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Flüchtlings-Doku "Human Flow": Wenn nur Ai Weiwei nicht wäre
NFP

Geht es ihm um die Flüchtlinge - oder doch um sich selbst? Das humanitäre Engagement von Ai Weiwei ist umstritten. Jetzt hat er die Flüchtlings-Doku "Human Flow" gedreht.

spon-facebook-10000132861 17.11.2017, 20:38
1. gespalten...

Ich bin da gespalten. So schwierig das Schicksal der Menschen ist, so wichtig auch das zu dokumentieren, so sehr fehlt mir bislang in Trailern, Interviews, Ankündigungen in Presse und Showbiz (Bambi) das Thema Bekämpfung der Fluchtursachen, und zwar -konkret-. Ich weiß nicht, ob das nicht doch im Film vorkommt, nur ohne das geht es nicht! Auch wenn er im Interview kritisiert, dass Deutschland noch nicht genug tun würde (?) aber darüber kein Wort. Aber auch im restlichen Deutschland wird viel geredet, aber nicht ein einziger Politiker hat wenigstens einmal eine Liste erstellt, auf denen die wichtigsten Fluchtursachen stehen, und welche man davon wie bekämpfen möchte. Schade. Wie beim 1. Irakkrieg, viele Plakate gegen die böse USA aber nicht ein einziges gegen die Waffenlieferungen (aus USA, Frankreich und Deutschland) an Saddam. Schade. Die Kritik oben kann ich verstehen. Viel zu viele Geschäftemacher verdienen an den Flüchtlingsströmen. Nicht immer ist ein "Dissident" und "Aktivist" zu Unrecht verfolgt.

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doomsday_device 17.11.2017, 21:03
2. Ich finds cool was er macht

Die Deutschen / die Europäer werfen den Chinesen so gern vor sie würden die Menschenrechte nicht achten. Ai WeiWei wurde oft als Beispiel herangezogen moralische Überlegenheit zu heucheln. Er tritt dem verlogenen Europa erstmal prompt vors Schienbein (oder in die Eier :-D?)
Genau richtig, endlich mal jemand der die Hand beisst, die Ihn füttert. Heuchelnde Opportunisten gibts hier genug...die ganze scheiss Welt ist voll davon. Das er jetzt aufgrund seiner Position im Rampenlicht steht, sehr gut, dann tut es wenigstens weh wenn er zutritt!

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jarrefreak 17.11.2017, 21:24
3. Dieser Mann ist ein Selbstdarsteller ...

... der übelsten Sorte! Unter dem Deckmantel der Kunst präsentiert er pausenlos seine politische Agenda, widerlich! Niemand will die Flüchtlingsproblematik runter reden, aber er nutzt geschickt die Freiheiten des westlichen Systems um seinen Clinch mit dem chinesischen System auszutragen. Und unsere Medien hofieren ihn kritiklos. Zum Kopfschütteln und Lachen!

Dieser Artikel hier ist derVersuch einer differenzierten Betrachtung aber leider nicht mal im Ansatz deutlich genug.

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vitalik 18.11.2017, 08:33
4.

Zitat von doomsday_device
Die Deutschen / die Europäer werfen den Chinesen so gern vor sie würden die Menschenrechte nicht achten. Ai WeiWei wurde oft als Beispiel herangezogen moralische Überlegenheit zu heucheln. Er tritt dem verlogenen Europa erstmal prompt vors Schienbein (oder in die Eier :-D?) Genau richtig, endlich mal jemand der die Hand beisst, die Ihn füttert. Heuchelnde Opportunisten gibts hier genug...die ganze scheiss Welt ist voll davon. Das er jetzt aufgrund seiner Position im Rampenlicht steht, sehr gut, dann tut es wenigstens weh wenn er zutritt!
In den Mediatheken von ARD, ZDF, Phoenix und Co. werden Sie gleich mehrere Reportagen über Flüchtlinge und die Zustände in den Flüchtlingslagern finden. Es gibt aber einen Unterschied zwischen den Reportagen und der Doku von dem Herrn Ai Weiwei: In den Reportagen hält niemand allen 10 Sekunden sein eigenes Gesicht in die Kamera, da es nicht um die Reporter geht, sondern eben um die Flüchtlinge.

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xvxxx 18.11.2017, 22:00
5.

Ein sehr guter Artikel, der den Schmalen Grat sehr gur beschreibt, den der Film beschreitet.
Für mich persönlich entwertet dabei die Selbstdarstellung eine eventuell vorhandene gute Absicht zu stark.
Ich fühle mich angewiedert.

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hwmueller 19.11.2017, 08:11
6. Das vermeintlich soziales Engagement

wie eine Monstranz vor sich her zu tragen und dabei letztlich die „Asylanten für sein gute Aussehen zu missbrauchen“, um letztlich seinen sozialen resp. ökonomischen „Marktwert“ zu steigern, ist keine Erfindung des Kunst-Millionärs Aiweiweis. Weil „Helfen“ kann ja nicht schlecht sein und ein guter Mensch vermarket sich halt besser. Empathie gehört nicht auf die Bühne, sondern in die stille Westentasche des Alltäglichen und sollte selbstverständlich sein. Wie muss sich stummer Refugees-Helfer fühlen, der zusehen muss, wie andere die Lorbeeren verfuttern und feist in die Kamara grienen. Mir war das mediale inszenierte Bashing gegen China damals schon sehr suspekt; die Kloaken eines Landes mit der Lupe vergrössern war schlicht unfair seinem eigenen Land gegenüber. Kritik ja, im Sinne von Analyse, aber Provozieren als pubertärer Selbstzweck ist ein alter Stiefel der Nach-Postmoderne. Die Kunst überschätzt sich permanent und verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie nur noch das Politische illusttriert.

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BrunoGlas 19.11.2017, 20:59
7. Der kulturaffine Forist als wahrer Protestant

Zitat von hwmueller
wie eine Monstranz vor sich her zu tragen und dabei letztlich die „Asylanten für sein gute Aussehen zu missbrauchen“, um letztlich seinen sozialen resp. ökonomischen „Marktwert“ zu steigern, ist keine Erfindung des Kunst-Millionärs Aiweiweis. Weil „Helfen“ kann ja nicht schlecht sein und ein guter Mensch vermarket sich halt besser. Empathie gehört nicht auf die Bühne, sondern in die stille Westentasche des Alltäglichen und sollte selbstverständlich sein. Wie muss sich stummer Refugees-Helfer fühlen, der zusehen muss, wie andere die Lorbeeren verfuttern und feist in die Kamara grienen. Mir war das mediale inszenierte Bashing gegen China damals schon sehr suspekt; die Kloaken eines Landes mit der Lupe vergrössern war schlicht unfair seinem eigenen Land gegenüber. Kritik ja, im Sinne von Analyse, aber Provozieren als pubertärer Selbstzweck ist ein alter Stiefel der Nach-Postmoderne. Die Kunst überschätzt sich permanent und verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie nur noch das Politische illusttriert.
Wenn ich u. a. diesen Satz schon lesen muss: "...Mir war das mediale inszenierte Bashing gegen China damals schon sehr suspekt" oder diesen Satz: "... Die Kunst überschätzt sich permanent und verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie nur noch das Politische illusttriert".

Meine Frage an Sie: junger Mann, haben Sie überhaupt mal eine Ausstellung von Ai Weiwei gesehen, oder auch nur sich mit seinem Werdegang als Künstler auseinandergesetzt. Abgesehen von den Schreibfehlern, erkenne ich an Ihrem Geschreibsel nur moralische Schwülstigkeiten.

Der gute Mann saß wegen seines Engagements für bei einem Erdbeben in einer baufälligen Schule umgekommene 5000 Kinder über lange Zeit im Knast (in seinem eigenen Atelier mit Wärter vor der Türe). Natürlich entwickelte er in dieser Zeit auch eine spezifische Sprache, um möglichst viele Menschen in dem Riesenland erreichen zu können, letztlich also eine Art ästhetisch verschlüsselte, politische Kunstpropaganda.

Aber vielleicht stehen Sie ja auf Van Gogh, der unter anderem deswegen so bekannt wurde, weil er sich in einem Akt der Selbstzerfleischung das Ohr abgeschnitten hatte.

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UCL 19.11.2017, 22:14
8. AW = Koons-Hirst á la chinoise

.. nur unterstellen AW die meisten mehr -- or schlicht nur anders ?arbeitendes - Hirn.

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pewoma 20.11.2017, 04:22
9.

Dank Artikeln wie diesem ist es nur eine Frage der Zeit, bis Ai Weiwei aus den Mainstream-Medien verbannt wird. Dann wird auch er nicht mehr gehört.

Seien wir doch ehrlich: Ohne die Selbstdarstellungskomponente wäre das nur ein Film von vielen und insbes. die Jüngeren hätten kein Interesse, ihn zu gucken. Außerdem: Im Gegensatz zu dem unbekannten jungen Mann, mit dem er fast den Pass getauscht hätte, wurde Ai Weiwei tatsächlich gefoltert. Jedenfalls ist zu vermuten, dass der Mann der Folter durch Flucht entkommen will. Kann man es Ai verdenken, dass er als Künstler auch ein politischer Mensch ist? Dass er sich am Leid anderer bedient, mag in gewisser Weise stimmen. Aber: Tun das nicht viele? Politiker, usw.

Man könnte es auch so sehen: Ai Weiwei hält uns durch seine Selbstdarstellung einen Spiegel vor: Was für eine Gesellschaft wollen wir sein? Die, die in die andere Richtung schaut, wenn Mächte aus geopolitischen Interessen Länder zerstören und die dann die resultierende Flüchtlingskrise als gegeben hinnehmen ("Wir schaffen das...") -- oder eine humanitäre Gesellschaft, die etwas dafür tut, dass es keinen Krieg, keine Folter und folglich auch keine politischen Flüchtlinge mehr geben muss.

Kritik als Selbstdarstellung abzutun ist eine Sache. Was aber tun, wenn nur Selbstdarsteller noch etwas zu sagen haben?

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