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Fatih Akin: Türkische Rechtsextreme bedrohen Filmemacher
bombero int./ Pandora

Der neue Film von Fatih Akin befasst sich mit dem Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915. Nun drohen Ultranationalisten in der Türkei: "Der Film kommt in kein türkisches Kino."

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Mischa 05.08.2014, 13:46
1. Mutiger Herr Akin...

... ich weiß nicht, ob sonst jemand den Mut hätte es mit den radikalen Nationalisten (Islamisten) aufzunehmen.

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Pure E 05.08.2014, 13:48
2.

Ein neues Mitglied der EU. Ähnlich wie Serbien, die dem Mörder und somit Auslöser der ersten WK's ein Denkmal setzen wollen.... Naja. Es wird ja noch verhandelt...

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Yabanci Unsur 05.08.2014, 14:08
3. Wahrheit als Nebenprodukt

Die „Kappe“ ist ein Barett und wird in der Türkei von Leuten getragen, die sich mit dem Mörder solidarisieren. Bei der letzten Gedenkfeier für den ermordeten Hrant Dink im Januar 2014 haben Teile der Istanbuler Polizei (wohl in provokativer Absicht) ein weißes Barett getragen. Mit der Aussage: „Man werde die Angelegenheit ‚mit weißer Kappe‘ verfolgen“ ist die Drohung gemeint, sich zusammenzurotten und mit Gewalt gegen Kinos und Besucher vorzugehen. Ferner ist anzumerken, dass die „Ultranationalisten“ nicht nur dem rechten Parteienspektrum zuzuordnen sind; die Işçi Partisi = Arbeiterpartei ist von gleichem Kaliber. Besser wäre der Begriff Kemalisten oder Nationalsozialisten – es ist die gleiche Brut. Allerdings sollte man sich von dem Getöse nicht zu sehr beeindrucken lassen. Seit ein paar Jahren wird in privat organisierten öffentlichen Veranstaltungen des Völkermordes gedacht, ohne dass die Volksseele überkocht. Die Frommen an der Macht sehen durchaus das Potenzial, mit dem Verbrechen gegen die Armenier ihren kemalistischen Widersachern eins auszuwischen. Die Wahrheit ist dabei ein unvermeidbares Nebenprodukt.

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jerantu 05.08.2014, 14:19
4.

Ein Land in dem es nichtmal möglich ist einen Film zu über die eigene Vergangenheit zu drehen und Menschen nicht ihre Gedanken frei äußern dürfen aus Angst ermordet zu werden, wirkt so befremdlich, dass selbst ein sehr liberaler Geist sagen muss: Da ist keine gemeinsame Wertebasis, die eine Aufnahme in die EU rechtfertigen würde.

Oder krasser formuliert: Gemessen an der oft gezeigten Mentatlität & "Streben" nach einem Rechtsstaat dieser Bevölkerung, sollte man der Türkei noch 50-100 Jahre Zeit zur geistigen Entwicklung geben, bevor man ernsthaft überlegt ein so weitreichendes Bündnis (das nicht zuletzt ein Wertebündnis ist) einzugehen.

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pikeaway 05.08.2014, 14:23
5. Kontroversen

Zitat von sysop
Der neue Film von Fatih Akin befasst sich mit dem Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915. Nun drohen Ultranationalisten in der Türkei: "Der Film kommt in kein türkisches Kino."
Für heftige Kontroversen sorgte vor fünf Jahren bereits eine Arte- Dokumentation:
https://www.youtube.com/watch?v=5JZUsd4nQSI

Einen historischen Überblick liefert auch ein Interview mit einem Wissenschaftler des Institut für Genozid- Forschung/ Bochum
http://www.domradio.de/audio/ein-int...um-historische

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kumi-ori 05.08.2014, 14:26
6.

Die Türkei hat in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und kulturell gewaltig Boden gemacht und es steht ihr eine große Zukunft in diesem Jahrhundert bevor und eine wichtige Rolle an der Nahtstelle zwischen Westen und Islam.

Deshalb wäre jetzt (wie Akin sagt) ein guter Zeitpunkt, die Lasten aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, damit sich neue Generationen auch mit allem Elan auf diese Zukunft freuen können.

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Eutighofer 05.08.2014, 14:26
7. echte Zivilcourage

In Deutschland wird zu oft von Zivilcourage gesprochen, aber das hier ist ECHTE Zivilcourage !

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itf_ 05.08.2014, 14:42
8. @Mischa

Türkische Nationalisten sind keine Islamisten. Zwischen beiden Gruppierungen gibt es Unterschiede.

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Alternator 05.08.2014, 14:47
9. Da gibt es viele

Zitat von Mischa
... ich weiß nicht, ob sonst jemand den Mut hätte es mit den radikalen Nationalisten (Islamisten) aufzunehmen.
Von denen, die diesen Mut haben, gibt es 'ne ganze Menge.
Es wachsen mehr nach, als Nationalisten und Fanatiker umbringen können.
Nicht nur in der Türkei.
Und nicht nur in der Türkei sind die Nazis ein Problem, das offiziell lieber tot geschwiegen wird.

Und nicht nur in der Türkei kriminalisieren die Radikalen, die an entsprechnden Stellen sitzen, diejenigen, die Demokratie als Ideal sehen.
Ich frage mich immer wieder, wie jemand, der hierzulande von demokratischen Recht auf Demonstration gebrauch macht, um seinen Protest gegen Nazis zu zeigen, als linksradikal eingestuft werden kann, während auf der anderen Seite zigfache Straftäter, die den Staat zerstören wollen, von just diesem Staat geschützt werden.
Das ist wohl die Wirkung rechtsradikaler Burschenschaften, die Ihresgleichen den Weg in die leitenden Posten der Verwaltung und Justiz sichert.

Die Türken werden es schaffen, diese Nationalismen abzubauen und zu verdauen.
Die Deutschen auch. Hoffe ich zumindest.

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