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Ende von Air Berlin: Ein Schokoherz, das im Hals stecken bleibt
DPA

Seit Monaten sitzt das Feuilleton auf Martin Luthers Schoß, als wäre er der Weihnachtsmann. Eine Frage, die hingegen wirklich wichtig ist: Warum trauern wir um die Marke Air Berlin - aber nicht um die Mitarbeiter?

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Sonia 31.10.2017, 16:41
1. Weil andere still und leise ihre Jobs verlieren

Egal, ob bei Air Berlin, in einer Bäckerei oder bei Dax-Unternehmen. Für mich gibt es keinen Unterschied. Leider ist es aber so, dass bei einem Unternehmen wie Air Berlin täglich Mitgefühl erbeten wird; meines haben alle, die ihren Job verlieren - vor allem eben auch die, wo medial keinerlei Interesse besteht. Und die Heulerei um Air Berlin als Fluglinie hat nun einmal damit zu tun, dass die Menschen sich jetzt umgewöhnen müssen - und das werden sie auch, wenn die Medien nicht täglich darüber berichten.

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makromizer 31.10.2017, 16:50
2.

Es wird ja in Zukunft nicht weniger geflogen, und es wird in der Airline-Branche auch nicht weniger Personal benötigt, eher das Gegenteil ist der Fall. Aktuellen Prognosen zufolge gilt das auch für Deutschland.
Für einzelne Arbeitnehmer, für die kein Transfer möglich ist, mag das tragisch sein, aber gleichzeitig entstehen hierdurch Jobs für andere Arbeitnehmer. Gesamtheitlich betrachtet erschließt sich mir das Drama nicht, da die Bilanz positiv ist.

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dr.joe.66 31.10.2017, 16:53
3. Sie haben sehr Recht!

Frau Stokowski, diesmal muss ich Ihnen vollständig Recht geben! Immerhin kann man ja noch hoffen, dass die AirBerlin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell bei einer anderen Airline einen neuen Job finden - schließlich steigen die Passagierzahlen weiterhin an.
Aber was machen wir in 10 Jahren mit tausenden von arbeitslosen Truckern, wenn die LKWs vollkommen autonom fahren?
Es wird Zeit, dass wir den ungezügelten Neo-Kapitalismus wieder bändigen und uns für unsere Gesellschaft - auch global - andere, sozialere Regeln geben. Eine Umverteilung der Lasten, ein bedingungsloses Grundeinkommen, bezahlbaren Wohnraum für alle, etc.
Und wenn jetzt jemand fragt wer das bezahlen soll: Ganz einfach, all diejenigen, die schlichtweg Glück gehabt haben und nun wie ich auf der Sonnenseite des Kapitalismus leben. Ich könnte mehr Steuern bezahlen, ohne dass ich hungern muss oder mein Haus verkaufen muss. Ich finde es ok, dass Menschen mit höherer Qualifikation mehr verdienen als andere. Aber 10 mal mehr? Oder gar 100 mal?
Wenn unsere Gesellschaft an irgendetwas krank, dann daran.

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Nordstadtbewohner 31.10.2017, 16:59
4. Das Leben geht (immer) weiter

Gerade in der Wirtschaft bedeutet ein Ende auch immer einen Neuanfang. Die Masse der AB-Beschäftigten kommt bei der Lufthansa unter, die Bundeswehr zeigt Interesse an den restlichen Beschäftigten. Am Arbeitsmarkt existiert de facto Vollbeschäftigung.

Weshalb Sie sich so Selbstmitleid und Weltschmerz ergehen, erschließt sich mir nicht. Vielleicht sind es Depressionen und Komplexe aus der Vergangenheit, die Sie einholen. Am ach so bösen Kapitalismus, der angeblich für so viel Unrecht verantwortlich ist, liegt es definitiv nicht.

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uksubs 31.10.2017, 17:03
5. und immer wieder: globalisierung

mir tun die mitarbeiter auch leid. ich darf von mir gar behaupten, nicht schokoherzen zu verkaufen oder an welchen interessiert zu sein. aber so ganz kann ich den artikel nicht lesen, ohne sofort an eine umfassende globalisierungskritik zu denken.
die mitarbeiter wußten seit sehr langer zeit, dass airberlin jährlich massive verluste einfährt. daher eundere ich mich über das doch eher plötzliche „ah“ und „oh“. warum machte airberlin solche verluste. da gab es zwar zum einen eine sehr unglückliche übernahme. zum anderen jedoch zahlte airberlin sehr viel höhere löhne als etwa easyjet oder ryanair. und daher bastelt auch lufthansa an der billiglinie eurowings, weil germanwings schon nicht mehr billig genug ist. und billig - darauf stehen wir doch, oder?
die mitarbeiter, die mir, wie gesagt, sehr leid tun, sind jedoch sehenden auges in diese situation geraten, sie hätten sie zumindest ahnen können. man trauert hier schnell mit, da es medial bekannt gemacht wird und weil es halt sehr viele auf einmal sind, man vielleicht zudem aus berlin kommt. so, als ob man die mitarbeiter kennen würde. es verhält sich wie mit unglücksopfern. jeden tag kommen dutzende im strassenverkehr um, um die man, wenn man sie nicht kennt, auch nicht trauert. airberlin kennt man aber.
und natürlich schreit vieles nach ungerechtigkeit. aber eben ganz allgemein. daran muss auch gearbeitet werden und es ist wenig hilfrech, nun mit den mitarbeitern von airberlin zu trauern, wenn daraus nicht ein engagement mit einhergeht, um es auch ganz allgemein gerechter werden zu lassen

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sarido 31.10.2017, 17:05
6. Die Antwort ist eigentlich einfach, weil man

AirBerlin kennt und die Individuen nicht. Erst meine persönliche Bindung zur Air Berlin: mein erster Flug war 1992 mit AirBerlin mit meiner großen Liebe nach Korsika, meine letzten mit AirBerlin dienstlich im BON-BER-Shuttle. Immer war alles gut, nettes Personal, angenehmes Boarding. Nun zum Warum, vielleicht geht es vielen so, dass AirBerlin positiv besetzt ist, auch ohne den durch Journalisten angeheizten Hype um AirBerlin (Filterblase?). Bei der unbekannten Check-In-Hilfskraft, wie bei vielen Dienstleistern auf dem Flughafen auch, weiß man nicht einmal, ob sie überhaupt bei und nicht-nur-für AirBerlin arbeiten. Da besteht nur direkte persönliche Betroffenheit. Wenn sich das Flugaufkommen wieder stabilisiert hat, wird auch für die jetzt leer ausgegangenen wieder ausreichend Arbeit da sein. Bei einer anderen großen Firma, die durch die Gewerkschaften in die Knie gezwungen wurde, wurden doch auch die 30.000 Mitarbeiterinnen erwähnt. Dieser Betrieb war mir kaum in positiv in Erinnerung getreten. Die Lücke wurde gefüllt, mit großen Rossmanns, die nun anderen Spielwarenhändlern und Papeterien das Leben schwer machen. AirBerlin zeigt aber, dass hier zukzessive, langjährig durch falsche Entscheidungen ein gutes Produkt ruiniert wurde. Vorrangig durch die ganzen "bekannteren" Manager und Eigentümer, aber auch durch die Medien. AirBerlin war dieses Jahr so sehr sinnbildend für Chaos und Verspätung, dass sogar die Bahn aufatmen konnte. Ich habe trotz etwa 15 Flügen dieses Jahr nicht erlebt - zur Bahn könnte ich schon was sagen, auchohne Sturm. Übrigens bei meinem letzte Flug mit AirBerlin parkten wir neben einer Maschine der 2014 letzmalig in insolvenz gegangenen italienischen Gesellschaft AirOne. Die waren für mich in Italien die Besten. Ich sprach die Stewardess an, dass noch nicht alles verloren sei - und durfte mir zwei Schokoherzen nehmen.

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dashaeseken 31.10.2017, 17:16
7. Täglich verlieren im Schnitt um die 5000 Leute den Job

25 oder 48 hier, 150 dort usw...alles im Mittelstand und nicht von Arabern finanziell seit Jahren gestützt. Das interessiert salopp gesagt keine Sau, da gibt es keine Artikelserie. Aber wenn mal eine seit Jahren hochgradig defizitäre Fluggesellschaft endlich zu Recht den Löffel abgibt, da wird dann gejammert..die Armen. Die finden auch wieder was.. und wenn nicht..willkommen im Kapitalismus

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nordlicht123321 31.10.2017, 17:25
8. Luther

Das einzige, dass Ihnen zu Luther einfällt: der alte Antisemit! Vielleicht wollen oder können Sie nicht einordnen oder begreifen, welches Werk dieser Mann vollbracht hat. Und den zeitlichen Kontext lassen Sie völlig ausser acht. Schwach, Schwächer, Stokowski.

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trimalchio 31.10.2017, 17:26
9. Pardon,

aber ich kann das Gejammer, Gehetze, die Manipuliererei nicht mehr hören "oh wie geht es ihnen schlecht, was werden sie ausgebeutet"!
Ich selbst habe mal komplett neu anfangen müssen, von 0, mich neu hocharbeiten, anschließend durch persönliche Krise gewurschtelt, wieder auf 0, Existenz der Familie trotzdem gesichert.
Nicht weil ich so toll bin, sondern weil wir in einem Land leben, in dem so etwas geht. Und weil wir in einer Zeit leben, in der es uns verdammt gut geht. In der man relativ leicht wieder einen neuen Job bekommen kann.
Nein, mir tun die gewerkschaftlich organisierten Air-Berlin Mitarbeiter nicht leid. Es gibt eine Menge Menschen auf der Welt, die in für sie selbst unabwendbaren, zum Teil schrecklichen Schicksalen stecken. Die Air Berlin Mitarbeiter gehören nicht dazu.

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