Forum: Kultur
Forderung nach höheren Flugpreisen: Muss man sich leisten können
DPA

Klassenhass ist genauso real wie Rassismus oder Sexismus - und spiegelt sich in Vorurteilen, Gesetzen und politischen Forderungen. Selbst bei denen, die eigentlich die Welt retten wollen.

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kleinsteminderheit 31.07.2019, 09:34
330. Der arme Klimasünder?

Es ist ein Irrglaube, wenn wir meinen, dass die Unterschicht mit falschem Konsum die Erderwärmung befeuert.
Wer beengt im Altbau wohnt, seinen alten Diesel fährt, so lange es geht und ein Jahr spart um nach Mallorca zu fliegen ist derzeit der Buhmann.

Wer sich hingegen ein feudales Nullenergiehaus mit gewaltiger Wohnfläche und Garten leistet, seinen fast neuen Diesel gegen einen neuen Tesla tauscht und sich gerne fremde Kulturen per Flugreise oder Kreuzfahrtschiff erschließt hat Vorbildcharakter.

Dabei stecken in der Herstellung von Autos und Häusern häufig mehr Energie, als diese in vielen Jahren verbrauchen. Wir sollten die Fachwerkhäuser, Gründerzeithäuser, Kühlschränke und Altdiesel ganz in Ruhe lassen, denn sie sparen schon dadurch Energie, dass sie funktionieren und nicht durch Neubauten ersetzt werden.

Genau so sollten wir auch den Normalverbrauchern nicht die Schuld am Klimaproblem zuschieben. Sie verbrauchen deutlich weniger Wohnfläche und können sich weder exzessive Mobilität noch exzessiven Konsum von exotischen Lebensmitteln, ständig neue Möbel oder Konsumgüter leisten.

Klimaschutz heißt heutzutage zunächst mal Verzicht und lange Lebensdauer von Gebäuden, Geräten und Anlagen. Es gibt derzeit keinen klimafreundlichen Konsum. Ganz im Gegenteil. Wer ständig das neueste, energiesparenste kauft und dafür fast neues, funktionsfähiges Gerät entsorgt ist wahrscheinlich der größte Klimasünder.

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t.schulte 31.07.2019, 09:38
331.

Zitat von im_ernst_56
Das was der Mitforist will, sind Verhältnisse wie in den USA.
Er möchte also das ~8 - 9 von 10 Bundensbürgern weniger Geld zur Verfügung haben als jetzt? Denn das sind die Verhältnisse in den USA dank der wunderbar extremen Schieflage bei der Einkommensverteilung. Die ist hier schon schlimm genug, da ist es katastrophal.

So hoch kann eine CO-Steuer, selbst wenn sie als Steuer statt als Umlage kommen würde, gar nicht sein das es hier nicht dem größten Teil der Bevölkerung schlechter gehen würde als in den USA.

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rennflosse 31.07.2019, 09:42
332. In Geschichte gepennt

Zitat von im_ernst_56
Das was der Mitforist will, sind Verhältnisse wie in den USA. Die sind vielleicht aus linker oder linksliberaler Sicht nicht schön, aber wieso sind sie faschistisch? Übrigens waren die Faschisten in Italien und Deutschland zu ihrer eigenen "Volksgemeinschaft" gar nicht so unsolidarisch, deswegen hatten sie ja so einen Zulauf. Also Vorsicht mit der inflationären Verwendung des Begriffs Faschismus im Zusammenhang mit sozialen Verhältnissen.
Das ist unser heutiges Dilemma. Diejenigen, welche am meisten mit der Faschismuskeule um sich hauen, scheinen in Geschichte komplett gepennt zu haben.

Der sog. "Volkskörper" war ja quasi der Inbegriff der faschistischen und nationalsozialistischen Lehre. Ein Begriff, der die Solidargemeinschaft zu einer Einheit verschmolz. Nur war die Kehrseite der Medaille, die Volksgemeinschaft von störenden Elementen rein zu halten oder zu befreien. Wer also nicht dazugehörte, wurde als Schädling behandelt.

Demgegenüber sind die Verhältnisse in den USA alles andere als faschistisch. Jeder hat eine größtmögliche persönliche Freiheit, ist aber komplett für sich alleine verantwortlich. Das widerspricht dem deutschen Wesen, ist aber in keinster Weise moralisch verwerflich. Wer da mit der Faschismuskeule reinhaut, offenbart nur ein äußerst peinliches Maß an persönlicher Dummheit. Das sei dem Foristen "Zweifelturm" hiermit nachdrücklich um die Ohren gehauen. Natürlich nur verbal :-)

Die Kehrseite einer Solidargemeinschaft ist nämlich, dass sich auch diejenigen hineinzwingt, die lieber draußen bleiben wollen. Zwang ist immer das Gegenteil von Freiheit. Ist das moralischer?

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hman2 31.07.2019, 09:44
333.

Zitat von Hans58
Wissen Sie, was ein Business-Ticket - Hamburg - Zürich kostet? Nein, Sie wissen es nicht.
Wer fliegt denn bitte innereuropäisch in der Business-Klasse? Kostet nur VIEL Geld, aber sie bekommen trotz des Aufpreises die gleichen engen Sitze wie in der Eco, und bei einem kleinen Flieger bringt Priority Baggage eine Ersparnis von nicht einmal 2 Minuten.

Wer rechnen kann, fliegt auf den innereuropäischen Hopsern Eco, und nur auf Interkontstrecken Business.

Mir ist auch keine Firma bekannt, die ihren Mitarbeitern auf Kurzstrecke Business bezahlen würde (außer für die Vorstandsetage natürlich, für die ist das ein Prestigeobjekt.)

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sicherheitsgruende 31.07.2019, 09:49
334. Liebe Frau Stokowski,

ich habe den Eindruck, dass Sie aus Gewohnheit ein Gewohnheitsrecht ableiten. Fliegen IST zu billig. Der aktuelle Umgang mit der Erde ist nicht vereinbar mit einer dauerhaften Bewohnung des Planeten. So wie die ganzen alten weißen Männer müssen nun auch Sie mit alten Gewohnheiten brechen, und auch Sie scheinen damit Probleme zu haben. Und das es zuerst die ökonomisch Schwachen trifft ist systemimmanent. Das hat nichts mit Klimaschutz zu tun, sondern mit Kapitalismuskritik.

Guten Tag.

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Clara77 31.07.2019, 09:50
335.

Das Problem ist kein solcher Zufall, wie man vielleicht denkt. Es war einer der Hauptziele der westlichen PR im Kalten Krieg, den Begriff der "Klasse" zu dekonstruieren - und man war natürlich sehr glücklich, als die Linken sich statt dessen auf identitäre Fragen beriefen. Und übrigens auch auf die Umweltthemen. Ihnen allen ist einig, dass sie eben für das "kapitalistische" System an sich keine Gefahr sind, sondern sogar systemstabilisierend sein können.
Und das werden wir jetzt natürlich auch merken. Natürlich wird die Klima-Debatte primär den unteren Schichten schaden und damit auch neue Spannungen bringen.

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sch123 31.07.2019, 09:50
336. Stark...

...wie so gar kein alternativer Lösungsvorschlag kommt, also einfach weiter wie bisher?

Fakt ist, dass wir unser Konsum- und Mobilitätsverhalten werden ändern müssen und zwar schnell. Fakt ist auch, dass es keinen wirkungsvolleren Hebel gibt als die Kosten (mit Appellen wird es nun schon seit 30 Jahren versucht). Dass wir im globalen Kapitalismus ein massives Ungerechtigkeitsproblem haben, das diesem Dilemma zugrunde liegt ist ein Problem, das wir auch asap angehen sollten, aber wir sollten das eine nicht gegen das andere ausspielen.

Was Frau Stokowski außerdem übersieht in ihrer Klassismusargumentation, ist, dass jeder Tag, den wir nicht handeln, ganz konkret den Ärmsten dieser Welt schadet. D.h. es mag dann den Ärmeren hierzulande besser gehen, aber auf Kosten der Ärmsten der Welt, d.h. ihrer Argumentation kann man genausogut Klassismus und Ignoranz unterstellen. Letztlich also ein nettes virtue signalling und sicher nicht falsch, mal auf Klassismus hinzuweisen (hätte auch der Hinweis gepasst, dass die Belastung fürs Klima ganz klar mit dem Einkommen und Wohlstand korreliert) aber für eine ernsthafte Debatte nicht sonderlich wertvoll.

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gruen99 31.07.2019, 09:54
337. Steuern sind nicht zum Steuern da

Die Autorin hat völlig recht ! Der Ansatz alles über Verteuerung über Steuern zu erreichen ist völlig falsch. Gerade wegen der zusätzlichen Ausbeutung des Staates von den, meist ärmeren, Abhängigen.
Aber das Klimaschutz teuer ist, gilt dennoch. Eine schnell umsetzbare Lösung zu Abgasen wäre die konsequente umsetzung von Hybridlösungen: Im Autoverkehr, der Schiffahrt und bei Heizungslösungen.
Wenn nur noch Hybridlösungen zugelassen werden, wäre in kurzer Zeit die Einsparung von 30+% CO2 Abgasen und Feinstaub möglich. Mit Filtern beim Feinstaub gleich noch mehr. Dagegen dreht sich die Debatte ständig nur um Steuern und/oder Randthemen die nicht lösbar sind, wie Flugantriebe.
Warum kann die Politik nicht zwingend bei Neuwagen Hybridantriebe verlangen ? Keine kostspielige Infrastruktur ist nötig. Warum nicht konsequent Dämmung und Solarhybrid auch bei Altbauten ? Warum nicht die gröste Umweltverschmutzung durch Ölverbrennungs-Abgassen in der Antriebstechnologie in der Frachtschiffahrt eindämmen. Es gibt bereits Lösungen zu grossen Diesel/Schwerölmotoren mit intelligenter Wasserdampfzusatz Antriebslösung (Wasserdampf gewonnen durch Abgaswärmekopplung, Reduzierung der Öl-getriebenen Kolben durch Unterstützung von Wasserdampf getriebene Kolben)

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gg0815 31.07.2019, 09:56
338. träume ich

das, genau das ist es was mich schon immer an dem Herangehen an diese und an dem Meinungsmainstream zu diesen Themen stört. Sieht für mich auch oft nach unreflektiertem Absolutismus und dem Ruf nach Diktatur und Zensur aus. Super Beitrag.

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rennflosse 31.07.2019, 09:57
339. Versorgung

Zitat von kleinsteminderheit
... Klimaschutz heißt heutzutage zunächst mal Verzicht und lange Lebensdauer von Gebäuden, Geräten und Anlagen. Es gibt derzeit keinen klimafreundlichen Konsum. Ganz im Gegenteil. Wer ständig das neueste, energiesparenste kauft und dafür fast neues, funktionsfähiges Gerät entsorgt ist wahrscheinlich der größte Klimasünder.
Wer versorgt das Heer der neuen Arbeitslosen, wenn kaum noch etwas produziert und gehandelt wird. Wer erwirtschaftet das Geld für die Transferleistungen, die an das Millionenheer der neuen Arbeitslosen gezahlt werden müssen.
Schon mal (darüber) nachgedacht?

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