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Fergus Falls: US-Kleinstadt vom Fall Relotius betroffen

Claas Relotius hat über das amerikanische Dorf Fergus Falls eine SPIEGEL-Geschichte geschrieben. Zwei Einwohner haben seine Reportage überprüft. Ihr Urteil ist vernichtend. Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass die Sicherheitsmechanismen der Redaktion versagt haben.

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tom_k0305 21.12.2018, 03:00
30. Es ist zwar schäbig falsches zu tun,

Zitat von Schrammenhans
Relotius ist euch sicher ein Dorn im Auge, aber man muss es einmal ganz klar aussprechen: Er ist ein brillianter Boulevardjournalist und wenn es mit rechten Dingen zugeht, dann wird euch die Bild-Zeitung eine gigantische Ablösesumme zahlen. P.S.: Bucht Relotius' Behauptungen als Fake ab und gebt das Geld für was Anderes aus!
aber ich denke Herr Relotius hat ein Talent, das er nutzen sollte.
Nicht als Boulevardjournalist, dort würde er verheizt, sondern im Bereich Roman und Film, mit dem Wissen wie man Google usw. nutzen kann, kennt er bereits die Werkzeuge für Recherche, den Rest hat er selbst, Schreiben und Geschichten erzählen kann er ja.
So bedauerlich diese Sache jetzt auch für alle ist.
Ich wünsche viel Glück

Tom_K

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tom_k0305 21.12.2018, 03:25
31. Zeitnot, Magazin füllen, Schlagzeilen? -> Einnahmen

In diesem Problem stehen momentan viele Zeitschriften.

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Nur herausgeschmissenes Geld.
Dies sag ich Ihnen als IT-Fachmann.

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Dafür bekomme ich als Berater 1300,-€, vertraue auf den Spiegel und hoffe auf Besserung.

Tom_K

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dasfred 21.12.2018, 03:38
32. Stellen wir die Grundsatzfrage

Wieviel Vertrauen, wieviel Kontrolle brauchen wir im Beruf. Hier ist es Claas Relotius gelungen, die interne Kontrolle des Spiegel zu unterlaufen. Er hat nachprüfbare Fakten geliefert, diese aber eben mit Fiktion ausgeschmückt. Das ganze in einem Umfeld, in dem er von seinen Kollegen angenehm und positv wahrgenommen wurde. Wieviel Misstrauen muss der Arbeitgeber, oder die Chefredaktion ihren Mitarbeitern entgegen bringen. Wie kann ein Blatt Qualität produzieren, dass erstmal jedes Wort, dass sich nicht sofort nachprüfen lässt, in Zweifel zieht. Im Grunde erwartet jeder Arbeitnehmer, dass sein Chef ihm vertraut und jeder Chef geht zuerst davon aus, dass ihn nicht jeder Mitarbeiter besch.... will. Das hat sich über Generationen bewährt. Ebenso, wie auch jede private Beziehung nur mit gegenseitigem Vertrauen gedeihen kann. Das dieses Vertrauen einseitig und vorsätzlich missbraucht wird, kommt in allen Bereichen des Lebens vor. Ich sehe keinen Grund, dem Spiegel insgesamt zu unterstellen, dass hier Fake News verbreitet werden. Dieses geheul, von Leuten, die hinterher ja alles schon vorher gewusst haben wollen ist einfach nur überzogene Selbstgerechtigkeit. Wer möchte denn eine Ortungsapp auf dem Smartphone, mit dem Partner und Chef jeden Schritt überwachen. Wer will bei einer Krankmeldung sofort einen Kontrollbesuch? Wenn ich den Spiegel an der Yellowpress oder den Boulevard Zeitungen messe, steht er in der Glaubwürdigkeit ganz weit oben. Das die Grundeinstellung eher linksliberal ist, hat das Blatt nie verheimlicht, sondern sich damit immer der Springer Presse entgegengestellt. Dafür braucht der Spiegel auch weiterhin die Unterstützung seiner Leser. Hier wurden oft die Hitler Tagebücher vom Stern zitiert. Das hatte damals eine ganz andere Betrugsqualität, weil die Täter aus finanziellem Interesse gehandelt haben. Claas Relotius hatte sich in seiner eigenen Welt verfangen. Wie ein Kind, das Anfangs etwas flunkert und sich dann immer weiter in der Lüge verstrickt, weil es den Weg zurück zur Ehrlichkeit mit den erwarteten Strafen fürchtet. Zuerst sollten wir die Causa Relotius zum Anlass zur Selbstreflexion nehmen. Wollen wir uns weiter vertrauen, mit dem Risiko, betrogen zu werden oder soll Misstrauen und Kontrolle unser Leben bestimmen. Ist Sicherheit gegen Freiheit wirklich eine Alternative. Außerdem, man muss mit der Meinung des Spiegel nicht übereinstimmen, aber man kann sich nirgends stärker auf die Fakten verlassen. Anderswo werden Fakten an Meinungen angepasst und dass ist der Punkt, an dem für mich die freie Presse den Leser vorsätzlich belügt.

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hkubin 21.12.2018, 03:43
33. Öffentliche Meinung

Ich sage das ganz ohne Häme. Relotius hat letztlich nur das geliefert, was man gerne hören wollte. Daher hat ihn auch niemand kritisch begleitet. Das ist ein grundsätzliches Dilemma des Deutschen Journalismus und setzt sich in der Klimadebatte fort. Anregungen z.B. darüber nachzudenken, ob der Klimawandel möglicherweise durch stärkere Sonnenaktivität oder eine minimale Verschiebung der Erdachse erfolgen könnte, dürfen ja nicht einmal ausgesprochen, geschweige denn, diskutiert werden. Das ist das Grundproblem. Und es wird sehr, sehr lange dauern, bis der seriöse Journalismus das verlorene Vertrauen zurück gewinnt.

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Stäffelesrutscher 21.12.2018, 04:07
34.

Zitat von meimic29
Ich bin einfach nur enttäuscht. Ich hoffe es wurde nun der Eisberg aufgedeckt, nicht nur die Spitze.
Was will man schon von einem Medium erwarten, das es weder schafft, »Urlaubsentgelt« und »Urlaubsgeld« auseinanderzuhalten, noch es schafft, auf einen Leserhinweis hin diesen krassen Fehler zu korrigieren?
http://www.spiegel.de/karriere/eugh-urlaubsgeld-darf-bei-kurzarbeit-nicht-pauschal-gekuerzt-werden-a-1243529.html

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Stäffelesrutscher 21.12.2018, 04:10
35.

Zitat von stuggiman
Ach, was waren das noch für Zeiten, 2010... Erinnert sich noch jemand an René Pfisters Reportage "Am Stellpult" über Horst Seehofer. Darin beschreibt der Spiegel Redakteur gleich eingangs so schön szenisch, wie der Horst im Keller an seiner Modell-Eisenbahn das politische Leben Berlins nach seinem Gusto inszeniert. Nur: Inszeniert war auch der Einstieg, der suggeriert, dass Pfister höchstselbst im Keller war, was nicht stimmte. Diese verhältnismäßig kleine Schummelei führte dazu, dass Pfister der Nannen Preis für seinen Text aberkannt wurde; übrigens hatte der Autor seinerzeit den Fehler selbst eingestanden. Die Sanktion wirkt vor dem Hintergrund der Causa Claas geradezu lächerlich, zeigt aber auch, wie schnell man sich am journalistischen Ethos versündigen kann.
Daran musste ich mich auch erinnern ... geplatzt ist die Story ja, weil die Moderatorin der Preisverleihung, Katrin Bauerfeind, völlig locker fragte, wie das denn so sei beim Horst im Keller, und der Typ dann ebenso locker sagte, da sei er nie gewesen ...
Und dann geht also ein anderer Typ hin und baut nach demselben Schema seine Phantasiestories ...

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kakoe 21.12.2018, 05:01
36. Shame shame shame...

... shame on you. Tut mir leid, aber wozu ist die Dokumentation da, deren Strenge und Akribie stets so hochgelobt wurde, wenn solche Hämmer durchgehen?

Hier hat nicht nur die scheinbare Reinkarnation Egon E. Kischs versagt, sondern eben auch die Dokumentation, Ressortleiter und Chefredaktion.

Wenn reihenweise die Reputation anderer Menschen beschädigt wird, weil Leute ihren Job schlampig machen, dann ist das eine verdammt ernste Sache.

Dass unter den Opfern selbst Leute wie die letzte Überlebende der Weißen Rose sind, die mit ihren 99 Jahren für die Phantasien Relotius´ herhalten musste, ist dabei noch übler als alles andere sowieso schon.

Die jetzt begonnene Transparenz ist ok, andererseits eine Selbstverständlichkeit. Immerhin geht hier das einstige Flaggschiff der seriösen Presse gerade etliche Seemeilen weiter unter. Armer Rudolf Augstein.

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thia 21.12.2018, 06:28
37. Dokumentare

Als studierte Dokumentarin war ich anfänglich erschüttert über die offenbare Blauäugigkeit mit der Kollegen
hier gearbeitet haben. Nachdem ich nun lesen musste, dass Historiker und Islamwissenschaftler als solche arbeiten, frage ich mich, warum man sich nicht die Akribie echter Dokumentare zunutze macht und ein heterogenes Team aus beiden, sich ergänzenden Gruppierungen erstellt. Der Autor ist hier nicht alleine an den Pranger zu stellen. Schade dennoch, dass er jungen Journalisten ein so schlechtes Vorbild war, hätte er doch andere Möglichkeiten der Vorbildfunktion nutzen können, um hingegen wieder eine Vertrauensbasis zur Leserschaft herzustellen. Dennoch wünsche ich allen an dieser traurigen Wahrheit beteiligten Personen alles Gute und hoffe auf eine vernünftige und verantworrungsvolle Aufarbeitung, um die Glaubwürdigkeit des Journalismus nicht noch weiter zu beschädigen.

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wolfgang_rz 21.12.2018, 06:29
38. Tendenziös

Ja, Misstrauen und Zweifel sind angebracht. Ich glaube auch nicht mehr an Einzelfälle. Sorry. Eher an ein System, das aus finanziellen Interessen "tendenziöse Berichte" gebiert. Nicht nur hier beim Spiegel, sondern überall. Man braucht nur mal das Fernsehen einzuschalten. Der Exspiegelreporter muss sich ja sehr sicher gefühlt haben, um jahrelang solche "Märchen" zu verkaufen zu können.

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akhora 21.12.2018, 06:58
39. Fake on fake

Die Artikel über den "Fake News" Spiegel im Spiegel kommen mir beim Lesen vor wie Fake News. Surreal. Der Spiegel. Mein Gott, was bleibt nun? Das Vertrauen ist verspielt, und zwar ziemlich leichtfertig. Ich kann nicht begreifen, warum man diesem Typen nicht auf die Finger geschaut hat. Die gesamte Korrektur- und Faktencheckabteilung gehört gefeuert, nicht nur Relotius. Ich muss im Nachhinein sagen, dass mir einige seiner Geschichte schon etwas zu gefällig und glatt daherkamen, fast stereotyp. Damals habe ich meinem Instinkt nicht getraut, sondern den Faktcheckern beim Spiegel und mich gewundert, wie stereotyp die Welt doch manchmal ist. Das ist der Super-GAU nicht nur für den Spiegel, sondern für die gesamte liberale Presse. Relotius ist ein Zeichen der Zeit, auch als Getriebener, als Opfer einer elitären Vielschreiberkultur.

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