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Dorfjugend: Von einem, der heimkam, um Carports kleinzuschlagen
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Mit ihrem Debüt "Schöner als überall" hat Kristin Höller einen fulminanten Bloß-weg-hier-Roman vorgelegt. Eine Initiationsstory zwischen Gartenpartys und Tanke.

Theophanus 13.08.2019, 13:54
1. Ja, ganz toll...

"Wenn ich mir vorstelle, dass das später meine Zukunft ist und dass ich mich für ganz viele Sachen interessieren muss, um solche Abende zu überstehen, muss ich mich zwingen, nicht mein Glas fallen zu lassen."

Ja, es gibt Leute, die darin ihr Glück finden. Und es gibt - ziemlich unsymphatische Leute - die sich lang und breit darüber auslassen, dass SIE so etwas nicht gut finden und das auch noch mit Gewalt- und Zerstörungsphantasien würzen. Zudem braucht man auch eine breite Allgemeinbildung, damit man beim Small-Talk nicht nur dumm rumstehen muss, sondern sogar mitreden. Und da sieht es ja dummerweise auch nicht so gut aus. Ständig auf Wikipedia zu recherchieren stört den Gesprächsfluss ja auch.

Manchmal frage ich mich, warum es noch keine Buchscham gibt...

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Derwatt 13.08.2019, 14:13
2. Is klar.

"Wenn ich mir vorstelle, dass das später meine Zukunft ist und dass ich mich für ganz viele Sachen interessieren muss, um solche Abende zu überstehen, muss ich mich zwingen, nicht mein Glas fallen zu lassen." - Logisch, dass sich SPON in seiner ganzen Hipness bei einem solchen Satz gar nicht wieder einkriegt - und dabei gar nicht zu merken scheint, wie sehr er sich seinem Jugendableger, dem dubiosen „Bento“, mehr und mehr annähert.

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jungejungejunge76 13.08.2019, 15:43
3. Erstlingswerk

Gemeint sind sowohl der Roman als auch mein Kommentar. Zum Roman: hört sich extrem überflüssig an, schon wieder über dieses Thema zu schreiben. Die Artikelüberschrift "Über Leute, die selber nicht wissen wer Sie sind" wäre hier wohl zutreffender gewesen. (Voll krass, ich rege mich immer auf, wenn Kommentare so "hochgestochen" formuliert sind und merke grad, wie man da ganz von alleine hindrifftet.). Dem Spießbürgertum entsprungen, Anfang zwanzig denken man hätte schon alles erlebt und alles verstanden, trotzdem irgendwie unklar mit allem und jedem kommen und mit 40 feststellen, dass man irgendwie doch ganz viele Eigenschaften von seinen Eltern hat (soweit wird uns dieser Roman wohl nicht mitnehmen). Kann man wenn man selber in diesem Alter ist wahrscheinlich ganz gut mal auf ner Zugfahrt lesen. Systemrelevant wird der Roman aber wohl nicht sein.

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droptableall 13.08.2019, 16:18
4.

Das Buch klingt irgendwie langweilig für mich. Spätpubertäre Langeweile und unbefriedigte Abenteuerlust eines Jungspundes aus der Vorstadt, der ziemlich sicher irgendwann einmal selbst einen Carport vor sein neugebautes Haus in der Vorstadt bauen wird, nämlich dann wenn die Prioritäten auf die Leistungen im Job, die Versorgung der Nachkommen und auf den Nestbau zur Erholung liegen. Der Autorin fehlt natürlich die nötige Reife, derartige Lebensläufe zu kennen und zu verstehen.

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mutenroshi 13.08.2019, 16:21
5. Rebellion

Aha. Die bösen Carports. Soll noch mal einer von fridays for future kommen und die bösen Autos kritisieren wollen. Die wissen eben nicht, gegen was man als Jugendlicher rebellieren sollte. Nämlich dass alles so langweilig und "spiessig" ist am Herkunftsort. Mal ganz im Ernst: Das wurde schon in den 1950er Jahren erfunden und kommerzialisiert. Wie kann ein Autor knapp 70 Jahre später, angesichts der bekannten beklagenswerten Situation der Erde, auf die Idee kommen, ein reines coming of age- Gedöns-Buch würde noch irgendeine Regung hervorrufen? Es geht ja anscheinend nicht einmal um Sex, Drogen, Mord und dumme Menschen, über die man lachen kann. Stattdessen um Carports. Das lese ich bestimmt nicht.

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BennoVon Archimboldi 13.08.2019, 17:40
6. Erstaunlich...

wie viele Leser hier nicht in der Lage zu sein scheinen, Abstraktionsvermögen zu entwickeln. Es ist die Leistung der Literatur, in fremde Haut zu schlüpfen und andere Perspektiven auszuformulieren. Das, was dabei herauskommt, muss dabei keineswegs als "normativ" verstanden werden. Anders gesagt: wenn Ihnen der Protagonist als Neunmalkluger vorkommt, heißt das keineswegs, dass die Autorin diese Weltsicht nicht antizipiert hat, auch wenn sie die fokalisierte Sicht niemals verlässt. Allein der Umstand, dass Martin den Selbstfindungstrip in der Großstadt eben nicht abschließen konnte, dieses "Von-oben-herab"-Denken aber dennoch angenommen hat, bricht das Bild vom Stadt-Land-Gefälle ja zumindest teilweise und verweist auf genau das, was viele hier mokieren: das der Gute vielleicht ein Einstellungsproblem hat.
Nur weil die Figur die Rückschlüsse nicht macht, heißt es noch lange nicht, dass wir das als Leser nicht tun können. Es ist ziemlich typisch für (post-)moderne Romane, solche Diskrepanzen aufzubauen. Den gleichen Fehler machen die selben Helden auch bei den Romanen von Houllebecq: nur weil seine "Helden" misogyne Zyniker sind, heißt es nicht, dass der Autor auch so denken muss; uns es heißt noch lange nicht, dass wir diese Weltsichten als normativ begreifen müssen. Der Autor ist einzig daran zu messen, wie gekonnt er diese Weltsichten durchexzerpiert.

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Interzoni 13.08.2019, 21:30
7. @ 7 Benno...

Danke für den ersten guten Kommentar, sehr gut sogar. Mich spricht die Rezension an, erinnert mich an meine Jugend. Wobei ich so etwas wie die Beschreibung der Gartenparty heute genauso wie damals nachvollziehen kann. Ich schaue mal rein...

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spon_2545532 14.08.2019, 00:10
8. Das haut nicht hin:

Eine Frau schreibt darüber, wie ein Mann denkt und fühlt.

Lachhaft.

Es handelt sich hier um eine geschlechtliche Aneignung!

Pfui!

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fnach 14.08.2019, 01:02
9. anscheinend doch relevant

Den ersten sechs Kommentaren nach zu urteilen hat die Autorin sich hier ja durchaus ein (nach wie vor) sehr relevantes Thema ausgesucht und scheint es auch in einer interessanten, weil provokanten Art anzupacken.

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