Forum: Kultur
Fergus Falls: US-Kleinstadt vom Fall Relotius betroffen

Claas Relotius hat über das amerikanische Dorf Fergus Falls eine SPIEGEL-Geschichte geschrieben. Zwei Einwohner haben seine Reportage überprüft. Ihr Urteil ist vernichtend. Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass die Sicherheitsmechanismen der Redaktion versagt haben.

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parzival of the future 21.12.2018, 23:16
20. Wahlergebnisse

Ihr schreibt groß eure Dok prüft Wetter, Entfernung und alles, aber natürlich nicht was nur der Reporter und sein Protagonist wissen kann. Das stimmt wohl auch alles nicht, siehe die Wahlergebnisse von Fergus Falls. Wieso wird sowas nicht gegen gecheckt zumal die Aussage, jahrzehntelang nur Demokraten, ja schon stutzig machen muss. Auch seh ich sofort bei Google Street View das die Stadt wirklich in der Steppe liegt. Was kann man bei euch noch glauben? . Auch ist der Verdacht da, dass eventuell andere Journalisten auch gerne ein paar Details dazu schmücken. Bei Bento traue ich z.B. viele Artikel nicht ganz, manchmal zu perfekt, zu passend. Bei der Dok muss bei euch jetzt wirklich was passieren. Nur noch peinlich gerade, im Bezug auf eure Statements davor.. ich sag nur nochmal, unsere Dok prüft alles ,was zu prüfen machbar ist.. tja...

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zinhh 21.12.2018, 23:20
21. Schreiben was ist

Was für ein hehres Wort. Praktiziert wird wohl eher Schreiben was sei. Das gefällt dem linken Schreiberling, dem linksökologischen Leser und den Jurys diverses Preise. Wenn der SPIEGEL das Augsteinmotto Schreiben was ist wieder ernst nehmen möchte, erwarte ich Artikel, die sich kritisch mit den Auswirkungen des deutschen Asylrechts auseinandersetzen, die die Messung von Feinstaub- und NOx-Werten kritisch beleuchten, Fragen der Bewegung der 68er von Rüstungs- und Atomkraftgegenern hin zu Klimaapokalyptikern, Unterstützern ungebremster Zuwanderung, E-Mobilitätsbefürwortern und linken NGO Aktivisten kritisch beleuchten. Dann, und nur dann kaufe ich den SPIEGEL auch wieder einmal am Kiosk. Abo nicht ausgeschlossen!

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bacillus.maximus 21.12.2018, 23:30
22.

Zitat von browserhead
Nun, wenn die Qualität von Relotius´ Artikeln eher in der Fiktion liegt, sollte man die Reporterpreise in Literaturauszeichnungen umwandeln, geschrieben waren sie ja gut. Aber mal ehrlich: Mit seiner aggressiven Selbstreinigung will der Spiegel sein Image retten, damit es ihm nicht ergeht wie einst dem Stern mit Heidemann & Kujau. Andererseits wird hier Relotius öffentlich geschlachtet, der wird als Schreiber nie wieder ein Bein auf den Boden kriegen. Was macht der Spiegel denn, wenn man demnächst seine Leiche findet? Das Ganze ist doch eine Hexenjagd gegen einen, der jung und erfolgreich (und skrupellos) war. Aber lasst dem Mann eine Lebenschance.
Zitat: "Andererseits wird hier Relotius öffentlich geschlachtet, der wird als Schreiber nie wieder ein Bein auf den Boden kriegen."
Niemand hat ihn gezwungen sich Sachen aus den Fingern zu saugen, insofern gilt es die Schuld nur bei ihm zu suchen. Das Vorhandensein von naiven Menschen macht ja auch keinen Betrug ungeschehen. Leichter, aber nicht besser.

Zitat "Was macht der Spiegel denn, wenn man demnächst seine Leiche findet? "
Haben Sie es noch eine Nummer größer? *facepalm*

Zitat: "Das Ganze ist doch eine Hexenjagd..."
Nein, bei einer Hexenjagd wurden Unschuldige aufgrund angeborener Eigenschaften wie Haarfarbe, Sommersprossen oder krankheitsbedingter Symptome wie Zuckungen etc. unter falschem Vorwand angeklagt, abgeurteilt und getötet. "Hexenjagd" ist somit als Wort- wie fast immer wenn genutzt, fehl am Platze.
Und es ist auch keine "Denunziation", da er nicht in einem Unrechtsstaat lebt in dem er mit unrechtmäßiger staatlicher Verfolgung und lebensbedrohlichen Konsequenzen dessen rechnen muss.

Was es das nur im Fernsten zu relativeren, respektive verteidigen gibt verschließt sich mir völlig. Und da der gute Mann auch Reportagen zu Syrien gemacht hat sollten Sie sich lieber mal fragen ob seine von CNN gelobten und vielzitierten Berichte nicht sogar zu einer reellen Gefährdung unbeteiligter Personen im dortigen Krieg geführt haben könnten.

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ag_guerel 21.12.2018, 23:37
23. Zu Gründlich!

Was mich an der ganzen Geschichte stört,ist nicht der Ex-Redaktor des Magazins sondern das Magazin selbst! Es gibt immer Menschen, die Lücken in den Systemen suchen! Sei es im Sozialsystem oder in gewerblichen Betrieben! Spiegel erzählt uns den Fall so,als wäre es etwas kleines, unwichtiges! Und ich denke dabei an die Artikel, Berichte ,die ich im Spiegel Online gelesen habe und jedes mal stellte ich mir die Frage, wo lernen diese Menschen Journalismus,sodass sie so dramatisch fast in einer Soap-Form schreiben können? Ich befürchte, dass dieser nicht ein einzelner Fall ist! Ob Spiegel es wagen wird eine umfangreiche interne redaktionelle Untersuchung zu starten? Kann Spiegel es sich leisten diesen bitteren und schmerzvollen Schritt zu machen?

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scoopx 21.12.2018, 23:38
24. Was habt ihr denn?

Die Geschichte mit Fergus Falls ist doch ohne den Rahmen der Großerzählung über die USA im Zeitalter von Donald Trump gar nicht denkbar.

Diese Großerzählung hat u.a. die folgenden Elemente: auf dem Land, in den Kleinstädter der "fly over states" sind die Menschen ungebildet, tragen alle Waffen, sind gegen "Mexikaner" und verrichten einfache Arbeiten wie Kohle schaufeln. Hillbillies eben, in der einen oder anderen Form. Das Bild war also fast fertig, Relotius hat da gar nichts verfälscht und auch nichts übertrieben. Er ist nur der Großerzählung gefolgt und hat ein paar Namen und Daten eingesetzt und das Ganze etwas ausgeschmückt.

Deswegen hat man ihm ja auch geglaubt. Wenn umgekehrt Konrad Kujau in die Hitler-Tagebücher hineingeschrieben hätte, der Adolf hätte sich vor Spinnen gefürchtet oder in der Badewanne mit einem gelben Quietsche-Entchen gespielt, hätte das der Großerzählung über Hitler nicht entsprochen, und die Fälschung wäre gleich aufgeflogen.

Die Wurzel des Fakes liegt in der Leichtgläubigkeit der Öffentlichkeit eben diesen Rahmenerzählungen gegenüber. Und die Aufgabe des Journalismus wäre es eigentlich, immer wieder kritisch gegen diese Erzählungen anzugehen. So wie es zum Beispiel Ihr Manfred Dworschak mit der Erzählung vom digitalen Wandel tut.

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sillefcb 21.12.2018, 23:58
25. Keine Überraschung

Ich verstehe hier die Aufregung nicht, diesmal könnten sie es im eigenen Haus nicht vertuschen. Aber am besten war Donnerstag früh der Journalist im Frühstücksfernsehen, vom Spiegel. Sonst immer eine Riesen Grosse Klappe, gestern unrasiert und fix und fertig. Als wenn es überraschend kam für Sie!!!!!!! Kleinlaut und für alles ein Entschuldigungszettel!!! Ich kann nur sagen, totale Überheblichkeit und Bekannte Arroganz gegenüber den Menschen die schon längst denken,dass ihr es mit der Wahrheit nicht so genau nehmt.

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yossariania 21.12.2018, 00:52
26. Ich denke

Zitat von joe_ucker
Ja, nicht nur offen. Sondern auch sehr selbstkritisch. Ich denke, wenn man ernsthaft die organisatorischen Prozesse ändert, dann wird das was.
eher nicht.
Denn es geht ja auch ohne Claas R. weiter wie gehabt.
Einerseits ergießen sich Fichtner und Kurbjuweit seitenlang in Selbstmitleid und geloben Demut und Besserung.
Und andererseits dürfen wir wieder lesen:
"Der ungarische Staatspräsident Janos Ader hat ein umstrittenes Gesetz zur Regelung der Überstunden unterzeichnet. Seit Tagen protestiert Ungarns Bevölkerung gegen das sogenannte "Sklavereigesetz"."

Wirklich die Bevölkerung?
Oder vielleicht nur ein Teil von ihr?
Und vielleicht auch nur ein ganz kleiner Teil von ihr?
Weviel sind denn "tausende" bei einer Bevölkerung von 9,8 Millionen?

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Margaretefan 21.12.2018, 01:05
27. Leider ist das...

...der Sargnagel für den Spiegel. Den Jan Fleischhauer mit seinen kruden Meinungen ertragen zu müssen - Schwamm drüber. All zu oft sehr rüde alle möglichen Leute, nie nicht nachvollziehbar, anzugehen - Schwamm drüber. Nun hier, den Menschen in den eigenen Reihen, der den guten, alten Spiegel nun zum Schmierblatt degradiert hat in einem nach dem anderen Artikel mit Samthandschuhen anzufassen, ist keine gute Idee. Jeder, der mit dem Typen zu tun hatte, ist verbrannt. Ihr wisst doch wie das läuft. Habt doch selbst schon unzählige Menschen mit Fehltritten und deren Umfeld über die Klinge springen lassen. Eure Anzeigenkunden machen euch sicher gerade die Hölle heiß. Für viel Geld in einem Qualitätsblatt inseriert und dann so ein Tiefschlag...

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Affenhirn 21.12.2018, 01:07
28. Faktenquelle

http://www.city-data.com/city/Fergus-Falls-Minnesota.html

Wenn noch Fakten überprüft werden sollen, schaut doch mal hier. Demnach ist auch die Angabe der beiden Einwohner nicht ganz korrekt (haben die eigentlich Quellen benannt?):
2016 bekam Trump 64,5% in Fergus Falls. Und man kann sehen, dass bis 1996 zurück in Fergus Falls immer die Republikaner die meisten Stimmen erhalten haben.

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Theophanus 21.12.2018, 02:04
29. Was für eine...

Zitat von mimas101
Wie hier zu lesen war: Die Erfindungen spielten sich im Bereichen ab die eher subjektiv sind und sich nicht einfach nachprüfen lassen (dazu hätte es vermutlich eines zweiten Redakteurs bedurft oder so). Allerdings hatte der Ex auch einen ordentlichen Ruf gehabt und wurde bereits mit Preisen überhäuft. Da läßt womöglich auch die scharfe Kontrolle nach. Trotzdem finde ich es gut das SPON die Angelegenheit transparent und schonungslos offen legt und es nicht bei einem Widerruf, Totschweigen oder anderem beläßt.
...Kontrolle? Mittlerweile kann man konstatieren, dass da fast gar nichts geprüft wurde.

Darüber hinaus kann ich mich nicht erinnern das ich je ein Interview gegeben habe, an dem nicht ein Aufzeichnungsgerät mitlief. Das dient zum Schutz vo Journalist und dem Befragten. Gerade auch bei Interviews von Zeitzeugen wie Traute von der weisen Rose, ist eine Tondokumentation von maßgeblichem Interesse. Anhand der Aufzeichnungn hätte man leicht nachprüfen können, was wer wie gesagt hat. Es hat beim Spiegel aber ja niemand gestört, dass er von nichts eine Aufzeichnung mitbrachte. Er hat völlig undumentiert gearbeitet. Das ist das Gegenteil von Kontrolle, das ist handwerkliches Versagen auf der gnzen Linie.

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