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Feminismus: Ein Blumenstrauß voller Einwände
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Immer wieder kommt die Frage auf: Ist es nicht mal gut mit dem Begriff des "Feminismus"? Indeologisch, überholt, unpräzise. Sieben Einwände gegen die Idee, das Wort habe ausgedient.

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bert1966 07.03.2017, 15:42
1.

Das Wort "Feminismus" hat kein Imageproblem, sondern ein Inhaltsproblem. Zu viele Menschen, die diesen Begriff leichthin benutzen verstehen darunter etwas grundsätzlich unterschiedliches. Vom Schimpfwort der Biertischbanausen bis zur vermeintlichen Entschuldigung für Frauen, die andere Frauen nur unterdrücken und maßregeln wollen: alles ist dabei. Der jüngste shitstorm, den einige "Feministinnen" über Emma Watson ausgegossen haben ist das passende Beispiel dafür. Da regen sich tatsächlich Frauen auf, weil eine andere Frau mit einem Jäckchen und sonst bloßem Oberkörper bekleidet ein (dazu auch noch ästhetisches) Foto veröffentlicht. Eine wahre Feministin täte das nicht, so hört man. Dabei hat Ms Watson Recht: es geht um die Freiheit jedes menschen, genau das tun zu dürfen, ohne daß es auch nur eine Nachricht wert ist, sondern das Normalste der Welt. Persönliche Freiheit ist Feminismus - sogar für Männer.

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wjr69 07.03.2017, 15:42
2. Feminismus ist einseitig

"..geht es heute oft um Dinge, die sich nicht an Gesetzen festmachen lassen, sondern an alltäglichem Verhalten. Und weil Alltag nun mal oft zwischen Leuten verschiedenen Geschlechts passiert, sind alle mitbetroffen."
Dann sollten aber Feministinnen aufhören zu behaupten, dass durch den Feminismus Männer mit-befreit werden. Männer haben so zu funktionieren, wie es Feministinnen jeweils wollen, was Männer wollen, ist egal. Deshalb der Vorwurf der Einseitigkeit: Man kann keine Geschlechtergerechtigkeit herstellen, indem man ausschließlich Anliegen der Frauen für relevant hält und alle Probleme der Männer für unbeachtlich oder für bloße Privilegiensicherung hält, soweit sie mit den Ansprüchen des Feminismus kollidiert.

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Tikay 07.03.2017, 15:52
3.

Ich dachte folgendes:
>>
4. "Ist es nicht einfach gesunder Menschenverstand zu sagen, Leute sollen halt gleichberechtigt sein, egal welches Geschlecht sie haben?"

Ich wünschte, es wäre so.

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Katzazi 07.03.2017, 15:56
4.

Also ich als Frau habe wirklich Probleme mit dem Begriff. Ich nehme mich nicht als prinzipiell benachteiligt wahr. Ja, es ist nicht alles gleichberechtigt hier. Und ja, in anderen Gegenden der Welt ist das noch deutlicher. Aber es gibt viele Fassetten des Menschseins und viele andere Menschen werden wegen anderen Fassetten teilweise auch oder stärker benachteiligt. Teilweise mag es sicher Hilfreich und Sinnvoll sein, speziell Frauen zu fördern. Aber insgesamt entsteht dadurch eine viel zu starke Fokussierung auf das Geschlecht. Das was eigentlich eben nicht entscheidend sein soll für "Wertigkeit" wird damit viel zu stark in den Fokus gerückt. -- Desweiteren sorgt es dafür, dass es sich manche Frauen in ihrer Umgebung gemütlich machen und warten, dass sich die Welt für sie verändert. Wie viele "Feministinnen" können kein Regal reparieren, meinen nicht rechnen zu können oder finden dass IT nichts für sie ist, weil sie lieber mit Menschen arbeiten? Ja, aber es kann nicht sein, dass einerseits möglichst viele Frauen derarties auch machen sollen, aber keine Frau es machen will. Das geht so nicht. (Und Arbeit in der IT bedeutet sehr viel Arbeit mit Menschen *schmunzel*). --- Aber was das Türaufhalten anbelangt, so ist es wichtig, dass sich das ändert. Ja, wenn es in die Oper geht, ist es ok, wenn man alte Sitten rauskramt und sich die Frau vom Mann die Tür aufhalten lässt, weil man sich dort vor Ort damit gegenseitig Respekt signalisiert. Aber im Berufsleben ist es nur hinderlich. Da sollte es ein miteinander und füreinander sein. Es ist nicht hilfreich, wenn auf dem Weg zur Kantine immer die eine Gruppe der anderen Gruppe die Tür aufmacht und am Ende die Frauen vorne sind (weil die Männer immer aufhalten) und es dann zu blöden Situationen kommt. Das ist Unfug, weil es für alle anstrengend ist.

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MikelFriess 07.03.2017, 15:58
5. Solange Frauen der größte Feind...

der Frauen sind, soll es auch Feminismus heißen. Wenn wirklich alle Frauen der Welt sich unterdrückt fühlen würden und dies auch äußern würden, dann hätten Machos keine Chance. Glaubt wirklich einer, dass irgendwelche ältlichen Imame in Afrika jungen Frauen die Klitoris mit Rasierklingen abschnippeln? Das sind die Mütter und Großmütter die das ihren Töchtern antun. Sind es die Männer die ihren Töchtern rosa Kleidchen anziehen und sie mit 5 das erste mal schminken?

Solange die Frauen nur auf die Männer schauen und nicht auf ihre Geschlechtsgenossinen (außer bei solchen dämlichen Aktionen wie Emma Watson) so lange wird sich mit einer echten Gleichberechtigung nichts tun. Um mal eine zwanzigjährige Frau zu zitieren: " Ein Mann der im Haushalt hilft ist ein Schlappschwanz"

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DonCarlos 07.03.2017, 16:01
6. Es ist immer wieder sehr sinnvoll Dinge auszublenden, die nicht ins Weltbild passen

"Das meiste Geld geht durch die Hande der Frauen. In sieben von zehn bundesdeutschen Haushalten verwaltet die Frau das gesamte Familieneinkommen; der Mann behalt hochstens ein Taschengeld fur sich."
Das gilt unabhängig davon, ob ein Frau selbst arbeiten gegangen ist (oder gehen durfte) oder ob nur der Mann schuften durfte.

Wenn sich der Feminismus der Autorin sich nicht für Gleichberechtigung einsetzt, dann hat er ausgedient. Überall wird eine Quote gefordert aber nur für Frauen und nie geschlechtsneutral. Wo sind die Quoten für Männer in der Tiermedizin?

Wie viele Ärztinnen heiraten einen Krankenpfleger? Kennen Sie einen Fall?

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msvanessacheng 07.03.2017, 16:01
7.

Das Wort ist nur eine Bezeichnung, kann man ruhig so lassen.
Was einseitig und diskriminierend ist, ist die Denkweise dahinter.

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lyzz 07.03.2017, 16:02
8.

>Feminin bedeutet ja eigentlich weiblich zu sein, zierlich und vielleicht >auch schön

Nur in einer Welt in der Männer darüber bestimmen dürfen, wie Frauen bitteschön zu sein haben. Sich davon frei zu machen und selbst zu wählen wie viel oder wenig Aufwand eins ins die eigene Schönheit reinsteckt ist eine wichtige Freiheit. Daneben ist das Argument nicht ganz neu : Wir werden schon seit ungefähr 150 Jahren als häßliche Mannsweiber bezeichnet. Ich finde die angemessene Antwort ist ein Schulterzucken. Ist ja keiner dieser seltsamen Männer gezwungen, eine Beziehung mit uns anzufangen. Gibt umgekehrt aber weder einen Mangel an Bewerbern noch einen an solchen Männern, deren Frauenbild nicht direkt aus dem Playboy ausgeschnitten ist.

Das mit den Hosen ist schlicht pragmatisch. Sie sind bequemer und wärmer als Strumpfhosen und Röcke, erfordern keine ständige Selbstbeobachtung und Haltungskorrektur und gehen bei weitem nicht so schnell kaputt wie Haut oder Strumpfhosen. Klar haben Röcke ihre Daseinsberechtigung wenns extra schick sein soll -- aber doch bitte nicht statt sinnvoller Arbeit.

> Warum sollten die Feministinnen sich denn eigentlich nicht jetzt, >Anti-Feministinnen nennen ?

Weil Ihre ethymologische Herleitung ziemlich schlecht ist und die Zeiten in denen alle Frauchen brav mit dem Kopf genickt haben, nur weil ihnen ein Mann erklärt hat, was das beste für sie ist, zum Glück vorbei sind.

> Vielleicht verstehen sie dann auch , dass es nichts mit >Gleichberechtigung zu tun hat, wenn man genauso blöde Jobs >machen muss wie Männer. Beton bohren, Schweine schlachten, >Rohre verlegen usw !

In vielen dieser Branchen kämpfen Frauen gegen den erbitterten Widerstand von Männern um mitmachen zu dürfen. Schon seltsam, dass erwachsene Menschen arbeiten und eigenes Geld verdienen wollen, was? Daneben: Woran machen Sie denn fest, welche Jobs "blöd" sind? Schonmal Kranke gepflegt, Kinder gehütet, sich sonstwie mit dem Schmutz von Menschen rumgeschlagen? Wir sind nicht alle zarte Vorzimmerpflänzchen nur weil wir medial gerne so dargestellt werden.

>Vielleicht denken die neuen Anti-Feministinnen dann einfach mal >darüber nach, dass die Natur nunmal Männer und Frauen körperlich
>anders ausgestattet hat und dass dies vielleicht auch Sinn macht.

Diese These ist so unterkomplex formuliert, dass sie alles und nichts bedeuten kann. "Not even wrong" wie man sagt.

> Männer werden nun mal nicht schwanger, auch wenn >Feministinnen dies sich wohl wegen dem Thema >Gleichberechtigung wünschen würden.

Es gibt durchaus schwangere transsexuelle Männer. Daneben wird nicht ersichtlich warum wir als jahrtausendealte Spezies deren rigide Geschlechterteilung nach modernem Vorbild nur etwa 300 Jahre alt ist, dieses ideologisch geprägte Bild bis in alle Ewigkeit gegen die Widerstände der Beteiligten fortschreiben sollten.

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sabinaz 07.03.2017, 16:03
9. Das ist ein - recht altes - Vorurteil

Zitat von paulvernica
Feminin bedeutet ja eigentlich weiblich zu sein, zierlich und vielleicht auch schön. Frauen bewegen sich feminin, sagt man zb. Von daher ist der Begriff feminin eigentlich positiv besetzt. Ohne pauschalisieren zu wollen, Feministinnen sind meist gar nicht feminin. Wollen sie wohl auch nicht, sie wollen eher maskulin sein, also wie männer - gleichberechtigt und daher fingen sie irgendwann an Hosen zu tragen. Warum sollten die Feministinnen sich denn eigentlich nicht jetzt, Anti-Feministinnen nennen ? Vielleicht verstehen sie dann auch , dass es nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat, wenn man genauso blöde Jobs machen muss wie Männer. Beton bohren, Schweine schlachten, Rohre verlegen usw ! Vielleicht denken die neuen Anti-Feministinnen dann einfach mal darüber nach, dass die Natur nunmal Männer und Frauen körperlich anders ausgestattet hat und dass dies vielleicht auch Sinn macht. Männer werden nun mal nicht schwanger, auch wenn Feministinnen dies sich wohl wegen dem Thema Gleichberechtigung wünschen würden. Ausser vielleicht in Frankensteins Labor, da kann man sicherlich auch Männer schwängern. Also geht einfach nochmal zurück zu den Basics.
Ich kenne viele Feministinnen - mich selbst eingeschlossen - die Highheels tragen. Und Kleider. Und Röcke. Und enge Oberteile. Nichts davon schließt Feminismus aus. Beyoncé zieht sich sexy an, und ist - wie schon im Artikel ausgeführt - erklärte Feministin, genauso wie Emma Watson, die ja nun wirklich absolut gar nichts maskulines hat. Dass Männer und Frauen unterschiedlich ausgestattet sind, und Männer deshalb oft die kräftezehrenden Arbeiten machen, stimmt ebenfalls nur zum Teil. Altenpfleger sind beispielsweise meistens weiblich, und dieser Job ist echt schwer und ziemlich wichtig. Aber dafür halt in der Regel wesentlich schlechter bezahlt, als Beton zu bohren. Dass Männer nicht schwanger werden können, ist zwar richtig, was das aber mit Feminismus zu tun hat, verstehe ich nicht.
P.S.: Und was meinen Sie mit ”Basics”?

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