Forum: Kultur
"Fast Fashion": Shoppen und Jagen
Susanne A. Friedel

Angorakaninchen, denen das Fell gerupft wird, Arbeiterinnen aus Bangladesch, die von ihrem Lohn nicht leben können - die Ausstellung "Fast Fashion" in Hamburg zeigt, was passiert, weil wir immer billiger und immer mehr Mode konsumieren.

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uventrix 20.03.2015, 18:39
1. Fabrikländer

Das Problem ist doch folgendes:
Wir haben Konsumenten, die möglichst billige Ware wollen, wir haben eine Firma die möglichst viel Gewinn machen will und wir haben Arbeiter die arbeiten wollen.
Formell werden alle drei Parteien befriedigt.
Würden die Arbeiter zu dem Lohn nicht arbeiten könnte die Firma zu dem Preis nicht herstellen und würden die Konsumenten nicht so billige Waren erhalten. Man kann es drehen und wenden wie man will. So lange es Länder gibt deren Bevölkerung sich ausbeuten lässt funktioniert das Modell.
Meiner Meinung nach sind die Regierungen der Länder gefragt bzw. das Volk dieser Regierungen, diese Zustände zu ändern und nicht die Endkunden.
Wie bereits viele Beispiele zeigen, geht es den meisten Konsumenten am Allerwertesten vorbei, wie die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken sind. Man tritt hier auf der Stelle.
Solche Aktionen rufen zwar immer wieder die Problematik ins Gedächtnis und man sitzt zu Hause auf der Couch und denkt sich "ja, das dürfte man gar nicht kaufen..." aber diese Gedanken sind leider im Ladengeschäft vor dem Angebotsständer wieder vergessen.
"Nun hängt es da ja schon...!"

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digital-transducer 20.03.2015, 19:07
2. wo ist das problem?

die Waren können vom Preis hochgesetzt werden, die Welt braucht nicht mehr und mehr an Bekleidungswaren. Die Leute brauchen nicht immer den letzten Modeschrei.

Es stimmt, wenn ein T-Shirt für 5 Euro verkauft wird, können die Arbeitsbedingunen für dieses Produkt nicht stimmen. Problematisch ist aber vielleicht auch der Weg des Umsatzes, auch vor Ort wo produziert wird müssen die Arbeiter mehr Lohn bekommen. Nachhaltiges Produzieren ist möglich.

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susanb 20.03.2015, 19:12
3. Es sind aber nicht nur die Billigmarken

Es sind aber nicht nur die Billigmarken, die billigst produzieren lassen, sondern auch die teuren. Das Beschämende daran: Wer Addidas und Nike, Benetton, Gerry Weber und Esprit kauft (bzw. so ziemlich alles, was auf dem Markt ist), bezahlt teures Geld für Waren, die für wenige Euros produziert werden. Würden diese Sachen unter menschenwürdigen Bedingungen und unter Umweltaspekten müssten die Stücke für den Verbraucher (auch ein abscheuliches Wort!) nicht so viel teurer sein wie viele Öko-Label zeigen. Nur die Profite für die Konzerne würden einbrechen. Und noch eine Lüge: Man muss auch nicht im Ausland produzieren! Die einzigen, die davon profitieren sind die Konzerne.

Ich finde es ehrlich gesagt ganz schön billig, dass die Industrie dem Verbraucher die komplette Schuld zuschustert, sich hinstellt und behauptet: Die Leute wollen das so! Die Leute wollen das nicht! Man muss den Konsumdrang nicht künstlich durch unsinnige Neuerungen anheizen. Der Markt ist überflutet von Sachen, die eine unglaublich miese Qualität haben, teilweise giftig sind, die man quasi gleich wegwerfen kann und die weder sitzen noch schön aussehen. Nur leider gibt es kaum noch Alternativen, wenn man mal in die Stadt will und in einen Laden geht. Weil: Anziehen muss man sich ja leider. Und ewig halten auch die besten Stücke nicht.
Traurig.

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solna 21.03.2015, 09:19
4. Susanne Friedel: Deutshlish

Yes. The world is a horrible place to live. Pain and suffering wherever you look. But, and this is something photographer S. Friedel needs to understand: if you decided to use captions in English, have someone proofread them. To "loose [a] job" is horribly wrong. "Loose" is an adjective, not a verb. Please correct to "lose a job". Also, in English, we use a decimal point, not a comma: "Scarf EUR 0.99".

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in_peius 21.03.2015, 09:19
5. Frau Thöne bringt...

Marx und Adorno zurück(?) zu SPON. Das gefällt mir. Bei der Herausarbeitung der Scheinheiligkeit des vermeintlichen besseren Lebens durch "Slow Fashion" hätte noch die Frage aufgeworfen werden können, wieso es ethisch vertretbarer sein sollte, Lachsen die Haut abzuziehen als Angorakaninchen das Fell auszurupfen oder inwieweit Leder überhaupt "fair" hergestellt werden kann (es sind offensichtlich nicht nur die Arbeiter daran beteiligt, sondern auch die unfreiwilligen "Spender" des Materials), aber letztlich steht auf für diese Widersprüche der drittletzte Absatz repräsentativ.

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iLady 21.03.2015, 10:48
6. Wahl?!

JA ich mag Mode und JA ich möchte die Wahl haben zwischen fair produzierter Kleidung und nicht Fair produzierter Kleidung das Dumme ist nur, das ich als Kunde das nicht feststellen kann... letztes in in einem Kaufhaus: Massenshirt mit einem Metallanhänger "Made with Love" ich musste sehr lachen... wenn selbst schon die Massefertiger solche Labels anbringen, die sonst nur Leute von DaWanda und co. verwenden...

Woher soll ich den feststellen was wo wie produziert wird?
Den egal ob teuer oder billig es wird an der gleichen Nähmaschine produziert zu den gleichen schlechten Bedingungen...

der Kunde kann also schlecht bis gar nicht wählen denn diese billig = schlechte Bedingungen suggeriert ja, das teuer = gute Bedingungen bedeuten würde. Aber wir wissen ja, dass es nicht so ist...

könnte ich dadurch das ich ein Shirt für 50 statt 5 Euro kaufe die Rahmenbedingungen für Arbeiter ändern würde ich nur die teuren kaufen... aber das 50 Euro Shirt bedeute eben das all nicht, sondern nur mehr Gewinn für die Produzierende Firma!

Manchmal kann der normalem Verbrauche gar nicht viel ausrichten!
Den gar nicht kaufen ist nicht immer eine wählbare Option.. (wie bei schlecht hergestellten Fleisch z.b. da kann ich auf alternativen zugreifen)
(wo bekomme ich fair hergestellte Business Kleidung - die von mir hier im Job erwartet wird - her?)

Das Bekleidungslobby ist einfach zu groß! Da muss über die Politik mehr laufen..
Es ist unfair immer alles dem Verbrauchen als „Schuld“ auszuwählen…
Wo ist die ECHTE Alternative (Außer ein paar Sonderlinge die leider nicht mal in meiner Kleidergröße Produzieren… )

Also Lieber Otto Konzern, Kaufhof, Peek und Cloppenburg, usw…. bringt mal parallele all eure Mode FAIR Hergestellt auf den Markt und DANN kann der Verbraucher entscheiden!

Politik: Mehr Zölle , mehr Druck so dass das Produzieren in Europa wieder lukrativ wird und es sich eben nicht lohnt immer ein billigeres Land zu suchen.. wenn Bangladesch die Bedingungen ändert und dadurch auch nur einen Cent teure wird,.. wird das nächste Arme Land bereitstehen es für diesen Cent weniger zu produzieren..
Es bringt mehr als ein teurer Shirt zu kaufen sich Patenkinder in solchen Ländern „anzuschaffen“ und die Quote der Schulbildung (besonders für Mädchen ) zu erhöhen… denn nur wenn die Bevölkerung klüger wird, kann sie sich besser wehren und anderen Jobs suchen, andere Politiker wählen etc…

Des Weiteren: Ich wünsche mir SEHR Mode zurück die jahrelang hält und nicht nach 4 mal Waschen auseinanderfällt!

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SamuelTee 21.03.2015, 17:24
7.

Zitat von uventrix
[...] So lange es Länder gibt deren Bevölkerung sich ausbeuten lässt funktioniert das Modell. Meiner Meinung nach sind die Regierungen der Länder gefragt bzw. das Volk dieser Regierungen, diese Zustände zu ändern und nicht die Endkunden. [...]
Prima. Das ist die selbe Argumentation, mit der die Inder ihre Frauen vergewaltigen. Ich hoffe, Sie meinen das nicht ernst. Denn damit kann jeder "Überlegene" (das sind wir als Konsumenten) jeden "Unterlegenen" ruhigen Gewissens ausbeuten ("Er hätte sich ja wehren können").
Was "wir" Konsumenten schnell vergessen: Die meisten Länder, die sich heute "ausbeuten lassen", lassen es nur deswegen, weil sie keine Wahl haben. Denn die wurden schon vor hundert Jahren mit Waffengewalt ausgebeutet (Kolonisation durch die europäischen Überstaaten). Das heißt die europäischen Staaten, haben "damals" die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie diese Länder auch heute noch ausquetschen können.

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lilli42 23.03.2015, 22:11
8. Bin ich froh,

dass mir schon immer dieses Konsum-Gen fehlt. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Gewissensbisse. Shoppen gehen ist für mich Stress pur. Mit sechs Paar Schuhen (inkl. Boots, Sandalen, Gummistiefeln, etc.) und einer Garderobe, die in drei Fächer eines antiken Wäscheschrankes passt, bin ich trotzdem immer gut und wetterfest, manchmal auch umwerfend sexy oder passend für nen Meeting angezogen. Reicht völlig.
Geld gebe ich viel!!!!! lieber für gutes Essen oder Erlebnisse aus :)

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Thomas Mainka 24.03.2015, 02:02
9. Man kann es sich auch einfach machen.

ein billiges Shirt kann nicht fair produziert sein, ein teures muss es nicht.
Aber andersherum wird ein Schuh daraus. Es hat sich bei Kleidung und Schuhen ein Konsumrausch entwickelt, der jeder Beschreibung spottet.
Dieser Nachfrageboom bedient die so beliebten Billigheimer, die 14täglich die Kollektion wechseln. Dieses Verhalten und auch die Einstellung dazu regelt die Nachfrage. Niemand auf diesem Planeten braucht wöchentlich neue Schuhe oder muss sich mit shopping belohnen.
Darin liegt der Hund begraben.
Davon abgesehen gibt es genug Labels, die fair und modisch produzieren. Das Internet hilft dabei. Allerdings hat diese Ware ihren Preis, aber auch eine Werthaltigkeit.

Die sozialen Medien sind voll von jungen Damen, die sich über Massentierhaltung beklagen und sogar vegan leben. Wie aber die HighHeels produziert wurden, liegt auf ein Mal nicht in Händen des Konsumenten. Das ist mehr als zynisch.

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