Forum: Kultur
Eröffnungskonzert Elbphilharmonie: Ode an die Freude
DPA

Premiere geglückt! Das erste Konzert in der neuen Hamburger Elbphilharmonie gelang nicht nur pannenfrei, sondern nahezu perfekt. Die Gäste jubelten, Programm und Interpretation überzeugten, das Finale schäumte fast wie an Silvester.

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team_frusciante 13.01.2017, 11:37
310.

Zitat von KaraBenFasel
Die Aussage des Vorposters lautete allerdings: 50,- € pro Person an *direkten* Steuern. Das sind für mich nicht Steuern, die für Verpflegung, Unterkunft, ... indirekt abgeführt werden.
Schon klar. Ich wollte nur klären, dass man als partywilliger Festivalbesucher an drei heißen Sommertagen durchaus hundert Euro für Verpflegung ausgeben kann, weil das für Verwunderung gesorgt hatte.

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KV491 13.01.2017, 12:22
311.

Zitat von mimamausebär
[...] Es ist gleichwohl in der freiheitlichen Demokratie legitim, weil es eben Ausdruck persönlicher Freiheit ist. Dass die Mehrheit keine Steuern zahlen mag, ist nur natürlich, weil ein mündiger Bürger selbst weiß, wofür er sein Geld ausgeben möchte. Etwa eine Elbphilharmonie oder Netflix, es ist egal. Subventionen (oder etwa das Extrem eines milliardenschweren Rundfunkbeitrages) haben im kulturellen Bereich nichts verloren, weil sich mit ihrer Hilfe der Staat, ob nun (zunächst) demokratisch oder nicht, der Kultur bemächtigt. [... ]
Das halte ich für völlig falsch, den Rest Ihres Beitrages auch. IMO geht es begrifflich nicht primär um den "Staat", sondern um die "Gesellschaft". Eine demokratische Gesellschaft nimmt selber ihre kulturellen Geschicke in die Hand und macht die Möglichkeiten für Künstler aller Art unabhängig von Mäzenatentum - obwohl Mäzenatentum natürlich weiter möglich und erwünscht ist.
Jeder, der es wissen will, weiß, wie teuer es ist, ein Opernhaus, eine große Schauspielbühne, einen Konzertsaal mit den entsprechenden Ensembles zu betreiben. Und heute warten wir eben nicht, ob der Fürst geruht, das haben zu wollen, sondern machen es selber. Als Gesellschaft, aus Steuermitteln. Die sollte es auch für Off-Kultur geben, soweit es dieser nicht schadet und zuwider ist. Wir sollten aber IMO nicht dahin kommen, dass wir nur noch die preisgünstigen Angebote fördern.
Anders gesagt: Die Demokratie sollte nicht am Ende Fürsten und Monarchen hinterhertrauern, weil sie aus Pfennigfuchserei keine kulturellen Spitzenleistungen mehr ermöglichen kann.

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Dion 13.01.2017, 17:15
312. Ungesunder Wettbewerb um den schönsten/größten Bau

Ein Prachtbau, für 789 Millionen Euro errichtet, mit, nach allem, was man so hört, wunderbarer Akustik. Wenn man die einstigen Querelen um den Bau weißt, die für die Kostenexplosion mitverantwortlich waren, so verwundert es mich schon, wie toll das alles geworden ist, zumal am Anfang nur eine Skizze stand, die Jacques Herzog auf eine Postkarte gekritzelt hat.

Anscheinend kann sich das reiche Hamburg so einen Kulturtempel locker leisten, aber es stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, die sogenannte Hochkultur so hoch mit Steuermitteln zu päppeln. Es sind ja nicht nur die Baukosten, es sind da auch die Ausgaben für den laufenden Betrieb, die Jahr für Jahr in 2-stelliger Millionenhöhe pro Veranstaltungsstätte anfallen.

In München z.B., auch einer reichen Stadt, wird jeder Klassik-Konzertbesuch mit rund 100 Euro subventioniert, obwohl man für eine Eintrittskarte für die Gasteig-Philharmonie, dem mediokren Gegenstück zur Elbphilharmonie mit ca. 2300 Plätzen, zwischen 40 und 80 Euro blechen muss. Ebenfalls mit mehr als 100 Euro pro Eintrittskarte werden Kammerspiele von der Stadt bezuschusst, um von anderen Spielstätten in München, die dem Land Bayern gehören und von ihm subventioniert werden, einmal zu schweigen.

Dagegen kann man einwenden, dass sich sonst nur die Reichen würden leisten können, erstklassige Aufführungen zu besuchen, aber die Frage stellt sich trotzdem: Sind diese kulturelle Leistungen es tatsächlich wert, so hoch bezuschusst zu werden? Oder anders gefragt: Warum kosten solche Tempel und Künstler für Eliten so viel?

Ich weiß, es gibt den weltweiten Wettbewerb um den schönsten/größten Bau bzw. Künstler. Aber müssen wir da um jeden Preis mitmachen und 789 Millionen für einen Prachtbau und z.B. für Netrebko 50.000 Euro pro Abend bezahlen?

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helisara 13.01.2017, 21:59
313.

Zitat von Dion
Ein Prachtbau, für 789 Millionen Euro errichtet, mit, nach allem, was man so hört, wunderbarer Akustik. Wenn man die einstigen Querelen um den Bau weißt, die für die Kostenexplosion mitverantwortlich waren, so verwundert es mich schon, wie toll das alles geworden ist, zumal am Anfang nur eine Skizze stand, die Jacques Herzog auf eine Postkarte gekritzelt hat. Anscheinend kann sich das reiche Hamburg so einen Kulturtempel locker leisten, aber es stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, die sogenannte Hochkultur so hoch mit Steuermitteln zu päppeln. Es sind ja nicht nur die Baukosten, es sind da auch die Ausgaben für den laufenden Betrieb, die Jahr für Jahr in 2-stelliger Millionenhöhe pro Veranstaltungsstätte anfallen. In München z.B., auch einer reichen Stadt, wird jeder Klassik-Konzertbesuch mit rund 100 Euro subventioniert, obwohl man für eine Eintrittskarte für die Gasteig-Philharmonie, dem mediokren Gegenstück zur Elbphilharmonie mit ca. 2300 Plätzen, zwischen 40 und 80 Euro blechen muss. Ebenfalls mit mehr als 100 Euro pro Eintrittskarte werden Kammerspiele von der Stadt bezuschusst, um von anderen Spielstätten in München, die dem Land Bayern gehören und von ihm subventioniert werden, einmal zu schweigen. Dagegen kann man einwenden, dass sich sonst nur die Reichen würden leisten können, erstklassige Aufführungen zu besuchen, aber die Frage stellt sich trotzdem: Sind diese kulturelle Leistungen es tatsächlich wert, so hoch bezuschusst zu werden? Oder anders gefragt: Warum kosten solche Tempel und Künstler für Eliten so viel? Ich weiß, es gibt den weltweiten Wettbewerb um den schönsten/größten Bau bzw. Künstler. Aber müssen wir da um jeden Preis mitmachen und 789 Millionen für einen Prachtbau und z.B. für Netrebko 50.000 Euro pro Abend bezahlen?
Kultursubventionen fließen nicht nur in solche Leuchtturmprojekte wie die Elbphilharmonie, sondern auch in die "ganz normalen" kleineren Theater, damit sich auch Normal- und Geringverdiener (wie ich z.B.) Opern- Konzert- und Theaterkarten leisten können. Nicht alle Sänger, Musiker und (Theater)schauspieler verdienen so viel wie die, übrigens furchtbar überschätzte, Anna Netrebko. Die festengagierten Sänger der "normalen" Ensembles gehen mit viel weniger Geld nach Hause. Wenn man die Frage nach den Subventionen stellt könnte man auch auf Sport, insbesondere Profifußball schauen. Auch Kommunen geben schon mal hübsche Summen her, um ein Fußballstadion zu bauen, und geben auch Geld für die Vereine und den laufenden Betrieb, hinzu kommen die, vom Steuerzahler finanzierten, Polizeieinsätze, die auch der Sportverächter mitfinanzieren muß. Kleiner Nebenaspekt: während bei Rockfestivals und großen Sportveranstaltungen Anwohner mit dem Lärm belästigt werden, bekommen die "Klassikverächter" nichts mit von der Musik die im Konzerthaus gespielt wird.

Es kann nicht jeder Sport oder Dschungelcamp mögen. "Klassische" Musik ist fast das einzige was ich deutschen Fernsehen sehe, alles andere kann man vergessen. Allein dafür, finde ich, sind meine Steuergelder gut angelegt.

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Neandiausdemtal 13.01.2017, 22:52
314. Wenn man bedenkt.......

Zitat von pepe_pelo
Was mich brennend interessiert und SPON und andere deutsche Magazine und Zeitungen nicht erwähnt haben. Kann sich die untere Schicht der Hamburger Bevölkerung die Eintrittstickets in die Elbphilharmonie eigentlich leisten oder wurde dieses Werk nur für die reiche Gruppe in Hamburg errichtet (siehe die Luxuswohnungen und Luxushotel in dem Gebäude) ? 789 Millionen Euro ! Ich kann es immer noch nicht glauben. Das ist fast eine Milliarde für ein Gebäude.
....was letztes Jahr der Flugzeugträger USS Gerald Ford gekostet hat?! 13 Mrd. $! Und der hat eine deutlich schlechtere Akkustik.

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martinbabenhausen 14.01.2017, 08:40
315.

Klar, nach einem solchen finanziellen Desaster muss man durch größere Utopien vom eigenen Versagen ablenken indem man "Alle Menschen werden Brüder!" trällert.

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dochula 15.01.2017, 18:10
316. Eröffungskonzert Elbphilharmonie

Ich saß am Bildschirm. Die Musik war ätzend.
Die Sendung vortrefflich.

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Dion 15.01.2017, 21:59
317.

Zitat von helisara
Wenn man die Frage nach den Subventionen stellt könnte man auch auf Sport, insbesondere Profifußball schauen.
Das war ein schlechtes Beispiel, helisara, denn der Umfang der öffentlichen Subventionen für Fußballvereine im Profibereich hält sich in Grenzen, obwohl die besten Spieler dort auch sehr gut bezahlt werden. Mir ist jedenfalls noch nicht zu Ohren gekommen, dass die Stadt Hamburg den HSV finanziell je in vergleichbarer Höhe wie die Elbphilharmonie unterstützt hat.

Aber ich will mich gar nicht auf diese Diskussion einlassen, denn auch mir ist klar: Kultur kostet. Die Frage ist aber, wie viel darf oder soll Kultur kosten?

Ein Beispiel: Die Oper in München hat 2000 Plätze und ist fast immer ausverkauft. Bei einem durchschnittlichen Preis von 50 € pro Karte sind das Einnahmen von 100.000 € pro Abend, wovon allein Netrebko – das nur als Beispiel – die Hälfte bekommt. Die andere Hälfte müssen sich die anderen Sänger, Musiker und alle anderen Angestellten des Theaters teilen, was natürlich vorne und hinten nicht reicht, zumal die Einnahmen nicht jeden Tag fließen, sehr viele Kosten aber jeden Tag anfallen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin nicht generell gegen Subventionen aus den öffentlichen Mitteln, ich bin nur dafür, dass dies mit Augenmaß geschieht. Und sollten die nicht reichen, um ein anständiges Programm auf die Beine zu stellen, dann sollen halt Sponsoren einspringen wie im Profifußball auch.

In den USA ist es z.B. normal, dass große Unternehmen oder reiche Einzelne Kultur-Stätte und/oder –Veranstaltungen finanzieren. Dafür tragen die Spielstätten den Namen desjenigen, der sie errichtet hat, was ist Ruhm genug. Denn letztlich geht es auch hier um den Ruhm, den besten Konzertsaals zu besitzen, den besten Sänger, Musiker, etc. engagieren zu können und sich damit in einer Reihe mit den anderen großen Städten zu befinden, die Ähnliches aufzubieten haben.

Ich meine, wenn der VW-Konzern genug Geld hat, um auf einmal 20 Milliarden Dollar an Strafen und an Schadenersatz zu bezahlen, dann könnte er mit Leichtigkeit fast jedes Jahr ein Konzertsaal von der Größe und Güte der Elbphilharmonie irgendwo in der Welt hinstellen. Noch besser würde Solches zu Daimler oder BMW passen, deren teure Autos bzw. SUVs die Elite so gern fährt. Damit hätte Elite ihr Bedürfnis nach Elitärem endlich auch (indirekt) selbst bezahlt – und damit etwas Gutes für die Allgemeinheit getan.

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io_gbg 22.01.2017, 18:32
318.

Zitat von haresu
Aber diese Selbstbeweihräucherung der letzten Wochen nach diesem Versagen und dem Versenken von vielen Millionen öffentlicher Gelder? Geld das woanders fehlt.
Das Geld fehlt an und für sich nicht. Es liegt ja nicht in irgendwelchen Sparstrümpfen, sondern kam Handwerkern und vielen anderen zugute.
Das einzige was schade ist, dass man das Geld, das zuviel ausgegeben wurde, eben für anderes nicht nutzen konnte. Darin liegt die Verschwendung.

Nun steht das feine Ding, und in 10 Jahren redet aber kein Mensch mehr von den Ausgaben.
ich möchte den neuen Saal sehr gerne erleben, hören, wenn ich nach Hamburg komme und freue mich schon darauf.

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