Forum: Kultur
Diskussion um "Sprechverbote": Politisch korrekt - und stolz darauf!
Getty Images

"Ich werd' doch wohl mein Schimpfwort-Schnitzel essen dürfen!" Der Kampf gegen politische Korrektheit erlebt gerade ein Frühlingserwachen. Doch jede Gesellschaft braucht wohltuende Tabus - sie regeln unser Zusammenleben.

Seite 16 von 49
weltverkehrt 20.04.2019, 15:08
150.

Ich finde Sie vermischen hier völlig verschiedene Dinge. Verfolgung unter dem Nationalsozialismus betraf genauso auch Andersdenkende, Kritiker, Verweigerer. Hier geht es um etwas anderes.

Wir leben im Jahr 2019. Jeder andere Gitarrist mit jedem anderen Hintergrund hat das gleiche Problem. Man kann eine Musikrichtung oder auch ein Gericht, welches hierzulande von bestimmten Volksgruppen bekannt gemacht wurde, oder was an die Küche/Musikrichtung angelehnt ist, die diese mitbrachten, immer gut oder schlecht finden. Unabhängig davon, wer das an-/darbietet. Zigeunerschnitzel, ein Schnitzel mit eben nicht typisch deutscher Beilage, sondern einer Beilage und Würzung, ähnlich der Küche aber eingedeutscht wie sie u.a. Sinti und Roma als bekannteste Vertreter aus Osteuropa und vom Balkan regelmßig mitbrachten, hat nunmal rein gar nichts mit der Person zu tun, die es zubereitet. Entweder mag man die Würze oder nicht. Es ist wie bei der Tonleiter eine grundsätzlich andere Ästhetik und Prägung, die eben durch die Völkerwanderungen innerhalb Europas hierzulande bestimmten Gruppen typischerweise zugeordnet wurde. Genauso wie bestimmte Gewürze als italienische Kräuter oder indische Würzmischung bekannt sind, wie man es genauso für bestimmte Würzmischungen für die Türkei geläufig machen könnte (Geschnetzeltes türkischer Art könnte sich jeder sofort geschmacklich vorstellen, auch wenn "kurdischer", "syrischer" oder "irakischer" Art evtl. für hiesige Geschmäcker kaum anders schmecken würde, wenn jemand aus Deutschland dies umsetzen würde. Fragen Sie einen Italiener nach deutscher Pizza). Die Vorstellung ist doch absurd, dass jemand für eine Musikrichtung und seine Herkunft geschätzt wird, und nicht für sein Können. Umgekehrt erübrigt sich: Wer nichts kann, also auch sonst nichts, außer über eine Herkunft zu verfügen, wird auch für nichts geschätzt werden. Dass im dritten Reich bewusst Gruppen herausgegriffen wurden, unterschiedlichster Herkunft (auch Polen oder Russen wurden stigmatisiert), hatte mit ihrem Beruf oder musikalischem Talent nun wirklich nichts zu tun. Was erwarten Sie denn? Dass, wenn Sie nach Frankreich kommen und sagen, "Guten Tag, ich bin übrigens Deutscher", alle sagen, "na dann immer hereinspaziert, bedienen Sie sich, wie viele Wochen wollen Sie denn mietfrei bleiben? Wir wollten hier schon immer einer Deutschen sehen. Wie praktisch, dass Sie gerade hier sind."

Beitrag melden
chrischiwink 20.04.2019, 15:09
151. Sprachpolizei. Wow.

Selbsternannte und übereifrige "Polizisten" erreichen nach meiner Einschätzung stets zielgenau das Gegenteil von dem, was Sie wollen: Abwehr.

Beitrag melden
Ottokar 20.04.2019, 15:10
152. Nur ein Satz zur Erwiderung

Auf Minderheiten herumzutrampeln, ist keine Freiheit, sondern eine Frechheit. Stimmt! Wenn Minderheiten gegenüber der Mehrheit ihre Sitten und Gebräuche durchsetzen wollen ist das keine Frechheit mehr sondern eine Unverschämtheit, Frau Ataman.

Beitrag melden
weltverkehrt 20.04.2019, 15:13
153.

@Secret77 - Nr.87

Ich finde Sie vermischen hier völlig verschiedene Dinge. Verfolgung unter dem Nationalsozialismus betraf genauso auch Andersdenkende, Kritiker, Verweigerer, Homosexuelle, ... genauso aber auch Deutsche, die eine Behinderung hatten. Hier geht es um etwas anderes.

Wir leben im Jahr 2019. Jeder andere Gitarrist mit jedem anderen Hintergrund hat das gleiche Problem. Man kann eine Musikrichtung oder auch ein Gericht, welches hierzulande von bestimmten Volksgruppen bekannt gemacht wurde, oder was an die Küche/Musikrichtung angelehnt ist, die diese mitbrachten, immer gut oder schlecht finden. Unabhängig davon, wer das an-/darbietet. Zigeunerschnitzel, ein Schnitzel mit eben nicht typisch deutscher Beilage, sondern einer Beilage und Würzung, ähnlich der Küche aber eingedeutscht wie sie u.a. Sinti und Roma als bekannteste Vertreter aus Osteuropa und vom Balkan regelmßig mitbrachten, hat nunmal rein gar nichts mit der Person zu tun, die es zubereitet. Entweder mag man die Würze oder nicht. Es ist wie bei der Tonleiter eine grundsätzlich andere Ästhetik und Prägung, die eben durch die Völkerwanderungen innerhalb Europas hierzulande bestimmten Gruppen typischerweise zugeordnet wurde. Genauso wie bestimmte Gewürze als italienische Kräuter oder indische Würzmischung bekannt sind, wie man es genauso für bestimmte Würzmischungen für die Türkei geläufig machen könnte (Geschnetzeltes türkischer Art könnte sich jeder sofort geschmacklich vorstellen, auch wenn "kurdischer", "syrischer" oder "irakischer" Art evtl. für hiesige Geschmäcker kaum anders schmecken würde, wenn jemand aus Deutschland dies umsetzen würde. Fragen Sie einen Italiener nach deutscher Pizza). Die Vorstellung ist doch absurd, dass jemand für eine Musikrichtung und seine Herkunft geschätzt wird, und nicht für sein Können. Umgekehrt erübrigt sich: Wer nichts kann, also auch sonst nichts, außer über eine Herkunft zu verfügen, wird auch für nichts geschätzt werden. Dass im dritten Reich bewusst Gruppen herausgegriffen wurden, unterschiedlichster Herkunft (auch Polen oder Russen wurden stigmatisiert), hatte mit ihrem Beruf oder musikalischem Talent nun wirklich nichts zu tun. Was erwarten Sie denn? Dass, wenn Sie nach Frankreich kommen und sagen, "Guten Tag, ich bin übrigens Deutscher", alle sagen, "na dann immer hereinspaziert, bedienen Sie sich, wie viele Wochen wollen Sie denn mietfrei bleiben? Wir wollten hier schon immer einer Deutschen sehen. Wie praktisch, dass Sie gerade hier sind."

Beitrag melden
irobot 20.04.2019, 15:17
154.

Zitat von argumentumabsurdum
Da fällt mir noch eine Anekdote aus dem letzten Herbst ein: Ich saß mit einem Freund in einem Bistro beim Kaffee; er gebürtiger Hanoveraner aber seiner senegalesischen Herkunft wegen schwarz wie Kunta-Kinte. Er fing gerade einen Satz mit den Worten an:"Ich als Schwarzer..." - und wurde vom Nachbartisch her zurecht gewiesen, es heiße doch bitte "Afro-Amerikanisch"... Muss ich erwähnen, das betreffender Freund noch nie in Amerika gewesen ist?
Erinnert mich an Studienkollegen aus Kamerum. Den hab ich auch mal gefragt, als was er denn bezeichnet werden möchte. Zuerst hab ich ihm erzählt, dass meine Eltern aus Gewohnheit noch Neger sagen (war in den frühen 90ern).
Er: nee, das klingt wie Nigger und erinnert an Sklaverei und Unterdrückung, mag ich nicht.
Ich: Und was ist mit Farbiger (damals üblich)?
Er (entsetzt): Farbiger? Ich bin doch nicht rot-grün gesprenkelt. Ich bin schwarz und stolz darauf.
Hab das mal einem Rudel Sprachpolizisten erzählt und bekam als Reaktion: "dann hatte der nicht das richtige Bewusstsein".

Beitrag melden
zeisig 20.04.2019, 15:20
155.

Zitat von Saure Gurke
Auf die Schokolade gehört er nicht. Aber es gibt nun mal die koloniale Vergangenheit. Und da muss man auch zeigen können, wie sehr sie ins Alltagsleben vorgedrungen ist.
Zum Thema Sarotti Mohr. Wenn Sie sich an dem stören, dann können Sie den weißen Jungen auf der Brandt-Zwieback-Packung auch gleich mit verbieten. Wenn schon, dann gleiches Recht für Alle.

Beitrag melden
Juro vom Koselbruch 20.04.2019, 15:21
156. Kann Ihnen nur zustimmen

Zitat von Toto Yoka
Die in der Überschrift vermittelte Gleichsetzung von Anstand und Political Correctness ist vermessen - die Konzentration auf die Sprache geht völlig am Thema vorbei. Wer glaubt, dass Diskriminierung in der Verwendung von Vokabeln begründet liegt, hat ein Wahrnehmungsproblem. Wurde der Pay-Gap durch die Verwendung von Sternchen auch nur um einen Cent vermindert? Hat sich in der Behandlung von Afrikanern irgend etwas verbessert, nur weil diverse Vokabeln nicht mehr verwendet werden? Und wie hat die Umbenennung von mit Schokolade überzogenen Schaumwaffeln Diskriminierung abgebaut? ...Wer ernsthaft überzeugt ist, mit dem breitflächigen Austausch von Vokabeln irgend etwas besser zu machen, hat nicht verstanden, was Diskriminierung eigentlich ist! Also kümmert Euch um den Kern der Probleme und hört auf, Eure Umgebung mit semantischer Besserwisserei zu nerven!
Einige meiner Gymnasialmitschüler sprachen von der damals so genannten Hilfsschule als "Brettergymnasium". Sie waren auch noch stolz auf ihre üble Art, ihr erbärmliches "Selbstbewusstsein" aufzublasen.

Aus dem sehr treffend und menschlich gemeinten Begriff Hilfsschule (Bedürftigen wird geholfen) wurde dann die Lernbehindertenschule. Der allgemeine Spott ging weiter. Dann wurde daraus die Förderschule. Der Spott ging weiter.
Der Aberwitz war aber besonders deutlich, als regional vor einigen Jahren in einer anderen Sonderschulart der diagnostisch zutreffende Begriff "vehaltensgestört" allen Ernstes durch "verhaltensoriginell" ersetzt werden sollte. Aber das "Experiment" ist vorbei.

Mit einem Spötter muss man keinen Wettlauf umd das "anständige" Wort machen. Er wird jedem "anständigen" Begriff ganz fix eine andere sprachliche Giftelei entgegensetzen. Das "Rennen" verliert man.

Beitrag melden
Liberalitärer 20.04.2019, 15:22
157. Ernsthaftigkeit

Zitat von isar56
... Sorry, alles was bis zum Erbrechen überzogen wird droht an Ernsthaftigkeit zu verlieren, soll heißen: auf dem Teppich bleiben.
Das ist teilweise eine Scheindiskussion, ein Begriff ist auch nur eine Hülle, der mit Leben gefüllt werden will.

Man kann den Begriff Nationalismus höchst unterschiedlich füllen, man kann auch den Begriff Eigentum unterschiedlich füllen, das geht eigentlich immer. Die Sprachpolizisten, vor denen Orwell eindrücklich gewarnt hat, wissen das genau. Natürlich lässt sich auch der Begriff Sprache oder Polizei transformieren. Die Polizei war in D nicht immer nur Freund und Helfer. Da der Mensch nun mal in Begriffen denken muss ist das zuweilen schwierig und andere Kulturen haben zuweilen andere Taboos oder Regeln, das ist auch nicht ganz neu.

Bsp: Der Spiegel Artikel über die bösen Spanier und die Inka, klar das kommt an, aber die Inka waren eine Militäraristokratie, die massenhaft zwangsumgesiedelt und verschleppt haben. Das rechtfertigt das Verhalten der Spanier nicht, aber ohne Verbündete aus den Reihen der Unterdrückten wären sie krachend gescheitert.

Beitrag melden
fritzberg1 20.04.2019, 15:22
158.

Zitat von
....Selbst "Ausländer" soll man die Ausländer heute nicht mehr nennen - die heißen jetzt Migranten oder "Menschen mit Migrationshintergrund".
Es ist halt nun mal so dass Begriffe gelegentlich zu Schimpfworten verkommen.
Bezeichnet man "Ausländer" zukünftig als "Migranten" kann es sein dass das Wort "Migrant" auch als rassistisch abwertender Begriff verwendet weit. Und dann? Nennt man "Migranten" in "Zuwanderer" um? Kann sein dass auch dieses Wort irgendwann zum abwertenden Begriff wird und wie nennt man die Menschen dann? "Bürger aus anderen Regionen". Und wenn das wieder......
Das könnte man beliebig fortsetzen.
Sprachregelung helfen nicht im geringsten diese Probleme im menschlichen Zusammensein zu lösen.
Im übrigen gibt es auch andere Beispiele wie ganz normale alltägliche Begriffe zu Beleidigungen umfunktioniert werden.

Beitrag melden
kh.frey 20.04.2019, 15:23
159. Politisch korrekt bis zum Umfallen.

Politisch korrekt bis zum Umfallen war man auch in der DDR. Da gab es dann statt Sprachpolizei die Gesinnungspolizei.
Das Ende der DDR ist bekannt.

Ach ja-morgen kommt DER Osterhase.
Und nicht die Osterhäsin.
Und nicht der Genderhase.

Beitrag melden
Seite 16 von 49
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!