Forum: Kultur
Europop - Ist Deutschland aus dem Rhythmus?

Sieg für die Griechen, rote Laterne für Deutschland: Der Ausgang des Eurovision Song Contest belegt zumindest in diesem Fall, dass Pop aus Deutschland derzeit in Europa nicht ankommt. War Grace wirklich so schlecht? Wer war Ihr Favorit? Sollte im nächsten Jahr wieder eine Jury über unseren Song-Beitrag entscheiden?

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realbit 22.05.2005, 12:29
1. gerechte Strafe

Für die armselige Show, die Gracia gestern geliefert hat und für den Skandal um die Chartmanipulation war dies die gerechte Strafe.
Die Vorentscheidung in Deutschland sollte jedoch weiterhin eine Publikumsveranstaltung bleiben. Evtl. sollte man sich allerdings überlegen, ob die Musiker, die zur Vorentscheidung antreten dürfen, nicht von einer qualifizierten Jury ausgewählt werden sollten...

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Opa Hoppenstedt 22.05.2005, 12:37
2.

Zitat von sysop
Sieg für die Griechen, rote Laterne für Deutschland: Der Ausgang des Eurovision Song Contest belegt zumindest in diesem Fall, dass Pop aus Deutschland derzeit in Europa nicht ankommt.
Nein, das belegt er nicht. Pop aus Deutschland liegt voll im Trend und kommt über die Grenzen des Landes hinaus gut an.

Der Beitrag von Gracia hatte mit "Deutsch-Pop" allerdings überhaupt nichts zu tun. Gracia sang eben nicht in ihrer schönen Muttersprache, sondern kam auf Englisch daher. Die Sängerin war offenbar bemüht, sich von ihrer deutschen Identität so weit wie möglich abzugrenzen (warum auch immer). Das Lied hatte mit Deutschland überhaupt nichts zu tun und wurde von der europäischen Gemeinde (vollkommen zurecht) abgestraft.

Vielleicht begreifen es die Verantwortlichen jetzt, dass man sich mit Anbiederung an die englische Sprache nur lächerlich macht. Hoffentlich tritt Deutschland nächstes Jahr wieder mit einem deutschsprachigen Lied an, denn das würde unsere Chancen beim nächsten Finale in Athen 2006 deutlich erhöhen.

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carioca 22.05.2005, 12:39
3.

Für mich war klar, dass das für Deutschland ein Debakel gibt.
Die Länder, die jedesmal siegen, verstehen es nämlich, sich durch Musik, die landestypische Elemente enthält, aus der Masse hervorzuheben und die Leute mitzureissen.

Aus diesem Grund hat es mich gefreut, dass Deutschland mit so einem öden 08/15 Mainstream gescheitert ist.

Wenn jedes Land so einen Müll wie Deutschland abliefern würde, bräuchte man den Wettbewerb gar nicht mehr zwischen den Ländern auszuführen, da die Musik ja gar nichts mehr mit dem Land zu tun hätte.

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DJ Doena 22.05.2005, 12:43
4.

Also ich hab zufällig reingezappt als die Kurzzusammenfassung der Beiträge kam und Gracia hat ganz schön gerkächzt.

Davon abgesehen stimmt die Analyse Stefan Raabs, dass es von Vorteil ist, wenn ein Land sich in viele kleine aufsplittet und sich dann gegenseitig die Punkte schenkt.

Ich weiss nicht wie es da dieses Jahr war aber letztes Jahr war dies wirklich auffällig. Und das wir keine Freunde in Europa haben ist ja nun wirklich keine Neuigkeit.

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chris1714 22.05.2005, 12:50
5. Starkes Teilnehmerfeld

Das war ein wirklich starkes Teilnehmerfeld diesmal - mein Favorit war Israel, die Frau konnte verdammt gut singen, leider ganz im Gegensatz zu Gracia. Ich habe sie gestern zum ersten Mal gehört und muß feststellen, armes Deutschland!

Das soll der beste deutsche Song sein? Ist der Song etwa ein Hit bei uns? Ich jedenfalls hatte ihn bisher noch nicht gehört. Haben wir denn keine besseren Künstler, vor allem solche, bei denen man merkt, Kunst kommt von "Können"?

Vielleicht war Gracia gestern nur zu nervös, wäre ich selbst noch viel mehr, aber das sollte man doch bei der Künstlerauswahl auch bitteschön berücksichtigen.

Im ganzen will ich aber nicht weiter lamentieren, denn schließlich muß jemand letzte(r) werden, und bei dem Feld ist das gar nicht mal so schlimm. Und es war aus europäischer Sicht ein toller Abend - und das ist doch die Hauptsache hier.

- chris

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alchab 22.05.2005, 12:59
6. Gracia gut -- Musik langweilig -- Berater schlecht

Haben die (wer auch immer das entschieden hat) wirklich geglaubt, mit einer optischen Ruslana-Kopie den Wettbewerb noch einmal gewinnen zu können?

Man braucht Originalität -- nicht second-hand Ware.

Außerdem war der Titel einfach zu langweilig.

Wir brauchen ein Auswahlverfahren, das einigermaßen sicherstellen kann, dass keine Synthetik auf die Bühne kommt, sondern echte Menschen mit ihren Songs (siehe z.B. Chiara).

Schöne Grüße.

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sainz 22.05.2005, 13:04
7.

So sehe ich das auch, die Punktevergabe ist Jahr für Jahr eine Farce, ein schlechter Witz. "Jugoslawien" besteht jetzt schon aus fünf Ländern, die sich gegenseitig unter dei Arme greifen. Es gibt die Balkan-, die Skandinavien- und die Ostconnection, so kommt es mir jedenfalls vor, und die Punkte gehen immer an die Länder mit den schlechtesten Beiträgen (das ist natürlich Gemschmakssache).
Der deutsche Beitrag ist einer der besten der letzten Jahre, obwohl das keine Kunst ist, bei dem Angebot der vergangenen Wettbewerbe, bei denen wir uns mit Lou oder Corinna May mehr als nur lächerlich gemacht haben. Die Sänger/Gruppen der Britten/Franzosen/Spanier, finde ich, waren lange nicht so lachhaft aufgetreten, wie die Moldawier mit ihrer Oma oder andere Nationen, bei denen vor lauter Show der Gesang keine Rolle mehr gespielt hat! Vorbildlich hingegen fand ich Dänemark, Schweden, oder auch Norwegen und die Schweiz, die ihre Punkte redlich verdient haben, weil der Gesang klar in den Vordergrund gestellt wird.

Das Angebot beim Eurovision Song Contest verschlechtert sich von Jahr zu Jahr, und das liegt daran, dass viele Nationen, mir ist aufgefallen, dass das vor allem Nationen aus Osteuropa sind, einfach nur noch die Show und das Gedöhns drumrum sehen. Man schickt einfach den Sänger ins Rennen, der von den Kandidaten am besten von seinem schlechten Lied ablenken kann. Das soll jetzt bitte nicht als "Die-Osteuropäer-sind-alle-komisch-und-doof"-Vorurteil verstanden werden.

Ich plädiere deutlich für eine Wiedereinführung einer Jury, die die Beiträge nach gesanglichen Fähigkeiten und sicherem Auftreten, etc. bewertet. Dann müsste man natürlich jedes Land in diese Entscheidungen mit einbeziehen und sich auf Musikexperten beschränken, die wirklich noch was mit der Musik anfangen können, und unabhängig beurteilen können.

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uiuiui7 22.05.2005, 13:10
8. Wie der Eurovision Song Contest die Landtagswahl in NRW beeinflusste

Ein Debakel, ein Dilemma, ein Desaster, das waren die voreiligen Worte der Medien kurz nach dem Eurovision Song Contest, bei dem Deutschland mit Gracia auf dem allerallerletzten Platz landete. Ich fand das gar nicht so schlimm. Ich fand eher ein Debakel, dass man mit Produzentennutten überhaupt Punkte bekommen kann. Gracia bekam 4, Sieger Griechenland bekam 230.

Aber bei dem Lied ist es auch kein Wunder, dass man ganz hinten landet, sondern ein Segen, dass man überhaupt teilnehmen darf. Der Titel „You better run and hide“ bezieht sich auf was man schnell tun sollte, wenn man die ersten Takte des Songs hört. Oder sich die Ohren zuhalten. Wenn Gracia wenigstens „hide“ singen würde, aber die jodelt und heult es wie einen Tarzanschrei: „You better run and ha – i –aid“ – wo die extra Silben herkommen weiß ich nicht. Wahrscheinlich aus der Hölle, gut klingen tun sie nämlich nicht. Ha – i – aa –ii – aa- ii – aid.

Nicht, dass die anderen Länder viel besser wären, oder das man sich an irgendeinen Beitrag noch nächstes Jahr erinnern könne – ich habe jetzt schon den Namen der Siegerin vergessen, aber das beste war, dass mir einer versucht hat, anhand dieses Ergebnisses mir seine Verschwörungstheorien vom vereinten Europa – vereint gegen Deutschland – zu erzählen.

Ich schaute den Contest nämlich in meinem neuen Lieblingsladen, dem Cleanicum (<a href=http://www.cleanicum.de>www.cleanicum.de</a>) und nach der Deklassierung - um noch ein weiteres Wort mi wie Deutschland zu nennen - erzählte mir der Vorsitzende, dass es ein Skandal sei: „Ey, ich sach’ Dir! Wehe! Wähl morgen CDU! Gegen EU-Beitritt der Türkei! Die haben uns 0 Punkte gegeben!“ … Da half es auch nicht, anzumerken, dass nicht nur die Türkei uns null Punkte gegeben hat, sondern alle Länder. Na ja, bis auf Monaco und Moldawien, aber in Monaco wohnt kaum jemand und wer weiß schon, wo Moldawien liegt?

„Die mögen uns nicht, wir haben in Europa einen schlechten Ruf!“ – „Na, bei dem Scheiß-Lied ist das auch kein Wunder.“ – „Nein, nein, die mögen uns Deutsche nicht, man kann doch endlich mal den zweiten Weltkrieg vergessen, das ist schließlich schon 60 Jahre her!“

So drückt also der Grand Prix d’Eurovision auf die Stimmung und Deutschland in die Isolation. Wenn Gracia gewonnen hätte, dann hätte Steinbrück auch die Chance gehabt, die Stimmen in NRW zu behalten, aber mal ehrlich – geglaubt hat da doch niemand dran.

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sainz 22.05.2005, 13:14
9.

So sehe ich das auch, die Punktevergabe ist Jahr für Jahr eine Farce, ein schlechter Witz. "Jugoslawien" besteht jetzt schon aus fünf Ländern, die sich gegenseitig unter dei Arme greifen. Es gibt die Balkan-, die Skandinavien- und die Ostconnection, so kommt es mir jedenfalls vor, und die Punkte gehen immer an die Länder mit den schlechtesten Beiträgen (das ist natürlich Gemschmakssache).
Der deutsche Beitrag ist einer der besten der letzten Jahre, obwohl das keine Kunst ist, bei dem Angebot der vergangenen Wettbewerbe, bei denen wir uns mit Lou oder Corinna May mehr als nur lächerlich gemacht haben. Die Sänger/Gruppen der Britten/Franzosen/Spanier, finde ich, waren lange nicht so lachhaft aufgetreten, wie die Moldawier mit ihrer Oma oder andere Nationen, bei denen vor lauter Show der Gesang keine Rolle mehr gespielt hat! Vorbildlich hingegen fand ich Dänemark, Schweden, oder auch Norwegen und die Schweiz, die ihre Punkte redlich verdient haben, weil der Gesang klar in den Vordergrund gestellt wird.

Das Angebot beim Eurovision Song Contest verschlechtert sich von Jahr zu Jahr, und das liegt daran, dass viele Nationen, mir ist aufgefallen, dass das vor allem Nationen aus Osteuropa sind, einfach nur noch die Show und das Gedöhns drumrum sehen. Man schickt einfach den Sänger ins Rennen, der von den Kandidaten am besten von seinem schlechten Lied ablenken kann. Das soll jetzt bitte nicht als "Die-Osteuropäer-sind-alle-komisch-und-doof"-Vorurteil verstanden werden.

Ich plädiere deutlich für eine Wiedereinführung einer Jury, die die Beiträge nach gesanglichen Fähigkeiten und sicherem Auftreten, etc. bewertet. Dann müsste man natürlich jedes Land in diese Entscheidungen mit einbeziehen und sich auf Musikexperten beschränken, die wirklich noch was mit der Musik anfangen können, und unabhängig beurteilen können.

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