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Die Krux mit der Diskriminierung: Weiße und Männer können alles haben, aber das nicht
DPA

Klar werden auch Männer gemobbt, brutal geschlagen und unfair behandelt - diskriminiert aber werden sie nicht. Dafür fehlen in dieser Welt noch immer die entsprechenden Machtstrukturen.

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Bumsi 06.11.2018, 18:41
40.

Zitat von uhu_13
Die Autorin sollte sich einmal mit der deutschen Übersetzung von Affirmative Action, positive Diskriminierung, auseinandersetzen. Schon allein an der Übersetzung sieht man (Frau), dass Diskriminierung gegenüber gesunden, weißen, schlanken, intelligenten Männern möglich ist und sogar gesetzlich durchgesetzt wird. Das dies temporär notwendig ist, ist auch in meinen Augen unbestritten. Für Rasse und Geschlecht sollte es jedoch, auch meiner Meinung nach, in westlichen Industriegesellschaften mittlerweile auslaufen! Die Chancengleichheit ist erreicht. Das sich das Ergebnis noch nicht statistisch bestätigen lässt, ist ein Zeitproblem (Nachlauf im Regelkreis). Für Menschen mit besonderen Herausforderungen (ich erlaube mit das Unwort "Behinderte"), wird natürlich temporär eher ein Dauerzustand. Das liegt in der Natur der Sache und ist Hinzunehmen. Der Text der Autorin ist jedoch so einseitig, dass er als feministische Kampfschrift dienen kann.
Tiefgründigkeit kann man von dieser Kolummne nicht erwarten. Margarete Stokowskis undankbare Aufgabe scheint darin zu bestehen, komplexe Themen auf ein simpleres Niveau herunterzubrechen. Das soll keine Kritik an ihrer Arbeit sein. Aber wer sich tiefer in die angesprochene Thematik einließt, wird festellen das es nicht so einfach ist.

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RealSim 06.11.2018, 18:42
41. Das ist nicht in Ordnung

Zitat von Stäffelesrutscher
»In der deutschen Nachkriegszeit hat vermutlich niemand mehr Menschen getötet als Niels Högel, der als Krankenpfleger gearbeitet hat und seine Patienten vergiftete.« Oh doch. Andreas Lubitz, der Copilot von Germanwings. Und wenn man diejenigen dazunimmt, die Bombenabwürfe und Raketenabwürfe auf Jugoslawien oder Afghanistan befohlen haben, oder gar noch diejenigen, die durch Festlegung lascher Grenzwerte und durch mangelhafte Kontrollen für vorzeitige Tode von Menschen verantwortlich sind ...
Ihre ersten Einwände lasse ich alle gelten aber der letzte Abschnitt ist einfach nur haarsträubender Unsinn. Durch die Festlegung von Grenzwerten sind Null Menschen gestorben, außer derjenige ist mit dem Stift abgerutscht und hat sich eine Blutvergiftung dabei zugezogen.

Aber von welchem Niveau aus ist man denn gekommen? Die Grenzwerte waren ja viel höher bzw. gar nicht Vorhanden. Die Luftverschmutzung hat über die Zeit hinweg ABGENOMMEN. Die Menschen werden immer ÄLTER. Es ist völlig wirr in diesem Zusammenhang jemanden den Tod von Menschen anzulasten der durch Grenzwertsetzung eher Menschenleben GERETTET hat.

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vera gehlkiel 06.11.2018, 18:43
42.

Zitat von Jadama
Ich habe vor einigen Jahren kostenlose Nachhilfe für Schüler einer Hauptschule gegeben. Die Schulklassen dort waren hauptsächlich mit Schülern mit Migrationshintergrund belegt. Die wenigen Deutsch-deutschen Schüler dort hätten wohl sehr laut protestiert, wenn man versucht hätte ihnen klar zu machen, dass es keinen Rassismus gegen weiße geben kann. Einen Jungen hat es dort besonders hart getroffen. Einzige Lösung, die mir einfiel war, dass ich die Jungs einfach gesammelt von der Schule abgeholt habe. Strukturen gibt es ja schließlich nicht nur im großen sondern auch im kleinen und dieser Junge war innerhalb dieser kleinen Struktur deutlich benachteiligt
Genau das wird in dem Beitrag ja beschrieben: Diskriminierung steht immer in einem kontextuellen Bezug, den zu negieren ist entweder passiv aggressive Weinerlichkeit, oder aber durchschaubare Taktik. Helikoptereltern, die auf dem bei uns gegebenen Privileg der freien Schulwahl mit den Denkstrukturen der südafrikanischen Apartheid reagieren, vermitteln ihren eigenen Kindern da ein Schwächegefühl, welches sie selbst höchst wahrscheinlich in einer Art von reziproker Wechselwirkung auch dazu treibt, sich der Überflutungsmetaphorik von Rechtspopulisten und ähnlichen kläglichen Selbstaufgaben mit offener Ansage zu öffnen. Die von ihnen zu Recht thematisierten Problemschulen sind dann das Resultat. Dass "Deutsch-Deutsche", was immer dieser Neologismus uns genau sagen soll, dort in der Tat "gedisst" werden, ist traurig. Es liegt aber leider an der chronischen Furchtkultivierung unserer konsumistischen Mittelschichten. Die vor nichts grössere Angst haben, als dass es nächstes Jahr nicht mehr für den Dritturlaub reicht, und auch noch das Dienstwagenprivileg kippen könnte. Mit solchen Eltern "in petto" lässt sich wirklich nicht viel an Selbstsicherheit aufbauen, das ist sicher richtig beobachtet. Übrigens weiss ich, was gemobbt werden in der Schule heisst. Mein Vater hatte in dieser Phase meiner Beschulungskarriere immer jeden Trost bei der Hand, den er mir nur geben konnte. Er hätte allerdings niemals zugelassen, dass ich mich einfach so vom Acker mach. Ich wurde unter anderem wegen meiner angeblich hexerisch obskur changierenden grünbräunlichen Augen gemobbt, wegen meinen hellblonden Naturlöckchen, weil ich klein und zart war und leicht "slawische" Gesichtszüge hatte, wegen meinem eigentlich sehr apartem kleinem Überbiss, mein Vater ein armer Künstler war statt Arbeiter, etc.pp. Ein Grund findet sich in jedem Fall, sagte mein Vater dann, lass es dir niemals gefallen, auch wenn du mal Dresche kriegst. Aber wenn ich die Dresche gekriegt hatte, blieb er bei mir, bis nichts mehr weh tat. Und zog die zur Rechenschaft, die es getan hatten.

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jpinkman 06.11.2018, 18:43
43. Irgendwie rückwärts gewandt

Bei aller Sympathie für den Kampf um die gute Sache - sollten wir die Bewertung von Menschen nach ihren Attributen nicht irgendwann hinter uns lassen? Und sich darauf konzentrieren was Menschen tun, statt wie sie aussehen?

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jaka778 06.11.2018, 18:44
44. Vielleicht mal wieder Esther Vilar lesen

Der ganzen Dialektik von Oben und Unten ist nicht beizukommen wenn Unten ausschließlich versucht Oben für sich zu beanspruchen - wenn nicht Menschen (auf beiden Seiten der Unterscheidung) versuchen Diskriminierung in Form persistenter Unterscheidungen in etwas anderes, neues, freieres zu verwandeln. Der Friedhof der Ideen-Geschichte ist voll von Jakobinern, Kommunisten etc. denn kein Neugeborenes hat sich je entscheiden können auf welcher Seite der Unterscheidung es leben will. Das bedeutet Unterdrückung für beide Seiten. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen hat mal jemand gesagt.

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FuF 06.11.2018, 18:44
45. Denkfehler

Ja sie ist in Deutschland ausgesetzt, aber nicht abgeschafft und existiert in vielen Ländern noch: Die Wehrpflicht. Wenn diese keine bestens dokumentierte (im Grundgesetz verankert) systematische und strukturelle Diskriminierung von Männern ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Frau Stokowski begeht hier einen einfachen aber leider fatalen Denkfehler, den praktisch alle Feministen begehen: Dieser ist die Annahme, dass alle die zur selben Gruppe wie die Herrschenden gehören auch davon profitieren müssen und keiner von dieser Gruppe (Männer in dem Fall) Strukturell diskriminiert werden kann auf Grund des Geschlechts. Dem ist leider nicht offensichtlich nicht so, siehe oben. Ja, Männer sind seit Jahrhunderten an der Macht. Allerdings ist das immer ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung, früher galt das sogar noch mehr als heute. Der Durschschnittsmann hat in Fabriken und auf dem Acker geschuftet und wenn es Krieg gab durfte der Glückliche sein Leben stolz für das Vaterland/den Fürsten etc. opfern. Kurz gesagt: Früher litten alle unter Rigiden Rollen, die einen auf die eine, die anderen auf die andere weise. Heute wollen wir darüber hinwegkommen. Dann wäre es aber wichtig Diskriminierung auch Diskriminierung zu nennen.

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lupin 06.11.2018, 18:50
46.

People of Color ist ein Begriff den man schön in seiner überamerikanisierten Citavi Reading List lassen kann. Für die deutsche Wirklichkeit mit dem strukturell diskriminierten Ostdeutschen (weißen Mann!) und der gut situierten türkischen Anwältin in Offenbach ist diese Begrifflichkeit einfach zu stumpf. Aber um zu dieser Erkenntniss zu kommen, müsste man sich mehr Mühe geben als sich Filme aus der eigenen Bubble reinzufahren und lapidar wiederzukäuen was da so vermeintlich alles in den Tee gelesen wurde.

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wombinchen 06.11.2018, 18:52
47. Feminismus heute

Irgendwie habe ich bei SPON immer das Gefühl, dass der Feminismus in meiner Jugend (in den 1990er Jahren) wesentlich weiter war als heute. Ich habe es so in Erinnerung, dass damals z.B. sauber zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung differenziert wurde, und auch nicht alle Menschen in einen Topf geworfen wurden nur weil Sie zufällig das gleiche Geschlecht haben. Auch das generelle Mindset der prominenten und wortführenden Feministinnen war damals irgendwie zielführender. Es richtete sich mehr darauf aus, gesellschaftliche Probleme gemeinsam anzugehen, und weniger auf einen Geschlechterkrieg.

Wenn man heute dagegen Stokowski und Berg liest, ist das einfach nur von Hass getriebenes, unreflektiertes und völlig undifferenziertes Draufhauen auf "die Männer", die bekanntermaßen alle gleich, alle böse, und an allem Schuld sind. Wen oder was das weiterbringen soll, ist mir völlig schleierhaft.

Die Ironie, dass die vermeintlich ach so emanzipierten Kolumnistinnen sich durch ihr Selbstverständnis als vollständig machtlose Opfer quasi selbst in die maximal passive Frauenrolle degradieren, die Sie vermeintlich abschaffen wollen, schlägt dem Fass dann völlig die Krone ins Gesicht.

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Vex 06.11.2018, 18:53
48.

Zitat von m82arcel
Hm. Ich bin nun ein bisschen unsicher, ob ich die Frauenquote diskriminierend finden darf oder nicht. Einerseits bin ich ein weißer Mann und kann nicht diskriminiert werden, andererseits bin ich schwul und kann diskriminiert werden. Da ich männlich bin, nimmt die Quote mir Chancen und eine Schwulenquote zum Ausgleich gibt es nicht. Diese wäre auch schwierig umzusetzen, denn meine Sexualität möchte ich in einer Bewerbung um einen Posten ungern angeben oder gar beweisen müssen. Wie Intersexuelle zum Thema Frauenquote stehen, mag ich mir da gar nicht vorstellen. Quoten sind daher in jedem Fall eine systematische Diskriminierung. Und meiner persönlichen Meinung nach dürfen das auch heterosexuelle weiße Männer so sehen - männliche "People of Colour" übrigens auch. Daher ist es auch für heterosexuelle weiße Männer absolut in Ordnung zu fordern, dass Posten nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht vergeben werden. Dass dies noch immer zu häufig nicht geschieht, ist eine andere Frage. Die bisherigen Versuche zur Lösung sollte man trotzdem kritisieren dürfen. Wer dieses Recht einer Gruppe von Menschen aufgrund von Geschlecht oder Hautfarbe abspricht, diskriminiert diese Gruppe - auch, wenn es sich um heterosexuelle weiße Männer handelt.
Meine Erfahrung ist genau umgekehrt das Posten oft an Männer gehen obwohl sie nicht besser qualifziert sind sondern weil sie sich besser verkaufen.
Es zählt fast überall nur noch Fasade und Networking währen die Substanz unwichtig ist.

Und merkwürdig finde ich auch das gerade homosexuelle Männer oft Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe oder Sexualität strikt ablehnen aber meist Diskriminierung aufgrund sozialer Aspekte eher unterstützen. Man sollte denken sie wissen was Diskriminierung grundsätzlich bedeutet egal durch welche Faktoren bedingt.

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kirsch.bernhard 06.11.2018, 18:54
49. Danke, Frau Stokowski

Ich liebe die Kolummnen von Frau Stokowski, weil sie mir Zugang zu den Denkmustern von Menschen verschafft, die in einem anderen Universum wie ich leben.
Also was ich verstanden habe, ist, dass Strukturen diskriminieren und nicht Menschen und Schuld sind immer dicke alte weiße Männer. Zu dicken alten weißen Männer darf man sagen, sie sind Kartoffeln und die gehören zu Brei geschlagen. Armenier oder Deutsche umzubringen ist ok, weil sie weiß sind und wer sich daran stört, dass ein deutscher Nationalspieler vor einem Kurdenschlächter Scharrfüße macht, ist Rassist.
Habe ich das falsch verstanden?

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