Forum: Kultur
Die deutsche Debattenkultur: Macht's doch besser

Gibt es ein besser Beispiel für das Vergeuden von Lebenszeit als Literaturdebatten? Liebe Kritiker, macht doch lieber was aus Eurem eigenen Leben - und nicht das der anderen kaputt.

Seite 1 von 7
ruzoe 23.08.2014, 16:24
1. Ich hab's

ernsthaft versucht zu unterlassen, aber es haute nicht hin: Das Schlottern vor Langeweile...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
WolfHai 23.08.2014, 16:52
2. In Deutschland wird nichts wohlwollend betrachtet

Aus dem Artikel: "Warum drischt man auf junge Schauspieler ein, auf junge Maler, Sängerinnen, Tänzerinnen. Warum ist es uns scheinbar nicht möglich, Dinge, selbst wenn sie uns nicht interessieren, wohlwollend zu betrachten?"

In Deutschland wird nichts wohlwollend betrachtet. Wer das Gymnasium durchläuft, lernte, dass nur KRITIK zählt. Und das setzt sich dann überall fort, bis in die persönlichen Beziehungen hinein.

In den USA ist das anders. Da werden auch die Filme und die Fernsehprogramme gemacht, die jeder sehen will. Hier ist lieber verbrannte Erde (oder Tatort - wo ist der Unterschied?)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ulrike E. 23.08.2014, 17:38
3. Seltsame Ansichten!

Seit wann darf man denn bei Literatur *nicht mehr kritisieren*?

Und gerade Helene Hegemann?

Eine junge Autorin, der man nachgewiesen hatte, dass sie ein Plagiat verfasst hatte.

Sachliche Kritik sollte doch nach wie vor erlaubt sein. Und ebenso, wenn man aufführt, warum einen ein Werk nicht gefallen hat.

Inspiration darf man sich ja gerne holen, *aber* dann bitte auch kenntlich machen.

Wie ist es denn, wenn man sich dann an keine Regeln hält? Der Vorfall in der Kölner Kunstakademie sprach doch Bände.

Die Studenten haben ihre *Kunstwerke* gelagert, wie es ihnen gerade in den Kram gepasst hat. Auch in den Fluren und Gängen des Gebäudes.

Als nun die Hausmeister einschritten, weil sie vom Brandschutzaspekt dazu verpflichtet sind und diese Werke entsorgten, war der Aufschrei groß.

Scheinbar waren auch Prüfungsarbeiten darunter.

Was wäre gewesen, wenn dort ein Feuer ausgebrochen wäre und es aufgrund der verstopften Gänge zu Toten und Verletzen gekommen wäre? Man hätte die Hausmeister verantwortlich gemacht.

Sorry, aber so geht es nicht.

Es ist auch hier nicht üblich auf alle Künstler einzudreschen, aber an die Regeln zu halten, sollte man sich trotz allem.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 23.08.2014, 18:29
4. Debattenkultur in Sch...land

Warum ist es uns scheinbar nicht möglich, Dinge, selbst wenn sie uns nicht interessieren, wohlwollend zu betrachten?

Weil 80% der Menschheit angepasste Wesen sind, die selbst nicht denken, sondern der Schwarmdummheit folgen. Aus demselben Grund wird Merkel wieder und wieder gewählt und alle sind zufrieden. Aus demselben Grund wird man in Deutschland nur als Mensch wahrgenommen, wenn man sein Leben mit stupider Arbeit füllt und dem Geld hinterherrennt, natürlich am Ende erfolglos, aber das verschweigen die Spießer in ihren auf Pump finanzierten Vorstadtreihenhäusern gerne. Lieber bauen schwäbische Familienväter noch ein paar Panzer, für den Frieden in der Welt.

Im übrigen ist es ein Irrtum, sich darüber aufzuregen. Die wahre Unabhängigkeit des Künstlers besteht darin TROTZ der Umstände, das zu tun, was man tun will. Und es gibt ebensoviele Menschen, die TROTZ des allgemeinen Kulturverfalls, dies wertschätzen können. Von diesen muß man sich wertschätzen lassen, was die Masse will oder toll findet, sollte einen gar nicht erst interessieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frank_rademacher 23.08.2014, 18:30
5. ich hab nur 7 Zeilen gelesen

meistens werden ich auf Sibyle wegen ihres äusseren aufmerksam. Gut aussehen tut sie ja, aber schreiben? Zumindestens hat sie nicht wieder über Israel geschrieben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
JKStiller 23.08.2014, 18:31
6. Der Deutsche an sich

ist vom Wesen her und fühlt sich angesichts einer weltweit respektierten und, ja, sogar bewunderten Kulturgeschichte zu Kritik neuer Werke nicht nur berufen, sondern scheinbar sogar verpflichtet, gilt es doch, die Tradition der Dichter und Denker, intellektuellen Filmemacher und zu Genies verklärten Leinwandbemalern mit aller Deutschlichkeit zu schützen! Frau Hegemann ist ein gut gewähltes Beispiel: Sie macht, traut sich, schreibt in ihrem eigenen Stil, entwickelt sich weiter, spielt virtuos mit den Möglichkeiten der Sprache, aber wird mit Anfang zwanzig von vielen selbst ernannten Kritikern nur als Plagiatorin wahrgenommen. Für mich schreibt sie zu jung, zu verquer manchmal auch und ihr Setting ist nicht meine Welt. Dennoch bewundere ich ihre Eleganz, mit der sie ihre Texte wie lässig daher geschrieben aussehen lässt. Vielleicht ist es das neben dem erlaubten Scheitern eines jungen Künstlers, was am ehesten die Misere in unserem Land spiegelt: Der Deutsche an sich ist gleichzeitig nämlich selbst nicht kritikfähig, weshalb er sich selbst gerne im Konjunktiv aufhält. DAS hätte ich auch schreiben können! Nur, den blinkenden Cursor auf Seite Null tut er sich dann doch lieber nicht an.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
caecilia_metella 23.08.2014, 18:55
7. Wohlwollende Kritik

Sehr geehrte Frau Sibylle,

ich weiß, ich sollte Sie etwas fragen statt zu antworten.
Da ich aber eine große Liebhaberin von Literatur bin und ich darüber informiert bin, dass Sie für "Spiegel online" arbeiten, will ich Sie kurz darauf aufmerksam machen, dass es in Deutschland offenbar Menschen gibt, die sehr negativ denken. Sie fragen nach Negativem, als ob ihr einziges Ziel das Nichts wäre. Prompt finden sich auch Menschen, die diese Fragen beantworten und dem Nichts nicht nur die besten Argumente liefern. Oh nein, sie erwecken es zum Leben.

"Warum behandelt MAN in Deutschland seine SCHLECHT verdienenden Künstler SO ELEND?"
Warum DRISCHT MAN auf junge Schauspieler ein, auf junge Maler, Sängerinnen, Tänzerinnen?
Warum ist es uns scheinbar NICHT möglich, Dinge, selbst wenn sie uns NICHT interessieren, wohlwollend zu betrachten?

Sie sehen es: Es ist uns möglich. Immerhin haben wir in der Deutschstunde bei unserem Lieblingslehrer und bei unserer Philosophielehrerin so gut aufgepasst, dass wir unser Wissen über NICHTS gern weitergeben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vexierspiegel 23.08.2014, 20:13
8. Deutsche Sprak schwere Sprak

SB: "Warum ist es uns scheinbar nicht möglich, Dinge, selbst wenn sie uns nicht interessieren, wohlwollend zu betrachten?" Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege: Es muss "anscheinend" heißen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
torben.moeller 23.08.2014, 20:20
9. Nicht nur bei Literaturkritik

Spielemagazine berichten schon darüber, wenn Entwickler gelobt werden.
http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/Allgemein/3933/2142977/Allgemein-_WeLoveGameDevs_trifft_auf_Gegenliebe_bei_den_Entw icklern.html?ref=newsfeed

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 7