Forum: Kultur
Fichtners Tellergericht: Sumpfblüten des Blätterwalds

Sie propagieren Kabeljau-Rezepte, obwohl der Fisch kurz vor der Ausrottung steht: Hochglänzende Food-Magazine strahlen wie Blüten im Blätterwald, schlagen dem aufgeklärten Feinschmecker jedoch auf den Magen. Ullrich Fichtner empfiehlt stattdessen: das "Greenpeace"-Magazin.

Hinkelbein 30.01.2009, 12:39
1. Völlig richtige Darstellung

Ich kann die Beurteilung der Ausbeute wirklich nur bestätigen. Das gilt im Übrigen auch für die Mehrzahl der Kochbücher: Tolle Fotos, blanke Rezepte, ohne Hinweis darauf, warum man wie was machen sollte und so gut wie nie kritische Anmerkungen oder gar Einschätzungen zur Wertigkeit von Lebensmitteln. Die Unwissenheit über Lebensmittel, Hygiene, Verarbeitung, Bestandteilen von Fertigfutter etc. ist enorm, wie ich immer wieder feststellen muss. Das gilt auch bei ansonsten gut gebildeten Menschen. Leider.
Nur so können uns Konzerne, wie kürzlich Nestle, hinters Licht führen und Studien veröffentlichen, in denen scheinheilig beklagt wird, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie sich richtig ernähren sollen. Als Lösung für dieses Problem werden dann Fertiggereichte angeboten. Das ist einfach nur dreist.

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ubiton 30.01.2009, 12:56
2. die scheuklappen ablegen

Hallo Hr. Fichtner! Als leidenschaftlicher Koch im Privaten (zusammen mit meinem Mann) wird uns mit Ihrem Bericht aus der "Bio"-Seele gesprochen. Der Anspruch an Ästhetik und Qualität bei Lebensmitteln darf nicht einseitig mit den Interessen des Lebensmittel-Käufers einhergehen, sondern muss auch "ganzheitliche" Aspekte, wie bewusste Umweltzerstörung, totale Überfischung zahlkreicher Fischarten, Pestizit- Hormon- und Antibiotika-Belastungen in Obst-Gemüse-Fleisch-Fisch Rechnung tragen. Stattdessen eine Mentalität nach dem Motto "weiter so ,aber mit Hochglanz-Bildern!" weiterzuverfolgen ist weder ethisch noch zeitgeistgemäß in den heutigen Tagen... Auf einen zukünftig ehrlichen, bewussten Genuss und Konsum von kulinarischen Köstlichkeiten der Welt!

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Firedancer 30.01.2009, 13:01
3. Was fehlt ist das Niveau

Auch wenn sich der Herr Fichtner, meiner Ansicht nach, mittlerweile mit den Kritiken arg übernimmt und einen Idealismus an den Tag legt, der mit dieser Welt nicht mehr viel zu tun hat, in einem Punkt hat er Recht: Es wird alles hundert Mal durchgekaut und es kommt immer wieder das selbe heraus.
Meiner Ansicht nach gab es nur 2 gute Food Magazine (und ich meine jetzt nicht Anwandlungen von Rezeptsammlungen und reinen Gastrokritiken).
Das war zum einen der Gault Millau als Magazin (nicht der Restaurantführer und leider mittlerweile eingestellt) und das ist auch das SlowFood Magazin, wenn man denn etwas über die Hintergründe mancher Lebensmittel erfahren möchte.

Welche Zeitschrift diskutiert denn heute noch kontrovers über Entwicklungen in der Küche und auf dem Teller? Das sind doch leider fast nur noch die Exotenmagazine, die irgendwelchen Vereinigungen nahestehen, die von vielen Leuten einfach nur belächelt werden.

Ich blättere mittlerweile jeden Monat durch die Fülle an Magazinen und was sieht man da?
Rezepte, Beschreibung kulinarischer Gegenden und Restaurantkritiken.

Seien wir doch mal ehrlich: Der Feinschmecker besteht zu mindestens 50% (von der Werbung mal abgesehen) aus Restaurantkritiken. Wer bitte hat in dem Abstand zur nächsten Ausgabe die Zeit und Muße, auch nur 1/10 davon sich anzusehen?

Der Feinschmecker ist in diesem Fall längst kein Gourmet mehr, sondern eher ein Gourmand.

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tblock 30.01.2009, 16:51
4. Im Glashaus und so...

Hallo

Wer keinen "content" hinbekommt, soll doch bitte nicht von Anderen mehr "content" fordern! Das wird hier ja immer schlimmer! Wenn Herr Fichtner erst jetzt mitbekommt, wie immer mehr Show und Glamour, dafür aber immer weniger "content" in den Medien geboten wird, dann aber:

"guten Appetit und guten Morgen!"

Einfach mal ne Kochsendung ansehen. Das sind doch mittlerweile Talkshows die zufällig in der Küche stattfinden! (Kennt jemand "silent cooking" auf 3Sat?)

Und dass Gourmet-Hochglanzmagazine nicht die ökologischen/sozialen Folgen der Lebensmittelproduktion beleuchten, versteht sich doch von selbst... Oder sieht man in Modemagazinen Berichte Über Kids aus Bangladesh? - Wohl kaum!

Also wie gehabt bei Fichtner: Ich muss meine Kolumne vollkriegen, weiss aber nix, also ein Skandälchen produzieren!

P.S.: Wenn wir Ihrer Meinung nach mehr über den bedrohten Kabeljau wissen sollten, hätte ich da ein Thema für die nächste Kolumne... :-)

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mrrun 01.02.2009, 11:04
5. henne oder ei

In Deutschland ist ein Tempolimit schwer vorstellbar, genauso die Tatsache für ein Suppenhuhn mehr als 1,99 auszugeben. Wozu also das ganze Jammern. Die Allgemeinheit kümmert sich halt lieber um Alufelgen und ißt Currywurst. Und klar ist auch, dass die Menschen denen das Thema Ernährung von Bedeutung ist hierzulande auch in diesem Jahrhundert in der Minderheit sein werden. In meiner Schulzeit wurden Mit-Schüler zum Aufpäppeln in die Ferien verbracht, heute sehen die Kinder eher wie Teletubbies aus und machen Bewegungsspiele am Strand. Und natürlich sind sinnentleerte Kochshows und Kirmesmagazine mit bunten Rezeptchen aus der Molekularküche genau das, was beim Publikum ankommt - sonst würde es dies ja nicht geben. Wir können halt nur in unseren Köpfen und Töpfen das richtige reintun und Restaurants unterstützen, die in umserem Sinne agieren. Es gibt viel Schatten, aber auch das ein oder andere Licht. Und Qualität hat halt auch einen Preis!

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julielarousse 06.02.2009, 22:44
6. Das Languedoc sollte man nicht verkennen...

Wie wahr, diese oft so überkandidelten Magazine, die in einem krassen Widerspruch zu dem stehen, was der Durchschnittsdeutsche und auch inzwischen der Durchschnittsfranzose so kauft und kocht...

Doch sehe ich nicht ein, warum man keine Reportagen über die Region Languedoc bringen sollte, weil es vielen Winzern dort schlecht geht. Im Gegenteil, man sollte gerade dann auf eine solche - bei Nicht-Kennern falsch eingeschätzte - Region aufmerksam machen.

Wenn es dort in der Tat noch viel Billigwein gibt, dann gibt auch immer mehr Erzeuger, die mit diesem alten Klischee überhaupt nichts zu tun haben und grossartige Weine auf den Markt bringen. Weine, die mit den edelsten Bordeaux oder denen aus dem unteren Rhônetal konkurrieren können - ohne diese imitieren zu wollen. Weine, in denen sich ein grossartiges Terroir, Sonne und Duft der Garrigue vereinen.

Die Amerikaner und Engländer haben sie schon lange entdeckt und investieren dort auch. Also wenn jemand Anregungen braucht....ein Geheimtipp wird das Languedoc nicht mehr lange bleiben!

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