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Forderung nach höheren Flugpreisen: Muss man sich leisten können
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Klassenhass ist genauso real wie Rassismus oder Sexismus - und spiegelt sich in Vorurteilen, Gesetzen und politischen Forderungen. Selbst bei denen, die eigentlich die Welt retten wollen.

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Vulpecula 31.07.2019, 09:57
340. Ach, ich wäre schon froh ...

Ach, ich wäre schon froh, wenn es von unserem Dorf zum nächsten Bahnhof (28 km) auch am Wochenende wenigstens eine - wie unter der Woche zumindest 1 X täglich mögliche (wenn auch völlig unzuverlässige) - Rufbus(!)verbindung gäbe. Dann müssten nicht alle Einwohner 2 PKWs halten, nur um die Kinder zum Sport zu chauffieren und einkaufen zu gehen. Nur die Reichen können sich erlauben, die 50 Euro Taxi (für eine Strecke!) zu berappen, die es kostet, z.B. zur nächsten Anbindung an das DB-Netz zu gelangen oder 70 Euro für eine Einkaufsfahrt zu berappen. Der öffentliche Nahverkehr ist eine einzige Katastrophe, und während es in Berlin jede Menge Supermärkte gibt, die ihre Kunden frei Haus beliefert, ist hier noch nicht einmal diese Möglichkeit gegeben. Aber die Traumschiffe werden immer größer. Verfehlte Politik, die auch ohne Verteuerung von Flügen die weniger Begüterten trifft.

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ohjeee 31.07.2019, 10:05
341.

"Sie müssen sich dann, weil sie arm sind, noch mehr einschränken als ohnehin schon.

Diskriminierung muss nicht immer offener Hass sein, sie kann auch einfach darin bestehen, dass man Leute vergisst. Oder sie kann darin bestehen, dass man findet, es sollten sich eben nicht alle Leute die gleichen Dinge leisten können."

Wie bitte?
Ja natürlich sollten sich Leute, die 40h die Woche arbeiten gehen mehr leisten können, als welche, die vom sozialen Netz versorgt werden.
Woher kommt eigentlich dieses unsägliche Anspruchsdenken, dass Menschen, die nicht arbeiten (gehen, können, wollen) sich alles so leisten können sollten, wie Arbeitnehmer?
Ich finde auch, dass ich mir persönlich keinen Ferrari, Segelyacht und Privatflugzeug leisten können sollte. Wie auch? Selbstverständlich kann sich jemand mehr leisten, der mehr Einkommen hat (egal woher).

"Wer jetzt sagt, höhere Flugpreise seien unfair, dann könnten sich Menschen mit weniger Geld Fliegen nicht mehr leisten. Ja, das stimmt! Aber Fliegen ist auch kein Grundrecht." Klar. Es ist aber auch kein Grundrecht, bei Reiseentscheidungen nicht mehr nachdenken zu müssen."

Was gibts da nachzudenken? Entweder ich wähle den schnellsten, den wirtschaftlichsten, den bequemsten oder den ökologischsten Weg. Die ganzen armen Klimaretter, die ja gerne mehr fürs Klima tun würden, aber immer von den Konsum-Verlockungen daran gehindert werden. Also bitte. Doppelmoralisten.

"Leute mit wenig Einkommen sparen oft das ganze Jahr für den einen Urlaub, bei dem sie dann eben fliegen, oder sie fliegen ab und zu mal ihre Familie im Ausland besuchen. "
Auch da hält sich mein Mitleid relativ in Grenzen. Wir sind die letzten 10 Jahre 2x in Urlaub geflogen und uns geht es wirtschaftlich gut. Woher kommt eigentlich das Anspruchsdenken, jeder müsse 1x im Jahr auf Malle Party machen? Entweder ich kann mir eine Flugreise/Urlaub leisten, oder eben nicht. Und wenn ich es mir nicht leisten kann, aber will, dann muss ich meine Einnahmen erhöhen. Ich würde auch gerne als nächstes einen Neuwagen als Familienauto kaufen. Dafür wirds aber wahrscheinlich finanziell nicht reichen. Also: Ansprüche runter schrauben, Frau muss aufstocken oder ein Nebenjob muss her. Oder eben ein gebrauchtes.
Wir würden auch gerne zu viert in Urlaub fliegen, macht jetzt der Geldbeutel nach Immobilienerwerb und noch ausstehender Außenanlage auch nicht mit. Warum soll sich nur die Mittelschicht bei Entscheidungen einschränken müssen?

"Fliegen ist im Verhältnis zum Bahnfahren zu billig, aber die Antwort darauf kann nicht sein, dass arme Leute zuhause bleiben müssen oder nur noch an die Ostsee dürfen. "
Doch, genau das! Meine Eltern hatten auch kein Geld übrig. Ich bin zum ersten mal mit eigenem Einkommen in den Urlaub geflogen! Sonst gabs Campingurlaub und nicht Ost- sondern Nordsee.

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a_koeln 31.07.2019, 10:12
342. Fehler gemacht

Zitat von rwachsmu
Zynisch? Und überhaupt; was ist an meinem Beitrag menschenverachtend? Zur Sache sagen Sie rein gar nichts. Ich sag Ihnen was. Ihr Kommentar erinnert mich an die rethorischen Taschenspielertricks ala Trump und Konsorten. Der Dieb ruft. Haltet den Dieb. Da ist der Dieb. Und dann wird fleissig weiter geklaut.
Sorry, aber Ihre teilweise korrekten Argumente gehen nun einmal unter wenn Sie das ganze mit unnötigen Beschreibungen wie "pummelige Umwelministerin" garnieren. Was tut denn das zur Sache? Und sehen Sie sich bitte mal real existierende Länder an, in denen "braun" regiert und sagen Sie mir, ob es da sozial gerechter zugeht.

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Maria G. 31.07.2019, 10:13
343. Stimmt.

Zitat von Tingletangle
eine vernünftige, gut durchdachte Kolumne von Frau Stokowski. Das erlebt man wirklich nicht alle Tage!
Stimmt. Die bekommt man immer nur einmal in der Woche.

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a_koeln 31.07.2019, 10:22
344. Problem ist vielschichtig

Zitat von emil7685
Es ist genau umgekehrt. 5-Tages-Urlaube SIND die Lebensgrundlage von MILLIONEN Menschen in der Karibik,die vom Tourismus leben! Was glauben Sie denn, was in Mallorca los waere, wenn dort keine Touristen mehr kaemen? Ebenso das SUV in der Grosstadt das hunderttausenden Menschen den gutbezahlten Arbeitsplatz garantiert und zigtausende Euros an Steuereinnahmen generiert.
Ja, und Blusen für drei Euro sind die Lebensgrundlage von MILLIONEN Kinderarbeitern in Asien und unser Elektroschrott sichert viele Arbeitsplätze in Afrika. Ich gebe Ihnen Recht, das Problem ist sehr vielschichtig und komplex (tippen Sie einmal "Klimawandel Karibik" bei google ein). Aber gerade deswegen funktioniert die einfachste Lösung "nur weiter so" wohl nicht mehr.
Übrigens: SUV sind in Deutschland zum großen Teil Dienstwagen und werden steuerlich von den Firmen abgesetzt.

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Birs 31.07.2019, 10:23
345. Scheinheiligkeit par excellence

Fliegen darf also nicht teurer werden, damit sich untere Einkommensschichten diese noch leisten können müssen (alles andere wäre "eklig"). Aber das Fleisch, das sich diese Leute leisten können, weil aus billiger ("ekliger") Massentierhaltung, darf also nicht sein? Lesen Sie sich Ihre Ergüsse eigentlich nach dem Verfassen noch einmal durch? Offenbar nicht, denn dann wäre diese bodenlose Scheinheiligkeit, dieser Klassismus, wie Sie es nennen, wohl selbst Ihnen aufgefallen, Frau Stokowski!

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schwäbischalemannisch 31.07.2019, 10:26
346. @335-Fliegen ist nicht zu billig. Es wird nur der falsche Treibstoff verwendet

Ob Fliegen mit einem CO2-neutralen Treibstoff teuer wird, das ist zwar anzunehmen. Aber keineswegs sicher. Wenn CO2-neutrales Kerosin erst mal in großen Mengen und damit preiswerter hergestellt werden kann, dann dürfte sich das vermutlich preislich in Grenzen halten. Allerdings gibt es starke wirtschaftliche Gegebenheiten, die eine Umstellung auf CO2-neutral erschweren werden. Hier muss die Politik ansetzen, nicht beim kleinen Mann. Eine CO2-Steuer, die der Endverbraucher direkt als Aufpreis zahlt, ist nicht Politik, sondern Populismus.

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UncleF 31.07.2019, 10:31
347. Ich denke genau so

Zitat von rennflosse
Wer versorgt das Heer der neuen Arbeitslosen, wenn kaum noch etwas produziert und gehandelt wird. Wer erwirtschaftet das Geld für die Transferleistungen, die an das Millionenheer der neuen Arbeitslosen gezahlt werden müssen. Schon mal (darüber) nachgedacht?
wie der Forist.Auch Ihre Bedenken kann ich nachvollziehen.Das Grundübel des ganzen ist und bleibt aber,die unstillbare,widerliche Gier des völlig aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus der letzten 20-30 Jahre.
Gar nichts muss teurer werden in dieser Überflussgesellschaft,jeder Einzelne müsste sich nur in vielen Sachen einschränken.Vor allem die,die den Hals nicht voll kriegen.Aber das wird nicht passieren,die meisten Menschen in der westlichen Welt sind zu dumm um das zu begreifen.

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zwurgl 31.07.2019, 10:31
348. Verkürzt argumentiert!

Die ernsthaften Konzepte zu einer CO2-Steuer sehen ja vor, dass sie an die Menschen zurückgegeben wird, jedenfalls an die die weniger als der Durchschnitt verschmutzen. Also wird der Ferienflug zwar teurer, aber wer die Umwelt schonen will oder seine Ziele in der Nähe sucht, bekommt evtl sogar Geld zurück.
Bei manchen anderen Maßnahmen die diskutiert werden, ist es derzeit ja so, dass die Allgemeinheit, auch die die weniger Mittel haben, diejenigen subventionieren, die es sich rausnehmen, viel zu verbrauchen: z.B. bei Steuerprivilegien für große Dienstwagen und für Flugbenzin.
Es muss das Steuer rumgerissen werden: Wir fahren unsere Erde in den Abgrund wenn es so weitergeht. Und bei diesem Steuer rumreißen wird es Leute geben, die das mehr als andere zu spüren bekommen. Wer sein Leben so plant, dass er oder sie jeden Tag 60 km einfach in die Stadt zum Job pendelt, weil ja das Autofahren ausreichend billig und die Straßenbenutzung umsonst ist, der oder die wird wahrscheinlich umdenken müssen. Oder soll die Allgemeinheit weiter für diese Lebensentscheidungen mirbezahlen?
Wo steht geschrieben, dass es ein unveräußerliches Menschenrecht ist, für 29€ Flugkosten die Verwandtschaft oder den Partner am anderen Ende Europas besuchen zu können? Das wird im Einzelfall bitter sein, wenn davon einiges nicht mehr oder nur noch seltener geht - aber auch her: Was ist die Alternative? Dass auch diejenigen, die keine solche Flüge machen, zur Kasse gebeten werden?
Klar muss es über den Preis gehen! (Aber siehe oben: Die CO2-Steuer erlaubt ja einen Sozialausgleich, wenn man den eigenen Schadstoffaustoff reduziert.)

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Chico73 31.07.2019, 10:32
349. Lösung

Im Grunde gibt es für das ja durchaus richtig beschriebene Dilemma nur folgende Lösung - ähnlich dem Zertifikatehandel: Jedem Bürger wird pro Jahr 1 Flug (3000 Meilen), 5000 Freikilometer auf Autobahnen, 1 Zugfahrt (1000 Km), Heizwert von 10.000 kw, etc. zugebilligt und das bei einem endlichen Angebot und festen Preisen durch die Produzenten/Versorger. Wenn er mehr verbrauchen will, muss weitere Kontingente bei anderen Bürgen einkaufen. Wichtig ist natürlich, dass der zusätzliche Preis nicht beim Hersteller/Anbieter landet, sondern bei demjenigen, der auf seinen Flug verzichtet oder weniger Auto fährt. Willkommen in Utopia...

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