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Diskurs über sozial Schwache: Ungebildet, faul und selber schuld?
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Über die sogenannte Unterschicht lachen? Geht immer. In seinem Buch "Proleten, Pöbel, Parasiten" analysiert Christian Baron, selbst Arbeiterkind, warum Linke untere Klassen so gerne abwerten.

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ky3 08.12.2016, 20:27
1.

Ein linker Populismus, der zu einer Aufhebung der Entfremdung zwischen Linken und Arbeitern führen soll?

Das hat noch nie nachhaltig geklappt.
Es ist wie bei den Wissenschaft-Sendungen im Fernsehen. Um auch die extrem uninteressierten und auch die ungebildeten vor die Science-Shows zu kriegen. Wurden in Leuchtnebel gehüllte CSI-Sendungen in denen Indiana-Jones-artige Wissenschaftler mit dem Hubschrauber über einem Versuchsaufbau absprangen. Die Folge war zuerst das mehr Ungebildete so was schauten aber am Ende das Vertrauen in Wissenschaft an sich dahin war. Nun glauben sie jeder Verschwörungstheorie im Internet, denn Wissenschaft muss ja Humbug sein.

Genau so würde linker Populismus enden, den es übrigens längst gibt.

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jpphdec 08.12.2016, 20:29
2. Quotientenkurve?

Also wenn ich mal unterstelle, daß der Intellekt der Dividend sein soll und die Kinderanzahl der Divisor, dann dürfte diese Aussage nicht nur in vielen, sondern in genau allen Fällen zutreffen und sagt genau gar nichts über die Größe des Dividenden aus. Ich kenne das Buch nicht, aber wenn diese einfache mathematische Erkenntnis so beabsichtigt war, Hut ab.

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katjastorten 08.12.2016, 20:45
3. Schuldig

Schantall und ihre Omma! Es war politisch nicht korrekt darüber zu lachen, gut das jetzt zu wissen. Ich lache aber genauso über andere Lebensentwürfe und am liebsten über mein eigenes Chaos. Wir sind nun mal nicht alle mit den gleichen Erbanlagen und in die gleichen sozialen Strukturen geboren. Daran wird sich nie etwas ändern, bewegen kann sich jeder nur allein. Und wenn er dabei auf die Schnauze fällt und ausgelacht wird: Aufstehen-weitermachen! Herr Baron hats geschafft, Glückwunsch!

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karljosef 08.12.2016, 20:48
4. Aus einem Vortrag eines Ex-Bundestagsabgeordneten:

Der (neo)christliche Politiker vertrat folgende These:
Langzeitarbeitslose sind:
- faul und
- ungebildet und
- unflexibel

Für jeden, der arbeiten will, gibt es heute Arbeitsstellen, behauptete er.

Auch er konnte allerdings meine Frage nicht beantworten, warum wohl die meisten 58-jährige Langzeitarbeitslose auf mysteriöse Art und Weise aus der Arbeitslosenstatistik entfernt werden.

Also Leute, die demnächst noch 9 Jahre arbeiten müssten.

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karljosef 08.12.2016, 20:53
5. Aus einem Vortrag eines Ex-Bundestagsabgeordneten:

Der (neo)christliche Politiker vertrat folgende These:
Langzeitarbeitslose sind:
- faul und
- ungebildet und
- unflexibel

Für jeden, der arbeiten will, gibt es heute Arbeitsstellen, behauptete er.

Auch er konnte allerdings meine Frage nicht beantworten, warum wohl die meisten 58-jährige Langzeitarbeitslose auf mysteriöse Art und Weise aus der Arbeitslosenstatistik entfernt werden.

Also Leute, die demnächst noch 9 Jahre arbeiten müssten.

Völlig unabhängig von der Flexibilität, Ausbildung und Arbeitswilligkeit.

Grüße von einem langzeitarbeitlosen Dipl.-Ing., der auch schon im Ausland gearbeitet hat und auch bereits ein Praktikum gemacht hat, für das er letzten Endes bezahlen musste!

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supergrobi123 08.12.2016, 20:57
6.

Zitat von jpphdec
Also wenn ich mal unterstelle, daß der Intellekt der Dividend sein soll und die Kinderanzahl der Divisor, dann dürfte diese Aussage nicht nur in vielen, sondern in genau allen Fällen zutreffen und sagt genau gar nichts über die Größe des Dividenden aus. Ich kenne das Buch nicht, aber wenn diese einfache mathematische Erkenntnis so beabsichtigt war, Hut ab.
Das haben Sie wohl nicht sinnerfassend gelesen. Bei der "Quotientenkurve des Intellekts" wird es sich wohl um die grafische Darstellung des Intelligenzquotienten handeln. Die laut Autor im selben Maße fällt, wie die Anzahl der Kinder steigt.
Wieviele Kinder haben Sie?
;)

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Newspeak 08.12.2016, 21:15
7. ...

Die linken Intellektuellen haben die Arbeiterklasse immer schon für ihre Zwecke instrumentalisiert und ausgenutzt und schon dadurch, ganz ohne oberflächliche Beschimpfung, zeigt sich die Abwertung. Wobei man selbst als Arbeiterkind feststellen muß, daß es viele Menschen gibt, die noch jedes dämliche Klischee erfüllen. Man braucht z.B. in Köln nur mal den ÖPNV benutzen, um festzustellen, daß es z.B. Menschen, die jeden dritten Satz mit "Isch schwör" anfangen oder beenden, wirklich gibt. Ganz ironiefrei. Und es ist ebenso eine immerwährende Wahrheit, daß der, der sonst gar nichts vorzuweisen hat, immer noch die Möglichkeit besitzt, andere abzuwerten. Auch linke Intellektuelle sind vielleicht auf eine Weise gebildet wie auf eine andere Weise dumm. Die Menschenverachtung ist nicht mit dem IQ oder dem akademischen Abschluß gekoppelt. Oder anders gesagt, A... gibt es überall.

Was ist zu tun? Vielleicht sollte man alles nicht ganz so wichtig nehmen. Die Zurschaustellung von Stolz und ähnliche Herabwürdigungsmechanismen sind, bei richtigem Licht betrachtet, immer lächerlich. Auch die aufgeblasenen Herabwürdiger sind nichts als behaarte Affen, die in 100 Jahren alle tot sein werden. Wenn man diesen Gedanken verinnerlicht, dann kommt man verständnisvoll und unaufgeregt und in sich lächelnd durch's Leben. Ich weiß, das ist auch ein wenig ignorant, aber wer bessere Vorschläge hat, die keine direkte Aggression beinhalten (das ist auch immer eine, zumindest gedankliche Alternative), möge schreiben.

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m.w.r. 08.12.2016, 21:25
8.

"Sozial schwach?" Verwechseln sie diese Zuschreibung nicht mit materiell schwach? Sozial schwach wäre im Sinne des Wortes jemand der nicht in adäquater Weise in der Lage ist ein Leben in Gemeinschaft führen zu können oder zu wollen. Selbst die Vertretung der nationale Armutskonferenz hat eine Liste mit sozialen Unwörtern veröffentlicht und mahntdas gemeint sein könnte das damit meistens Menschen, die wenig materielle Mittel haben gemeint sind. Das Problem: Im Begriff schwingt auch ein Urteil über die soziale Veranlagung mit. Dabei „verfügen arme Menschen genauso wie alle anderen über die Fähigkeit mit anderen Beziehungen einzugehen, sich um diese zu kümmern und sich in diese einzufühlen – kurzum sozial zu sein“, so die nationale Armutskonferenz.

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freigeistiger 08.12.2016, 21:25
9. Was soll das?

Der Artikel strotzt nur so von angelernten politisch korrekten Floskeln. Inhaltlich leer. Es muss unterschieden werden zwischen ökonomischer "Unterschicht" und erziehungs-=bildungsmäßiger Unterschicht. Diese Familienmitglieder stehen sich selber im Weg. Mangelnde erziehungsmäßgige Bildung, etwa gegenseitige Wertschätzung, vertrauensvolle Umgebung, emotionale Empathie und Kommunikationsfähigkeit werden ersatzweise ausgeglichen durch gegenseitiger Aggression. Jemanden hintergehen und behindern führt zu einem Erfolgserlebnis und Glücksgefühl. Aber alle Familienmitglieder kommen nicht weiter. und bremsen sich gegenseitig aus. Und sind darauf auch noch stolz. Erziehungsmäßig gebildete Menschen haben Freude daran, neues Wissen und Fertigkeiten zu haben. Und die Eltern müssen das vorleben. Prima Dokumentation dazu "Wir sind nicht arm, wir haben nur kein Geld." __ Anmerkung: Erziehungs-=bildungsmäßige Unterschicht ist weit verbreitet, unabhängig vom Einkommen. Deutschland ist ein erziehungsmäßiges Bildungsnotstandgebiet. Der Begriff Bildung ist seit Mitte der 1970er-Jahre zu einem lediglich "Schulabschluss haben" verkommen. Siehe auch z. B. Udo Di Fabio.

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