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Dokumentarfilmer Thomas Heise: "Ich gehöre weder im Osten noch im Westen richtig dazu
Inge Zimmermann/ GMfilms

So wie in Thomas Heises Film "Heimat ist ein Raum aus Zeit" wurde deutsche Geschichte noch nicht eingefangen. Ein Gespräch über ignorante Westdeutsche - und was 1989 entscheidender war als der Mauerfall.

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Newspeak 01.10.2019, 17:00
1. ...

"Das überwältigende, mehrheitliche Desinteresse des Westens am Osten, an allen Ländern dort und an ihrer Geschichte, auch der der DDR, muss sich endlich ändern."

Warum muss sich das aendern? Ich bin im Westen grossgeworden und finde es, ehrlich gesagt, schrecklich, wenn seit der Wiedervereinigung z.B. in Fernsehsendungen aus reiner politischer Korrektheit immer die Situation in beiden deutschen Staaten geschildert werden muss. Das ist nicht meine Geschichte! Ja, manchmal kann es durchaus interessant sein. Aber dann moechte ich selbst auswaehlen, es bewusst tun, und nicht in guter Absicht aufgezwungen bekommen, obwohl es mein Leben nicht gepraegt hat. Dafuer waren die Systeme meiner Meinung nach einfach auch zu unterschiedlich. Nebenbei, ich glaube auch nicht, dass sich jeder Ostdeutsche fuer den Westen interessiert. Interesse ist etwas, dass man nicht verordnen kann. Es existiert, bzw. wird geweckt, oder nicht. Jemanden mit Geschichte(n) zu konfrontieren, obwohl er das nicht moechte, ist nicht aufklaererisch, sondern belaestigend.

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thomas0815-1 01.10.2019, 17:18
2. Tja,

Mir geht es genau wie Herrn Heise "Ich gehöre weder im Osten noch im Westen richtig dazu". Und so geht es Millionen anderer Ossis ebenso. Aber wir sind natürlich selber schuld...

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mostly_harmless 01.10.2019, 17:43
3.

"Das überwältigende, mehrheitliche Desinteresse des Westens am Osten, an allen Ländern dort und an ihrer Geschichte"

Ist schon seltsam. Nach meinem Eindruck reden wir - wenn wir über Regionen und Bürger dieses Landes reden - eigentlich NUR noch über den Osten. Über die Hutbürger, über die Motivation der Hutbürger, warum die Hutbürger "eigentlich" gar nicht rechts sind, das wir ihre "berechtigten Sorgen" berücksichtigen müssen, das ja "eigentlich" die Demokraten in der Mehrheit sind und der Osten gar nicht braun. etc. pp.

In den letzten 20 Jahren gab es IMHO nicht so viele Berichte über - sagen wie mal - die Befindlichkeiten in Bawü, wie in den letzten 6 Monaten über die Befindlichkeiten im Osten.

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sischwiesisch 01.10.2019, 17:52
4. Entschuldigung

Mir ist das alles zu undifferenziert und zu einfach gedacht. Zumindest in diesem Interview.
Ich bin im Westen geboren, ja, aber meine Eltern, Großeltern , die komplette Verwandtschft waren und sind Vertriebene bzw. Flüchtlinge aus dem östlichen Europa. Dementsprechend geprägt bin auch ich. Unumstößlich.
Als ich das erste Mal nach dem Fall des eisernen Vorhangs in die Heimat meiner Eltern mit meinen Eltern fuhr, war das so, als würde ich endlich direkt meine Wurzeln spüren. Gefühlt schon immer.
Ich möchte für mich in Anspruch nehmen, daß ich als sogenannter Wessi schon immer ein extrem ausgeprägtes Interesse und eine Empathie für alles östlich der Genze der BRD liegende hatte, geschichtlich, gesellschaftlich, kulturell und mich das persönlich unheimlich bereichert hat.
Mir das mehrheitlich abzusprechen tut mir weh.

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schmidtffo 01.10.2019, 18:11
5. Frage

Zitat von Newspeak
"Das überwältigende, mehrheitliche Desinteresse des Westens am Osten, an allen Ländern dort und an ihrer Geschichte, auch der der DDR, muss sich endlich ändern." Warum muss sich das aendern? Ich bin im Westen grossgeworden und finde es, ehrlich gesagt, schrecklich, wenn seit der Wiedervereinigung z.B. in Fernsehsendungen aus reiner politischer Korrektheit immer die Situation in beiden deutschen Staaten geschildert werden muss. Das ist nicht meine Geschichte![...]
Welche Fernsehsendungen meinen Sie denn zum Beispiel?

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dirsch 01.10.2019, 18:16
6. @3

Dachrinne ich mal weitestgehend zu. Das Interesse der Medien scheint übergroß und geht mit - als „Ossi“ - mittlerweile mächtig auf die Nerven. Nicht selten beschleicht mich da das Gefühl, dass die besonders edlen Wessis den anderen den Osten erklären wollen und die Ossis in Schutz nehmen wollen. Wie Blinde die von Farbe reden.
Man kann das auch als weitere Bevormundung verstehen wenn man denn will.

Scheinbar alles wird auf Ost-West reduziert, was ist mit den Nord-Süd Unterschieden bei Löhnen oder Armutsstatistiken, bei Bildung oder Wahlverhalten usw.
Die ständige Erwähnung und besondere Beachtung des Ostens stumpf irgendwann ab - auch wenn es gut gemeint sein mag.
Ansonsten gibt es sowohl im Oste wie im Westen oder Norden wie Süden Menschen, die am Ballermann jede Kneipe kenn aber noch nicht im jeweils anderen Teil Deutschlands waren und auch kein Interesse daran haben
....aber ich will hier ja keine Klischees bedienen...

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Pummelix 01.10.2019, 18:21
7. Die Konformisten

Trösten Sie sich. Auch in Westdeutschland gehören nur die Konformisten dazu. Die Vereinsmeier.

Individualisten gehören nie dazu. Weder in Ost noch in West.

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schmidtffo 01.10.2019, 18:24
8.

Zitat von mostly_harmless
"Das überwältigende, mehrheitliche Desinteresse des Westens am Osten, an allen Ländern dort und an ihrer Geschichte" Ist schon seltsam. Nach meinem Eindruck reden wir - wenn wir über Regionen und Bürger dieses Landes reden - eigentlich NUR noch über den Osten. Über die Hutbürger, über die Motivation der Hutbürger, warum die Hutbürger "eigentlich" gar nicht rechts sind, das wir ihre "berechtigten Sorgen" berücksichtigen müssen, das ja "eigentlich" die Demokraten in der Mehrheit sind und der Osten gar nicht braun. etc. pp. In den letzten 20 Jahren gab es IMHO nicht so viele Berichte über - sagen wie mal - die Befindlichkeiten in Bawü, wie in den letzten 6 Monaten über die Befindlichkeiten im Osten.
Welchen großen Bruch in fast allen Lebensläufen gab es denn in Baden-Württenberg, über den man berichten müsste?

Mich würden aber tatsächlich Berichte darüber interessieren, warum dort so viele Menschen die AfD gewählt haben (15,1%, im Jahre 2016).

Solche Fragen werden aber nie im Westen thematisiert. Berichte über Rechtsradikalismus dürfen im O-Ton einfach nicht schwäbisch klingen, sondern immer nur sächsisch. Und Sachsen muss dann immer für ganz Ostdeutschland stehen.

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stelzerdd 01.10.2019, 18:25
9. Nabelschau

Diese Ost-West-Nabelschau ist ziemlich ermüdend. Wenn Heise sagt "Ich gehöre weder im Osten noch im Westen richtig dazu" dann gilt das für ihn und offensichtlich auch für die Zeit vor 1989.
Für meinen Geschmack sind bei diesen Betrachtungen sog. "Intellektuelle" deutlich überrepräsentiert, besonders die Bohemes der Ostberliner Szene, die schon damals in einer Blase lebten. Den Umsturz haben weder die Szene-Leute noch die kleine sogenannte Opposition bewerkstelligt sondern eine große Menge der ganz einfachen Bevölkerung, die durch ein Zusammentreffen seltener glücklicher Umstände für kurze Zeit genau einer Meinung waren - nämlich: Die Altherrenriege der SED muß weg.
Daß Kohl damal das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes hochgehalten hat, war nicht selbstverständlich und das bleibt sein Verdienst. Und daß Lafontaine dagegen war, hat die SPD in Ostdeutschland bis heute diskreditiert.
Die Menschen im Osten haben letztendlich gewaltig von der Wiedervereinigung profitiert. Viele - aber nicht alle - sind erstmal durchgeschüttelt worden und haben große Veränderungen durchlebt.
Aber nun muß auch mal gut sein.
Ich brauch als Ossi keinen aus dem Westen, der mich versteht. Genausowenig, wie der mich zu ähnlichem Zweck braucht.
Wer zu wenig Selbstwertgefühl hat, mag zum zum Psychiater gehen - meinetwegen gleich zu Maaz. Aber er soll nicht dauernd Leute aus einem anderen Landstrich um Anerkennung anbetteln.

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