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Diskurs über sozial Schwache: Ungebildet, faul und selber schuld?
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Über die sogenannte Unterschicht lachen? Geht immer. In seinem Buch "Proleten, Pöbel, Parasiten" analysiert Christian Baron, selbst Arbeiterkind, warum Linke untere Klassen so gerne abwerten.

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mostly_harmless 09.12.2016, 08:47
60. Wir lachen über ....

... Nerds, Spiesser, Neureiche, Vorstadt-Frauen, etc. pp. Und natürlich auch Prolls. So what?

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RenegadeOtis 09.12.2016, 09:05
61.

Zitat von karljosef
Auch er konnte allerdings meine Frage nicht beantworten, warum wohl die meisten 58-jährige Langzeitarbeitslose auf mysteriöse Art und Weise aus der Arbeitslosenstatistik entfernt werden.
In der Tat mysteriös. Vor allem, da ich gerade in der letzten Monatsveröffentlichung diese Personen (>58 Jahre) explizit unter dem Punkt "Arbeitslose (sic!) nach § 16 Absatz 1 SGB III" in Zahlen aufgeführt sehe.

Schon mysteriös, wenn durch explizites Nennen des Personenkreises und die Bezeichnung desselben als "arbeitslos" man darauf schließt, sie seien "auf mysteriöse Art und Weise aus der Arbeitslosenstatistik entfernt" worden.

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medienhoppel 09.12.2016, 09:13
62. Teile und herrsche

Zitat von TS_Alien
Und für die besonders merkwürdigen Namen bei Kindern muss man Spott erwarten und ertragen. Man hätte doch auch andere Namen wählen können.
Ja, Adolf und Hermann zum Beispiel oder Klothilde, Walburga und Kunigunde.

Das allzu.menschliche Bedürfnis, sich selbst mühelos zu erhöhen, indem man andere verachtet, wird nur zu gerne benutzt, um divide et impera in allen Schichten der Bevölkerung zu verankern.

Kurzum, populistische Sprüche, Arroganz und Menschenverachtung sind allgegenwärtig. Selbst der langzeitarbeitslose 64-jährige kann mühelos auf Ausländer, Muslime, Behinderte uam herabblicken und diese verachten, mit Worten und Taten. Irgendein Flüchtlingsheim zum Anzünden findet man auch ohne Navi und Chauffeur.

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karl-ecker 09.12.2016, 09:21
63. Selten so eine Beihilfe zur Stigmatisierung gelesen

Es gibt ein altes Sprichwort: Das lautet: Hochmut kommt oft vor dem Fall. Das trifft hier zu. Und es ist völlig egal, ob es rechts- oder linkspopulistisch geäußert wird. Lösungen haben von den ganzen Möchtegerne - Intelligenzen so gut wie keiner anzubieten. Auch sind sie nicht in der Lage, den Gesamtzusammenhang zu überblicken: Sorge ich (der Überintelligente) dafür, dass eine Unterschicht entsteht, meist einkommensbehaftet, weniger nur dem mangelnden Intellekt geschuldet, so wird die Von-unten nach-Oben Verteilung irgendwann auch die Stigmatisierenden selbst treffen. Es gibt nämlich so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Trifft’s die dann nicht finanziell, geht oft die Gesundheit in die Binsen, vor lauter Anti - Liebe - Gefühlen gegenüber ihren Mitmenschen. comprende?

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murksdoc 09.12.2016, 09:25
64. Andere Übersetzung:

"Die Anzahl der in die Welt gesetzten Kinder in Familien ..steigt...proportional zur fallenden Quotientenkurve des Intellekts" heißt natürlich nicht:"... die grafische Darstellung des Intelligenzquotienten, die laut Autor im selben Maße fällt, wie die Anzahl der Kinder steigt". Sonst würden die Leute je blöder werden, desto mehr Kinder sie bekommen. Der Satz sagt, daß, wenn man die Gaussche Verteilungskurve der Häufigkeit von Intelligenzquotienten in einer bestimmten Bevölkerung betrachtet, die meisten Personen um den Mittelwert herum zu finden sind und nach oben und unten werden es immer weniger. Die grafische Darstellung davon ist die Glockenkurve, die früher auf dem 10-Mark-Schein war. Und dabei haben die, die sich im -s und -2s Bereich, also ein bis zwei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwertes befinden, mehr Kinder als die im +s und +2s Bereich. Der obige Satz ist die akademische Verklausulierung von: "Dumm f..ckt gut".

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medienhoppel 09.12.2016, 09:27
65. Lückenpresse oder bildungsfern?

Zitat von RenegadeOtis
In der Tat mysteriös. Vor allem, da ich gerade in der letzten Monatsveröffentlichung diese Personen (>58 Jahre) explizit unter dem Punkt "Arbeitslose (sic!) nach § 16 Absatz 1 SGB III" in Zahlen aufgeführt sehe. Schon mysteriös, wenn durch explizites Nennen des Personenkreises und die Bezeichnung desselben als "arbeitslos" man darauf schließt, sie seien "auf mysteriöse Art und Weise aus der Arbeitslosenstatistik entfernt" worden.
Man sollte sich schon über mehr als nur den reinen Gesetzestext informieren, da von 4,5 Millionen Beziehern von Hartz IV im erwerbsfähigen Alter fast 3 Millionen nicht als "arbeitslos" in der Statistik geführt werden. Die §§ des SGB II und III sagen nicht besonders viel darüber aus, wer warum oder auch nicht in der "offiziellen" Statistik und Zählweise oder gar den Pressemitteilungen als arbeitslos geführt wird. Auch hier gilt: Jeden Monat Zahlen veröffentlichen, die den Fünfjahresplan übertreffen und sich gut anhören: "Niedrigste Arbeitslosigkeit seit ...." ist halt eine schöne statistische Lüge, eben eine Lüge, bei der einfach viel verschwiegen wird.

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Kerze der Freiheit 09.12.2016, 09:27
66.

Zitat von Jor_El
Nein, auf Proleten darf man herunterschauen und man darf sie lächerlich machen. Nicht, weil sie ungebildet sind, sondern weil sie Bildung verachten. Proleten fallen durch ein übersteigertes unangemässenes Selbstbewußtsein auf. Wer einmal in einer Gewerkschaftsversammlung erlebt hat, wie Proleten aus Dummheit Reformen im Betrieb verhindert haben, die eigentlich ihre eigene Arbeitssituation verbessern sollten, kann nicht anders, als nur fassungslos den Kopf schütteln. Auch die eher übliche rechts-nationale Gesinnung zeigt die Verblödung einer ganzen Bevölkerungsschicht. Wir brauchen zumindest ein einheitliches Schulsystem auf Gymnasialniveau für alle.
Dann muss ich ja kein schlechtes Gewissen haben, dass ich die Mittelschicht verachte. Wessen kultureller Horizont nicht über Tatort und Harry Potter hinausreicht, wer Messer und Gabel so hält, dass es den Eindruck hat, dass er sich gleich die Hände bricht, wer sich nicht richtig anzieht und orangene oder rote Hemden zum schwarzen Anzug trägt, wer Französisch für eine schwere und unnötige Sprache hält und wer pseudovornehme Ausdrücke wie Toilette benutzt, hat einfach nichts anderes verdient. Da ist mir die Unterschicht in ihrer Natürlichkeit wesentlich lieber, die arbeiten meist wenigstens was anständiges und können sich im Supermarkt benehmen (von manchen Alkoholikern mal abgesehen).

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TeaRex 09.12.2016, 09:29
67. Proletariat vs. Lumpenproletariat

Arbeiter und Unterschicht einfach in einen Topf zu werfen, ist ein Fehler, den noch nicht mal Karl Marx gemacht hat. Sein Proletariat sind nicht die Proleten im heutigen Sinne, die Einzelkämpfer am alleruntersten Ende, sondern die finanziell auch relativ armen, aber doch selbstbewussten, zusammenhaltenden und aufstrebenden Lohnarbeiter.

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tomrobert 09.12.2016, 09:37
68. Reich wird arm und vice versa

Man nehme einen Wohlhabenden und mache ihn arm. Nach einer Weile wird er psychisch so zerbrechen, dass er sich selbst nicht mehr wieder erkennt. Er deformiert regelrecht zur
"Dumpfbacke". Das Spiel kann auch umgekehrt erfolgen.Aus jedem Armen kann ich eine respektable Person machen.
In der Tiefe erkenne ich erst, ob es sich um reiche Verwahrloste handelt, oder um eine wirklich starke Person, die auch durch Verarmung nicht intellektuell verwahrlost.
Das wäre dann eine wirkliche Elite!
Elite sind Menschen, die dem Materiellen und dem Klassendruck den richtigen Stellenwert zuzuordnen wissen,sich über Konventionen erheben können.

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dr.eldontyrell 09.12.2016, 09:43
69.

Zitat von m.w.r.
"Sozial schwach?" Verwechseln sie diese Zuschreibung nicht mit materiell schwach? Sozial schwach wäre im Sinne des Wortes jemand der nicht in adäquater Weise in der Lage ist ein Leben in Gemeinschaft führen zu können oder zu wollen. Selbst die Vertretung der nationale Armutskonferenz hat eine Liste mit sozialen Unwörtern veröffentlicht und mahntdas gemeint sein könnte das damit meistens Menschen, die wenig materielle Mittel haben gemeint sind. Das Problem: Im Begriff schwingt auch ein Urteil über die soziale Veranlagung mit. Dabei „verfügen arme Menschen genauso wie alle anderen über die Fähigkeit mit anderen Beziehungen einzugehen, sich um diese zu kümmern und sich in diese einzufühlen – kurzum sozial zu sein“, so die nationale Armutskonferenz.
Ich würde sogar behaupten (ohne belastbare Zahlen zu kennen oder zu haben) dass die soziale Kompetenz eines Menschen sich antiproportional zu seinem Einkommen und seinem gesellschaftlichen Status verhält.
Grade unter denen, die kaum etwas haben, gibt es viele Hilfsbereite. Vielleicht weil man es selber nachvollziehen kann, da man so etwas evtl. schon aus eigener Erfahrung kennt.
Den Silverspoonern sind solche Lebenssituationen unbekannt, da wird dann gerne mal abfällig "Selber schuld!" geblökt und eben nicht geholfen.

Auf der anderen Seite: Wie viele Hartz4-Empfänger haben damals bei der BTW die FDP gewählt, wie viele wählen heute die wirtschaftsliberale AfD? Da kann man als Linker auch schon einmal den Glauben verlieren. Aber da hilft nur Geduld, keine Häme oder Beleidigungen, das führt zu Trumpism.

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