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Einzelgänger-Serienfiguren: Lob der Einsamkeit
ddp images/ AMC

Anja Rützel ist gerne für sich. In ihrem Buch "Lieber allein als gar keine Freunde" plädiert sie für ein positives Solo-Gefühl. Ihre Vorbilder in Sachen Alleinsein: Serienfiguren wie Don Draper oder Buffy.

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ackermart 25.09.2018, 18:49
1. Allein das Wort ALLEIN ...

gibt Grund zur Frage, was wohl das ALL(-)EINE ist? Physiker denken dabei stets an ein Teilchen oder Energie und kommen sich sofort ins Streiten ob des denkbar Gleichen von beidem oder nicht. Obgleich doch alte Weisheit spricht, dass es nichts Gleiches außer Gleichnisse des Denkens gibt. Was bliebe also als Gleichnis für das EINE von ALL übrig, wenn es nichts Gleiches ist? Wohl nur das All als Eines im Ganzen ungeteilt zu denken, also im Zustande nicht (lat. A) Teil (TOMOS), bzw. gegen teil. Wir können es so denn im Gegenteil von unserem ATOM(OS)Verständnis - als denn falschem im Teil - denken, statt dem so dann im Nichtgeteilten ALL gleich EINES. Die Erscheinung von All in Teilen bliebe dennoch leicht als Illusion der Sinne - eben nur im Subjektiven - zu verstehen, was dabei mindestens logisch auch objektiv wahr sein kann. Allein das wäre uns gewiss wohl ein viel zu wörtliches Verständnis von RÜCKBINDUNG (Religion).

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spon-41d-frm9 25.09.2018, 19:39
2. das kenne ich ...

... ich treffe mich jeden Sonntag spätnachmittags in ZDF NEO mit meinen Freunden von "Death in Paradise"
in der Karibik. Das was man von der Gegend sieht ist wunderschön, die Charaktere sind herrlich komisch, alle auch allein, und am Schluß einer jeden Folge, wenn der Mord aufgeklärt ist, treffen sie sich in Cathrine´s Bar zum Bierchen, und tanzen zu karibischer Musik in den Sonnenuntergang, köstlich:-)

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moi.ra 25.09.2018, 20:25
3. “
Loneliness is the human condition ...

Cultivate it. The way it tunnels into you allows your soul room to grow. Never expect to outgrow loneliness. Never hope to find people who will understand you, someone to fill that space. An intelligent, sensitive person is the exception, the very great exception. If you expect to find people who will understand you, you will grow murderous with disappointment. The best you'll ever do is to understand yourself, know what it is that you want, and not let the cattle stand in your way.” Janet Fitch, White Oleander

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Little_Nemo 25.09.2018, 21:15
4. Gemeinsam einsam

Nicht nur Serienfiguren sind oft einsame Kämpfer. Das ist auch ein Standardmodell z.B. in Western, besonders Italo-Western, Action-Filmen und Krimis der Hard-Boiled-Tradition - der einsame Cop oder Detektiv mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Und diese Einsamkeit wird gemeinhin als cool und vorbildhaft empfunden, weil das Leute sind, die sich nicht um die Regeln scheren, die sie nicht selbst aufgestellt haben, und ja auch zumeist irgendwie im Recht sind und am Ende als Sieger dastehen. Der Mythos vom Übermenschen. Der Blonde aus Leones Dollar-Trilogie und "Harmonica" aus "Spiel mir das Lied vom Tod" etwa, Sam Spade, Phillip Marlowe und Mike Hammer, Rambo und John McClane... Ich sehe das übrigens ganz wertfrei. Natürlich ist es manchmal nötig zu seinen Überzeugungen zu stehen und auch gegen geltende Regeln zu verstoßen, wenn die Regeln sich als destruktiv und menschenfeindlich erweisen. Ebenso kann es aber natürlich auch verheerend sein, wenn plötzlch jeder seine eigenen Regeln aufstellt, gegen jede Vernunft. Gerade diese letzgenannte Problematik geht aber scheinbar meist unter und nur die Attitüde des einsamen, unfehlbaren, überlegenen Helden verfängt.

Trotzdem sind wohl die meisten Menschen geradezu panisch auf der Flucht vor der Einsamkeit und tun die absurdesten Dinge um irgendwo dazu zu gehören: sie hören die Musik, die viele hören (warum sonst würde sich irgendwer außerhalb der Musikindustrie für die Charts interessieren?), sie fangen an zu rauchen, zu saufen, Drogen zu nehmen, sich für Fußball zu interessieren, manche gehen sogar rechten Rattenfängern auf den Leim, weil sie glauben dort, in der vermeintlichen Kameradschaft, endlich so was wie Geborgenheit zu finden. Überhaupt ist der wohl bizarrste Auswuchs von krampfhafter Gemeinschaftsbildung, die Abgrenzung von anderen. Und auch das Getue, die Selbstdarstellung als einsamer Held, der sich nicht darum schert was andere sagen, dient im Grunde vor allem dazu für sich zu werben, sich interessant zu machen, und so Kontakte zu knüpfen. Der Mensch ist eben ein soziales Wesen, wenn sich das auch sehr oft sehr unsozial äußert. Und sich zwischenmenschliche Beziehungen jedweder Art sehr oft letztendlich als Schall und Rauch erweisen.

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andreas_bulkens 26.09.2018, 00:24
5. Ja und?

Ich bin seit 20 Jahren verehelicht (die ganze Zeit mit der selben Frau), wir haben drei gemeinsame Kinder.
Ich bin fest angestellt und habe ein gutes Verhältnis zu meinen direkten Kollegen.
Ansonsten habe ich weder Bekannte, lebende Familienmitglieder oder Menschen mit welchen ich mich gelegentlich treffe oder austausche.
Das ist einsam, aber es ist gut so.
Menschen enttäuschen Menschen.

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solitaryway 26.09.2018, 02:13
6.

Richtige Abgrenzung dient keineswegs der vermeintlichen Kontakt- bzw. Gemeinschaftsbildung. Richtig ausgeführt, dient sie schlicht dazu, andere fernzuhalten. Wenn der Persönlichkeitsausdruck gezielt so unangenehm wie möglich rüberkommt, lassen sich die meisten schon effektiv verscheuchen. Der verbliebene Rest lässt sich mit anderen Maßnahmen abwimmeln. Sozial bleibt man, ja, aber als bewusst lebender Einzelgänger lässt sich das auch nutzen, um Kontakte zu unterbrechen oder von vorn herein gleich zu unterbinden. Einzelgänger zu werden und zu bleiben ist spielend leicht.

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Newspeak 26.09.2018, 03:17
7. ....

Denn in ihr (der Einsamkeit) fühlt der Jämmerliche seine ganze Jämmerlichkeit, der große Geist seine ganze Größe, kurz, jeder sich, als was er ist.

Das Glück gehört denen, die sich selber genügen; denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind, ihrer Natur nach, höchst unsicher, mißlich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.

Was nun andrerseits die Menschen gesellig macht, ist ihre Unfähigkeit, die Einsamkeit, und in dieser sich selbst, zu ertragen. Innere Leere und Überdruß sind es, von denen sie sowohl in die Gesellschaft, wie in die Fremde und auf Reisen getrieben werden.

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist. Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit; denn nur, wann man allein ist, ist man frei.

Man hat in der Welt nicht viel mehr, als die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit.

Alles Schopenhauer...und noch nicht einmal vollständig. Sollte dieser Philanthrop der Aphoristiker der Einsamkeit sein? Bestimmt hat Nietzsche auch etwas dazugewusst. Und Hesse...man denke an "Seltsam im Nebel zu wandern". Alles sehr sympathische Gesellen.

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fatherted98 26.09.2018, 08:03
8. Lieber alleine...

...bei einem guten Buch oder netten Spaziergang....als neben sich jemanden der permanent auf seinem Smart-Phone rumtipt und eh nicht ansprechbar ist.

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antandre 26.09.2018, 09:48
9.

Ich finde, man sollte nie den Fehler machen zu denken, dass Singlesein ein Synonym für Einsamsein sei. Nicht jeder Single fühlt sich einsam und vor allem: Es gibt auch die Menschen, die Beziehungen und "Freundschaften" haben und sich trotzdem einsam fühlen, weil sie unverstanden sind von den Leuten, mit denen sie sich umgeben. Bei Beziehungen besonders fatal, weil das Beziehunghaben ja suggeriert, dass man sich eigentlich nicht einsam fühlen dürfte - schließlich hat man ja einen Partner, also irgendwas kann nicht stimmen mit dem Gesamtbild oder mit einem selbst.
Dass Menschen Serienhelden für Freunde halten, ist mir, glaube ich, noch nie begegnet. Ich hab aber schon mit Monsieur Brisebard auf seinen Pavillon angstoßen oder mit Mrs. Peel und Mr. Steed bei einer Champagnerpause. Und als ich noch jung war, wollte ich, wenn ich groß bin, ein Engel für Charlie werden. Zwar ist mir der Gedanke, Filmhelden als Freunde zu betrachten, nie in den Sinn gekommen, aber es mir gemütlich zu machen, während sie unterhalten, mag ich auch.
Es gibt vielleicht Hoffnung für die einsamen Filmhelden: Tyler Durden war nicht mehr einsam, nachdem er erstmal seinem "echtem Ich" Raum in seinem Leben gab, und dann klappte es ja auch nach einigen Umwegen mit den Freunden und der Liebe, weil das richtige Ich die richtigen Leute erkennen und an sich ziehen konnte.
Columbo hat ne Frau und darf trotzdem ein kauziger Typ sein. Ms. Marple hat Mr. Stringer. Aber das sind halt filmische Idealfälle. Leider ist es in der Realität eher so: Wenn einer für irgendwas brennt, Hobby oder Beruf, bleibt nicht viel Energie für Zwischenmenschliches, wenn das nach normalem Schema ablaufen soll, also der Partner Erwartungen hat, die halt so auftreten in Beziehungen. Künstler, die plötzlich inspiriert sind und nicht mit zu Familienfeiern des Partners gehen wollen, Kämpfer für das Gute, die Einsätze zu "unpassenden" Zeiten haben, auch nur Leute, die lieber mal allein Klavier üben, als mit dem Partner auf der Couch seine Lieblingsserie zu gucken - kann alles Störgefühle hervorrufen beim anderen. Gemeinsame Hobbys könnten da helfen.
Ich denke, Frauen sind noch mehr "beziehungsungeeignet" als Männer, wenn sie so einsamerwolfmäßig drauf sind, weil es bei Männern noch irgendwie attraktiv ist, und manche Frauen sich gern einen abmühen, so einen Mann für sich zu gewinnen, seinem Leben Wärme zu geben, dem Mann die Freuden des Zusammenseins schmackhaft zu machen und sich damit hinter seine Vertrauensgrenze bringen zu können. Dann ist sie was Besonderes für ihn, was keine Frau vor ihr schaffte. Aber danach kommt das Umformprogramm, aus dem einsamen Wolf einen beziehungsfähigen Partner zu machen, was wenn dann allerdings nur in Filmen klappt.
Dass ein Mann sich abmühte, eine Frau von ihren Einsamewölfintätigkeiten abzubringen, damit sie ihm ein bisschen mehr Beziehung schenkt, ist mir noch nie begegnet, glaube ich. Der suchte sich eher eine andere, die mehr Zeit hatte bzw. flexibler war, so dass sie ihre Zeit mit Einsamewölfintätigkeiten genau dann verbrachte, wenn er seine Einsamerwolftätigkeiten auch gerade machen wollte.

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