Forum: Kultur
Erste Lesung von Christian Kracht: Er schnauft! Bei Hitler!
Hanan Elstein

Alle reden über ihn, jetzt sprach er: In Zürich las Christian Kracht aus seinem umstrittenen Roman "Imperium" vor. Würde er bei der Weltpremiere etwas sagen zu dem Vorwurf, ein Rechter zu sein? Das Publikum deutete gespannt jede Regung des Autors - und lachte schließlich über hässliche Deutsche.

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klappertopf 08.03.2012, 14:44
10. "Die Schuldlosen"

Zitat von sverris
"Mit dem indischen Sonnenkreuze eindrücklich beflaggt, wird alsdann ein kleiner Vegetarier, eine absurde schwarze Zahnbürste unter der Nase, die drei, vier Stufen zur Bühne...Ach, warten wir doch einfach ab, bis sie in äolischem Moll düster anhebt, die Todessymphonie der Deutschen. Komödiantisch wäre es wohl anzusehen, wenn da nicht unvorstellbare Grausamkeit folgen würde: Gebeine, Excreta, Rauch." So auf den ersten Blick: das "absurd" ist total überflüssig, und "äolisches Moll" ist Quatsch, weils das nicht gibt (kann jeder selbst im Netz suchen, warum). Und "deutsche Todessympfonik" würde ich eher in Dur hören. Und "unvorstellbar" ist auch eher zweifelhafte Rhetorik.

Da lobe ich mir doch den H. Broch mit seinen " Die Schuldlosen". Ist Kracht mit seinem "Imperium" schon wieder auf den Hund gekommen?

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Urban Spaceman 08.03.2012, 14:49
11.

Fehlt nur noch, dass der Journalist einen Bogen von "Salem", wo Kracht zu Buebs Zeiten zur Schule ging, zum "Lob der Disziplin" schlägt.

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kagu 08.03.2012, 15:39
12.

Zitat von Franz Medardus
Ach, beherrschte doch jeder Literaturkritiker die deutsche Sprache wenigstens soweit, daß er eine Allerweltspräposition wie "gegenüber" mit dem richtigen Kasus zu verwenden wüßte!
Artikel mit fehlerfreiem Deutsch haben bei Spon Seltenheitswert, wieso sollte es hier anders sein? Wo beispielsweise "gedenken" ständig mit dem Dativ statt mit dem Genitiv gebraucht wird, kann man doch bei "gegenüber" die Angelegenheit kurzentschlossen einfach umdrehen, dann gleicht es sich wieder aus.

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panzerknacker51 08.03.2012, 16:52
13. Genau so ist es!

Zitat von kagu
Artikel mit fehlerfreiem Deutsch haben bei Spon Seltenheitswert, wieso sollte es hier anders sein? Wo beispielsweise "gedenken" ständig mit dem Dativ statt mit dem Genitiv gebraucht wird, kann man doch bei "gegenüber" die Angelegenheit kurzentschlossen einfach umdrehen, dann gleicht es sich wieder aus.
Denn, wie jeder weiß: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" (zit. nach Sick)

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frigor 08.03.2012, 17:19
14. Schokolade, Kühe, Jodeln ...

Zitat von sysop
Man sagt, in den USA gebe es keinen Ort im Freien, von dem aus man nicht eine amerikanische Nationalflagge wehen sehen könne, und so verhält es sich wohl in Zürich mit der UBS: Die roten Buchstaben ihres Logos scheinen allgegenwärtig zu sein.
... und damit hätte unser Journalist wieder ein weiteres Cliché in die Welt gesetzt. Ist grad wie in Frankfurt: an jeder Strassenecke die Deutsche Bank.

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meursault242 09.03.2012, 08:27
15. Das passt so schön zusammen...

Ein lächerlicher, ängstlicher Mann der in einem albernen ängstlichen Land in einer kleingeistigen Stadt ästhetische überhöhtes und inhaltlich anachronistisches Gedankengut vorträgt. Die Symbolkraft dieser Location sagt so viel mehr über die Person Kracht aus als dieser sich wünschen kann. Und dann noch Salem - da passt doch alles zusammen. Wenn dem deutschen Literaturbetrieb nichts gescheiteres mehr einfällt als mit solchen Spinnern die Vergangenheit zu feiern, kann man sich zumindest guten Gewissens den Klassikern widmen. Diese sind zumindest noch authentisch in ihrer Zeit verwurzelt.
Und das sich Eskapismus auch ohne verklärte (Zeit)reisen im deutschen hier und jetzt erfahren lässt -und wenn es nur beim Schuhe "Testlaufen" stattfindet- beweis Wilhelm Genazino mit jedem seiner Romane.

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Jan Ole 09.03.2012, 11:30
16. Beleidigt-humorlos durch die Schnösel-Zone brettern

Wertes Forum,
ob Christian Kracht ein Rechter ist, ob er faschistisches Gedankengut in seinem neuen Roman transportiert oder transportieren will, ich kann es nicht sagen. Vielleicht wäre es auch zu viel der Ehre, ihn nun auch noch zum neurechten Vordenker zu machen.
Was ich in der ganzen Diskussion aber vor allem vermisse: Warum wird sein literarisches Werk im Allgemeinen und sein neues Buch im Besonderen nicht in Beziehung gesetzt zu seinem persönlichen Hintergrund gesetzt – gerade wenn die Frage seines angeblichen Humors gestellt wird (wie etwa in der "F.A.Z."). Haben wir es hier nicht mit einem Sohn aus gutem Haus zu tun - samt Vater gleichen Vornamens, der bei Springer die ganz große Nummer war. Kracht Jr. tourt also standesgemäß durch verschiedene Elite-Internate, geht dann an eine private US-Elite-Universität und kommt danach – Papa ist ja bei Springer - zur Berliner "B.Z." (dem noch etwas schmuddeligeren Lokal-Ausleger der "BILD"!), aber auch zu "Tempo". Dann tourt er – ganz der ruhelose "fin de siecle"-Dandy – durch die Welt, berichtet u.a. für die "Welt" (Achtung, schon wieder Springer, danke Papa!), schreibt ein beachtenswertes Buch, beklagt dann 1999 im Hotel Adlon mit anderen (übrigens auch Humor-unverdächtigen!) literarischen Giftmischern wie Joachim Bessing oder Benjamin von Stuckrad-Barre die ach so traurige "Tristesse Royale", schreibt weiter Bücher, gibt von 2004 bis 2006 (auch wieder bei Springer!) aus Nepal die Dandy-Zeitschrift "Der Freund" heraus, vorwortet 2006 Fotos aus Nordkorea fahrlässig hedonistisch, schwurbelt 2007 in "Metan" Science-Fiction-eskes zusammen usw. usf. Viel Form, eher wenig Inhalt, so scheint mir. Die Neue Deutsche (eher belanglose) Popliteratur eben. Und jetzt "Imperium", das als in Form wie Inhalt Nabelschau eines Selbstverliebten gelesen werden kann. Ein Weltenbummler schreibt über einen seiner Vorgänger und meint letztendlich nur sich selber! Und entfacht einen Sturm im literarischen Wasserglas! Tolles Marketing, ich gratuliere Helge Malchow! 80.000 in zwei Wochen!
Aber mal im Ernst: Ich habe den Eindruck, dass hier ein Autor agiert, der eigentlich gar nicht in der richtigen Welt lebt, auch nicht leben will, dieser Welt aber den Spiegel vorhalten will, letztendlich aber eher mit sich selbst beschäftigt ist - dabei aber schnell beleidigt ist, wenn ihm selber mal der Spiegel vorgehalten und seine oft herablassend-arrogante, vor allem aber verbittert-austeilende Dandy-Sicht kritisiert wird. Das erscheint mir in höchstem Maße humorlos und vor allem wenig souverän. Denn Humor setzt für mich Souveränität voraus - und die sehe ich bei Kracht Junior nicht, denn sonst würde jetzt nicht so kleinlich beleidigt reagieren und die Buchpräsentation in Berlin absagen. Geht der Mann zum Lachen in den Keller? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich auffallend wenige Fotos von Christian Kracht finde, auf denen er mal lacht oder nur entspannt wirkt (vgl. christian kracht - Google-Suche ) Auch in Zürich scheint er eher angespannt zu sein, sich wohlfühlen in der eigenen Haut, in einem Raum sieht für mich anders aus.
Vielleicht verdient dieser Schreiber von der verspannt-traurigen Gestalt einfach nur Mitleid?

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