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Flüchtlinge: Eine andere Art von Notwenigkeit

Die Flüchtlinge brauchen Unterkunft, Nahrung, Ausbildung - und ebenso wichtig wäre ein wenig Freundlichkeit im Alltag. Doch wer Angst hat, kann kaum freundlich sein.

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klaremeinung 05.11.2015, 15:44
30. Was die Autorin aufzählt...

..was alles in Deutschland besser war, als in Polen (Klopapier etc.), sind erarbeitete Produkte oder Ergebnisse einer Gesellschaft oder Gesellschaftsform.

Diese Gesellschaft hat sich so etwas erarbeitet, weil sie so funktioniert, wie sie funktioniert. Weil sie eine Einstellung hat, weil sie Regeln hat und (egal ob man das gut findet oder nicht) Umgangsformen und ein Miteinander hat, ein Wertegerüst eben. Polen hatte wohl anderes Wertegerüst, das nicht zu diesem Output geführt hat. Islamische Länder haben ein völlig anderes Wertegerüst. Und ich glaube, das ist, wovor Deutschland Angst hat.
Das das, was man "erreicht" hat, mit dem (jaja christlichen, sozialen, schaffendem etc.) Wertegerüst, nun von anderen bewundert und genutzt und auch gerne (an)genommen wird, diese "anderen" aber nicht bereit sind, dafür ihr eigenes Wertegerüst aufzugeben. Sondern den "deutschen" Lebensstandard wollen, aber in "ihrem" Wertegerüst verbleiben möchten. Und dadurch möglicherweise viel kaputt machen.

Das wäre, wie wenn einer, der nie vor seiner Haustür kehrt, oder im Dreck lebt, ins Schwabenland zieht, weil da ja "so schön sauber" ist. (Ich hasse die Kehrwoche, und Schwaben sin teilweise echt bekloppt, aber es ist ja nur ein innerdeutsches Beispiel *g*)

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hartmannsfeld 05.11.2015, 15:46
31. sehr schön

danke.

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candidesgarten 05.11.2015, 15:46
32. Empathie ist eine feine Sache

Empathie ist eine feine Sache, aber auf Erden nicht das einzig Relevante.

Eine Gesellschaft nicht zu überfordern ist auch wichtig. Kann eine Gesellschaft durch eingeforderte Empathie überfordert werden? Natürlich. Auch für die Bereitschaft zur Empathie ist es ein Unterschied, ob eine geregelte Zuwanderung in kontrollierter Geschwindigkeit mit überwiegend schnell integrierbaren Neuankömmlingen stattfindet, oder ob sie - wie nun - auch beim besten beidseitigen Willen nunmal mit jungen Männern aus bildungsfernen Schichten stattfindet und mit hohen Kosten verbunden ist. Wirklich empathische Menschen sind übrigens oft nicht sehr glücklich. Denn die Ansprüche, die sie an sich und andere stellen, werden meist enttäuscht. Natürlich lohnt Empathie sich dennoch. Aber ähnlich, wie das Universum sich eben nicht ändert, wenn man verliebt ist, kann Empathie die Schwerkraft nicht aufheben.

Die Nachbarin Ihrer Mutter war eine distanzlose, dreiste Idiotin. Bei Leuten zu klingeln die man nicht kennt, um ihnen miesepetrige Vorwürfe zu machen ist eine stillose Frechheit.
Aber das Problem beschreibt das Beispiel gut.
Auch die Empathie braucht Räume. Nicht bei den immer Empathischen, die sind eben so. Bei den toten Seelen auch nicht.
Bei normalen Bürgern, die auf die Flüchtlinge/ Armutseinwanderer nicht gewartet haben aber schon. Hier ist entscheidend, ob Einwanderung nur als humanitärer Ausfluß des eigenen Gutseins gesehen wird, oder ob sie sich erkennbar auch für Deutschland lohnt.
Ein Mensch ohne Empathie ist ein Ungeheuer. Ein Mensch mit Empathie aber ohne die Möglichkeit, Folgen eigenen oder gesellschaftlichen Handelns abzuschätzen, mag ein netter Kerl oder gar ein Heiliger sein. Aber politisch brauchbar ist er nicht.

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Analog 05.11.2015, 15:47
33. Vorurteile

Zitat von mikado17
Vielleicht sollten sich aber zunächst beide Seiten von Angesicht zu Angesicht begegnen, dabei vielleicht auch mal darauf hinweisen, dass es auch ohne Kopftuch und sonstiger Verschleierung geht! Vielleicht darauf hinweisen , dass wir eine offene Gesellschaft sind und Religion Privatsache ist! Dann wird ganz schnell an vielen Punkten auch vieles besser.
Habe viele Kontakte zu Muslime und das Thema ist eigentlich gar keins. Für die allermeisten ist das doch Privatsache und wenn mich einer von seiner Religion überzeugen will, dann sind das die Zeuge Jehovas, die stehen jeden Samstag vor dem Einkaufszentrum und quatschen mich jedes mal an.

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derhey 05.11.2015, 15:49
34. Korrekt

und auch im Prinzip wohl richtig. Nur es sind u.a. auch Dinge, die dieses verhindern: Einer Burkaträgerin werde ich eben nicht freundlich entgegenkommen, da ich mir unsicher bin, was/wer sich dahinter versteckt; ich habe auch etwas dagegen, daß meine HarzIV-Nachbarin für den Stadtbus zahlen muß, die Flüchtlinge aus der Unterkunft dagegen nicht (Sozialneid?), Kindergartenpätze kostenlos; tut mir leid, es sind vielleicht solche Kleinigkeiten (?), die es einem schwer machen, auch Freundlichkeit, nicht nur Duldung entgegenzubringen.

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bernsteinchen 05.11.2015, 15:50
35. Freundlichkeit

... ist ein gutes Stichwort. Damit kommt man auf jeden Fall weiter. Was uns "Einheimische" anbelangt... man kann Mitgefühl und Wohlwollen nicht verordnen, mir persönlich sind das viel zu viele Zuwanderer, Menschen, von denen ich befürchte, dass sie unsere Gesellschaft schwächen werden. Und noch eines passt mir ganz ehrlich nicht: Die permanenten Zurechtweisungen, die permanenten Aufforderungen, was "wir" zu tun und zu lassen haben. Meine Freundlichkeit ist verschwunden, sie ging mit meinen eigenen Erfahrungen, die ich machen musste. Und ich vermisse schmerzlich eine unmissverständliche Aufforderung an die "Neuen", sich an die Gesetze unseres Landes zu halten!

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rotfuchs_ 05.11.2015, 15:51
36. @mikado17: Eine offene Gesellschaft

Sehr geehrte(r) Mikado,

meinen Sie mit einer offenen Gesellschaft eine, in welcher sich jeder Mensch verhalten kann wie er will? Warum sollten Kopftücher oder sonstige Verschleierung dort abgelehnt werden? Jede Art von Kleidung ist Verschleierung bis zu einem gewissen Grad, und wenn Muslime sich für ein bisschen mehr entscheiden, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen. Ansonsten kann ich auch argumentieren, dass Frauen ab sofort oben ohne herumlaufen sollten, immerhin sind wir eine offene Gesellschaft...

Übrigens scheinen Sie wie so viele andere "Privatsache" mit "Geheimsache" gleichzusetzen. Privatsache meint, dass jeder Mensch seinen Glauben selbst wählen darf, ohne Beeinflussung durch andere. Ich darf als Christ auch ein Kreuz tragen, oder das Fischsymbol, oder was ich will. Warum gilt das nicht für Muslime?

Ich werfe Ihnen hier keinen bewussten Rassismus vor, und bin mir sicher, dass Sie ihren Beitrag in bester Absicht geschrieben haben. Allerdings beobachte ich einen immer weiter um sich greifenden latenten Rassismus, welcher von vielen gar nicht bemerkt wird. Und da kam mir Ihr Beitrag als Aufhänger ganz gelegen.

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dietmarf. 05.11.2015, 15:51
37. Wem Empathie schwerfaellt,

... dem hilft vielleicht die Einsicht, dass ein freundlicher Blick und/oder eine interessierte Nachfrage kein Geld kostet, wenn auch vielleicht etwas Ueberwindung. Und weil Fremdes, Unbekanntes fast immer auch von Angst begleitet wird, dann ist vielleicht auch die Einsicht hilfreich, dass ein freundliches Gesicht das Mass einer moeglicherweise realen Bedrohung senken kann, die aus gegenseitiger Angst erwaechst.

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Spiegelkritikus 05.11.2015, 15:56
38. Freundlichkeit

Erst einmal müssen die Migranten im Alltag bzw. der Lebenswelt der Bevölkerung ankommen. Solange sie in Aufnahmelagern untergebracht sind, trifft das allenfalls für die Helfer und Besucher zu. Freundlichkeit muß in direkter Interaktion gelebt werden können. Auch sollte sie erwidert werden, ansonsten läßt die Motivation zum Freundlichsein bei so manchem Bürger rasch nach.

Man sollte sich auch davor hüten, Dankbarkeit für die Aufnahme zu erwarten. Die ist zwar bei denjenigen, die an Leib und Leben bedroht waren, also den Asylberechtigten, in der Regel vorhanden, nicht aber unbedingt bei den sog. Wirtschaftsflüchtlingen, die einfach besser leben wollen und diese Gruppe stellt etwa zwei Drittel der Migranten, meist jüngere Männer. Letztere sind es auch, die zunehmend für Unruhe in den Aufnahmeeinrichtungen sorgen, ihre Unzufriedenheit wächst, zumal viele mit falschen Vorstellungen nach Deutschland kamen (Haus bzw. Wohnung, Geld, Auto usw.).

Freundlichkeit und Empathie sind zweifelsohne wichtig. Das ändert freilich nichts daran, daß die ungebremste und unkontrollierte Zuwanderung beendet und nicht Asylberechtigte konsequent zurückgeschickt werden müssen. Dann werden auch die Ängste und Sorgen bei vielen Bürgern nachlassen.

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spmc-129372683232763 05.11.2015, 15:58
39. Danke!

Ein sehr empathischer Beitrag! Gleichwohl wäre er-noch überzeugender, wenn die Autorin bei ihrem verdienstvollen Diskurs zwei weitere Fragen zumindestenangesprochen hätte: Woran liegt es, daß die weitaus meisten Migranten unbedingt nach D.wollen und darf man sie wirklich daran hindern! Wie kann man ggf. die doch eher zurückhaltenden EU-Staaten dazu veranlassen unsere liberalen,empathische Praxis zu übernehmen?

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