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Die Krux mit der Diskriminierung: Weiße und Männer können alles haben, aber das nicht
DPA

Klar werden auch Männer gemobbt, brutal geschlagen und unfair behandelt - diskriminiert aber werden sie nicht. Dafür fehlen in dieser Welt noch immer die entsprechenden Machtstrukturen.

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g_bec 07.11.2018, 09:38
100. Soso.

Zitat von bartnelke
unverheiratete Väter sind eine Randgruppe von weissen Männern.
Soso. Unverheiratete Väter sind also, wenn sie von Gerichten in Sorgerechtsstreitigkeiten benachteiligt werden, nur dann benachteiligt, wenn bzw. weil sie "weiße Männer" sind. Interessante These. Allerdings denke ich, dass der ausschlaggebende Grund für die eventuell tatsächlich vorhandene Benachteiligung die Eigenschaft "unverheirateter Vater" ist. Und nicht "weißer Mann". Somit sind sie keine "Randgruppe von weißen Männern" und nicht als Gegenargument geeignet.

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resto 07.11.2018, 09:52
101. Unterschiede zwischen Gesellschaft und Individuum

Der Denkfehler von Frau Stokowski ist, dass sie nicht zwischen gesellschaftlichen Strukturen und individuellen Erfahrungen unterscheidet. So kann es sehr wohl sein, dass es strukturellen Sexismus und Rassismus gibt. Gleichzeitig kann aber auch das 'falsche' Individuum (Mann, 'weiße' Person) rassistisch oder sexistisch vom 'falschen', nämlich nicht-weißen oder nicht-männlichen Individuum diskriminiert werden. Man kann individuelle Erfahrungen nicht einfach leugnen, weil sie nicht in die eigene (soziologische) Theorie passen.

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NauMax 07.11.2018, 10:00
102.

Zitat von Vex
Entschuldigung alles was sie beschreiben gibt es tatsächlich aber wieviel % der häuslichen Gewalt richtet sich gegen Männer 10% ? eher weniger
Hier soll es eine erschreckend hohe Dunkelziffer geben - nicht zuletzt auch, weil diese Männer von anderen Männern ähnlich wie bei sexuellen Missbrauch nicht ernst genommen werden. Rechnet man zusätzlich auch noch psychische Gewalt mit ein, dann begehen Frauen sogar häufiger häusliche Gewaltdelikte als Männer. Das ist bei der Kindererziehung nicht anders: Taucht das Kind grün und blau geprügelt in der Schule auf, dann hat der Vater meist völlig zurecht Polizei und Jugendamt an der Hacke. Ist das Kind aber aufgrund jahrelangen gut organisierten und verschleierten Psychoterrors durch die Mutter ein seelisches Wrack, dann wird an allen Ecken und Enden nach Gründen gesucht - der Erziehungsstil der Mutter allerdings niemals hinterfragt.

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Pickle__Rick 07.11.2018, 10:11
103.

"Diskriminierung ist strukturelle Benachteiligung. Natürlich steht und fällt diese These mit der Frage, wie man Diskriminierung definiert. "

Es gibt dafür eine Defintion und diese ist ziemlich eindeutig:

"Diskriminierung bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, z. T. auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen.
(Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie)

Das ist Diskriminierung und damit hat es sich eigentlich auch. Sprechen wir von struktureller oder institutioneller Diskriminierung sieht das schon anders aus. Ich weiß, im SWJ-Bereich hat man diese Unterscheidung meist nicht nötig und es sich so zurecht gelegt, dass der weiße, heterosexuelle Mannauf keinen Fall rassistisch oder sexistisch diskriminiert werden kann. Man lebt schließlich nicht selten von diesem festen Rollenbild. Folgt man aber der Definition, so ist diese Annahme nun mal einfach nicht richtig. Unbestreitbar dürfte allerdings sein, dass man als weißer, heterosexueller Mann in unserer Gesellschaft nur in seltenen Fällen Opfer einer solchen Diskriminierung wird. Die tatsächliche Benachteilgung dürfte sich in den meisten Fällen auch in Grenzen halten. Außer einer kleinen Delle im Image dürfte Herrn Reichelt durch die Verleihung der goldenen Kartoffel eigentlich nix passieren. Insofern stimme ich Frau Stokowski also zu. In unserer Gesellschaft ist der weiße, heterosexuelle Mann meist nicht das Opfer. Hier wirkt sich allerdings auch die Erziehung der letzten Jahrzehnte aus. Jungen Menschen wird hier und heute sehr deutlich erklärt wie das mit der Diskriminierung und der Gleichberechtigung und ihren Werten aussieht. Nun sollte sich also niemand wundern, wenn auch der weiße, heterosexuelle Mann/Junge eine Diskriminierung erkennt und sich im Falle des Falles auch dagegen wehrt. Wer als Weißer z. B. von einer Gruppe farbiger Migranten als Weißbrot oder Kartoffel bezeichnet wird, wird in diesem Moment per Definition diskriminiert. Mag sein, dass diese Migranten wahrscheinlich noch am gleichen Tag das Hundertfache dieser Diskriminierung zu spüren bekommen. An der grundsätzlichen Mechanik von Sexismus und Rassismus ändert das nichts.

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Bondurant 07.11.2018, 10:12
104. Danke

Wenn man aber Diskriminierung als einen Mechanismus versteht, der unterdrückte Gruppen oder Minderheiten von gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung fernhält, dann ist das eine Erfahrung, die Weiße und Männer als solche in dieser Welt nicht machen können.

das macht vieles klarer, vor allem, dass man als Mitglied einer im Gegensatz dazu grundsätzlich benachteiligten Gruppe (hier: Frauen, übrigens interessant, auch bei dem Religionsbeispiel, dass dann die anderen Diskriminierungstandards ("Rasse", z.B.) keine Rolle mehr spielen) ganz ohne weiteres andere wenn nicht diskriminieren, so doch abwerten darf. Als Gruppe.

Naja, wenn dem (alten) weißen Mann ganz grundsätzlich keine Möglichkeit gegeben ist, sich irgendwie vom Täterstatus zu entfernen, dann bleibt ihm und Seinesgleichen eigentlich nur eins: noch mal richtig aufräumen, bevor man abtritt. Das ist wohl die Logik des Trump-Erfolges. Ob das aber so im Interesse der Stokowskis dieser Welt ist, darf bezweifelt werden.

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hoffimuc 07.11.2018, 10:27
105. So isses...

Ob mans mag oder nicht, so isses halt leider. Im grossen jedenfalls. Und Diskriminierung ist es halt nur, wenn pauschal diskriminiert wird. Und genau das hat die Margarete hier herausarbeiten wollen und auch sehr schön getan. Und das auch noch in sehr lesbarer und unterhaltsamer Form. Sehr gut.

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DenkenSchafftEinsicht 07.11.2018, 10:34
106. Perpektive

Die Beiträge von Frau Stokowski zeigen, wie meistens, dass auch eine erweiterte Allgemeinbildung nicht unbedingt zu einer differenzierten Weltsicht führen kann. Einseitig, polemisch und beinahe hasserfüllt lesen sich die Zeilen.

Frau Stokowski, machen Sie doch bitte für eine Minute die Augen zu, legen Sie Ihre Vorurteile zur Seite und stellen Sie sich bitte vor, wie die Welt aussehen würde, wenn alle vergangenen und gegenwärtigen Leistungen der von Ihnen so geschmähten weißen Männer plötzlich nicht mehr da wären. kein Recht, keine Marktwirtschaft, keine Philosophie, keine Technik, keine Gewaltenteilung. Ich persönlich könnte damit Stunden zubringen und würde kaum einen Bruchteil erfassen.

Und stellen Sie diesem, praktisch unendlichen, Berg an Leistungen dann bitte die Beiträge von einseitig argumentierenden und sich selbst als "intellektuell" deklarierenden Weltverbesserern gegenüber.

Hilft das vielleicht ein wenig den Blick zu weiten und das nächste Mal etwas differenzierter zu argumentieren?

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scpt 07.11.2018, 10:38
107. Nicht nur Tautologisches Gefasel, sondern ein Begriffskrieg...

Zitat von DerAndereBarde
Die Kolumne kurz zusammengefasst: "Wenn man einen Begriff so definiert, dass ich recht habe, habe ich recht." Klassische Tautologie. Öde und erkenntnisarm.
Völlig Zustimmung mit der Ergänzung. daß Frau Stokowski extrem unsauber argumentiert: Diskriminieren kann nur jemand, der Entscheidungsspielräume hat und damit die Verantwortung für seine Entscheidungen trägt. Diesen zentralen Aspekt des Begriffs Diskriminierung unterschlägt sie völlig. Wenn ich aber einfach nur einer biologisch mehrheitlichen Gruppe angehöre, habe ich keine Entscheidungsspielräume. Frau Stokowski dichtet den Männern eine Art Erbsünde an. Mit anderen Begriffen geht es ähnlich unsauber zu.

Diese ganze Diskussion läuft jetzt seit wenigstens 5 Jahren, seit der Aufschrei-Kampagne, oder sogar schon davor. Die Argumentationsfehler von Stokowski et al. sind bestens bekannt - ich frage mich, was soll die gefühkt 10.000 Wiederholung dieser Argumentationsfehler?

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lachender lemur 07.11.2018, 11:13
108. Stokowski ist Aktivistin, nicht Journalistin

Zitat von DerAndereBarde
Die Kolumne kurz zusammengefasst: "Wenn man einen Begriff so definiert, dass ich recht habe, habe ich recht." Klassische Tautologie. Öde und erkenntnisarm.
Es wäre nett, den Sinngehalt der Definition mal zu thematisieren, und diesen selbstreflexiv als Kampfbegriff zu entmaskieren. Wer die etymologischen Wurzeln des Wortes "Diskrimination" im Wesentlichen verleugnet und ersetzt durch das, was wir traditionell eher "Machtmissbrauch" nennen, der will durch diese sprachpolizeiliche Maßnahme den Mächtigen die Möglichkeit nehmen, ernsthaft mitzureden. Kollateralschaden nimmt dann eben wieder mal die Sprache. Das nimmt die Kolumnistin hier offenbar gern in Kauf. Ihre Loyalität gilt der Kampfessache, nicht ihrem angeblichen Job, dem Journalismus. Immer wenn sie sich zwischen dem einen und dem anderen zu entscheiden hat, bleibt das Wort auf der Strecke, und gewinnt der Aktivismus.

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ra-live 07.11.2018, 11:23
109. irgendwas stimmt mit der Logik

in dem Artikel nicht: der Krankenpfleger hat sicher auch eine ganze Reihe heterosexueller, weißer Männer ermordert. Einerseits wird aber geschrieben, dass diese per se nicht diskriminiert werden können, andrerseits wird aber dieses beispiel gebracht um zu zeigen, dass gerade die OPfer von iihm eine Diskriminierung erfahren. Das ist ein logischer Widerspruch. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass das Wort diskrimieren in der naturwissenschaftlichen Sprache schlicht "unterscheiden" bedeutet.
Es ist also ein sehr kontextabhängiges Wort. ich würde lieber das Wort "Unterdrückung" benutzen. Das Patriarchat unterdrückt Frauen, das ist klar und hässlich, aber auch hinlänglich bekannt. Aber weiße hetrosexuelle Männer unterdrücken auch andere weiße heterosexuelle Männer durch ihre Aggression mithilfe ihrer hierarchischen Machtstrukturen. Man denke nur ans Militär. Das fehlt hier irgendwie.

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