Forum: Kultur
Filmfestival in Venedig: Der widerspenstige Löwe
Filmfest Venedig

Genauso viele Frauen im Hauptprogramm wie Regisseure, denen Vergewaltigung vorgeworfen wurde: Das 76. Filmfestival in Venedig tut sich schwer mit dem #MeToo-Zeitgeist. Spannend werden dürfte es trotzdem.

whitewisent 27.08.2019, 10:34
1.

Die Überschrift kann man als Realismus wie als Kritik verstehen. Entgegen anderslautender Gerüchte werden Filme immer noch produziert, um Geld zu verdienen. Erwägungen wie weibliche Vertreter ihres Fachs einzusetzen sind, obliegt der Produktion. Mancher tut so, als ob nur Filme mit Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen "weiblich" genug seien, um eine Quote zu erfüllen. Auf die Qualität und das Potential hinsichtlich der Kunst, wird weniger geachtet. Was vieleicht auch an der Themenauswahl dieser Filme liegt, niemand will unbedingt den xten Aufguss der Selbstfindung einer unterdrückten Frau im sozialen Umfeld XYZ sehen, auch Zuschauerinnen nicht.

Der Gegenpol wird hier schon fast wie selbstverständlich in Regisseuren definiert, denen Vergewaltigung vorgeworfen wird. Früher hätte es zumindest eine Anklage oder eine Verurteilung bedurft, um Menschen so zu diskreditieren. Heute versucht man auf Verantwortliche schon per medienwirksamer Beschuldigung Druck auszuüben. "Freiheit der Kunst" .- wirklich so unverständlich, wenn sich etliche Verantwortliche diesem Trend wiedersetzen, und ihre Werte für zumindest genauso wesentlich halten? Es geht um Macht und Promotion, denn die Präsentation der Filme in Venedig hat nicht wirklich etwas mit dem Abstimmverhalten der Academy zu tun. Eher könnte es Zeichen sein, das ein Filmstart im 3. Quartal die Chancen wesentlich erhöht, um im 1.Quartal des Folgejahres ausgewählt zu werden. Schonmal daran gedacht? Berlins Februartermin ist da nicht so wirklich ideal.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
burnheart7 27.08.2019, 10:43
2. Quote rechtfertigt nicht alles

Ich sehe im Kino nicht die Masse und auch nicht die Qualität bei Regisseurinnen, die diese Quoten annähernd rechtfertigen würden.
Zu Metoo: gegen welche Regisseure explizit laufen den Verfahrungen?? Im Artikel klingt das ja wie wenn sehr viele Regisseure aktuell angeklagt seien.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Schattenriss 27.08.2019, 11:54
3. Polanski

Barbera hat recht, man kann Polanski tatsächlich aus mehreren Gründen in die Nähe von alten Meistern wie Caravaggio rücken, sein Oeuvre hat mehr für die Welt getan als irgendeiner der Ankläger und Richter, die sich nach Aussage des damaligen Opfers Samantha Geimer aus rein persönlichen Gründen auf ihrem und Polanskis Rücken profilieren. Es mag manchen schmerzen, aber Geimer hat 2011 in einem Interview gesagt, die jahrzehntelange Verfolgung Polanskis und die damit für sie (und ihre Familie) verbundenen Folgen haben ihr mehr Schaden zugefügt als alles, was Polanski selbst ihr je angetan habe ("has caused way more damage to me and my family than anything Roman Polanski has ever done".) Für solche Feinheiten ist in der ständigen Verfemung Polanskis aber natürlich kein Platz.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kundk 27.08.2019, 16:04
4. Polanski

ist ein überführter Vergewaltiger und Kinderschänder. Das ist Tatsache, auch wenn sein Opfer ihm (angeblich) verziehen hat. Dass dieser Verbrecher von einigen immer noch hofiert wird, zeigt das ganze Dilemma einer Gesellschaft, in der beim Thema Schuld mit zweierlei Maß gemessen wird. Man kann halt gut wegsehen, wenn einem ein Film mal gut gefallen hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fatmaB 27.08.2019, 18:22
5. Und ich habe kurz gedacht,

dass es bei einem Filmfestival um Filme geht und nicht um Frauenquoten. Wie naiv.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dorothea23 27.08.2019, 18:25
6. Die erwähnten beiden Regisseure

sind freigesprochen bzw. nicht verurteilt worden. Gab es da nicht früher einmal so etwas wie eine Unschuldsvermutung? Wohl nicht beim Spiegel!

Beitrag melden Antworten / Zitieren