Forum: Kultur
Fall Lübcke: Hass ausblenden - eine deutsche Tradition
CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX

Walter Lübcke wurde mutmaßlich von einem Rechtsextremen ermordet. Dass jetzt über Gefahr von rechts gesprochen wird, ist gut, richtig und wichtig - aber wie das getan wird, darüber müssen wir reden.

Seite 1 von 9
SigismundRuestig 02.07.2019, 17:18
1. Endlich Nägel mit Köpfen machen

Was mir so zum rechten Mord an Walter Lübcke durch den Kopf geht:
Hat sich der Ex-Verfassungsschutz-Präsident Maaßen schon ungefragt zu Wort gemeldet? Rechtsextremisten können auf keinen Fall verdächtig sein! Wenn, dann muss es sich um Linksextremisten handeln, die sich als Rechtsextremisten getarnt haben! Chemnitzer Muster sozusagen!
Woher Maaßen das so genau weiß? Waren etwa wieder Mitarbeiter des Verfassungsschutz zufällig am Tatort?
Leider hat Maaßen diesmal bei der Frage zur politischen Herkunft des Mörders die Gelegenheit zu einer weiteren Falschdarstellung verstreichen lassen. Immerhin verdreht er in seiner Erwiderung auf AKKs AfD-Zusammenarbeits-Ausschluss wieder einmal die Fakten, was wirklich Sorge um unsere Demokrstie rechtfertigt! Und kaum sind 4 Wochen seit dem Mord vergangen und Klagen über den „blinden rechten Fleck“ auf der Landkarte unserer Sicherheitsbehörden werden - selbst aus der Union - lauter, meldet sich Maaßen doch noch zu Wort: er habe als ehemaliger Präsident des Verfassungsschutzes alles richtig gemacht! Alles? NSU, NSA, Chemnitz, ... Und wenn etwas schiefgelauden ist, hätten daran die Linken Schuld!?

Realistischer:
Ah, ok. Nur wieder ein mordender Rechtsextremer.
Nicht aus auszudenken, wenn das ein Linker oder Migrant, möglicherweise noch mit salafistischem Hintergrund, gewesen wäre...
Immerhin müssen wir uns dann nicht das übliche Terror-Panik-Geschwafel interessierter Law-and-Order-Lobbyisten wie Wendt anhören, oder erwarten, dass Seehofer, Kretschmer (der hätte Profilierung ja nötig), Herrmann, Gauland oder Spendenmädel Weidel jetzt wieder härtere Strafen, mehr Polizeistaatsbefugnisse und schärfere Gesetze fordern. Ein bisschen Entrüstung muss in diesem Fall reichen! Stattdessen fordert Spendenmädel Weidel eine strenge Verfolgung der deutschen, in Italien festgesetzten Kapitänin des Flüchtlings-Rettungsschiffes Sea-Watch 3! So besorgt ist die AfD um Deutsche, wenn es darauf ankommt!

Und AfD/PEGIDA/Identitären-Anhänger und sonstige Verirrte äußern klammheimlich „Respekt über den Gnadenschuss“! Pfui! Undeutsch!

Im übrigen, wäre es nicht angebracht endlich auch die Brandstifter und Wegbereiter solcher Rechts-Terroristen mit aller Härte des Gesetzes zu verfolgen, die mit Ihren Anti-Flüchtlings-Parolen - „bis zur letzten Patrone“ gegen illegale Migration kämpfen“, „Herrschaft des Unrechts“, etc. - möglicherweise den einen oder anderen anstacheln, jetzt tätig zu werden?

Und noch etwas: Hatte nicht der selbsternannte „C“SU Revolutionsführer Dobrindt Anfang 2018 eine konservative Revolution ausgerufen, um Deutschland weiter nach rechts zu rücken? Ist er dabei evtl. erfolgreicher als bei der „C“SU-Ausländer-Maut?

Alles zusammengefasst: die Gefahr in Deutschland für unsere Demokratie steht rechts, wie auch der aktuelle Verfassungsschutzbericht dokumentiert!

Beitrag melden
berther 02.07.2019, 17:18
2. Ich fürchte...

... dass euere humanistische Tradition euch zwingt, solange zu warten, bis ein mutmaßlicher Rechtsradikaler euch mit einem Baseballschläger attakiert, weil er glaubt, ihr hättet einen Migrationshintergrund.
Freiheit ist ein wertvolles Gut und ist es wert, verteidigt zu werden.
Da ihr alle eure Freiheit nie erkämpfen musstet, ist sie euch möglicherweise nichts wert. Selbst schuld.

Beitrag melden
Hardy50 02.07.2019, 17:22
3. Danke

... für diesen Weckruf an uns alle, die wir uns zunehmend an die (nicht nur verbale) Rechtsverschiebung zu gewöhnen scheinen.
Jeder von uns kann und muss in der öffentlichen und privaten Debatte lernen Stoppzeichen zu setzen.

Beitrag melden
FIFA87 02.07.2019, 17:28
4.

"Gleichzeitig ist aber klar, dass jede Runde im Radio oder Fernsehen, zu der ein AfD-Mitglied eingeladen ist, wertvolle Sendezeit dafür aufwendet, dem Ausweichen, der Hetze und den Lügen dieser Partei zu begegnen, und bisweilen wirken die Moderatoren dabei, als gäbe es hier einen Preis namens "der goldene Steigbügelhalter" zu gewinnen....Diese Redezeit könnten aber auch Betroffene von Hass und Drohungen bekommen: People of Color, Muslim*innen, Menschen mit Migrationshintergrund, Journalist*innen, Politiker*innen, die sich gegen rechts engagieren".

Ja, Frau Stokowski, man könnte AfD Politiker generell aus Talkshows ausschliessen, und nur noch aufrechte Kämpfer/innen gegen Rechts einladen: Das wäre aber recht schnell langweilig. Und keiner würde das dann noch sehen wollen. Daher: Zur Vielfalt gehören auch Leute mit Meinungen, die nicht dem jeweiligen Mainstream (oder hier der von Ihnen) entsprechen. Das macht diese Diskussionen kontrovers, und am Ende kann sich jeder Zuschauer seine Meinung bilden. Auch über das WIE, wie gesprochen wird

Beitrag melden
w.o. 02.07.2019, 17:32
5.

Sehr gut argumentiert, aber, wie zahlreiche Beiträge in anderen Foren zeigen, vermutlich für die Katz'. Das wollen viele nicht hören und dieses Interesse leitet deren Erkenntnisfähigkeit. Sie werden es nicht verstehen und trotzdem oder gerade deswegen dagegen polemisieren (oder weil sie immer gegen diese Kolumnistin sind).

Beitrag melden
spon_4_me 02.07.2019, 17:34
6. Wer, liebe Margarete,

blendet den Hass der Rechten aus? Gewisslich kein treuer SPON-Leser wie ich, der trotz seiner deutlich bürgerlicheren Geisteshaltung Eure Warnungen vor Extremisten und Fürsprache für Marginalisierte enorm wichtig findet und die Histrionik Eurer Berichterstattung wenn nicht schweigsam, so doch stoisch erträgt. Und a propos Steigbügelhalter der AfD: Man kann auch fragen, ob Ihr die nicht wichtiger und prominenter macht als es im Sinne der Berichterstattung und der kämpferischen Haltung nötig wäre. Jedenfalls hat nach meinem Eindruck die AfD mehr als 12,6% der redaktionellen Fläche gepachtet. Niemand, der mit offenen Augen durch die Welt geht wird leugnen, dass Transsexuelle, offen Homosexuelle, offen jüdische, sichtbar ausländische Menschen an verschiedensten Ecken dieses Landes Probleme haben und Schlimmes erleben. Das zu sagen braucht es keine Journalisten. Aber ich bin ehrlich: Ich persönlich schreite gegen Diskriminierung nur ein, wenn ich eine deutlich besser als 50%-Chance habe, nicht krankenhausteif geprügelt zu werden. Nennt mich einen Feigling - was tun Sie gegen den Hass vor Ort, liebe Margarete?

Beitrag melden
Sotnik 02.07.2019, 17:35
7. Spätestens seit...

...der unsäglichen Sendung mit Frank Plasberg gestern frage ich mich auch, was zum Teufel eigentlich in die Funk-, Fernseh- und Zeitungsredaktionen gefahren ist!

Da gibts eine Partei, bei der man sich fragt, warum sie sich nicht schon längst in "NSAfD" umbenannt hat und deren führende Repräsentanten bei so ziemlich jeder Gelegenheit übelst hetzen (Weidel, Steinbach, Gauland) oder - offen oder verklausuliert - zu Mord und Totschlag aufrufen (Storch, Höcke und wiederum Gauland), von deren Fussvolk ganz zu schweigen ("Absaufen! Absaufen!") - und man hat nichts besseres zu tun, als deren Vertretern ein Podium zu bieten, auf dem sie ihre braune Sauce nach Belieben verharmlosen dürfen.

Das, was die "NSAfD" vertritt ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Daher sind gesellschaftliche Ächtung und konsequente strafrechtliche Verfolgung die Mittel, die eigentlich genutzt werden sollten - mit Sicherheit aber keine Einladungen zu Talkshows!

Beitrag melden
whitewisent 02.07.2019, 17:35
8.

Seit Langem eine Kolumne von Frau Stokowski, die ich gern gelesen habe. Nur in zwei Punkten hätte ich Einwände. Zum einen diese Unsitte des Framings. Es ist nicht zielführend, Begriffe wie "Farbige" gegen Begriffe aus dem Englischen zu ersetzen. "People of Color" ist ja ein gutes Beispiel, daß es auch im Englischen auf das Grundproblem der Hautfarbe abstellt. Damit schreckt man nicht nur AfD-Wähler ab, sondern die Menschen merken, wie versucht wird, durch sowas auf sie indirekt einzuwirken. Nur wird man dadurch sicher nicht liberaler oder internationaler.

Das Andere ist doch das Grundproblem des Infotainments. Eine solche Sendung lebt von Gegensätzen und Widersprüchen. Wenn die nicht künstlich per Moderation gestaltet werden, wird es langweilig, und die Zuschauer zappen weiter. Wodurch auch People of Color keine Wirkung haben.

Übrigens ist es auch nicht wirklich stilvoll von Journalisten, Sprachfehler von Herrn Seehofer so zensieren zu wollen, das es schon Schmähkritik ist. Denn das Ergebnis sieht man doch an den PR-Künsten eine Heiko Maas oder von Frau von der Leyen, welche solche Fehler nicht machen, aber eben auch so stark vorausgeplante Phrasen wiederholen, dass die Authenzität fehlt, und auch bei dem was sie sagen, die Glaubwürdigkeit sinkt. So wird Betroffenheit auch zur Farce. Und das hat man bei der USA auch immer kritisiert, und akzeptiert es nun.

Beitrag melden
ambulans 02.07.2019, 17:37
9. auch

wenn mir das jetzt wirklich leid tut - M.S. hat hier einfach - recht. wenn gegen "nordkreuz" aus meck-pom/brandenburg (seit mind. 2017 bekannt) immer noch nicht wg. gründung einer terroristischen vereinigung gem. § 129 a StGB ermittelt wird - einige beteiligte gehören zu den diensten, sind an waffen ausgebildet und auch z.zt. bewaffnet, es existieren "todes"-listen (sic) mit bis zu 25.000 namen, adressen und anderen details, munition in fünfstelliger menge wurde in bald einem jahrzehnt abgezweigt, und jetzt die "krönung", eine bestellung von 200 leichensäcken (sic) inkl. der dazu nötigen menge an ätzkalk (also praktisch alles, was so ein etwas über-ambitionierter hobby-gärtner eben so braucht, wenn ers diesen maulwürfen in seinem garten mal so richtig besorgen will) - dann stinkts hier landauf wie landab erbärmlich nach superbrauner gülle ...

Beitrag melden
Seite 1 von 9
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!