Forum: Kultur
Fall Hegemann: Kreativität ohne Reinheitsgebot

Helene Hegemann, der neue Shooting-Star der Literatur, hat abgeschrieben. Na und? Das haben schon ganz andere vor ihr getan. Die Plagiatsdebatte um ihren Roman "Axolotl Roadkill" ist naiv: Publikum und Kritiker wollen hinter die Errungenschaften der Moderne zurück.

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igelfeld 08.02.2010, 20:09
120. Shooting Star

Zitat von sysop
Helene Hegemann, der neue Shooting-Star der Literatur, hat abgeschrieben.
"Shooting Star" heißt auf deutsch "Sternschnuppe". Auf den Ruhm einer Person bezogen bedeutet das, dass er ebenso schnell wieder erlischt wie er plötzlich aufgestrahlt ist. Ob Herr Haas das gemeint hat?

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doublebass 08.02.2010, 20:09
121. wie

Zitat von Schnittlauch
...vielleicht interessiert ja auch dies:
wie geil ist das denn?????

VIELEN VIELEN DANK

gibt ja doch noch menschen die nicht alles so verbissen sehen

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Pnin 08.02.2010, 20:10
122. .

Zitat von yast2000
P.S. Das ist eine rhetorische Frage. Es ist vorbei Leute, findet Euch damit ab: Es gibt kein Urheberrecht mehr, so wie es auch keine Petroleumlampen mehr gibt; und keine Pferdefuhrwerke und keine Pocken-Toten.
kewl, leben Sie das und wir gucken zu, wie Ihr Arsch aufschlägt.

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gnlwth 08.02.2010, 20:11
123. Abschreiben ist nicht gleich Collage

Was hier irgendwie bei einigen durcheinander gerät, ist dass ungekennzeichnetes Abkupfern nicht das Gleiche wie Zitieren ist. Läse ich ein Buch, in dem (mir) deutlich gemacht wird, dass hier quer durch die LIteratur zitiert wird und dadurch neue Zusammenhänge entstünden, dann würde ich mich über all die zu entdeckenden Querverbindungen und Verknüpfungen freuen, die vielleicht meinen Horizont erweitern. Hörte ich bekannte Weisen von Mussorgsky oder den Hummelflug von Rimski-Korsakow auf einer E-Gitarre gespielt, würde ich nicht "Plagiat!", kreischen, sondern mich über die Idee, die Verfremdung und das Zitat freuen.

Wenn es aber (für jemanden, der nicht den ganzen Tag im Netz rumsurft und alle Blogs und zusätzlich noch alle in den letzten zehn Jahren in kleinen Verlagen erschienenen Bücher kennt) vollkommen unmöglich ist, zu erkennen, dass zitiert wurde, wenn einfach nur abgeschrieben wurde, ohne dass das zu merken ist (oder gar mit der Intention, dass es nicht zu merken ist, denn warum sonst würde man bei doch recht unbekannten Schriftstellern abschreiben?) - dann ist das eben keine postmoderne Intertextualität, sondern Diebstahl geistigen Eigentums.


Dann noch: "Das Buch ist als Gesellschaftskritik sehr gut, da ist es doch egal, von wem und warum es entstand."


a.) Ich habe das Buch gelesen. Wo ist da die Gesellschaftskritik? Ich habe sie nicht entdecken können. Oder lebe ich in einem glitzernden Paralleluniversum?

b.) Ist die Wertung von Gesellschaftskritik nicht vollkommen abhängig davon, wer sie übt?

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GertL 08.02.2010, 20:15
124. Marketing,

um nichts anderes geht es bei diesem Skandälchen.

Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass das Mädel wirklich diese Party-, Drogen-, Sex-Erfahrungen hatte und danach noch schreibt?

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Hercules Rockefeller 08.02.2010, 20:16
125. Nachdenken

Zitat von infoseek
Ist doch klar - Hegemanns Buch ist nur deshalb so erfolgreich, weil sie aus einem internationalen Bestseller exakt die bestsellende Passage abgekupfert hat. Oder nicht? Nein? Ach - das war gar kein internationaler Bestseller, sondern ein Ladenhüter? Interessant. Dann frage ich mich allerdings, warum Hegemanns Buch nicht auch wie Blei in den Regalen liegt.
Es liegt alleine wegen der medialen Sogwirkung "Daddy Hegemanns" nicht wie Blei in den Regalen. Ohne den Hype läge es wie das abgekupferte Original vermutlich nichtmal im Regal, sondern als Datei auf dem Rechner eines book-on-demand Verlages. Weil es nichts taugt!

Vielleicht sollten Sie einfach mal in eine Buchhandlung gehen, wahrlos fünf Bücher nehmen und die dann lesen. Sie werden feststellen, dass sie bei mindestens einem der Bücher verwundert feststellen, dass das ja richtig super ist-nur haben sie nie etwas davon gehört, auch Google spuckt bis auf die Verlagseigenwerbung nix aus.

Das ist dann auch die Erklärung für die charakterlose, von sich selbst berauschte Hegemannepisode im Feuilleton. Es gibt die herbeigesehnte 17-jährige Superschriftstellerin nicht, optisch macht sie auch nichts her, die ist literarisch verbrannt-man muss sich im Grunde beruhigt zurück lehnen.

Denn eins zeigt der Fall Hegemann deutlich: Das Internet führt keineswegs zu mehr copy&paste, sondern nur zu mehr Aufdeckung dessen. Und es brandmarkt die Übeltäterin: Keine PR-Firma der Welt kann aus diesem moppeligen Gör eine anerkannte Schriftstellerin machen, sie wird bis zur letzten Zeile die sie noch verbrechen wird immer die drollige Diebin, die so gerne wär, was sie nie sein kann, bleiben.

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Peter Kittsteiner 08.02.2010, 20:16
126. Wieso vorbei?

Zitat von yast2000
Erklären Sie mir doch bitte mal den Unterschied zwischen "rechtsfreiem Raum" und "Volk ohne Raum"! P.S. Das ist eine rhetorische Frage. Es ist vorbei Leute, findet Euch damit ab: Es gibt kein Urheberrecht mehr, so wie es auch keine Petroleumlampen mehr gibt; und keine Pferdefuhrwerke und keine Pocken-Toten.
Mit Ihrem P.S. sind Sie mal richtig witzig!

In diesem Sinne werte ich Ihren Beitrag einfach mal als Ironie und lache herzhaft darüber, denn Sie glauben ja wohl selbst nicht, dass eine 17jährige mit ein paar dümmlichen Rechtfertigungsversuchen den Anstoß liefert, dass das deutsche Urheberrecht jetzt völlig umgeschrieben wird!

Nicht wegen Hegemann!

Und eines noch: Dem Trugschluss dass das Internet das Urheberrecht quasi aufhebt sind schon einige aufgesessen! Und wissen Sie wo diese Leute jetzt sind? Entweder treiben Sie immer noch ihr Unwesen im WWW, weil ihnen noch niemand auf die Schliche gekommen ist oder sie sitzen in ihrem stillen Kämmerlein und blasen sich weinend ein bisschen Luft auf ihre brennenden Händchen, weil ihnen jemand mal ganz böse auf die Langfingerchen gehauen hat!

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Miguel 08.02.2010, 20:18
127. bravo

Zitat von grafkoks2002
Ich muss zugeben, dass ich das Buch nur vom Titel her kenne und daher nichts zum Inhalt sagen kann. Mich irritiert der Kommentar des Spiegels vielmehr, da er nicht zwischen Inspiration und Diebstahl unterscheidet. Zugegeben, in der Literatur ist es schwierig eine klare Trennlinie zu ziehen. Wann hört die Inspirtation / die Neuinterpretation eines bekannten Stoffes auf, wann fängt der Diebstahl an? Und zugegeben, viele tolle Romane wurden erst dadurch gut, dass die Autoren sehr genau geschaut haben, was andere Autoren geschrieben haben - und sich dann bei deren Ideen bedienten. Und so entstehen noch heute viele Romane. Ich kenne das Geschäft seit vielen Jahren und wirklich originäre Ideen findet man selten. Das ist übrigens nicht negativ gemeint: Lieber eine alte Idee gut interpretiert und aktuell unterhaltsam verwurstet als eine neue Idee, die doch nur das Zahnfleisch einschlafen lässt. Der vorliegende Fall scheint doch etwas anders gestrickt zu sein. Man möge mich korrigieren, ich gab ja bereits zu den Roman nicht gelesen zu haben - aber in diesem Roman wurden ja offenbar ganze Passagen aus einem anderen Werk nahezu wortgetreu übernommen bzw. Inhalte decken sich in einer eklatanten Art und Weise. Wenn als hier tatsächlich nur mit der Copy-Taste gearbeitet wurde (bzw. der kopierte Text leicht abgeändert wurde), dann sehe ich nicht ein, warum man nicht von einem Diebstahl reden sollte? Wie gesagt: Zwischen einer Inspritation und einem Diebstahl verläuft oft nur eine schmale Grenze. Goethe schrieb 1808 seinen Faust, er bezog sich auf Christopher Marlows Werk, der unter anderem Lessing und Weidmann zu Faust-Interpretationen inspirierte, während ohne Goethes Drama Ferdinand Kringsteiners "Johann Faust" und Ernst August Klingemanns "Faust" nie erschienen wären. Über Diebstahl hat da niemand gesprochen, ein jeder interpretierte eine klassische Sage / Figur auf eine eigene Weise. Goethes Faust ist heute Schulstoff, Kringsteiner ist als Autor ebenso vergessen wie sein Faust. Literatur lebt von Inspiration. Sie lebt von Interpretation. Aber sie mag keinen Diebstahl. Es ist übrigens ganz leicht einem Diebstahlvorwurf von Anfang aus dem Weg zu gehen: Man klärt Rechtefragen im Vorfeld. Dafür engagieren große Verlage Legionen von Juristen. Oder man benennt Figuren nach dem Autor des Originals. Dann nennt man dann eine Hommage - und gibt von vornherein zu geklaut zu haben. Nur dass in diesem Fall niemand von einem Diebstahl spricht. Übrigens: Ich bin gespannt wie der Autor des Kommentars reagieren würde, wenn ich für eine Veröffentlichung in einer anderen Zeitung seinen Kommentar nicht nur inhaltlich übernehmen täte - sondern auch die Struktur, ja ganze Passagen klauen würde (ohne einmal zu erwähnen, dass ja schon Spon so argumentierte). Er wäre bestimmt ziemlich stinkig, dass jemand seinen - aus seiner Sicht - genialen und kontroversen Kommentar - ohne ihn gefragt zu haben - kopiert und als seinen kontroversen Kommentar ausgibt. Wetten?
verzeihen sie bitte, das komplette zitieren.
aber ich habe in der letzten zeit selten etwas so zutreffendes in diesem forum lesen können.

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rickrolled 08.02.2010, 20:19
128. Naiv???

Dieser "Strobo" Blog ist in der Szene sogar ziemlich bekannt, sogar ich hatte in der Bücherei schon ein Buch von dem in der Hand.
Da wird der Jugend also in jeder dritten Fernseh- und Kinowerbung erklärt, dass Raubkopieren kein Kavaliersdelikt sei, um den Tätern dann von der SPON-Redaktion einen Persilschein verpasst zu bekommen? Erzählt den Kids doch gleich, dass die Anti-Aids Werbung auch nur zum Spaß existiert und Coca Cola ein geeignetes Präservativ ist! Verharmlosung for the win!
Der ganze Beitrag ist sowieso in so einem pseudocoolen Jugendslang geschrieben, dass mir persönlich schlecht wird. Der Vergleich zu namhaften Literaten hinkt allein schon deshalb gewalt(ät)ig, weil die Autorin um die es geht nicht aufgrund ihres Talents zu einem Deal gekommen ist, sondern ganz offensichtlich durch die Beziehungen ihres Vaters. Da dürfen sich HartzIV Kinder die Finger nach solchen Chancen lecken.
Aber das ist auch genau das, was ich meine und bereits erwähnt habe, auf solchen schriftlichen Dünnschiss wird getrommelt, Jugendliche aus anderen Gesellschaftsschichten müssen im Internet veröffentlichen und werden im Zweifelsfall beklaut.
Da werden Deals an Menschen vergeben, die weniger Ahnung vom Schreiben haben, als jeder Schüler des Gymnasiums Buxdehude, nur weil ihr Papi ein cooler Professor ist.
Diese Missgunst bezieht sich weniger auf den Erfolg dieser Ische, als auf die gesamte Riege, die hier erneut mal wieder beleuchtet wird: die sogenannten Intellektuellen. Für mich ist dieses Kind nichts Anderes als eine weibliche Version von den Ochsenknecht Kindern. Buäh.

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prometheusxl 08.02.2010, 20:21
129. Permutationen

Zitat von Jendra
Glauben Sie das wirklich? Das kriegt die Menschheit in ihrer ganzen anzunehmenden Existenz nicht hin, alle Möglichkeiten an kreativen Ergebnissen auszuschöpfen, gleich in welchem Metier. Soll heißen, Originalität wird es immer geben, echt!
Ich möchte gerne zustimmen, wirklich. Und, zugegeben, mein persönlicher Erfahrungshorizont, selbst wenn er angereichert wäre durch all die Quellen, gesammelt in den Bibliotheken und Museen des Planeten, reicht nicht aus, anderes zu behaupten zu wollen oder gar zu beweisen. Wenn ich aber die planetenweite Verbreitung von gewissen "Formaten" und Trends in die Überlegungen einbeziehe... - also dann holt die Wirklichkeit die Theorie der unendlichen Vielfalt im gelebten Leben schnell ein. Plagiate, Kopien, Verkürzung der Inhalte auf den schnellen Mehrwert, etc. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist die Problematik eher die Nieveau-Schwäche der Konsumenten, die jeder durchs Dorf gejagten Sau nachrennen. Wir alle weden von interessierter Seite am Liebsten auf die schnelle Buy-and-forget-Schiene gschoben. Ob iPad/iPod/iPhone/Google/Clouding/YouTube/Facebook und all die anderen "wichtigen" Kommunikationspfade... wer sich ansieht, wer was über welche Medien absondert und wie die Inhalte zustande kommen... Da wünscht man sich doch manchmal etwas mehr Tiefgang - dann würde ich auch eher der These der unendlichen Permutationen der menschlichen Kreativität zustimmen, denn in der Ruhe liegt die Kraft zur Schöpfung fundamental neuer Ideen. Ich sehe aber nur hektische Betriebsamkeit und immer neue Gimmicks und vor allem: Versuche, schneller als der Konkurrentzu sein - im Kampf um dieselbe Zielgruppe, den selben Markt, .... . Einige Originale wird es dabei immer geben. Ich freue mich auf jedes einzelne, selbst wenn ich es nicht immer auch als nützliche Bereicherung empfinden sollte ;-)

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