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Doku über Superreiche: Geradezu asketisch
Arte

Schwer vor die Kamera zu bekommen: Die TV-Doku "Ganz oben" zeigt, wie Deutschlands Superreiche leben - und stellt subtil die Frage nach einer gerechteren Gesellschaft.

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syracusa 23.01.2019, 13:49
60.

Zitat von Shelly
Durch großen Fleiß und großer Anstrengung kann man es durchaus zu gehobenen Wohlstand in der Mitte der Gesellschaft bringen, aber nie zu einem großen Reichtum. [...] Alles andere ist ein Märchen.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Ausnahmen gibt es viele, so wie die durch aus eigener Kraft geschaffene Märchen zu märchenhaftem Reichtum gelangte Autorin der Harry-Potter Bücher. Die Gründer von Microsoft, Apple, Sun usw sind ebenfalls weitgehend durch Glück und eigene Leistung zu großen Vermögen gekommen. Auf jeden Fall haben die niemanden durch Niedrigstlöhne ausgebeutet. Und für viele erfolgreiche Musiker und andere Künstler gilt das gleiche.

Deshalb ist IMO die Erbschaftssteuer das richtige Instrument. Die Unternehmer, Künstler usw sollen die Früchte ihrer Leistung genießen dürfen. Aber wenn der Unternehmer verstirbt, dann ist das Erbe bei seinen Erben ein Vermögenszugewinn, also ein Einkommen. Es gibt in einer Leistungsgesellschaft nicht den kleinsten Grund dafür, leistungsloses Einkommen durch Erbschaften weniger zu versteuern als Einkommen aus Arbeit. Aber es gäbe sehr viele Gründe dafür, Erbschaften höher zu besteuern als Arbeitseinkommen. Mir würde es genügen, wenn da erst mal der gleiche Steuersatz anfällt.

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steffen_k. 23.01.2019, 13:53
61. Reichtum zum Mitmachen

Das Schlosshotel Kronberg (eigentlich Schloss Friedrichshof) kenne ich zufällig: Vor einiger Zeit konnte ich wegen einer Messe in Frankfurt kein bezahlbares Hotel auftreiben - und da bin ich nach Kronberg ausgewichen. Klar verdiene ich mehr als die Grundversorgung.- aber ich bin auch nur ein kleiner Selbstständiger ohne Angestellte - Dennoch verrate ich hier kein Geheimnis: Jeder mit einem Jahreseinkommen von 45.000,-- EUR netto und mehr (Steuerklasse 1) könnte sich einen Aufenthalt dort locker mal leisten.

Was ich sagen möchte: Bei uns kann jeder mal am Reichtum des obersten 1 Prozent teilnehmen. Zumindest kurzzeitig. In China, Russland oder anderen Ländern ist das nicht möglich. Das ist das Feine an unserem Land. Und alles andere erscheint mir schon ein wenig nach Jammern auf hohem Niveau - und Neid.

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wettersbach 24.01.2019, 11:09
62. Reichtum ist die wichtigste Wurzel politischer Macht

Warum wurden die Reichen in Deutschland so reich? Zum einen wegen Wegfall der Vermögenssteuer, und zum anderen wegen einer die Reichen privilegierende Mini-Erbschaftssteuer. Hinzu kommt die enorme Spreizung der Gehälter und Bezüge zwischen normalen Angestellten und Industrievorständen. Das sind die Hauptgründe, dass der Reichtum bei gewissen Schichten massiv akkumuliert hat. Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden, wenn die Vermögen der Mittel- und Unterschicht ebenfalls kräftig gestiegen wären. Haben sie aber nicht. Es kam zu einer sozialen Schieflage: während die dünne Schicht der Ultrareichen sich über 50% des Volksvermögens angeeignet hat, besitzt die Unterschicht überhaupt kein Vermögen und die staatstragende Mittelschicht nur ein bescheidenes. Fakt ist, dass infolge der Dominanz der neoliberalen Wirtschaftsideologie (in den letzten 30 Jahren, ca. seit Anfang der 1990er-Jahre) die gesellschaftliche Spaltung zwischen Arm und Reich immer tiefer wurde. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn nicht durch Wiedereinführung der Vermögenssteuer und einer spürbaren Erhöhung der Erbschaftssteuer für Superreiche gezielt gegengesteuert wird. Auf der anderen Seite sollte die staatstragende Mittelschicht steuerlich entlastet werden, was den Konsum anregen dürfte.

Das Entscheidende bei der wachsenden gesellschaftlichen Ungleichheit ist die Gefährdung der Demokratie. Denn das Wachsen der Extreme Arm und Reich gefährdet ihre Stabilität, worauf schon Aristoteles hingewiesen hat. Reichtum ist die wichtigste Wurzel politischer Macht, was sich bei uns bereits durch massive Einflussnahme der Reichenlobby auf die (Steuer)-Gesetzgebung ausgewirkt hat – mit dem Ergebnis wachsender Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltung. Man kann bei uns durchaus von eine Lobbykratie sprechen: Nicht selten formulieren Unternehmer-Lobbyisten Gesetzestexte, die dann von der Ministerialbürokratie übernommen und vom Parlament abgesegnet werden.

Im Übrigen: Extreme Vermögenskonzentration und wachsende Armut sind zwei Seiten einer Medaille. Dazu ein Zitat von Bert Brecht: Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn ich an. Und der Arme sagte bleich. „Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

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wettersbach 24.01.2019, 17:12
63. Reichen-Dynastien

Zitat von syracusa
Ich hab nix gegen große Vermögen. Noch nicht mal was gegen obszön große Vermögen. Aber ich hab' was gegen dynastische Verfestigung von großen Vermögen, weil das die demokratischen Verhältnisse beschädigt, und weil das das Leistungsprinzip konterkariert. Deshalb darf die Einkommensteuer durchaus deutlich runter, wenn das mehr als ausgeglichen wird durch eine richtig hohe Erbschaftssteuer. Die darf dann durchaus auf Höhe der Einkommenssteuer liegen. Und sage bitte niemand, dass das den Familienbetrieben Kapital entziehe. Nein, das lässt sich problemlos durch eine kontinuierlich auf die Unternehmensgewinne erhobene Ersatzsteuer lösen.
Sie haben das Problem klar benannt. Es entstanden in Folge der steuerlichen Privilegierung von Unternehmen (insbesondere bei der Erbschaftssteuer) Familien-Dynastien von Ultra-Reichen, wo über Generationen hinweg Großvermögen akkumuliert und vererbt wurden. Das widerspricht dem Leistungsprinzip und erinnert fatal an spätfeudale Zustände einer fernen Vergangenheit, als privilegierte Stände qua Geburt die Gesellschaft dominierten und aufgrund ihrer politischen Macht ihre Interessen durchsetzten. Dank einer die Vermögenden steuerlich schonenden Gesetzgebung bewegen wir uns in Deutschland in diese Richtung - zum Schaden der Demokratie.

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tony..montana 24.01.2019, 21:29
64. Gerechtigkeit ist in der

Welt der Erwachsenen völliger Unsinn und blanker Populismus.
Worum es geht sind möglichst gleiche Startchancen.

Menschen sind unterschiedlich. Intelligenz, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Kreativität sind unterschiedlich verteilt.
Und natürlich soll derjenige, der intelligenter und fleißiger ist deutlich mehr haben als derjenige, der eher faul und weniger klug ist.
tony

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kreuzschnabel 30.01.2019, 09:20
65. Die armen Reichen

Zitat von crazydee
Der Preis, den sie dafür bezahlt haben, bestand in Verzicht auf Freizeit, Freunde und intakte Familie. Im Übrigen werden auch Vermögende nicht von persönlichen Tragödien und Krankheit verschont. Das Problem ist, dass wir Aussenstehenden immer nur den Reichtum und Erfolg sehen, aber nie den Preis erfahren werden, den diese Menschen bezahlen.
Da sind die reichen Armen viel schlauer. Sie verzichten auf Reichtum und Erfolg und haben dafür Freizeit, Freund und intakte Familie (sic!). Im Übrigen werden auch Vermögenslose nicht von persönlichen Tragödien und Krankheit verschont. Da sie aber eine kürzere Lebenszeit haben sind solche Leiden glücklicherweise von kürzerer Dauer.

Das Problem ist, dass wir Aussenstehenden immer nur den Reichtum und Erfolg sehen, aber nie den Preis sehen wollen, den die armen Menschen für den Reichtum weniger bezahlen.

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Wathammerjelacht 09.02.2019, 08:30
66. Und Brecht hatte doch Recht:

Zitat von kreuzschnabel
Da sind die reichen Armen viel schlauer. Sie verzichten auf Reichtum und Erfolg und haben dafür Freizeit, Freund und intakte Familie (sic!). Im Übrigen werden auch Vermögenslose nicht von persönlichen Tragödien und Krankheit verschont. Da sie aber eine kürzere Lebenszeit haben sind solche Leiden glücklicherweise von kürzerer Dauer. Das Problem ist, dass wir Aussenstehenden immer nur den Reichtum und Erfolg sehen, aber nie den Preis sehen wollen, den die armen Menschen für den Reichtum weniger bezahlen.
„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
»Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.“

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