Forum: Kultur
Existenzdrama mit Iris Berben: Sie hat den Tod im Nacken und trinkt auf das Leben
Julia von Vietinghoff/ NDR

Erinnerung wird überbewertet. Und Gegenwart unterschätzt: In "Hanne" spielt Iris Berben eine Frau, die nach einem beängstigenden Befund ins Jetzt eintaucht. Eine Liebeserklärung ans Leben.

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Ossi- und Wessiversteher 18.09.2019, 12:42
1. Unbedingt sehenswert....

...hatte das Glück diesen Film bereits auf dem Filmkunstfest 2018 in Schwerin zu sehen. Wirklich unterhaltsam. Und neben Iris Berben ist Petra Kleinert wirklich unübetroffen! Sie ist mit sich und Ihrem Körper völlig im Reinen. Die Tanzszene in der Spelunke an der Jukebox, wo sie einen eher "schmächtigen" Mann ("Männlein") zur Seite drängt, als er sich in die traute (unromantische!!!) Zweisamkeit der beiden Frauen tanzend einmischen will...cool! Auch der Barkeeper, der plötzlich Tipps für die richtige BH-Größe seiner Frau erfahren will...köstlich. UNd das Ende ist anders als man denkt (erhofft???). ANSCHAUEN...

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gatopardo 18.09.2019, 12:55
2. Erinnerungen

an meine friesische Heimatstadt Wilhelmshaven werden wach, die ich 1966 gleich nach der Ausbildung verliess, weil ich nach Madrid versetzt wurde, wo ich als Rentner immer noch lebe. Noch nie hatte ich das Vergnügen, auf der Parabolantenne einmal einen Film mit Handlung in meinem damaligen Umfeld vor mehr als 5 Jahrzehnten zu verfolgen. Natürlich sitze ich heute Abend hellwach vorm Bildschirm.

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sekundo 18.09.2019, 17:27
3. Iris Berben,

die uns regelmäßig als große Mimin untergejubelt
werden soll und das auch selbst glaubt, nur weil
sie ohne Make-Up vor die Kamera tritt, steht
stellvertretend für die Senta Bergers des deutschen
Films. Ich habe selbst erlebt, wie sie mit dem
großen Michael Heltau Szenen aus dem Leben
Casanovas spielen sollte und permanent Hänger
hatte! Blamabel!!

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sekundo 18.09.2019, 20:43
4. Um 20:34

habe ich abgeschaltet. Und wieder steht ein
deutscher Fernsehfilm vor sich hin. Quälend
langsam, mit langweiligen Dialogen, mit einer
Protagonistin mit der Präsenz eines Kopftopfs.
Die Frau bestätigte tatsächlich meine schlimmsten
Befürchtungen. Sie guckt, starrt, stiert, guckt
böse, lächelt - und das alles so uninspiriert
und bocklos, dass es ein Graus ist. Nicht nur
Drama kann Iris Berben nicht.
Und dann erzählt ihr der Arzt, er werde am
Montag einen spezialisierten Arzt mit
Spezialgebiet hinzuziehen. Der Satz steht
gewissermaßen exemplarisch für die Qualität
dieser auf Tragödie getrimmten Schmonzette!

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joernthein 18.09.2019, 22:04
5.

Also habe ich mir die letzten Minuten des Films noch einmal angesehen (.. ab dem Rupfen des Hühnchens ). Ein schöner Film! Offenes Ende. Nach dem Begreifen und Tun von Freiheit zu Leben und zu Sein. Gratulation an die Macher und Akteure.

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gatopardo 18.09.2019, 22:07
6. Habe bis zum Ende durchgehalten,

obwohl der Film immer langweiliger wurde. Petra Kleinert war umwerfend, so dass man anfangs dachte, das ginge so weiter. Das KfZ-Zeichen von Wilhelmshaven ist übrigens WHV und nicht WIV . Wie kann denn sowas passieren ?

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joernthein 18.09.2019, 22:48
7. Lieber sekundo,

.. deine Beiträge haben mich gereizt auch in das Forum zu gehen. Mein erster Beitrag (ich kannte den Film schon, aber nicht mehr den Schluss) wurde nicht veröffentlicht. Man kann sicherlich geteilter Meinung zu Iris Berben's Schauspielkunst sein. Da gibt es viele Feuilletonbeiträge, die nicht schmeichelhaft sind. Ob zu Recht oder nicht - muss jeder selbst entscheiden. Einzelereignisse mögen maßgeblich sein - oder auch nicht. Dieser Film (ohne deutsche Brille betrachtet) war jedenfalls - thematisch - gut gemacht, gespielt und inszeniert.

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sekundo 19.09.2019, 11:52
8. Filme, in denen

Zitat von joernthein
.. deine Beiträge haben mich gereizt auch in das Forum zu gehen. Mein erster Beitrag (ich kannte den Film schon, aber nicht mehr den Schluss) wurde nicht veröffentlicht. Man kann sicherlich geteilter Meinung zu Iris Berben's Schauspielkunst sein. Da gibt es viele Feuilletonbeiträge, die nicht schmeichelhaft sind. Ob zu Recht oder nicht - muss jeder selbst entscheiden. Einzelereignisse mögen maßgeblich sein - oder auch nicht. Dieser Film (ohne deutsche Brille betrachtet) war jedenfalls - thematisch - gut gemacht, gespielt und inszeniert.
eine banale Handlung angeboten wird, Drama
vorgetäuscht ist und Schauspielkunst simuliert
wird sind nix für mich.

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Dramaturgen-Frau 19.09.2019, 15:13
9. Film und Ideologie

Vorweg: Was war ich froh, mal keinen Krimi im von mir mitfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu sehen! Ja, leidlich witzig, dieser Film. Allerdings: Frau Berbens phänotypischer Niedergang kann allmählich nicht mehr mit noch so viel Schminke und Ausleuchtung und Botox vertuscht werden. Warum man dann auch noch ihre 70-jähirgen Beine zeigen muss... und zack, da sind wir schon bei der im Betreff genannten Ideologie: Es soll uns öffentlich-rechtlich verkauft werden, dass das gegenwärtig unbedingt sehenswert sei. Die Männer zugleich: alte Säcke, die anzügliche Witze erzählen, zu denen die adipöse Frau von heute ostentativ lacht. Und mittanzen, das darf ein Mann in der Kneipe auf gar keinen Fall, denn: "Frauen genügen sich im Jahr 2019 selbst". Und der Chefarzt ist der Superpappa, der die Kinder bespaßt - so viel Zeit hat der moderne, halbwegs geschasste Mann von heute. Soweit das von der ARD umgesetzte Framing, die zeitgeistige Ideologie. Ansonsten zeigt sich, wo sich Regie und Drehbuch primär aufhalten, wo beide ihre "Lebenserfahrungen" her nehmen: aus den Gegebenheiten der bestens versorgten Oberklassebourgeoisie, wo es Personal und First-Class-Hotels gibt, wo man immer Geld im Portemonnaie hat etc. - so, wie bei Herrn Dominik Graf eben. Völlig absurd: die Proletenfamilie, in die Berben gerät, als sie sich verläuft. Was mich wunderte, dass relativ wenig geraucht wurde. Gut, ja, es kam vor, denn es MUSS vorkommen, da das Nichtraucherschutzgesetz für die deutsche Kulturmischpoke ein faschistoides Foltergesetz darstellt. Es gibt so viele gute Schauspielerinnen (z.B. wäre das ne top Rolle für Ulrike C. Tscharre gewesen!). Warum nimmt man Berben, die ihr mageres darstellerisches Talent privat von Diether Krebs beigebracht bekam?! Gottseidank wurde die Sexszene mit Herbert Knaup (auch völlig vertrottelt, rücksichtslos, ja, geradezu dement geschrieben und inszeniert) nur angedeutet. Nicht auszudenken, wenn da mehr gezeugt worden wäre, wie seinerzeit bei Christiane Hörbiger und Michael Mendl. Auch so schon musste ich meinen Blick angewidert abwenden. Es hilft nix: Ideologie in den Film gepackt, führt zu Abwehrreaktionen. Und so konnte man an diesem Abend zwar elaboriert intellektuellem Handwerk des Herrn Graf beiwohnen, aber das reicht eben nicht aus für einen guten FIlm.

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