diese WM, ist eine Flucht ins Virtuelle. Hohles Ritual. Dabei ist gegen Fußball gar nichts zu sagen. Aber dagegen was daraus.....
Von einem geeigneten Standpunkt aus betrachtet ist einfach alles, was wir tun, völlig irrelevant. Beispielsweise entscheidet keine unserer Handlungen über das Schicksal des Universums.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
HerraHakkarainen 11.07.2014, 16:55
24.

Gute Zeiten sind schlechte Zeiten, sagt mancher in Bezug auf die Geschichte von Unternehmen. Für Volkswirtschaften und Gesellschaften mag das Gleiche gelten. Vor dem Hintergrund mittelmäßiger werdender Eliten ist es ein Ärgernis, dass die DFB-Auswahl so erfolgreich ist. Dieser Umstand ist leider geeignet, über den desaströsen Zustand unserer Eliten hinwegzutäuschen - und das, obwohl Fußball natürlich nichts darüber aussagt, wie leistungsfähig eine Gesellschaft ist. Wer sich dagegen mit dem Innenleben von deutschen Unternehmen, Hochschulen, Künstlerszenen etc. etwas befasst, wird schnell merken, dass deren Akteure nur noch innovativ darin sind, ihren jeweiligen Besitzstand zu wahren und dafür Netzwerke aufzubauen. Man kann es ihnen nicht verübeln. Schließlich droht bei einem Scheitern das ewige Gefängnis Hartz IV. Aus dem Land der Dichter, Denker und Ingenieure ist schon längst ein Land der Netzwerker und Winkeladvokaten geworden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sappelkopp 11.07.2014, 17:05
25. Haben Sie Recht...

Zitat von sysop
Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.
...nur, bis auf Sie hat das bisher auch niemand behauptet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
NervösesHemd 11.07.2014, 17:05
26.

Zitat von kai-hawaii
man kann einen wirren Linksinntelektuellen und selbsterklärten Auflärer wie Dietz mit Fakten beeindriucken? Merken Sie sich, diese Spezies ist realitätsresistent...trotzdem danke für die Info
Nichts zu danken, ich wollte nur zeigen, dass ein Funken Recherche doch angezeigt gewesen wäre, oder? Das könnte auch Francisco Javier Garcia Sanz (seit 2001 Vorstand VW, auch im DAX) meinen.
Kemal Malik (Vorstand Bayer AG, wieder im DAX) dürfte diese Ansicht teilen, möchte aber erst mit dem Vorstand Marijn Dekkers (auch Bayer) Rücksprache halten.

Ok, genug der Beispiele. Dass die Aussage, es gäbe in Vorständen von DAX-Unternehmen keine Özils oder Kherira (so Diez), glatt falsch ist, dürfte feststehen.
Das kann vorkommen, im Grunde genommen liegt in solchen Thesen ein schlimmes Lagerdenken: Eine Welt, in der Deutsche einen gewissen Sami Khedira anfeuern, erscheint als fremd, als eine verlogene Scheinwelt. Von Deutschen gemacht und überall „Leerstellen“ (Begriff von Diez).
Dummerweise ist Khedira selbst Deutscher, Özil auch. Miro Klose schon lange. Sonst könnte Herr Löw die gar nicht aufstellen. Deshalb sind diese Namen eben doch Ausdruck einer guten Entwicklung.
Vielleicht sollte Herr Dietz noch etwas nachdenken. Es hat sich eben doch vieles positiv verändert. Und dass deutsche Kinder, die mit Nachnamen Schmidt oder Becker heißen (und vielleicht sogar in Rostock-Lichtenhagen wohnen), beim Kicken "Khedira sein wollen", das ist doch wunderbar.
Das passt nur nicht in das Weltbild mancher Schreiber, die unser Land und seine positive Entwicklung nicht mehr wahrnehmen.

Mit den Mehmets und den Erkans habe ich als Deutscher schon einmal eines gemeinsam: Ich freue mich auf das Spiel am Sonntag. Dass ich Montag wieder zur Arbeit muss, manches besser laufen könnte, das weiß ich selbst. Trotzdem lebe ich gern hier, denn es sind weniger „Leerstellen“ als woanders. Das sehen Mehmet und Erkan auch so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Germanicus 11.07.2014, 17:06
27.

Zitat von analyse
keiner auf die Idee kommen ,aus Deutschland wäre was Gutes zu melden ! Nein das geht überhaupt nicht! Diese kapitalistisch regierte Babanenrepublik mit Kinderarmut,abstürzendem Mittelstand,katastrophalem Bildungssysten und Millionen Arbeitslosen !Da loben wir uns doch Spanien,Frankreich,England,Italien und Griechenland,die sind zwar keine Weltmeister ,aber dafür lebt man dort besser ,satte Kinder,Vollbeschäftigung,hohe Löhne,vorbildliches Bildungssystem - sozialer Wohlstand eben !

Ernsthaft?
In Griechenland herrschen Vollbeschäftigung, Wohlstand und satte Löhne?
Ebenso in Spanien und Italien?
Ist ihr Post ironisch gemeint?
Anders kann ich ihn mir nicht erklären.
Aber selbst Ironie würde hier keinen Sinn machen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ehf 11.07.2014, 17:08
28.

Ach, Diez, der notorische Miesmacher wieder. Ärgert er sich, dass nicht Kuba oder Nordkorea Weltmeister werden, oder was? Ich bin zwar kein Fußballfan, aber dieser Ball, den Diez da spielt, ist flach. Viel zu flach!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
IngoLars 11.07.2014, 17:17
29. ...Brot und Spiele...

...jeder trägt eben auch ein schlichtes Gemüt in sich, es muss ja nicht immer alles unter einem intellektuellen Blickwinkel gesehen werden?...und wer sagt eigentlich, dass Leute die sich für Fußball begeistern und sich euphorisieren lassen nicht auch ein patriotisches Selbstwertgefühl aus anderen kulturellen, politischen oder wirtschaftlichen Aspekten dieses Landes ziehen können?
...alles zu seiner Zeit...und jetzt eben erst mal den Weltmeistertitel...*Daumen ganz fest gedrückt*

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 11