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Fergus Falls: US-Kleinstadt vom Fall Relotius betroffen

Claas Relotius hat über das amerikanische Dorf Fergus Falls eine SPIEGEL-Geschichte geschrieben. Zwei Einwohner haben seine Reportage überprüft. Ihr Urteil ist vernichtend. Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass die Sicherheitsmechanismen der Redaktion versagt haben.

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meimic29 20.12.2018, 22:03
1. Enttäuschung

Ich bin einfach nur enttäuscht. Ich hoffe es wurde nun der Eisberg aufgedeckt, nicht nur die Spitze.

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car-lover 20.12.2018, 22:04
2. Oberflächlich....

Einerseits gut dass hier proaktiv geschrieben und aufgeklärt wird
Andererseits interessant wie schwer es ist einen Artikel zu finden den man kommentieren kann
Wird vielleicht nur geschrieben was eh rausgekommen wäre?
Bisschen aufklärung um herr der story zu bleiben
Am ende noch bisschen auflagensteigerung auf basis des eigenen versagen?
Es gehören immer 2 dazu...einer der betrügt und einer der gerne leichtgläubig tolle stories kauft...
Schon etwas scheinheilig die aufklärung...
Was ist die Entschädigung für all die leute über die ggfs falsch berichtet wurde...
Sorry Spiegel vertrauen verspielt...

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bacillus.maximus 20.12.2018, 22:06
3. Es fällt mir nicht leicht meinem verbliebenen Journal

einen zu verpassen, aber: Das ist maximal noch das Niveau von irgendwelchem Doku-Soap-Mist. Vorurteile werden bestätigt, es wird erzählt was sich gut verkaufen lässt, Wahrheitsgehalt egal.
Der Zeitpunkt war zwar nicht genau abzuschätzen, doch die Tatsache dass so etwas irgendwann aus dem Ruder gerät war immer abzusehen. Starke Bestrebungen solchen Entwicklungen gegenzusteuern hat man zumindest als Leser nie wahrnehmen können.
Stellt sich die Frage ob der nun gekreuzigte Journalist nicht mit seinen Erfindungen auch ein nützlicher Idiot für die Politik gewesen ist.

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mainzer2 20.12.2018, 22:12
4. Dokumentation

Wenn dieser falsche Journalist gehen muss/schon gegangen ist, wer muss aus der Dokumentation noch zusätzlich gehen? Ich habe den besagten Artikel gelesen und muss jetzt an vielen Fragen zweifeln...lieber Spiegel, ihr macht es einem sehr schwer noch bei euch zu bleiben!

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joe_ucker 20.12.2018, 22:16
5. Echt Mist passiert. Aber Kompliment für die offene Aufarbeitung

Ja, nicht nur offen. Sondern auch sehr selbstkritisch.
Ich denke, wenn man ernsthaft die organisatorischen Prozesse ändert, dann wird das was.
Ich drücke der Redaktion und der Leitung die Daumen.

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browserhead 20.12.2018, 22:24
6. Literaturnobelpreis?

Nun, wenn die Qualität von Relotius´ Artikeln eher in der Fiktion liegt, sollte man die Reporterpreise in Literaturauszeichnungen umwandeln, geschrieben waren sie ja gut.
Aber mal ehrlich: Mit seiner aggressiven Selbstreinigung will der Spiegel sein Image retten, damit es ihm nicht ergeht wie einst dem Stern mit Heidemann & Kujau. Andererseits wird hier Relotius öffentlich geschlachtet, der wird als Schreiber nie wieder ein Bein auf den Boden kriegen. Was macht der Spiegel denn, wenn man demnächst seine Leiche findet? Das Ganze ist doch eine Hexenjagd gegen einen, der jung und erfolgreich (und skrupellos) war. Aber lasst dem Mann eine Lebenschance.

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Lykanthrop_ 20.12.2018, 22:24
7.

Wow. Ich habe bisher gedacht der Typ hat hier und da was fiktional ergänzt, doch die Geschichte von Fergus Falls stimmt ja von vorne bis hinten nicht. Krasser Stoff. Wenn die Dokumentation so dreiste Lügen nicht entdeckt hat sie die Geschichte scheinbar ungeprüft durchgewunken.

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stuggiman 20.12.2018, 22:25
8. Wie gewonnen, so zerronnen

Ach, was waren das noch für Zeiten, 2010... Erinnert sich noch jemand an René Pfisters Reportage "Am Stellpult" über Horst Seehofer. Darin beschreibt der Spiegel Redakteur gleich eingangs so schön szenisch, wie der Horst im Keller an seiner Modell-Eisenbahn das politische Leben Berlins nach seinem Gusto inszeniert. Nur: Inszeniert war auch der Einstieg, der suggeriert, dass Pfister höchstselbst im Keller war, was nicht stimmte. Diese verhältnismäßig kleine Schummelei führte dazu, dass Pfister der Nannen Preis für seinen Text aberkannt wurde; übrigens hatte der Autor seinerzeit den Fehler selbst eingestanden. Die Sanktion wirkt vor dem Hintergrund der Causa Claas geradezu lächerlich, zeigt aber auch, wie schnell man sich am journalistischen Ethos versündigen kann.

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mimas101 20.12.2018, 22:30
9. Hmm Tja

Gefährlich ist das der Ex-Redakteur nicht nur ein paar Bröckchen Wahrheit geschickt mit viel Phantasie garniert abgeliefert hatte sondern so Artikel, mit Stimmungsbildern & Co, auch das Außenbild beim Leser mit bestimmen.
Sitzt also so eine "Indepth-Reportage" nicht richtig kann das durchaus darmatische Folgen haben.

Allerdings - warum spiegel nicht einfach alle Reportagen des Ex komplett widerruft und ggfls. solche neu anfertigt, z.B. im Lichte der weiteren Zeitabstände und eingetretenen Ereignisse... ?!?

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