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Diskussion um "Sprechverbote": Politisch korrekt - und stolz darauf!
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"Ich werd' doch wohl mein Schimpfwort-Schnitzel essen dürfen!" Der Kampf gegen politische Korrektheit erlebt gerade ein Frühlingserwachen. Doch jede Gesellschaft braucht wohltuende Tabus - sie regeln unser Zusammenleben.

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a.nahrmann 20.04.2019, 22:51
270. Freud

Auf Frau Atamans Kolumne trifft Sigmund Freuds Analyse zum "Verhältnis von Tabu und Projektion" lehrbuchartig zu : "Das Verbot, die ethnische Herkunft eines Menschen (Zigeuner, Mohr usw.) anzusprechen, ist Ausdruck einer Projektion, bei der die Empörten ihre eigenen feindseligen Gefühle auf jene richten, die den tabuisierten Sachverhalt benennen."

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demokratie-troll 20.04.2019, 22:53
271. Propagandalautsprecher

Man kann alles sagen, ohne dass die Sprachpolizei kommt und einen wegzensiert. Das ist fein. Sprechverbote sind dumm und unaufgeklärt. Man kann Scheiße sagen und Ficken, es gibt keine Tabus. Tabus sind steinzeitlich, das böse Zauberwort, das jemanden verhext und den Hexer verbrennt, ist Mittelalter.
Wer in der Vergangenheit ein Zigeunerschnitzel auf der Speisekarte hatte, wollte kein Ekelgeschäft betreiben, mit Schimpfwörtern machte man auch damals im Restaurant kein Geschäft und auch der Negerkuss konnte nicht seine Verkaufswirkung entfalten als Süßspeise mit Negativbezeichnung. Auch Pipi Langstrumpf war nie eine Hetzschrift und Adorno verwendete in der Dialektik der Aufklärung das Negerwort schwerlich als Schimpf, um eine Bevölkerungsgruppe herabzusetzen.
Die nachträgliche Bereinigung unserer Literatur bleibt eine Verfälschung, die Geschichte umschreiben will, damit sie ins ideologische Konzept gezwängt werden kann. Das ist reine Gegenaufklärung der faschistischen Art.

Sprache wurde stets auch zu Abgrenzungszwecken verfremdet, der Intellektuellensprech sollte den markieren, der nicht dazu gehört, weil ihm die Vokabeln fehlen.
Jedes Milieu hat seine Erkennungszeichen, der Schwabe will nicht mit dem Franken verwechselt werden im Dialekt.
Wer es aber für moralisch hält, Sachverhalte nicht mehr erkennbar benennen zu können, damit aus dem Geist geschafft werden soll, was aus der Welt nicht zu schaffen ist, ist ein Anhänger des Orwellschen Neusprechs, die Sprache auf die reine Verdummung reduzieren will.
Es geht nie um Moral im Meinungskampf, die Moral wird nur instrumentalisiert, es geht um die Meinungsherrschaft, die jegliche kritische Infragestellung aus den Weg schlägt, um zum Monopol zu werden. Der Dialog soll zum Monolog verkommen, die Diskussion getilgt im Lärm der Propagandalautsprecher.

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Crom 20.04.2019, 23:03
272. @267

Viele Vietnamesen haben weiterhin einen vietnamesischen Pass. Ausländer kann daher auch jemand sein, der schon lange oder in zweiter gar Dritter Generation hier lebt. Meine Frau ist auch Ausländerin. Dieser Status hat sich durch Ehe oder Seßhaftigkeit in Deutschland nicht geändert.

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RGM 20.04.2019, 23:04
273. Bodensatz der Schande

Wer sich gegen politische Korrektheit positioniert, gehört für mich zu dem Teil der Menschen in Deutschland, für die man sich schämen muss. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass dieser peinliche Bodensatz unserer Zivilisation zugenommen hat. Diese Leute können sich nun in den sozialen Netzwerken uneingeschränkt blamieren, während ihre Leserbriefe früher im Papierkorb gelandet sind.

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zzipfel 20.04.2019, 23:18
274. Lächerlich ...

meinereiner war paar Jahre mit Zigeunern befreundet (bis die in die USA gegangen sind) und die haben sich selbst Zigeuner genannt und mir gesagt, ich soll nicht so herumkrampfen, sie seien Zigeuner und stolz drauf. Und werden nicht aufs "ziganski" verzichten, nur weil paar politsch-korrekte Betschwestern beiderlei Geschlechts das so verlangen, um damit überhaupt eine Geschäftsgrundlage zu haben, denn sonst wären diese törichten pc-Betschwestern arbeitslos oder müßten einen richtigen Job machen.

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kajoter 20.04.2019, 23:24
275. Es geht nicht um die Political Correctness an sich, ...

... sondern um die Auswüchse. Und deshalb stehe ich dazu, mich nicht um PC zu scheren.
Bill Maher sagte ganz treffend: Die jeweiligen Gründe für politisch korrekte Regeln haben meistens einen recht vernünftigen Grund. Doch die darauf folgenden Konsequenzen führen allzu häufig nach Absurdistan.
Beispiel: Eine Berliner Rechtsanwältin möchte erreichen, dass Knabenchören, die trotz Aufforderung keine Mädchen aufnehmen wollen, sämtliche öffentlichen Zuschüsse - so denn welche fließen - gestrichen werden, um sie zum Umdenken zu bewegen.
Oder: Es heißt nun bei Kirchen - wo auch sonst ..... - statt Mitarbeiter: Mitarbeitende. Gut, dann werden wir uns zukünftig auf Fußgehende, Bittstellende und ähnliche sprachliche Verquastheiten gefasst machen.
Ein weiterer Grund: Ich bemühe mich, niemanden zu diskreminieren, zu beleidigen oder was es sonst noch an zwischenmenschlichen Bösartigkeiten geben mag. Aber ich will dieses aus eigenem Willen, aus eigener Erkenntnis tun und nicht, weil man es eben so machen sollte. Ich bin alt genug, um selbst entscheiden zu können. Und so betrachte ich die gesamte PC-Welle als Ausgeburt der Kleingeistgkeit und zugleich als eine Beschneidung meines Grundrechts auf freie Meinungsäußerung.
Insgesamt: Ein für mich ungenießbares, inakzeptables Gesamtpaket.

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stefan.martens.75 20.04.2019, 23:24
276. Was hat PC mit Anstand zu tun

So mal rein gar nichts.
Schon die Überschrift verleidet einem das lesen.
Da kann ich auch schreiben rechts national und froh in Deutschland geboren zu sein.

Letzteres unterschreibe ich blind ersteres bekämpfe ich inbrünstig.

Anstand und benehmen sowie auch Mitmenschlichkeit oder schlicht Humanität haben mit PC nicht das geringste zu tun.

PC ist Problemverursachung und anschließende Bekämpfung aufgrund soziologischer Theorienbildung.
Und wenn wir uns schon in diesen universitär ideologischen Bereich begeben, dann halte ich auch vom Anstand wenig, sondern bevorzuge die Sittlichkeit.

Das schlichte zur Schau Stellung von ethisch-moralischer Erwartungshaltung ist ähnlich hohl wie das Ideal des Gentleman.

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swerd 20.04.2019, 23:31
277. Wenn ich ein Zigeunerschnitzel

bestelle, habe ich niemals in meinem Leben, nun 73 Jahre, an einen oder
mehrere Zigeuner gedacht, sondern an eine Zutat zum Schnitzel ähnlich einem
Jaegerschnitzel. Frau Ataman sollte ihre wiederholten Versuche, die deutsche
Sprache in Teilen als rassistisch einzustufen, bitte unterlassen.

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jovanni 20.04.2019, 23:33
278. Zigeuner ist kein Schimpfwort!

Meine Güte was ein schwacher Kommentar. Die Frage ist doch, wer festlegt, was ein Tabuwort ist. Ich habe viele Zigeuner in meinem Freundeskreis, die stinksauer darauf sind, dass eine kleine Gruppe Schlaumeier irgendwann festgelegt hat, dass die einzige bekannte Bezeichnung für ihre Gemeinschaft, ihre Kultur, ein Schimpfwort sei. Sie fühlen sich bevormundet, beraubt und diskriminiert, weil sie stolz darauf sind, Zigeuner zu sein. Stolz auf eine jahrhunderte alte Kultur, deren kaum erst kaum realisierter Reichtum untrennbar mit diesem Begriff verbunden ist. Die sperrige Fremdbezeichnung "Roma und Sinti" wird fast nur von Funktionären genutzt, und natürlich von politisch korrekten Gadschen (Nichtzigeunern), die meinen, sie könnten dadurch ihre Erbschuld tilgen - oder besser, ihr latent schlechtes Gewissen beruhigen – Etwas Gutes tun ohne seine Wohlstandsblase zu verlassen. Für viele Zigeuner ist der Begriff »Politisch Korrekt« ein Schimpfwort, zu Recht!

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Eine Stimme der Vernunft 20.04.2019, 23:35
279. Politisch korrekt - ich sch... drauf

Entschuldigung, Frau Ataman , aber sie haben so schön vorgelegt. Sich politisch korrekt verhalten zu müssen ist ein typisches Zeichen von Diktaturen und leider ist Deutschland heute, meiner Meinung nach, eine Gesinnungsdiktatur. Auch der §130 Volksverhetzung gehört abgeschafft. Meinungsfreiheit ist wichtiger, die Gefahr des Missbrauchs dieses Paragraphen ist zu hoch. Diese gesamte Begriffszensur ist einfach lächerlich. Wenn es gut geschmeckt hat, hat man den jeweiligen Begriff mit etwas Positivem verbunden. Ich finde nicht, dass die traditionellen Begriffe zwingend geändert werden müssen. Auf die Freiheit kommt es an, sich frei bewegen zu können, frei sprechen zu können, ohne Angst vor Strafe . Das ist Freiheit und das ist die wahre Demokratie für mich, für die ich gerne Streiten möchte. Das Gegenteil sich politisch korrekt ausdrücken zu müssen, ist absolute Unfreiheit, denn irgendwer bestimmt dann , was korrekt ist. Also wird diktiert was korrekt ist. Weg damit, zurück zur Freiheit.

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