Forum: Kultur
Die 40-Jährigen: "Sklaven der Work-Life-Balance"
Corbis

Sie stecken fest zwischen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung: Soziologe Heinz Bude erklärt, wie sich die Generation der 40-Jährigen aus Angst vor Fehlern selbst lähmt.

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Urbis 06.10.2014, 14:43
30. @Muhli9

Zitat von
Das ist weder verzagt noch ängstlich, die von mir gezeichneten Umstände sind Teil (!) einer ganzen Phalanx von Überlegungen, keine Kinder in die Welt zu setzen. Warum eigentlich auch? Als Kanonenfutter für die kommenden Jahrzehnte geopolitischen Wahnsinns? "Weil es eben so ist"? Oder um jemanden ins Hamsterrad zu setzen, der dem üblichen Stress eben derer ausgesetzt ist, die nicht Nachkommen von Herrn Gates, Ellison oder Zuckerberg sind? ;-)
Selten so einen verschwurbelten Schmarrn gelesen mit solchen pseudointelligenten Argumenten a la "Gibt genug Kinder auf der Welt" und "durchdrehende Welt".
Sie könnten einmal ihren Horizont erweitern und sich geschichtlich etwas bilden. Die Welt war immer im Wandel begriffen. Ein Buch wie "Der taumelnde Kontinent" welches die Zeit vor dem 1. Wk betrifft, sei empfohlen. Auch damals hatten viele Menschen das Gefühl in der Zeit zunehmender Technisierung nichtmehr mitzukommen und es litten viele an "Neurasthenie", welches in etwa dem heutigen Burnout entspricht. Sie sehen, die Zeiten sind heute nicht so viel anders als sie vllt denken mögen. In dem Sinne hätten Menschen schon in den letzten Jahrzehnten keine Kinder kriegen dürfen, aus Angst vor der Atomapokalypse. Erst diese Zukunftsangst sorgt für eine düstere Zukunft! Natürlich kann man sich hierzu Gedanken und Sorgen machen, aber niemals übertreiben! Das Leben war schon immer hart und deswegen wollen sie keine Nachkommen haben? Weil die Armen dann Stress auf der Arbeit haben? Für Kinder ist die Welt noch so einfach und die brauchen lange nicht soviel Zeugs wie es Ihnen die Werbung suggeriert oder sie bei Freunden oder Nachbarn sehen. Elektronikspielzeug gehört meiner Meinung (auch Ipad) sowieso nicht in Kinderhände. Die sollen ruhig analog die Welt entdecken. Außerdem können sie Ihre Kinder so aufziehen, damit sie vllt Probleme der Zukunft lösen können.

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Don_Draper 06.10.2014, 14:43
31.

Zitat von Achim Kaunert
Seien Sie wenigstens so ehrlich und geben (auch sich selbst gegenüber) zu, dass Sie nicht bereit sind, Ihr bisschen Wohlstand eventuell etwas schmälern zu müssen und kommen Sie nicht mit den geopolitischen Entschuldigungen, die nur Ausreden sind. Mal davon abgesehen, dass es zur geistigen Verarmung beiträgt, sein Leben nicht mit Kindern teilen zu können bzw. zu wollen (und dass man daraus durchaus mehr als materielles Glück schöpfen kann).
Ich stimme zwar @Muhli9 nicht zu, wie hier schon zweimal geschrieben, aber Sie kommen auch wieder mit den Knallerargumenten, wo nach es dann einen "Muss" ist, Kinder in die Welt zu setzen.
Da sehe ich dann, trotz zweier Kinder auch nicht so, in der heutigen Zeit kann jeder für sich selbst entscheiden.
Aber bei @Muhli9 klingt es genauso, wie der Tenor in des Artikels: Vor allem Angst vor der Zukunft, vor dem sozialen Abstieg.
Und das ist traurig.

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dunnhaupt 06.10.2014, 14:46
32.

Das ist der Vorwand aller gefeuerten Politiker und Industriekapitäne. Wer's im Beruf nicht schafft, entdeckt plötzlich, dass er eine Familie hat. Doch das ist alles altes Zeug, das wir als Studenten schon im Soziologieseminar diskutieren.

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spannendezeiten 06.10.2014, 14:47
33. und nu?

Naja, "uns" (die 35-45 jaehrigen) wurde zweimal die Matte weggezogen, als es gerade so richtig losgehen sollte. Karrieren mussten umgedacht, Ersparnisse neu aufgebaut werden. Da hat man schon Angst vor dem naechsten Fehler. Koennen die Leute mit lebenslanger Jobgarantie und einer von der Firma bezahlten Rente natuerlich nicht nachvollziehen. Aber die wirkliche Frage ist: Was nu? Dieser deskriptive Artikel ist so hilfreich, wie die Sportkommentare meiner verstorbenen Grossmutter ...

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Kleinerkrauter 06.10.2014, 14:51
34. Zutreffend und ironisch

leider schlägt sich der Herr Bude mit den eigenen Waffen. Aber er tut auch Gutes, der benannten Generation nicht nur das Beste zu attestieren. Dabei ist das doppelt dumm: Die besagte Generation befindet sich in flachen Hierarchien weit oben und saugt ihre Umwelt nach Kräften aus, so wie sie es von ihren Eltern aus der unteren Mittelschicht gut gelernt haben. Die echte Mittelschicht, die echten Abiturienten, jene Älteren schweigen aus Anstand und ich fürchte, den meisten ist nicht wohl dabei.

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Werner Holt 06.10.2014, 14:52
35. Ein alter Trick der immer wieder funktioniert

Die Krise der Verhältnisse als individuelles Persönlichkeitsproblem zu refelektieren. Es ist dann auch kein Zufall das in jedem Land wo der Kapitalismus am heftigsten durchgesetzt auch auch gelebt wird, die meisten Seelenklempner zu finden sind. Doch wenn man sich hier umschaut, dann können sich die Leute offenbar eher einen Kapitalismus ohne Welt, als eine Welt ohne Kapitalismus vorstellen. Das Ende der Geschichte 89/90 hat auch zum Ende des kritischen Denkens geführt. Die
individuelle Selbstabrichtung des marktwirtschaftlichen Menschen ist wirksamer als jede Polizeibehörde. Den Rest besorgen die Medien, denn wer die hat, der braucht keine Zensur ( Peter Hacks ) .

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auch_was_zu-sagen 06.10.2014, 14:54
36. @Muhli9 -

"..Wir sind beide in sehr guten (leitenden) Angestelltenpositionen.." - Sicher doch. Dann hat man auch am Montag Mittag Zeit, hier solchen Schwachsinn zu verzapfen. Hätte Ihr Großvater die gleiche Einstellung wie Sie, hätte er keine Kinder gehabt und SIE WÄREN NICHT AUF DIESER WELT! Ob das ein Verlust wäre? ;-)
Scheffeln Sie weiter Kohle für sich. Denn wenn alle Ihre Meinung vertreten, wäre später niemand da, der unsere, zugegebenermaßen spärliche, Rente erwirtschaftet. Ach so, noch etwas. Vielleicht adoptieren Sie einfach ein Kind, wenn´s "genug" gibt? Schon mal darüber nachgedacht???

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cabeza_cuadrada 06.10.2014, 14:55
37. Sehr trauriger Kommentar

Zitat von Muhli9
Ich hatte gestrig noch ein Gespräch mit einem guten, gleichaltrigen Freund (wir sind Mitte/Ende dreißig). Wir sind beide in sehr guten (leitenden) Angestelltenpositionen, beide in Beziehungen, beide derzeit quasi "DINKs". "Wie sieht es bei Dir mit etwaigem Kinderwunsch aus?", fragte ich ihn. Meinen Standpunkt zum Thema kennt er, ich wusste von ihm nur, daß er "nicht möchte", jedoch nicht, warum. Die Details möchte ich hier nicht breittreten, einer der Teilaspekte unserer beider Weigerung, uns zu replizieren, ist die Tatsache, daß man entweder die Wahl hat, gestörte Kinder in die Welt zu setzen (Stichwort "Generation Ritalin", Kinder, die um die Aufmerksamkeit ihrer beider berufstätiger Eltern dann buhlen müssen, wenn sie denn mal zur Verfügung stehen, und das dann natürlich in irrsinniger -- pathologischer -- Intensität machen) oder es eben sein zu lassen. Es ist einfach der Sachzwang: Wir können uns Kinder schlichtweg *nicht leisten*. Welche Qualität hätte die Kindheit und Jugend unserer Kinder, wenn wir unsere Partnerinnen "aus dem Beruf nehmen", um sich um die Kinder/das Kind zu kümmern? Zweimal eine Woche Pauschalurlaub im Jahr, eine Dacia vor der Tür und eine halbwegs akzeptable Wohnung? Und das als, wie angemerkt, nicht zu schlecht verdienende Angestellte in sicheren Verhältnissen. Meine Anektdote zu dem Thema ist immer ein Großvater. Kein leitender Angestellter, aber in der Buchhaltung eines KMU tätig, in sicherer und jahrzehntelanger Anstellung. In den 1960ern reichte es als Alleinverdiener für Hausbau, sechs Kinder, eine Frau, die sich um diese kümmerte, zwei Nichtpauschalurlaub im Jahr und einen Benz vor der Garage. Heutzutage schlicht undenkbar.
Kinderwunsch vom Einkommen abhängig zu machen finde ich sehr sehr traurig. Seien Sie nur froh dass ihre Vorfahren (Kriegsgenerationen) nicht so gedacht haben. Hoffentlich tut dies ihnen später nicht leid.
Kinder bringen mehr Freude als alle materiellen Dinge zusammen das könnten.

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Tobsen666 06.10.2014, 14:56
38. Immer langsam mit den jungen Pferden

Zitat von RudyMentaire
Schon mal drüber nachgedacht, dass es auch Menschen gibt, für die Kinder nicht "das Größte" sind. leute die einfach andere Ziele haben und ihr Leben nicht nach Ihren Vorstellung führen wollen? Diese als Egoisten oder "schlechte Menschen" zu diffamieren ist nichts anderes als ein bodenlose Frechheit und zeugt von unglaublicher Engstirnigkeit.
1. Ich habe den Mitforisten nicht als schlechteren Menschen verurteilt, also bitte langsam machen an dieser Stelle, so von wegen bodenloser Frechheit!

2. Ich habe die Begründung des nicht vorhandenen Kinderwunsches hinterfragt und meine Meinung gesagt, dass man Kinder und materielle Dinge nicht gegeneinander aufwiegen kann/sollte, so wie vom Verfasser in seinem Beitrag gemacht.

3. Lesen, verstehen und dann evtl. antworten.

Danke!

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Olli68 06.10.2014, 14:57
39. Treffend!

Kein Wunder, dass die ersten Kommentatoren hier die Thesen rundheraus ablehnen - legt doch Bude genau den Finger in die Wunde.
Ich entstamme der analysierten Altersgruppe und kann bestätigen, dass ein Großteil der Bekannten den entsprechenden Kernthesen entspricht.

1. Der Begriff des Erfolgs löst sich für die 40-Jährigen nur ein, wenn alle Lebenslagen, also Beruf, Beziehung und Familie, souverän gemeistert werden.

2. Aus der Selbstoptimierung folgt die sklavische Selbstausbeutung; ein nur in Teilen erfolgreiches Leben führt in die Depression.

3. Es wird ironisch, smart und hochbeschleunigt kommuniziert, bei wirklich ernsthaften Themen herrscht jedoch Funkstille.

Bei 1.) fehlt noch der Extremsport als viertes Element neben dem auf hohem Niveau ausgeübten Beruf, der Vorzeigefamilie und Beziehung. Ein Großteil dieser Generation pflegt auch noch den physischen Teil der Selbstoptimierung durch Radrennen, Extremklettern, Marathonläufe, Fitness- und Ernährungswahn etc.

Kein Wunder als Kehrseite die vielen Depressions- Burnout- oder Scheidungsanwalts-patienten...

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