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Die 40-Jährigen: "Sklaven der Work-Life-Balance"
Corbis

Sie stecken fest zwischen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung: Soziologe Heinz Bude erklärt, wie sich die Generation der 40-Jährigen aus Angst vor Fehlern selbst lähmt.

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tart 06.10.2014, 12:59
1. so einen Quatsch...

...hab ich selten gelesen.

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wdiwdi 06.10.2014, 13:02
2. Irgendwelche belastbare Daten für die steilen Thesen?

Ich sehe dort nur Einzelfälle, Zitate von verehrten Großvätern der Soziologie und merkwürdige popkulturelle Referenzen, aber absolut keine Verweise auf belastbaren Statistiken, systematische Befragungen etc. Bei dem minimalen Umfang des vorgestellten Datenmaterials kann man auch leicht genauso viele Gegenbeispiele finden und das komplette Gegenteil behaupten und belegen. Als wissenschaftliche Arbeit wäre so etwas außerhalb der Soziologie völlig inakzeptabel.

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dioogenes 06.10.2014, 13:02
3. Budenzauber

Tut mir leid, aber die Zeit solcher aus der Hüfte geschossenen Ferndiagnosen ganzer Bevölkerungsteile ohne jede Empirie ist eigentlich vorbei. "Die 35 bis 45 Jährigen in D" ... Das gibt es nicht. Das ist schlicht das Fantasma des Herrn Bude. Ich kenne so viele unterschiedliche Leute in diesem Alter ... Wer kauft so ein verdummendes Buch?? Die Wahrheit, wenn schon solcherart Allgemeines gesagt werden muss, ist ganz anders. Die Möglichkeiten der älteren Generationen waren zugeich weniger und besser. Weniger, da es vielleicht 20 verschiedene Berufe zur Auswahl gab (und heute 2000). Besser, da man in diesen Berufen auch gefördert wurde und Sicherheit erfuhr (und nicht am Werkvertragsgängelband gehalten wurde).

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Muhli9 06.10.2014, 13:10
4. Gegenfrage

Ich hatte gestrig noch ein Gespräch mit einem guten, gleichaltrigen Freund (wir sind Mitte/Ende dreißig). Wir sind beide in sehr guten (leitenden) Angestelltenpositionen, beide in Beziehungen, beide derzeit quasi "DINKs".

"Wie sieht es bei Dir mit etwaigem Kinderwunsch aus?", fragte ich ihn. Meinen Standpunkt zum Thema kennt er, ich wusste von ihm nur, daß er "nicht möchte", jedoch nicht, warum. Die Details möchte ich hier nicht breittreten, einer der Teilaspekte unserer beider Weigerung, uns zu replizieren, ist die Tatsache, daß man entweder die Wahl hat, gestörte Kinder in die Welt zu setzen (Stichwort "Generation Ritalin", Kinder, die um die Aufmerksamkeit ihrer beider berufstätiger Eltern dann buhlen müssen, wenn sie denn mal zur Verfügung stehen, und das dann natürlich in irrsinniger -- pathologischer -- Intensität machen) oder es eben sein zu lassen. Es ist einfach der Sachzwang: Wir können uns Kinder schlichtweg *nicht leisten*. Welche Qualität hätte die Kindheit und Jugend unserer Kinder, wenn wir unsere Partnerinnen "aus dem Beruf nehmen", um sich um die Kinder/das Kind zu kümmern? Zweimal eine Woche Pauschalurlaub im Jahr, eine Dacia vor der Tür und eine halbwegs akzeptable Wohnung? Und das als, wie angemerkt, nicht zu schlecht verdienende Angestellte in sicheren Verhältnissen.

Meine Anektdote zu dem Thema ist immer ein Großvater. Kein leitender Angestellter, aber in der Buchhaltung eines KMU tätig, in sicherer und jahrzehntelanger Anstellung. In den 1960ern reichte es als Alleinverdiener für Hausbau, sechs Kinder, eine Frau, die sich um diese kümmerte, zwei Nichtpauschalurlaub im Jahr und einen Benz vor der Garage.

Heutzutage schlicht undenkbar.

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Don_Draper 06.10.2014, 13:14
5. Ich kann gut

die Thesen von Herrn Bude gut nachvollziehen, vor allem die Selbstoptimierung.
Was ich aber nicht ganz verstehe ist, was Herr Bude genau will?
Vielleicht sollte ein Bundeskanzler sich vor allem auf Politik konzentrieren und das nicht als Broterwerb sehen, aber warum sollte ich das in meinem Bürojob tun? Da gibt es durchaus Familie und Freizeit.

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Ton_Chrysoprase 06.10.2014, 13:24
6.

Die Generation der heute 40-jährigen sind in einer Zeit aufgewachsen in der Angst vor dem Atomkrieg, der Ökokatastrophe und Arbeitslosigkeit den Alltag geprägt haben. Dazu kam das von unsern ca 1968 sozialisierten Lehrern Bewusstsein kollektiv nachträglich irgendwie für den Holokaust verantwortlich zu sein.

Die Kombination aus konstanter Panik und niedrigem Selbstwertgefühl musste wohl Kossequenzen haben und die Ablehnung ideologischer Heilsversprechen zugunsten einer pragmatischen, empirisch begründeten Weltsicht ist sicherlich nicht das schlimmste was uns passieren konnte. Letztlich hilft ohnehin nur uns soweit es geht vom Terror externer Validierung zu befreien.

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Don_Draper 06.10.2014, 13:52
7.

Zitat von Muhli9
Ich hatte gestrig noch ein Gespräch mit einem guten, gleichaltrigen Freund (wir sind Mitte/Ende dreißig). Wir sind beide in sehr guten (leitenden) Angestelltenpositionen, beide in Beziehungen, beide derzeit quasi "DINKs". "Wie sieht es bei Dir mit etwaigem Kinderwunsch aus?", fragte ich ihn. Meinen Standpunkt zum Thema kennt er, ich wusste von ihm nur, daß er "nicht möchte", jedoch nicht, warum. Die Details möchte ich hier nicht breittreten, einer der Teilaspekte unserer beider Weigerung, uns zu replizieren, ist die Tatsache, daß man entweder die Wahl hat, gestörte Kinder in die Welt zu setzen (Stichwort "Generation Ritalin", Kinder, die um die Aufmerksamkeit ihrer beider berufstätiger Eltern dann buhlen müssen, wenn sie denn mal zur Verfügung stehen, und das dann natürlich in irrsinniger -- pathologischer -- Intensität machen) oder es eben sein zu lassen. Es ist einfach der Sachzwang: Wir können uns Kinder schlichtweg *nicht leisten*. Welche Qualität hätte die Kindheit und Jugend unserer Kinder, wenn wir unsere Partnerinnen "aus dem Beruf nehmen", um sich um die Kinder/das Kind zu kümmern? Zweimal eine Woche Pauschalurlaub im Jahr, eine Dacia vor der Tür und eine halbwegs akzeptable Wohnung? Und das als, wie angemerkt, nicht zu schlecht verdienende Angestellte in sicheren Verhältnissen. Meine Anektdote zu dem Thema ist immer ein Großvater. Kein leitender Angestellter, aber in der Buchhaltung eines KMU tätig, in sicherer und jahrzehntelanger Anstellung. In den 1960ern reichte es als Alleinverdiener für Hausbau, sechs Kinder, eine Frau, die sich um diese kümmerte, zwei Nichtpauschalurlaub im Jahr und einen Benz vor der Garage. Heutzutage schlicht undenkbar.
@Muhli9 selten so einen verzagten und ängstlichen Kommentar gelesen.
Schöne Standard-Ausrede (in diese gestörte Welt, setzte ich doch keine gestörten Kinder) gefolgt davon, dass man sich früher noch Kinderleisten konnte und Spitzenaussage, wenn wir uns un unseren Positionen schon keine Kinder leisten können...
Komisch, ich mittlere Position, meine Frau auch, zwei Kinder, zwei Autos, zweimal im Jahr Urlaub (nicht pauschal)...hm,geht.
Vielleicht nicht den dicktsten SUV (am besten gar keinen), dass größste Haus, den teuersten Urlaub und die besten restaunrants leisten, dann klappt es auch
mit Kinder...nein, halt, bei der Einstellug besser nicht..weitermachen wie bisher.

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Diskutierender 06.10.2014, 13:56
8. Freiwillige Sklaven der ständigen Erreichbarkeit

Das Schönste ist ja vor allem, dass gerne gejammert wird über das Diktat der ständigen Erreichbarkeit. Das ist aber nach meiner Ansicht selbst verursacht. Wie viele Leute lassen z.B. das Telefon einfach mal klingeln, wenn sie anderweitig beschäftigt sind? Das betrifft auch Besprechungen, wo eigentlich das Telefon abgeschaltet sein sollte.

Ich habe schon des öfteren mit Gesprächspartnern Streit bekommen, da diese in einem dienstlichen Gespräch mit mir Anrufe angenommen haben, und mich einfach haben stehen lassen. Dies ist zum einen eine grobe Unhöflichkeit und angesichts der Tatsache, dass heutige Telefone die Nummer des Anrufers speichern auch wirklich nicht nötig. Zudem kann in den allermeisten Fällen doch auch der Anrufer einmal warten (Ausnahmen: Störungsdienst, Ärzte oder Feuerwehrleute im Notdienst, Kundenanrufe). Wenn ich derartige Leute darauf hingewiesen habe, dass so etwas grob unhöflich sei, wurde ich noch dumm angemacht. Offenbar wollen die Menschen ihrem Kommunikationsdildo hörig sein, und da muss kein böser Chef dies einfordern, sondern das wollen solche Telefonsüchtigen schon selbst.

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kuschl 06.10.2014, 13:57
9. @ Muhli9 Falscher Ansatz

Die so bequeme DINKs Position kennen viele. Bloß keine Verantwortung für Kinder, das sollen mal die Zuwanderer übernehmen, die bekommen mehr Unterstützung und wir müßten unsern Gutverdienerjob aufgeben. Für mich und meine Frau war das nie ein Thema, man muß es nur organisieren und derjenige, der interimsweise zu hause bleiben will, darf sich nicht auf die Couch legen. Wir haben ein Gehalt für eine Haushälterin geopfert, die die Kinder bis Nachmittag betreut hat, meine Frau hat sich derweil weitergebildet und über halbtags wieder in Vollzeit und in die Geschäftsführung vorgearbeitet. Gerade bei Akademikern kann man doch wohl Organisation voraussetzen. Unsere Kinder sind im Studium und wir wieder DINKs aber mit Kids.

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