Forum: Kultur
Europop - Ist Deutschland aus dem Rhythmus?

Sieg für die Griechen, rote Laterne für Deutschland: Der Ausgang des Eurovision Song Contest belegt zumindest in diesem Fall, dass Pop aus Deutschland derzeit in Europa nicht ankommt. War Grace wirklich so schlecht? Wer war Ihr Favorit? Sollte im nächsten Jahr wieder eine Jury über unseren Song-Beitrag entscheiden?

Seite 2 von 26
deefens 22.05.2005, 13:17
10. Germany no points

Wenn man sich seit Jahren nicht traut, einen Teilnehmer ins Rennen zu schicken der mal zur Abwechslung auf Deutsch singt, braucht man sich nicht über die Ergebnisse zu wundern. Die letzten Jahre gingen immer Sänger/innen ins Rennen, die mit englischsprachigen 0815-Popnummern im Vorfeld des Song-Contests aus unerfindlichen Gründen zu den Favoriten hochstilisiert wurden.

Es war doch von Anfang an immer klar, dass uncharismatische Frauen wie Lou oder Corinna May nicht mal die deutschen Fans aus dem angrenzenden Ausland dazu bewegen würden, zum Telefonhörer zu greifen. Wenn man sich dagegen mal Stefan Raabs bzw. Guildo Horns Teilnahmen anschaut, stellt man schnell fest, dass Gruppen die zu Ihren Wurzeln stehen und nicht aus zusammengecasteten Klonen der Musikwirtschaft bestehen eigentlich immer mit guten Platzierungen belohnt werden.

Man sollte sich vielleicht auch mal Fragen, warum wirklich populäre deutsche Musiker (z.B. Grönemeyer, Naidoo, Juli, ...) die Teilnahme an einem Vorentscheid scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Ich nehme an, dass den meisten das Risiko zu groß ist, dass ein mieses Abscheiden das Ende der Karriere bedeuten könnte, so wie es jetzt bei Gracia zu erwarten ist. Die Frau ist musikalisch tot, erst recht nach den Manipulationsvorwürfen.

Zudem muss sich die Branche den Vorwurf gefallen lassen, keine ausreichenden Maßnahmen gegen Brandes und Co. unternommen zu haben. Zwar hat der Moderator gestern mehrfach betont, die Manipulationsaffäre hätte in Kiew nicht die geringste Rolle gespielt, die Tatsachen dürften jedoch ganz anders aussehen. Gracia hat keine Lobby in Deutschland nach dieser Geschichte, warum sollte sie dann eine im Ausland haben. Wenn nicht einmal die eigenen Mitbürger anrufen (z.B. wie früher Urlauber aus Spanien) ist das doch ein mehr als deutliches Zeichen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: solange die Musikwirtschaft in Deutschland nicht von Ihrem festgefahrenen Mainstream-Pfad abweicht (man schaue sich nur mal die aktuellen Charts an *würg*) und deutschsprachigen (!) Nachwuchskünstlern eine Chance einräumt, wird sich am gegenwärtigen Dilemma nichts ändern.

Beitrag melden
huepattl 22.05.2005, 13:22
11.

Ich denke einfach, man sollte den Grand Prix (oder wie auch immer er neuerdings heißt...) einfach nicht überbewerten. Letztendlich sind wir schon selbst schuld, wenn wir eine Krächze-Sängerin mit Jaul-Attitüden in die Ukraine schicken, noch dazu mit einer Band, die spastische Zuckungen während der Performance vorweist...

Also ich schaue mir den Contest jedes Jahr an. Letzendlich schicken meines Erachtens alle Länder den letzten Charts-Schrott ins Rennen. Als seichte Unterhaltung ist es trotzdem belustigend und die Sache mit "keine Freunde in Europa" finde ich für Deutschland nicht zutreffend. Man schaue sich die Franzosen an, die auch am Ende zu finden waren. Ich denke nicht, dass die deutsche Volks-Seele aufgrund einer Grand Prix-Niederlage gekränkt sein muss!

Interessant ist wirklich nur die "Balkan-Connection". Da bekriegt man sich seit Jahrhunderten und will partout kein einheitlicher Staat sein, aber wenn es um die Punkteverteilung beim Schlagerfestival geht, hält man doch wie Pech und Schwefel zusammen.

Nun denn, es sei Griechenland gekönnt! Ich bin froh, dass ich in diesem Jahr keinen Club-Urlaub dort gebucht habe, denn ansonsten müsste man dieses auch eher unterklassige Lied den ganzen Tag am Pool ertragen. :-)

Allen noch einen schönen Sonntag!

Beitrag melden
Botias 22.05.2005, 13:24
12. Also bitte....

...das war ja total daneben.
Das(s) wir keine Freunde in Europa haben, ist völlig falsch und hier auch gänzlich uninteressant. Der deutsche Beitrag war schlicht grauenhaft und ich dachte mir schon beim Zusehen, dass sie womöglich keinen einzigen Punkt bekommt.
Aber wenn man Stefan Raab als Meinung zitiert, ist eigentlich meine aufgebrachte Antwort überreagiert. Muss man eigentlich nicht so ernst nehmen...

Beitrag melden
Musikexpert 22.05.2005, 13:31
13. falsche Frage....

Ich glaube, die Frage ist falsch formuliert.
Nicht der deutsche Pop ist aus dem Rhythmus und auch die Punktvergabe zwischen den Ländern ist nicht das Problem. Denn man kann mit einem guten Song relativ weit vorne landen, siehe Max Mutzke im letzten Jahr.
Die Frage ist eher: wieso wurde ausgerechnet einer der schlechtesten Songs - nämlich der von Gracia - Sieger der deutschen Vorentscheidung? Es gab eine Vielzahl besserer Songs und besserer Interpreten bei der Vorentscheidung - z.B. Allee der Kosmonauten oder Königwerq. Dass da ausgerechnet Gracia gewonnen hat, lässt aus meiner Sicht nur zwei Schlüsse zu: sie hatte viele erfahrene Telefonvoting-Fans aus DSDS-Zeiten auf ihrer Seite (das hat dann aber nix mit Qualität oder Können zu tun sondern mit Bekanntheitsgrad) oder die Abstimmung wurde schlicht manipuliert. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Musikmanager, der Plattenverkäufe manipuliert, auch Telefonvotings manipuliert. Sollte auch nicht ganz schwierig sein mit moderner Technik. Daraus könnte man folgern, dass wir vielleicht doch wieder eine Jury brauchen.
Gracia hat jedenfalls zu Recht den verdienten letzten Platz erreicht. Die 4 Punkte sind eigentlich noch zu viel gewesen.....und hoffentlich verschwindet sie dann musikalisch auch bald ganz von der Bildfläche, da sie eben lediglich ein Kunstprodukt einer Casting-Show ist. Und mit dem Verschwinden würde sie sich dann in die Reihe ihrer Casting-Show-Kollegen einreihen. Schließlich erinnert man sich kaum noch an Overground, No Angels, Alexander Klaws, Daniel Küblblöck und Co......und das ist auch gut so!

Beitrag melden
maroviin 22.05.2005, 13:33
14. Die Letzten - Großen:UK, France, Spania, Germany

Der Eurovision Contest beweisst die Vetternwirtschaft minderwertiger Länder Europas. Warum landen sonst die vier größten, reichsten und dominierendsten Länder auf den letzten vier Plätzen? Mögen die "uns" etwa nicht? Hat UK die letzten Jahre wirklich so schlechte Beiträge gebracht? Mit Sicherheit nicht, oder? Gracia war sicher kein musikalisches Highlight, aber es war diesmal mehr als deutlich zu sehen, daß das Ergebnis des Song-Contest stark durch Nationalismus als durch einen "objektiven" Musikgeschmack beeinflusst wurde.

Beitrag melden
Invalidmirror 22.05.2005, 13:33
15.

"Wieder präsentiert sich Deutschland als Schlusslicht-Nation"

Ja, uns geht es wirklich schlecht. Ganz schlecht. Und durch die hohen Benzinpreise muss ich tatsächlich überlegen, ob ich nicht die 200 Meter zur Post

Das passt jetzt zwar nicht direkt zum Thema, aber ich finde diese Einleitung absolut unpassend. Warum wird Deutschland, vorallem im Inland selber, so niedergemacht?? Bei absolut jeder Gelegenheit?

Beitrag melden
Araquin 22.05.2005, 13:34
16. Da geht's nicht nur um Musik!

Also ich glaube, das hat weniger mit Qualität zu tun - übrigens war der deutsche Beitrag wohl auch schlecht abgemischt; andere Länder haben den Stimmen ihrer Leute ja auch etwas nachgeholfen und die Musiklautstärke vom Band zurückgenommen, Deutschland nicht.

Aber der ESC wird eh immer mehr zum interessanten Überblick über die real existierenden Migrationsströme Europas. Südosteuropäische Migranten scheinen in ganz Europa geschlossen vor der Glotze zu hängen und ihre Ursprungsländer plus Nachbarstaaten beim ESC zu pushen. Man sehe sich nur die Wertung aller Länder an, die signifikante Einwanderergruppen aus ex-Jugoslawien und der Türkei haben, inkl. Deutschland! Und das ganz konsequent seit einigen Jahren!

Wenn die Deutschen an der Costa del Sol und sonstwo nicht so eifrig ihre Landsleute pushen wie Südost- und Osteuropa im Exil, wird's halt nix..

Denn SO grauslich war der deutsche Beitrag echt nicht, daß er letzter hätte werden müssen. Die typisch deutsche Flagellation könnt Ihr einstellen (sage ich jetzt als Nicht-Deutsche). Mittelfeld wäre auch angemessen gewesen.

Es spielen eben - siehe oben - ganz andere Faktoren als die Musik an sich eine Rolle. Auch Frankreich oder Spanien waren nicht SO schlecht, wie sie abgeschnitten haben.

Eine Supernummer hätte natürlich besser abgeschnitten - aber ehrlich, die haben die anderen auch nur selten.

Das muß man spielerisch sehen.

Beitrag melden
Arthi 22.05.2005, 13:35
17.

Hallo

Mal ganz ehrlich.

Wen interessiert das eigentlich auch noch,wenn irgendwelche zweitklassigen "Stars" dort antreten.
Wenn sie nicht gerade etwas besonderes bieten,wie zB Guildo Horn oder Stefan Raab es getan haben,wobei man da ja auch nicht von Qualität sprechen konnte.
Sie haben aber für Aufsehen gesorgt, ansonsten hätte es auch niemanden vor den Fernseher gelockt.

Es wird auch so weiter gehen,solange sich nicht grundlegend etwas ändert im deutschen Musicbuisness.
Der Verbraucher hat es so gewollt,Castingshows,schnell zusammengewürfelte Songs oder aber Remakes von alten Songs und danach hört man von diesen Stars nie wieder was.
Aber der Verbraucher hat den Scheiß gekauft,die Musicindustrie hat das schnelle Geld gemacht.
Warum dann jetzt was anderes erwarten?

Wenn ich schon keine CDs mehr kaufe,wegen der schlechten Quälität der heutigen Charts,warum sollte ich mir den Dreck dann noch im Fernsehen anschaun.

Ist mir meine Zeit zu schade für,sorry.
Liebe Leute die Verarsche des Verbrauchers funktioniert halt nicht mehr.

Eurovisions Contest anschauen? lieber nicht,da kann ich meine Zeit sinnvoller verschwenden.
Kommt eh kein Lied mit "Langzeitmotivation" geschweige denn das mein Musicgeschmack dabei wäre-nur Einheitsbrei.
CDs kaufen? bei der Quälität der meisten heutigen Music? bei den Preisen? mit Kopierschutz?-ne danke
Dank Internet kann man auch im Ausland bestellen-billiger und bei manchen CDs dann auch ohne Kopierschutz.
Anscheinend hat in anderen Ländern der Verbraucher einfach härter reagiert und kopiergeschützte Cds gar nicht erst gekauft,wie könnte es sonst sein,das ich hier die geschützte Version kaufen muß, bestelle ich die Version übers Internet im Ausland bekomm ich eine ohne.

Somit,ist für mich klar,Deutschland spart sich einfach das Geld für den Contest,macht erstmal ein paar Jahrzehnte nicht mit,und investiert das Geld in einen Langzeitaufbau von guten Bands.
Sollte ja genug Geld sein-als eines der Länder die mit den größten Teil der Kosten tragen.

Dann wird es vielleicht auch irgendwann mal wieder was.

Bis dahin wird es bei mir wohl so laufen wie dieses Jahr.
Oh war gestern Eurovisionscontest-verloren-wen juckts-war ein schöner Abend gestern mit etlichen Bekannten.

Schön essen gegangen,danach noch bis spät in die Nacht unterwegs gewesen.

Eurovisions Contest--wurd die ganze Zeit nicht einmal erwähnt.:)))

Wahrscheinlich waren die anderen genau so stark interessirt,oder wußten es nicht einmal.:)))

Schöne Grüße

Arthi

Beitrag melden
DocSnyder 22.05.2005, 13:36
18. Die Musikindustrie schaufelt sich ihr eigenes Grab.

Ausbaden müssen es die Interpreten, aber die eigentliche Ursache steckt im teilweise penetranten Fokus auf Kommerz, wobei nicht nur die Vorlieben der Konsumenten eher nebensächlich sind, sondern nicht zu selten auch die Qualität der Musik darunter leidet.

Gracias Song hört man sofort an, dass er von einem Produzenten stammt, für den nur Verkaufszahlen eine Rolle spielen. Einen qualitativ ähnlichen Song hätte jede bessere Dorfband erschaffen und ebenfalls recht gut interpretiert. Im Umkreis jedes ambitionierten Hobbymusikers gibt es etliche Bands, SängerInnen und Komponisten, die wesentlich mehr zu bieten hätten, aber sich nicht in die Fänge der Medienindustrie begeben. Damit haben sie nach wie vor die für Musiker wichtigen Freiheiten, aber auf dem von Medien-Oligopolen kontrollierten "Massenmarkt" keine Chance.

Für einen zukünftigen Vorentscheid über den für Deutschland ausgewählten ESC-Beitrag wäre eine Idee, möglichst viele (nicht nur ein Dutzend, sondern Hunderte) Beiträge via Internet zusammen zu bringen und per Online-Voting einen oder mehrere Sieger zu küren, die später beim ESC auftreten. Von mir aus könnte der ganze ESC oder zumindest der deutsche Vorentscheid wie eine Community funktionieren, die später nicht nur über ihre Songs abstimmt, sondern diese möglicherweise sogar gemeinsam erschafft.

/.
DocSnyder.

Beitrag melden
zenok 22.05.2005, 13:38
19.

Ich habe mir nur die Punktevergabe angesehen, aber die zeigte doch ein eindeutiges Ergebnis, während der Moderator versuchte mit Sprüchen wie "...heute waren alle gut und Gracia auch, aber es hat halt nicht geklappt..." Deutschlands Versagen zu retten.

Ich habe Gracias Auftritt nie gesehen, aber das Lied habe ich schonmal gehört und es entspricht wohl eher einem alle 30sec widerholenden Song... und dann trat die Gruppe ganz schwarz gekleidet auf. Hatte Gracia vergessen das es eine fröhliche Veranstaltung ist???

Die Fragestellung des Spiegels ist aber auch nicht gerade die richtige... es stimmt nicht das Gracia durchschnittliche deutsche Songs macht, schließlich wurde ihr Song ja auch hochgekauft. Schlimm ist das wir in Deutschland auf solch schlechte Produkte wie Sarah Conner reinfallen und die meisten Musik dann doch Importe aus den USA sind.

Wenn ich mich nicht irre, dann hieß der Wettbewerb mal Schlagerwettbewerb... er wurde "weiterentwickelt", damit er schön wirtschaftlich bleibt...

Für mich wurde der Grandprix von mal zu mal schlechter und richtig spannend ist nur noch die Punktevergabe, doch die wird langsam auch immer langweiliger. Übrigens der Bella Block von gestern war klasse!

Beitrag melden
Seite 2 von 26
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!