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Diskussion um "Sprechverbote": Politisch korrekt - und stolz darauf!
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"Ich werd' doch wohl mein Schimpfwort-Schnitzel essen dürfen!" Der Kampf gegen politische Korrektheit erlebt gerade ein Frühlingserwachen. Doch jede Gesellschaft braucht wohltuende Tabus - sie regeln unser Zusammenleben.

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medimai 20.04.2019, 20:13
250.

Ich hatte keinerlei negativen Assoziationen mit dem Begriff Zigeunerschnitzel, hätte aber auch absolut kein Problem damit darauf zu verzichten. Aber was mir eigentlich durch den Kopf ging, es finde es immer wieder interessant, dass es völlig okay ist - ich sehe das selber auch so - wenn Personen mit einem Migrationshintergrund die Deutschen kritisieren. Nur umgedreht ist das kaum möglich, dann fällt das sehr schnell unter Rassismus.

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AndreasBL 20.04.2019, 20:27
251. Sowas kann man nur mit Ironie nehmen

Bravo, Frau Ataman, Sie machen es auch nicht besser als jene Leute, denen man Populismus vorwirft: was einem nicht passt, wird schlecht gemacht. Ihren Platz irgendwo zwischen Schneeflöckch-Wehwehchen, Gedankenpolizisten und Faktenverdrehern haben Sie auf sicher.

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norath 20.04.2019, 20:37
252. Mauscheln

In vielen Texten, die sich politisch korrekt geben und sämtliche Geschlechter berücksichtigen, findet sich für die Ethnie, nach der Jimi Hendrix seine "Band of Gypsys" benannt hat, nur die Formulierung „Sinti und Roma“. Man beschränkt sich dort auf die männliche Form. Ist das sexistisch und antiziganistisch? Oder ist das der Ausdruck eines unreflektierten, elitistischen und damit alles andere als emanzipatorischen Distinktionsbedürfnisses, zu dessen Befriedigung man sich der Sprache bedient?
Viele Menschen benutzen das Wort „Zigeuner“ als Schimpfwort. Das hat dieses Wort mit dem Wort „Jude“ gemeinsam. Wer das Wort „Jude“ als Schimpfwort benutzt, ist antisemitisch, eine wertfreie Nutzung ist unverdächtig. Die Verwendung des Wortes „Zigeuner“ gilt im Sinne der PC immer als Schimpfwort.
Demgegenüber verwendet man auch in der Qualitätspresse die antisemitisch konnotierten und stets negativ belegten Wörter „mauscheln“ und „Mauschelei“. Das verstehe, wer kann.

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Jamesteakirk 20.04.2019, 20:43
253. Moralischer Narzißmus

Ich habe das Wort "Zigeuner" nie als abwertend, sondern als neutralen Begriff empfunden. "Sinti und Roma" hingegen empfinde ich als künstlich und konstruiert, eben politisch korrekt. Ich werde das Wort und das Schnitzel immer so verwenden - ohne Gewissensbisse.

Bin ich "rechts", wenn ich die sogenannte "geschlechtergerechte Sprache" als weltfremdes Hirngespinst von ideologisierten und unfähigen "Linguisten" ablehne?

Mir scheint, daß Frau Ataman nicht wirklich weiß, was politische Korrektheit ist. Es ist das Immer-besser-sein-Wollen eines bestimmten akademischen Milieus, eine Art moralischer Narzißmus. Ich hoffe inständig, daß das deutsche Volk Widerstand gegen diesen Unsinn leistet.

Vieles, was das erwähnte akademische Milieu als "unanständig" empfindet, ist nichts weiter als Meinungsfreiheit, Tradition oder die nackte Wahrheit, die nicht so recht ins pseudoprogressive und pseudolinke Weltbild passen wollen.

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der Krieger 20.04.2019, 20:55
254. Political Correctness ist eine feine Sache, aber ...

... Heuchelei ist & bleibt Heuchelei. Wenn wir es so schlimm finden, dass die USA auf Genozid gegründet wurden, wieso gibt es dazu keine Beschlussfassung des Bundestages wie beim Völkermord an den Armeniern? Immerhin war letzterer ein Klacks gegen die Millionen von Menschen, die in Amerika ermordet wurden. Und warum ist es vor diesem Hintergrund schlecht, wenn Kinder sich mit den amerikanischen Ureinwohnern identifizieren? Verharmlost wird dadurch nicht unbedingt etwas. Ich selbst wusste jedenfalls schon als kleiner Karl-May-Leser, wie übel die Weißen den "Indianern" mitgespielt haben. Also, irgendwie Sinn ergeben müssen Anstands-Regeln schon auch, bei aller Sympathie für das Anliegen der Autorin.

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ELOquenz 20.04.2019, 21:14
255. "Zigeuner" nie als abwertend, sondern als neutralen Begriff empfunden

Zitat von Jamesteakirk
Ich habe das Wort "Zigeuner" nie als abwertend, sondern als neutralen Begriff empfunden. "Sinti und Roma" hingegen empfinde ich als künstlich und konstruiert, eben politisch korrekt. Ich werde das Wort und das Schnitzel immer so verwenden - ohne Gewissensbisse. Bin ich "rechts", wenn ich die sogenannte "geschlechtergerechte Sprache" als weltfremdes Hirngespinst von ideologisierten und unfähigen "Linguisten" ablehne? Mir scheint, daß Frau Ataman nicht wirklich weiß, was politische Korrektheit ist. Es ist das Immer-besser-sein-Wollen eines bestimmten akademischen Milieus, eine Art moralischer Narzißmus. Ich hoffe inständig, daß das deutsche Volk Widerstand gegen diesen Unsinn leistet. Vieles, was das erwähnte akademische Milieu als "unanständig" empfindet, ist nichts weiter als Meinungsfreiheit, Tradition oder die nackte Wahrheit, die nicht so recht ins pseudoprogressive und pseudolinke Weltbild passen wollen.
Dazu ein Zitat vom Zentralrat der Sinti und Roma und deren "EMPFINDUNGEN" zu dem Begriff "Zigeuner":

"Die Begriffe Sinti und Roma sind nicht, wie häufig unterstellt, „politisch korrekte“ Erfindungen der Bürgerrechtsbewegung, sondern tauchen in Quellen bereits seit dem 18. Jahrhundert auf. Seit vielen Jahren werden die Eigenbezeichnungen „Roma“ bzw. für den deutschen Sprachraum „Sinti“ auch in den internationalen Organisationen (OSZE, Europarat, Europäische Union, UNO) offiziell geführt. So gibt es bei der OSZE seit Beginn der Neunziger Jahre den „Contact Point for Roma and Sinti Issues“.

Die Bezeichnung „Zigeuner“ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist.

Wer dafür plädiert, den Ausdruck „Zigeuner“ als Sammelbezeichnung „wertneutral“ zu verwenden, blendet nicht nur diesen historischen Kontext aus. Er ignoriert auch völlig den heutigen Gebrauch in der Umgangssprache, in der „Zigeuner“ immer noch als Schimpfwort benutzt wird: In den einschlägigen rechtsextremistischen Internetforen gehört dieser Begriff, samt den dazu gehörigen verleumderischen Inhalten, ebenso zum gängigen Vokabular wie in Fußballstadien, wo Fans gegnerische Mannschaften mit „Zigeuner“ oder „Zigeunerpack“ beschimpfen."

Quelle: https://zentralrat.sintiundroma.de/sinti-und-roma-zigeuner/

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interessierter Laie 20.04.2019, 21:18
256. @Jamesteakirk

und damit liegen sie sogar gar nicht falsch, den tatsächlich benutzen auch die damit bezeichneten diesen Begriff häufiger als das Pendent. Auch Menschen aus dem Ausland würden sich wohl eher als Ausländer bezeichnen als "Mensch mit Migrationshintergrund". Generell bin ich der Auffassung der Autorin. Es ist definitiv keine Frage von Freiheit, auf Diffamierung und Beleidigung zu verzichten. Aber erstens kann dasselbe Wort von jemandem auch völlig wertneutral genutzt werden. Zweitens ist auch nicht davon auszugehen, dass ein neues Synonym daran irgendetwas ändert. Und drittens und dadurch führt das zu einem ewigen sprachlichen Rückzugsgefecht, denn sobald auch das Synonym missbraucht wird, muss es ja ersetzt werden. Am schlimmsten ist es allerdings, wenn dadurch am Ende die Selbstbezeichnung einer Gruppe geächtet wird und man sich nicht mehr natürlich so nennen darf.

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mucschwabe 20.04.2019, 21:18
257. @ k70-ingo Nr. 238

Ich bin in den 80ger Jahren aufgewachsen. Damals war das N-Wort nicht tabu. Es wurden gab auch üble Namen für Juden oder Homosexuelle, die in der Gesellschaft alltäglich waren. Ich bin damals damit aufgewachsen. Grauenhaft. Dann sagt plötzlich kaum einer diese Worte und es war ebenso alltäglich. Heute kämpft vor allem die AfD, diese Ausdrucksweisen wieder ohne Widerspruch aus der Gesellschaft verwenden zu dürfen. Gutes Beispiel ist das Wort Zigeuner, das hier im Forum besonders stark verteidigt wird. Zitat Duden (einfach Googeln) : Die Bezeichnung Zigeuner, Zigeunerin wird vom deutschen Zentralrat der Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt. (Zitatende). Das bedeutet logischer Weise, dass wenn jemand es trotzdem benutzt er diese Volksgruppe diskriminiert. Wenn eine Partei möchte, das dieses Wort wieder zum allgemeinen Sprachgebrauch gehört, will diese Menschen allgemeinen Diskriminierungen aussetzen. Was gibt es da zu diskutieren?

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m.breitkopf 20.04.2019, 21:28
258. Nachhilfe kann nie schaden

Nachdem ich es bereits ein paar Mal gelesen oder gehört habe, muss ich sagen: Ich habe es kapiert. Ich bestelle kein Schimpfwort-Schnitzel mehr und ich verwende auch kein N-Wort. Und, mit Verlaub, ich habe es vorher auch nicht verwendet. Na gut, der Text richtet sich ja auch an andere. Trotzdem stellt sich wohl bei manchem irgendwann so eine Art PC-Saturiertheit ein.
Egal. Jedoch: Wie wird man eigentlich Fürsprecher für Indianer, Schwarzafrikaner, Sinti und Roma und Menschen mit Migrationshintergrund und viele andere? Irgendwas muss die Autorin dem Normalo-Leser voraushaben? Vielleicht den Stolz auf die eigene Politische Korrektheit...

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kanotus54 20.04.2019, 21:35
259. Schade!

Schade, der Artikel beschreibt „political correctness“ mal weder an Dingen, die mit „political correctness“ nichts zu tun haben. Es geht bei diesem Konzept nämlich nicht um die Vermeidung bestimmter Wörter, Phrasen oder Gewohnheiten, sondern einfach darum, Rücksicht auf die Umstände des anderen zu nehmen. Empathie eben. Dass hier wieder das berühmte Zigeunerschnitzel zur Schau gestellt wird, schafft Wasser auf die Mühlen der Sprachnazis und Ewiggestrigen, die dann aber leider auch zur unpassenden Verallgemeinerung und Rundumschlag im tatsächlichen politischen Raum ausholen.
Es macht überhaupt nichts, wenn jeder seine Sprachgewohnheiten pflegen darf. Sich daran aufzuhängen, wie jemand spricht schafft nur Probleme. Solange im öffentlichen Raum die Diskussion darüber tolerant geführt wird und niemand (auch nicht wegen seiner Sprachgewohnheiten) ausgegrenzt wird, läuft das so ab wie bei der Rechtschreibreform: Niemand wollte sie haben, aber sie setzt sich unaufhaltsam durch. In diesem Sinne: Hört endlich auf, es immer wieder zum Reizthema zu machen...

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