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Film über Rockband Mötley Crüe: Geht's noch?
Netflix

Viel Anschauungsmaterial für toxische Männlichkeit, wenn auch unfreiwillig: Der Film "The Dirt" erzählt sehr generisch und gestrig von den Exzessen der in den Achtzigern populären Rockband Mötley Crüe.

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House_of_Sobryansky 23.03.2019, 15:23
1. Fatigué

Nichts ist schlimmer als die Partys von gestern, von welchen Oma und Opa ständig erzählen. Ob in Babylon Berlin, am Hofe Caligulas, 60er London, Mitt70er Schwabing, Früh80er NYC und Echnatons Tempelsausen für alle Ewigkeit. Wir halten uns an die Hostien aus Kristall und ziehen vielleicht noch Christiane F. ins Kalkül. Fatigué.

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1911 23.03.2019, 17:02
2. Wenn man die Band

Nicht mag sollte man vielleicht keine „Rezension“ schreiben. Man kann sicherlich geteilter Meinung über den Film und die Musik/Band sein aber sicher nicht in diesem Stil.

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vera gehlkiel 23.03.2019, 17:18
3.

All diese Biopics entwerten im Endeffekt irgendwie. Sogar bei Klassemusikern und sehr berühmten bemühten Regisseuren (Dylan/Scorsese) und egal, welche Grundform. Ein Hauptopfer dieser Ichsucht, die nicht mehr Motor für irgend etwas außerhalb des konsumistischen Ichaufessens ist, war für mich immer Ozzy Osborne. Der sich und die Seinen zum Glück mit dem weltbewegenden "Thirteen" noch rettete, und seither eigentlich sagen und tun oder lassen kann, was er will. Oder Axl Rose, dessen Stimme mal eine reine androgyne Sexmaschine war - wann kommt dessen Biopic? Oder hab ich es etwa verpasst? Musiker, die den Namen verdienen, hängen am Tropf einer Welt, in welcher die Zeit für Augenblicke still stehen kann, und wenn wir wieder gemeinsam erwachen, bleiben nervtötend kindische und dependente Himbeerbubis übrig. So tot wie das Holz, aus dem ihre filigranen Gitarren geschreinert sind. Notwendig, eins gibt es nicht ohne das andere. Das Lineup des ewig Weiblichen leistete hier anno dunnemals die eigentliche Arbeit, was sich heute aber auswaescht, respektive schon ausgewaschen hat. Heute wird der Idealfall anspruchsvollen Musizierens wohl, und das wird noch länger so bleiben, vom offen autoerotischen Konzept definiert. Schon bei Mötley Crüe ging es ja im Endeffekt um die uneingestandenen Schwulitaeten, die alles Maennerbuendische tief in sich an sich hat. Wie beim Gangbang, bei dem am Verzichtbarsten eigentlich die anwesende Frau wäre, wäre toxische Männlichkeit halt nicht so im Kern verlogen. Was übrig bleibt sind onanierende Autisten mit Drogensucht. Denen man ganz schnell was Handwerkliches zu tun geben muss, wenn man sie erfolgreich ausgenuechtert hat. Bauernhof mit Schafen, aber ohne die Attitüde "...da fand er zu sich selbst..."! Sondern mit dieser hier: "...da gelang ihm, sich selbst endlich loszuwerden..."

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daniel209 23.03.2019, 17:21
4. Naja

muss schon hart sein, für den selbst ernannten politisch korrekten #MeToo Fetischisten Arno Frank sowas anzuschauen. Ich kann sein Mimimimi über toxische Männlichkeit die in jedem 2. seiner Beiträge Platz findet bis hierher hören. Aber wie er selbst feststellt muss man es ja nicht anschauen.

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vera gehlkiel 23.03.2019, 17:36
5.

Zitat von 1911
Nicht mag sollte man vielleicht keine „Rezension“ schreiben. Man kann sicherlich geteilter Meinung über den Film und die Musik/Band sein aber sicher nicht in diesem Stil.
Und warum nicht? Die werfen diesen Film schließlich unter die Leute!? Welche Stilvorgaben sollte das seitens der Rezension überhaupt erforderlich machen?! Und warum sollte das eine Geschmacksfrage wie "welche Musik mag ich eigentlich?" mit umfassen? Kapier ich nicht! Der Autor findet den Film antiquiert und überflüssig, das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Annahme zur Legitimität eines kontextuell gesetzten Unterhaltungsangebotes (lies: Zweitverwertung). Wer sollte dafür zuständiger sein können als ein Kulturredakteur, und von wem sollte man mehr erwarten dürfen, dazu ein meinungsstarkes Urteil abzugeben?! Der Mann tut nur seine Pflicht, und dieses äußerst achtbar. Klar, als Fan von denen wäre ich vermutlich momentan ja auch sauer, aber zu Unrecht.

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jazzer 23.03.2019, 17:44
6. Nur kein Neid, Leute.

So haben wir alle gelebt in der Branche in den 70ern. Fantastisch war's.

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schniffel 23.03.2019, 17:48
7. wie wahr

Zitat von 1911
Nicht mag sollte man vielleicht keine „Rezension“ schreiben. Man kann sicherlich geteilter Meinung über den Film und die Musik/Band sein aber sicher nicht in diesem Stil.
dem ist nichts hinzuzufügen!!!!

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Sleeper_in_Metropolis 23.03.2019, 17:50
8.

Zitat : "Umso miserabler ist das Timing des Films selbst, weil #MeToo inzwischen den Blick auf die bisher gängigen Heldengeschichten männlicher Selbstverwirklichung verändert hat."

Aber wenn's nun mal so war ? Wie sehr das Biopic der damaligen Bandrealität entspricht kann ich nicht beurteilen. Aber wenn es (größtenteils) den Tatsachen entspricht, warum sollte man das mit Rücksicht auf mimimitoo&Co. anders rüberbringen ? Der Film ist ja wie gesagt ein Biopic und kein Lehrfilm für den jungen Feministen von heute.

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jay.boehner 23.03.2019, 17:50
9. toxische Männlichkeit

abseits der Filterbubble linker Akademiker*innen interessiert sich für niemand für diese ganze Debatte um "toxische Männlichkeit". Nicht die Hälfte der Bevölkerung, die mittlerweile über 50 ist. Und auch nicht die jüngeren Semester, von den ca. 40% Migrationshintergrund aus in der Regel etwas archaischeren Männlichkeitskulturen aufweisen.

Kann man alles finden, wie man will, aber mich wundert nicht, dass Netflix einen Film für die Mehrheit dreht und nicht für die 50 Zuschauer, die das lokale Arthouse-Kino für einen französischen Schwarzweißfilm über die Probleme einer einsamen Geranie im Algerien der 1950er Jahre besuchen.

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