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Ende von Air Berlin: Ein Schokoherz, das im Hals stecken bleibt
DPA

Seit Monaten sitzt das Feuilleton auf Martin Luthers Schoß, als wäre er der Weihnachtsmann. Eine Frage, die hingegen wirklich wichtig ist: Warum trauern wir um die Marke Air Berlin - aber nicht um die Mitarbeiter?

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apollo88 31.10.2017, 19:49
40. Das sehe ich anders

Ich kann Hr Hunolds Satz sehr wohl verstehen, wer fragt denn nach der Verantwortung der Gewerkschaften hierbei, die nach der LTU Pleite froh waren, hoch dotierte Jobs zur AB gerettet bekommen zu haben? Das Selbstverständnis der AB Piloten, die nicht bereit sind für „nur“ 155k statt 163k€ Gehalt bei EW zu fliegen sagt einiges aus. Mir tun die Flugbegleiter leid, aber hier mit dem Finger (wie immer) auf Manager und Politik zu zeigen halte ich für flach, nicht fundiert und ins Schema passend, die ach so tollen Gewerkschaften und BRs tragen ja nie eine MITschuld, obwohl sie doch die MITbestimmung sind, ich bin mir sicher auch AB hatte einen Wirtschaftsausschuss, komisch das dem nichts aufgefallen ist.

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ruhuviko 31.10.2017, 19:52
41. Wer bezahlen soll

fragt ein Forist, wenn beispielsweise die Lastwagen alle autonom fahren.

Der Berliner Regierende Bürgermeister Müller fängt gerade als einer der ersten Ministerpräsidenten an, über das bedingungsloste Grundeinkommen nachzudenken. Damit hat er recht. Denn wer sagt denn, dass die Lastwagen kostenlos rollen sollen? Kosten der Sozialabgaben, der Rentenbeiträge, der Krankenversicherung, der sozialen Absicherung müssen erbracht werden - warum aber nur von dem fahrenden Personal auf den Lastwagen, nicht von den Lastwagen selbst? Das gleiche gilt für andere Maschinen. Wenn immer mehr Roboter oder Firmengeräte autonom arbeiten, dann müssen sie finanziell soviel abwerfen, dass sie jeden Verlust eines Arbeitsplatzes finanziell ausgleichen. Ganz einfach.

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busytraveller 31.10.2017, 19:52
42. Überdramatisiert

Ich glaube, hier wird überdramatisiert. Sehr viele AB - Mitarbeiter wurden mit AB - Tochergesllschaften übernommen oder finden leicht wieder neue Jobs, bei Eurowings oder Easyjet. Andere werden anderswo unterkommen. Schließlich werden nach aktuellem Stand mindestens 105 von 130 Jets übernommen, die weiter von Deutschland oder Österreich aus fliegen. Wobei es hier nicht um die Flugzeuge geht, sondern um die Arbeitsplätze, die damit zusammenhängen. Große Trauer wäre also unangebracht. Hier wurde keine Kohlemine geschlossen, für deren Arbeitskräfte es schlicht keine Verwendung mehr gibt. Die Flugbranche boomt stattdessen.

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redwed11 31.10.2017, 20:02
43.

Zitat von heineken1
Ich gebe nicht gern den Spielverderber, jedoch: Alle die jetzt melancholisch bis tränenreich Air Berlin nachtrauern - ob Mitarbeiter oder Kunden - sollten sich nur einer Summe gewiß werden: AB hat in den zurückliegenden 10 Jahren gut 2,8 Milliarden Euro Verlust geschrieben. 2.800 Millionen Euro! Verbrannt, hinfort, in Luft aufgelöst. Das sind für jeden der 3653 zurückliegenden Tage gut 760.000 Euro! Verlust! Pro Tag!
 Ja, es ist traurig für die vielen engagierten Mitarbeiter. Da aber auch eine Etihad die Party der Air Berliner nicht ewig bezahlen wollte, mußte auch die längste Sause irgendwann ihr Ende finden. Und auch vor dem Börsengang, der oft als Trigger für das wirtschaftliche Überreißen des Steuerhorns betrachtet wird, war der Konzern nicht die goldene Cash Cow. So hart es auch klingt: Das ganze Konstrukt war seit mehr als einem Jahrzehnt nicht (über)lebensfähig! Und damit erübrigt sich leider auch die Extra-Tränendrüse für die Mitarbeiter. Für die ist es hart, klar. (Nach einer so langen Sause erst recht.) Aber erstens sind es nicht die einzigen Menschen, die von einem Verlust ihres Arbeitsplatzes betroffen waren, sind und sein werden. Und zweitens muß jedem, auch jedem Mitarbeiter, bei Blick auf die veröffentlichten Zahlen klar gewesen sein, daß da nur noch ein Wunder würde helfen können. Übrigens halte ich angesichts dieser Zahlen den Kater am Tag danach für fast schon harmlos. Liegt es daran, daß es zu großen Teilen nur "stupid money" der Ölscheichs war?
Wo haben denn die normalen Mitarbeiter eine jahrelange Sause durchgeführt? Es ist zum Kotzen, wie Sie und andere hier über die wirklich arbeitenden Beschäftigten schreiben. Wenn Sie auskömmliche Löhne für harte Arbeit als Sause bezeichnen , dann zeigt dass, mit welcher Arroganz Sie auf diese Leute herabschauen. Wenn man natürlich selber ein Leben in Saus und Braus führt, gönnt man den Anderen nur die geregelte Armut.
Wenn jemand bei Air Berlin jeweils eine Sause gemacht hat, waren es die ständig wechselnden Vorstände die besonders durch völlig überhöhte Einkommen und grandiose Unfähigkeit aufgefallen sind. Da fand die wirkliche Sause statt.
Beim jetzigen Vorstandsvorsitzenden, den Lufthanseaten Winkelmann, geht die Sause bis 2022 noch weiter. Bis dahin bekommt dieser Mann für seine Leichenfledderei noch 4,5 Millionen. Gesichert durch eine Bankbürgschaft. Bei Winkelmann findet die von Ihnen beschriebene Sause mit einem 4,5 Millionen Euro Geschenk statt.

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großwolke 31.10.2017, 20:05
44. Mal halblang

Der Air Berlin-Niedergang ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie verselbständigter Journalismus funktioniert. Den meisten Leuten geht die Nummer komplett am Allerwertesten vorbei, auch in Bezug auf die Marke. Aber weil die Firma halt recht groß war, wird tapfer drüber geschrieben, als ob es um irgendwas Wichtiges ginge und nicht nur um einen schon lange dysfunktionalen Billigflieger. Der Durchschnittsbürger fliegt nicht viel, und wenn er's doch mal tut, dann erfolgt die Auswahl des Fluges doch meist übers Reisebüro. Oder über Portale wie fluege.de. Und wo keine Markentreue, da auch keine Trauer. Nicht um das Unternehmen, nicht um die unbekannterweise arbeitslosen Mitarbeiter. Ist ja schließlich nicht so, dass es uns andere nicht auch jederzeit treffen könnte. Wir hoffen auch nur von Jahr zu Jahr, dass es noch ein bisschen weiter so geht, wie wirs gewohnt sind.

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tuxrunner 31.10.2017, 20:14
45. Nein - ganz so einfach ist das nicht

Zitat von ruhuviko
fragt ein Forist, wenn beispielsweise die Lastwagen alle autonom fahren. Der Berliner Regierende Bürgermeister Müller fängt gerade als einer der ersten Ministerpräsidenten an, über das bedingungsloste Grundeinkommen nachzudenken. Damit hat er recht. Denn wer sagt denn, dass die Lastwagen kostenlos rollen sollen? Kosten der Sozialabgaben, der Rentenbeiträge, der Krankenversicherung, der sozialen Absicherung müssen erbracht werden - warum aber nur von dem fahrenden Personal auf den Lastwagen, nicht von den Lastwagen selbst? Das gleiche gilt für andere Maschinen. Wenn immer mehr Roboter oder Firmengeräte autonom arbeiten, dann müssen sie finanziell soviel abwerfen, dass sie jeden Verlust eines Arbeitsplatzes finanziell ausgleichen. Ganz einfach.
Warum soll ein Hersteller hierzulande seine Roboter arbeiten lassen und Sondersteuern zahlen, wenn es genügend Länder gibt, die diese Steuer nicht erheben? Es wird die gleiche Situation dabei herauskommen, die Unternehmensverlagerungen auf Grund billigerere Arbeitskräfte anderswo zur Folge hatten. Ganz einfach?
Ohne eine Zugangsbeschränkung zum Markt - wer hier die (noch) zahlungskräftige Massenkaufkraft für seinen Absatz nutzen will, muss auch hier produzieren (siehe China) -, wird sich das bedinungslose Grundeinkommen nicht finanzieren lassen. Es sei denn, die Bezieher finanzieren es sich selbst über eine exorbitante Mehrwertsteuer selbst - und haben nichts davon.

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tuxrunner 31.10.2017, 20:24
46. Ursache

Zitat von großwolke
Der Air Berlin-Niedergang ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie verselbständigter Journalismus funktioniert. Den meisten Leuten geht die Nummer komplett am Allerwertesten vorbei, auch in Bezug auf die Marke. Aber weil die Firma halt recht groß war, wird tapfer drüber geschrieben, als ob es um irgendwas Wichtiges ginge und nicht nur um einen schon lange dysfunktionalen Billigflieger. Der Durchschnittsbürger fliegt nicht viel, und wenn er's doch mal tut, dann erfolgt die Auswahl des Fluges doch meist übers Reisebüro. Oder über Portale wie fluege.de. Und wo keine Markentreue, da auch keine Trauer. Nicht um das Unternehmen, nicht um die unbekannterweise arbeitslosen Mitarbeiter. Ist ja schließlich nicht so, dass es uns andere nicht auch jederzeit treffen könnte. Wir hoffen auch nur von Jahr zu Jahr, dass es noch ein bisschen weiter so geht, wie wirs gewohnt sind.
Sie haben Recht. Den meisten Nichtbetroffenen geht das Schicksal der Betroffenen am Südpol vorbei - bis sie selbst Betroffene werden. Und das passiert um so schneller, je sicherer ist, dass die Nichtbetroffenen auch dann still halten. Was helfen würde, den Kreis der Abwärtsspirale für alle zu durchbrechen? Solidarität!

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redwed11 31.10.2017, 20:38
47.

Zitat von trimalchio
aber ich kann das Gejammer, Gehetze, die Manipuliererei nicht mehr hören "oh wie geht es ihnen schlecht, was werden sie ausgebeutet"! Ich selbst habe mal komplett neu anfangen müssen, von 0, mich neu hocharbeiten, anschließend durch persönliche Krise gewurschtelt, wieder auf 0, Existenz der Familie trotzdem gesichert. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil wir in einem Land leben, in dem so etwas geht. Und weil wir in einer Zeit leben, in der es uns verdammt gut geht. In der man relativ leicht wieder einen neuen Job bekommen kann. Nein, mir tun die gewerkschaftlich organisierten Air-Berlin Mitarbeiter nicht leid. Es gibt eine Menge Menschen auf der Welt, die in für sie selbst unabwendbaren, zum Teil schrecklichen Schicksalen stecken. Die Air Berlin Mitarbeiter gehören nicht dazu.
Ich weiß nicht unter welchen Umständen Sie in Ihre Notlagen geraten sind. Ob selbst verschuldet oder nicht. Ob im Berufsleben als Selbstständer oder Beschäftigter.
Die Beschäftigten von Air Berlin sind arbeitslos geworden, da Sie in einem Unternehmen gearbeitet haben, das von unfähigen Managern geleitet wurde. Ein Grund für die Pleite vieler Unternehmen. Die Leute von Air Berlin sind völlig schuldlos in diese Misere geraten.Es mag sein, dass die jungen, dynamischen Leute wieder eine andere Stelle finden, andere werden zu schlechteren Bedingungen von LH eventuell übernommen. Aber es werden wie bei allen solchen Pleiten wieder Einige auf der Strecke bleiben. Oder glauben Sie ernsthaft, eine 55 jährige Flugbegleiterin wird noch einmal irgendwo eingestellt. Daher ist Ihr Beitrag eine persönliche Schilderung aber nicht zu verallgemeinern.
Das dann auch noch ein Seitenhieb auf die Gewerkschaften erfolgt, scheint bei Leuten wie Ihnen dazu zu gehören. Gewerkschaften sind vielen ein Dorn im Auge, da Sie die einzigen Organisationen sind, die die arbeitenden Menschen vor den ständigen Schweinereien der Unternehmen noch einigermaßen bewahren. Eine sehr wichtige und notwendige Aufgabe.
Aus den vorgenannten Gründen haben die AB Mitarbeiter meine volles Mitgefühl. denn sie sind die Opfer von völlig unfähigen Managern geworden.

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airberliner 31.10.2017, 20:50
48.

Hunold mochte keine Gewerkschaften, das ist richtig. Aber er hat zu Zeiten, als es airberlin wirtschaftlich gut ging, großzügige Boni an alle Mitarbeiter verteilt. Und er hat bei der LTU-Übernahme Job-Garantieen gegeben, zu bestehenden Konditionen am bestehenden Standort. Davon sind die Kollegen der LH-Gruppe Lichtjahre entfernt...

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g.lutterbach 31.10.2017, 20:59
49. Exakt. Immer dieses Gelaber, dass es den Mitarbeitern zu gut ginge...

Zitat von redwed11
Wo haben denn die normalen Mitarbeiter eine jahrelange Sause durchgeführt? Es ist zum Kotzen, wie Sie und andere hier über die wirklich arbeitenden Beschäftigten schreiben. ...
... auch ein schöner Kommentar und politische Hintergründe bei den Nachdenkseiten:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=40779

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