Forum: Kultur
Fotograf Crewdson: Das dunkle Unbewusste der USA
Gregory Crewdson/ Gagosian Gallery

Die Fotos von Gregory Crewdson erinnern an David-Lynch-Filme: Sorgsam komponierte Szenen, in denen der US-Fotograf den amerikanischen Alltag inszeniert und seziert. Ihn treibt die Suche nach den eigenen Ängsten, nach einem Weg aus der eigenen Einsamkeit - und nach dem perfekten Bild.

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Trondesson 27.02.2014, 21:08
10.

Zitat von mborevi
... in bedrückender Weise an das irrationale, wissenschaftsfeindliche Lebensgefühl, das ich in weiten Kreisen der US Gesellschaft seit Jehrzehnten in zunehmendem Maße bemerke. Es kann einen gruseln vor der Zukunft dieser Gesellschaft.
Bilder vom Vorabend der Zombieapokalypse oder so etwas, aber keineswegs auf die U.S.A. beschränkt. Im amerikanischen Kleinstadtmilieu des mittleren Westens kann man die Endzeitstimmung allerdings offensichtlich besonders gut einfangen, was dem Fotografen meiner Ansicht nach auf einigen Bildern hervorragend gelungen ist.

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fruchtquark 27.02.2014, 21:47
11. Er inszeniert nur seine eigenen Depressionen

Das kann man aus den Bildern sofort herauslesen. Dazu diese Gigantomanie: Aufnahmeformat 4x5 Zoll, Kinoscheinwerfer, zig Assiatenten auf riesigen Sets. Nicht gut.

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bertholdalfredrosswag 27.02.2014, 21:48
12. optional

Wenn solche Bilder aus der Wirklichkeit heraus entstehen ist das eine Sache, weil man sich dann auch die Situation des Photografen vorstellen kann der wach und mutig zugleich ist. Doch wenn solch Szenen gestellt werden verlieren sie den Anspruch auf Beachtung und langweilen eher, weil man ja weis dass sie nicht wirklich geschehen sind. Aber den Teufel an die Wand malen mögen Andere für Kunst halten. Surreal ist es ja zumindest

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p.b.s. 27.02.2014, 22:15
13.

Zitat von z_beeblebrox
... ab da hats mich nicht mehr interessiert. Ein Fotograf der Unfälle inszeniert, um Bilder zu machen. Was bitteschön soll das sein? Etwa Kunst? Sorry, der Typ gehört auf die Psychocouch, wenn er mit seinem Leben nicht klarkommt. Abgesehen davon sind die ersten 4 Fotos (hatte mir aus Neugier noch 3 weitere angesehen gehabt, dann wars mir zu öde) nicht besonders toll gemacht. Da habe ich von vielen (wenig berühmten) Fotografen 1.000 mal bessere gesehen. Nun ja, wers mag ...
Bei diesen Fotos geht es nicht um überragende Bildqualität mit perfekten Formen und Farben, sondern um die Reflexion von Momenten mit eingefangener und beklemmender Atmosphäre, und dabei liegt die Betonung auf "Atmosphäre". Bis auf die Szene mit dem Bus und den ausgestopften Piepmätzen empfinde ich die Bilder als sehr ausdrucksstark und absolut gelungen.

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tweet4fun 27.02.2014, 23:06
14. Hohe Kunst der Fotografie

Die Fotos sind schon deshalb Kunst, weil sie dem Betrachter viel Raum lassen für Interpretationen. Jeder Mensch fühlt anders, und diese Fotos ermöglichen es auch, sich den inneren Gefühlen zu stellen, die man oft gerne entrinnt. Es ist auch, als ob man sich an Träume erinnert.

In meiner Familie hat jeder Einzelne beim Betrachten der Fotos völlig andere Äußerungen gemacht. Und genau das ist Kunst! Meine Ehefrau hatte als ehemalige Kriminalpolizistin sofort bemerkt, daß die Fotos Nr. 1 bis 8 die inneren Ängste und Erwartungen eines Polizisten auf Streifenfahrt widerspiegeln: Alles Mögliche kann innerhalb der nächsten Minuten geschehen. Ich dachte an die zerbrochene Gesellschaft in Kleinstädten, die sich selbst belügt. Meine Tochter hatte eher Albträume assoziiert und geäußert, wie froh sie ist, in der relativen Geborgenheit einer Großstadt zu leben.

Nur bei Bild Nr. 8 stimmten wir überein: Das hat nichts mit Überirdischen zu tun, das ist das Licht eines Polizei-Helikopters. Na ja, typisch für Großstädter.

Die Fotos sind insgesamt phantastische Fotokunst. Und das Begreifen dieser Kunst entzieht sich sicher denjenigen Menschen, die den "röhrenden Hirsch" über der Anrichte hängen haben.

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kps19 28.02.2014, 00:18
15.

Also 1. fotografiert Crewdson auf 8x10 Zoll, nur so nebenbei. Weiterhin bin ich ein wenig erschrocken über einige arg abfällige Kommentare. Kunst liegt eben immer im Auge des Rezipienten und sicherlich können und müssen seine Werke nicht jedem gefallen.
Einige scheinen auch seinen Ansatz nicht verstanden zu haben. Crewdson hatte nie den Anspruch schlicht "wiederzugeben", viel mehr wollte er immer etwas erzählen und schaffen. Eben nicht dokumentieren, sondern konstruieren. Vielleicht sollten einige hier ihn eher als bildenden Künstler begreifen, der ein Bild im Kopf hat, vielleicht wie ein Maler und dieses eben versucht, in Szene zu setzen.
So ging es mir auch beim ersten Aufeinandertreffen mit seinen Arbeiten, sie erschienen mir so perfekt konstruiert, dass es lediglich ein Gemälde sein konnte.
In meinen Augen zählt Crewdson zu den ganz großen amerikanischen Realisten.

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straff&locker 28.02.2014, 00:27
16. so gesehen...

Die Bilder gefallen mir gut. Ein "Millionenbudget" konnte ich da aber nicht erkennen.

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Wolffpack 28.02.2014, 00:45
17.

Zitat von chrome_koran
Auch wenn es in Ihr betuliches WeltBild nicht passen mag: Ja, das ist Kunst. Darf ich denn fragen, was _Sie_ denn für Kunst halten? Vielleicht auch, welche Kunstwerke _Sie_ so alles erschaffen haben, da Sie ja voll den Durchblick zu besitzen scheinen? Crewdson dürfte als einer der interessantesten Fotografen der Gegenwart betrachtet werden. Wo andere sich ihre 15 minutes of fame damit verschaffen, indem sie Fotos von Supermarktregalen auf Billboard-Größe aufblähen, steckt bei Crewdson ein Narrativ dahinter, das beim Betrachten einfach nur zwischen Begeisterung und Demut schwanken kann. Immerhin kann keiner der ewigen Besserwisser im Fall Crewdson behaupten, er selber oder sein n-Jähriger hätte es zig mal besser gemacht…**lach*
Kommt drauf an wie man Kunst definiert, aber YMMV. Der Witz (im negativen Sinne) an dem Typen ist doch der:
"Der Alltag des "normalen" Amerika interessiert Crewdson." VS
"Für seine Fotos muss auch schon mal ein Schulbus auf die Seite gelegt werden: US-Fotograf Gregory Crewdon hat sehr genaue Vorstellungen von seinen Aufnahmen. Seine Fotoarbeiten verschlingen zum Teil so viel Geld wie ein paar Drehtage in Hollywood."

Sorry, aber entweder man fotografiert Alltag, oder man konstruiert Fotos. Aber so zu tun als würde er ersteres tun, tatsächlich aber letzteres macht, ist Bildniveau. Ich sehe da auch nicht viel von dem Alltag, den er meint abzubilden.

Auch unabhängig von dem Problem sind die Fotos halt so lala, sie zeigen eine gewisse Dystopie, aber das wars. Das hab ich in einigen Filmen/Spielen schon besser gemacht gesehen.

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tlatz 28.02.2014, 04:10
18. Format

Zitat von fruchtquark
Das kann man aus den Bildern sofort herauslesen. Dazu diese Gigantomanie: Aufnahmeformat 4x5 Zoll, Kinoscheinwerfer, zig Assiatenten auf riesigen Sets. Nicht gut.
Also das Format würde ich ihm hier aber nicht vorwerfen.

Großformatkameras sind kompliziert zu bedienen und eignen sich absolut nicht für spontane Schnappschüsse, liefern aber bei sorgfältiger Einstellung Ergebnisse, die selbst den besten Digitalkameras haushoch überlegen sind. Und sind dabei nicht teurer als professionelle DSLRs, von digitalem Mittelformat ganz zu schweigen.

Wenn man also - wie hier - ein Foto vollständig inszeniert, dann ist man gut beraten, so eine Kamera zu verwenden.

Aber wie kommen sie auf 4x5? Wenn ich mir das Foto des Fotografen bei Wikipedia ansehe, dann ist das sogar noch größer als 8x10.
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Gr...Crewdson_2.jpg

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tlatz 28.02.2014, 04:13
19. Realismus

Zitat von bertholdalfredrosswag
Wenn solche Bilder aus der Wirklichkeit heraus entstehen ist das eine Sache, weil man sich dann auch die Situation des Photografen vorstellen kann der wach und mutig zugleich ist. Doch wenn solch Szenen gestellt werden verlieren sie den Anspruch auf Beachtung und langweilen eher, weil man ja weis dass sie nicht wirklich geschehen sind. Aber den Teufel an die Wand malen mögen Andere für Kunst halten. Surreal ist es ja zumindest
Und da ist sie wieder, die alte Meinung: Fotografie muss die Realität abbilden.

Wieso ist das eigentlich so? Seit Ewigkeiten dürfen Maler malen, was auch immer sie wollen, sei es noch so unrealistisch, Bildhauer dürfen Skulpturen in beliebiger Form bauen, aber Fotografen dürfen keine Bilder nach ihren Vorstellungen produzieren. Fotografen dürfen nur die Realität des Augenblicks wiedergeben und fertig, denn wo bei Malern und Bildhauern künstlerische Freiheit groß geschrieben wird, da spricht man beim Fotografen von Manipulation oder - heute - vom "Photoshoppen".

Warum ist denn das so, lieber bertholdalfredrosswag

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