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Fragen Sie Frau Sibylle: Wir traurigen Preußen

Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!

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kein Ideologe 07.04.2012, 15:33
1. 645646

erstmal, unhabhängig von allen Details:

Liebe Frau Sibylle,

ein Thema ohne Grass, ich verbuche das mal als das erste gefundene Osterkörbchen, danke.

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LJA 07.04.2012, 15:42
2. Das Thema

ist nicht so ganz neu. Wie schon mehrfach diskutiert, hat natürlich jeder Mensch eine andere Definition von Glück und auch eine andere Art, das auszudrücken.
Dabei spielt die Erziehung nur eine Rolle, das durchschnittliche Wetter in einer Region eine weitere. Auch die evangelische Moralethik die, im Gegensatz zur katholischen, keine regelmäßige Vergebung der Sünden durch Ohrenbeichte kennt, hat sicherlich Einfluß.
Allerdings möchte ich mich als Hannoveraner davor verwahren, von der Autorin als Preuße zwangsvereinnahmt zu werden. Die Gleichsetzung Preußisch = Deutsch ist so unakzeptabel wie falsch.
Vermutlich würde Frau Sibylle auch in Deutschland gewisse Unterschiede im Verhalten feststellen, wenn sie dabei nicht nur aus der kürzlichen Erinnerung schöpfte. Noch mehr, wenn sie wirklich den ganzen "Westen" bereist hätte, den sie ja hier locker in eine Tasche packt.

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agua 07.04.2012, 15:43
3. Weniger ist mehr

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
keine Geldsorgen zu haben,ist in jeder Hinsicht bestimmt befreiend,aus der Sichtweise derjenigen,die wenig Geld haben.Aber Besitz hat nichts mit Lebensfreude zu tun.Somit ist jemand,der wenig hat,vorausgesetzt,er muss nicht Hunger leiden ,leichter zufrieden,weil er weniger erwartetAlten Menschen schwindet die Zeit,somit auch die Erwartungen und somit werden sie genuegsamer.Wer sich alle Wuensche erfuellen kann,wird vielleicht unzufrieden,weil sein Denken und Leben sich nur um die Erfuellung materieller Wuensche dreht.also kann auch wer reich ist,arm sein.Alles Geld gerechter verteilt wuerde vielleicht den "glueckspegel"weltweit anheben?

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Schäfer 07.04.2012, 16:02
4. Hauptsache gesund? - Nein, lieber alt.

"Hoffen wir, dass die Glücksforschung recht hat mit ihrer Behauptung, wonach die Zufriedenheit im Alter beachtlich zunimmt und die meisten Menschen (die nicht in finanzieller Not leben) angeben, mit 70 die glücklichste Zeit in ihrem Dasein zu erleben."

Immerhin kann man konstatieren, dass, wenn der Satz stimmt, Gesundheit auch nicht glücklich macht, denn im Alter ist die Wahrscheinlichkeit, krank zu sein, erheblich erhöht. An fehlender finanzieller Not liegt es sicher nicht, denn die die im Alter genug haben, hatten es auch in der Regel davor.

Vielleicht machen kurze Telomere glücklich?

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d.nix 07.04.2012, 16:15
5. Gerechtigkeit!

Die Thementendenz gefällt mir. So etwas muß deutlich gesagt werden. Behauptungen, Armut mache glücklich (die es auch im deutschen Volksmärchen gibt) sind unsinnig. Sie werden auch von denen vertreten, die dringend Entschuldigungen benötigen für ungerechtfertigten Reichtum auf Kosten anderer. Ein Film-Starlet recht treffend: "Ich war arm und ich war reich - reich ist besser". Eine zwingende Voraussetzung für Glück und Zufriedenheit ist es aber natürlich nicht. Man ergänzt das besser doch mit einem Satz.

Worum es heute geht ist etwas anderes: Menschen wollen sich mit ihrer Leistung Wohlstand erwirtschaften. Nur passiert es immer häufiger, daß die einen Leistung erbringen und die anderen den Wohlstand haben. Man sollte das nicht "Verteilungsgerechtigkeit" nennen. Hier wird nicht etwas aus einem Topf verteilt, sondern die den Topf füllten, haben Anspruch auf ihren Anteil. Wenn zur Gerechtigkeit noch ein Zusatz gehören sollte, dann "Anteilsgerechtigkeit". Wenn ein Kind im Slum keine Chance hat, zu eigener Leistung befähigt zu werden, ist das ein Fall von "Chancengerechtigkeit".

Zwei Phasen ökonomischer Idealfälle: Japan im Wirtschaftsboom der 70er Jahre, Aufbaudeutschland der 60er Jahre. Hier bekam Leistung gerechten Anteil, Folge war allgemeiner Wohlstand und Aufschwung. Es gab im Idealfall aber noch anderes. In Japan die Kinder-Selbstmorde durch zu hohen Leistungsdruck. In Deutschland entstand ein Kinderclub (=Apo), der im Ansatz auch berechtigte Einwände hatte, die in einer Erwerbsdruckgesellschaft unter den Teppich gekehrt wurden. Das waren nicht nur politische Theorien, es hatte alltägliche Sublimierungsformen.

In dieser Skizze sind nun die wichtigsten Typformen von Ergebnissen zum Glück in Reichtum und Armut. Die Garantie zum Glück gibt es nirgendwo. Es ist nicht materiell definierbar. Nur rechtfertigt das keine Armut, keinen Reichtum durch Ausnutzung anderer. Das sind Fragen wirtschaftlicher Gerechtigkeit und die müssen materiell behandelt werden.

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zicke-zacke 07.04.2012, 16:18
6. Mit Geld....

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
...hat Glücklichsein wenig zu tun. Es ist nach meiner mehr als siebzigjährigen Erfahrung mit Glücklichsein in allen Lebenslagen eher eine Sache des Temperaments und der Einstellung. Natürlich ist das Leben mit ausreichend Geld leichter. Das heißt aber nicht, dass es glüclicher ist. (Zu viel Geld ist hingegen wieder ein potentieller Faktor des Unglücklichseins, will sagen, der Unzufriedenheit.)
Betrachtet man dann noch die sehr unpreußische, aber sehr deutsche allgemeine Angst vor allen Veränderungen, die ja wohl meist als Bedrohung aufgefasst wird, kann das schnell in innere Spannungen und Unglücklichfühlen ausarten.Man KANN als Armer sehr wohl glücklich sein. Man muss nur seine Erwartungen ans Leben entweder herabsetzen und mit sehr wenig zufrieden sein, oder aber in die Zukunft sehen. (Nehmen wir dabei realistischerweise die akut vom Hunger bedrohten Menschen aus, aber selbst bei denen gibt es oft noch einen unbezähmbaren Willen, zu überleben - also etwas Besseres anzustreben - für den Unglßcklichsein Kraftvergeudung ist.) Aber Deutschland (Preußen) ist ja eine ganz andere Sache.

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Ylex 07.04.2012, 16:22
7. Armut adelt weder noch macht sie leidenschaftlich

Zitat: „Der linksliberale Wahn vom glücklichen Eingeborenen hält sich also hartnäckig. Der europäische Mensch liebt Märchen, die ihm das Gefühl ausgleichender Gerechtigkeit geben. Wir im Westen haben Geld und sind unglücklich, der einfache, herzensgute Mensch in der Dritten Welt weiß nicht, ob er den nächsten Tag erlebt, aber das tut er leidenschaftlich. Gutgelaunt und lachend im Elend.“

Vom edlen Wilden zum glücklichen Eingeborenen ist es nicht weit. Glückliche Eingeborene gibt es zum Beispiel im amazonischen Regenwald und in Niederbayern, sie gehen ihren überschaubaren Verrichtungen nach und fühlen sich wohl, die einen umtanzen ekstatisch einen Naturgott, die anderen schuhplatteln sich in Trance. Aber in den Ghettos und in den Slums der Südwelt gibt es kaum noch Eingeborene dieser naiv-folkloristischen Couleur, dort leben Abermillionen von verlorenen Menschen in bitterer Armut. Ich glaube nicht an den „linksliberalen Wahn“, den Frau Berg hier unterstellt – so blöd sind besten Gutmenschen nicht, dass sie Tatsachen ignorieren, die ins Auge springen. Armut adelt weder noch macht sie leidenschaftlich.

Tim Benzko will „nur noch kurz die Welt retten“... der Song wurde zum Hit. So locker kann einem ein netter Jüngling den Zynismus versüßen, der auch den jungen Menschen zusetzt. Wenn sowieso wenig zu retten ist, dann muss man auch nicht alles mehr bierernst nehmen, dann kann man auch schon mal über Kinderpatenschaften witzeln, mit denen die Alten ihren kleinen Frieden mit sich selbst erkaufen. Glücksspirale, Kinderpatenschaft oder eine Spende für den nächsten Tsunami aufheben, alles Geschmackssache, freibleibend – es kommt auf’s gleiche raus.

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BettyB. 07.04.2012, 16:27
8. Verzeihung, aber...

man sollte sich wirklich nicht auf die Gene beziehen, wenn man an welch auch immer stattgefundener Erziehung leidet. Die Großeltern, die Eltern, das Lebensumfeld prägt einen, gewiß in diesem Sinne aber nicht die Gene, obwohl die seltsam anmutendeSpaßhaftigkeit von Rösler irrtümlich so etwas vermuten lassen könnte...

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etiennen 07.04.2012, 16:39
9.

Wenn Geld wirklich glücklich macht, warum ist "Frau" Sibylle dann so eine verkrampfte Beißzange, die immer über Sachen schreibt, die ihr bis zum Halse stehen?

Was den glücklichen Ureinwohner betrifft - nun ja, da ja die ganze Welt vom geldgierigen Westen geprägt ist, hat dieser keinen Lebensraum mehr und ist folglich ausgestorben. Ob es ihn geben kann, darüber können wir folglich nur spekulieren. Ich denke aber, wenn es ihn gäbe, wäre er mir völlig egal, genauso wie alle anderen im Urwald "Erde" vermuteten Arten.

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