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Fragen Sie Frau Sibylle: Wir traurigen Preußen

Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!

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Analogkäse 07.04.2012, 17:58
20. Guter Beitrag!

Und endlich mal wieder jemand, der auf die Bedeutung von (Mindestmaß an) Geld hinsichtlich Glück und Zufriedenheit hinweist. Meist höre ich immer die Leugnung. Mein Verdacht aber bei glücksphilosophischen Betrachtungen ist der: den Begriff "Glück" gibt es so nicht in der Realität. Den haben Menschen in einer Art Zusammenfassung und Vereinfachung erfunden. Stattdessen existieren hunderte - wenn nicht gar mehr- verschiedene (reale) Zustände. Denke beispielsweise an das Wort "Zufriedenheit" : kurz-, mittel- oder langfristige Zufriedenheit... Da tuen sich bereits Riesenfelder im Denken und Analysieren auf.
Und darum werden sich Menschen auch nicht einigen in der Glücksanalyse: weil die Besetzung des "Großwortes" "Glück" so individuell unterschiedlich ist...

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Spiegelkritikus 07.04.2012, 18:47
21. Glück und Zufriedenheit

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
Glückliche Eingeborene sind leider fast ausgestorben, vielleicht gibt es noch einige im brasilianischen Urwald oder auf abgelegenen Südseeinseln. In den Slums dieser Welt sammeln sich Arme und Vertriebene, in der meist vergeblichen Hoffnung, vom Wohlstand einer Metropole profitieren zu können. Ob man in diesem Milieu mehr fröhliche oder gar glückliche Kinder findet als in wohlhabenden Familienvierteln, darf freilich bezweifelt werden.

Ein bekannter Spruch lautet: Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts! Wer würde diese Aussage bestreiten wollen in einer modernen Gesellschaft, wo die elementare Bedürfnisbefriedigung ohne ein Minimum an Geld kaum möglich ist? Ohne Geld könnte man allenfalls wie oben angedeutet in einer abgeschiedenen Weltregion leben, deren Klima und Natur alles Lebensnotwendige zu freier Verfügung stellt.

Im Unterschied zum Tier hat der Mensch keine fixierte Bedürfnisstruktur: Sie kann fast beliebig ausgeweitet werden. Das macht für den Einzelnen freilich nur Sinn, wenn die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse: Geld, in ausreichendem Masse vorhanden ist. Umgekehrt sind bestimmte Wünsche oft Antrieb, das erforderliche Geld zu verdienen. In unseren Wohlstandsgesellschaften wird dieses Prinzip, angeheizt von einem nimmersatten Kapitalismus, zum fast allgemeinen Lebensziel und -zweck.

Je mehr die Menschen in dieser Wohlstands- bzw. Bedürfnisfalle stecken, desto abhängiger werden sie von Geld und materiellen Gütern. Wer besonders reich ist, kann sich zwar viele Wünsche erfüllen, doch wird diese Freiheit durch die Sorge um Hab und Gut gleichzeitig eingeschränkt. Zudem kann man bekanntlich nicht alles kaufen: Liebe und Gesundheit sind da an erster Stelle zu nennen.

Glück ist natürlich in vielerlei Hinsicht ein relativer Begriff, vor allem ist das entsprechende Gefühl nicht konstant. Der weitaus häufigere Zustand ist Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit - aber Zufriedensein ist ja auch nicht übel!

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der_bulldozer 07.04.2012, 18:54
22. Naja…

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
Ich kann die Frau einfach nicht leiden, vor allem nicht seit ich sie unlängst mal im Fernsehen sprechen sah. Und ihre Texte sind doch eigentlich nix anderes als relativ sinnfreies Geschwurbel. Und wenn ich dann noch die endlosen Elogen hier im Blog lese, kommen mir nur noch "Des Kaisers neue Kleider“ in den Sinn.

„Das Leben ist ein Witz, werte Damen und Herrn, und schreiben Sie endlich meinen Namen richtig, sonst zeige ich Ihnen mal, was Humorlosigkeit bedeutet“, drohte Frau Sibylle ja unlängst. Seitdem habe ich auch noch ein bisschen Angst.

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Jörn Bünning 07.04.2012, 19:12
23. Tut mir leid,

Zitat von Analogkäse
Und endlich mal wieder jemand, der auf die Bedeutung von (Mindestmaß an) Geld hinsichtlich Glück und Zufriedenheit hinweist. Meist höre ich immer die Leugnung. Mein Verdacht aber bei glücksphilosophischen Betrachtungen ist der: den Begriff "Glück" gibt es so nicht in der Realität. Den haben Menschen in einer Art Zusammenfassung und Vereinfachung erfunden. Stattdessen existieren hunderte - wenn nicht gar mehr- verschiedene (reale) Zustände. Denke beispielsweise an das Wort "Zufriedenheit" : kurz-, mittel- oder langfristige Zufriedenheit... Da tuen sich bereits Riesenfelder im Denken und Analysieren auf. Und darum werden sich Menschen auch nicht einigen in der Glücksanalyse: weil die Besetzung des "Großwortes" "Glück" so individuell unterschiedlich ist...


... aber ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass die >>Volksweisheit<< "Geld macht nicht glücklich" tatsächlich von irgend jemandem als zynische Rechtfertigung oder Trost der Armut verwendet wird. Insofern schiesst Frau Berg hier (mal wieder) auf Papp-Gesinnungen.

Nicht nur aus der Glücksforschung (z.B.Richard Layard) ist bekannt, dass ein Mehr an Wohlstand und sozialer Sicherheit auch zu einem Mehr an Zufriedenheit führt - und auch, dass dieser Zusammenhang nicht in alle Einkommenshöhen bestehen bleibt, Geld somit ein begrenzter Glücksgarant ist.

Leider fragt Frau Berg auch nicht nach den Zusammenhängen und Unterschieden von Glück und Zufriedenheit, obwohl die Antwort zu einem besseren Verständnis von Glück führen könnte. Denn sowenig, wie die Abwesenheit von Schmerz ein Wohlbefinden garantiert (es aber ermöglicht), so wenig bedeutet die Abwesenheit von Angst, Kummer, Not und Sorgen allein schon ein Glück. Zufriedenheit mag ein Aspekt zur Beurteilung sozialer Lebensqualität sein, Glück aber bleibt an das sujektive Vermögen des Individuums gebunden und entzieht sich einer quantitativen wie qualitativen Betrachtung.

Wenn Frau Berg allerdings das "Preußische" in das vermutete Zentrum deutscher Glückunsfähigkeit rückt, dann dokumentiert sie nur ihre Ahnungslosigkeit von beidem. Der "preußische" Philosoph Immanuel Kant unterschied bereits Zufriedenheit vom Glück und und nannte als Bedingung für die "Würdigkeit zum Glück" die selbstauferlegte Befolgung des kategorischen Imperativs. Das einer Selbstbeschränkung folgende sittliche Verhalten führe zum Erwerb der Würdigkeit zum Glück. Soweit Kant. Schade, dass Frau Berg darauf nicht eingegangen ist.

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DiWef 07.04.2012, 19:34
24. Finden Sie den Fehler

Hallo, ich hab den Fehler gefunden! Der Mann der schon 82 mal Papa sein soll heißt Houben, nicht Houber.

Die Gewinnsumme überweisen Sie bitte auf mein nigerianisches Konto.

Danke und ich freue mich schon auf das nächste Fehlerrätsel.

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super_nanny 07.04.2012, 19:52
25.

Zitat von etiennen
Wenn Geld wirklich glücklich macht, warum ist "Frau" Sibylle dann so eine verkrampfte Beißzange, die immer über Sachen schreibt, die ihr bis zum Halse stehen?
Na ich glaube kaum, dass man als selbstständiger Künstler bzw. Schriffsteller soviel Geld verdient, dass man regelmäßig das zum Glücklichsein relevante EInkommen erreicht, zumindes wenn man nicht gerade Harry Potter erfunden hat, was vermutlich Lichtjahre unter Frau Bergs Niveau sein dürfte.

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achnaja 07.04.2012, 21:38
26. ach frau berg

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
lese ihre kolumne immer gerne...mal mit mehr..mal mit weniger begeisterung.

zusammenfassend alles so einfach:
- geld verdienen um sich ernähren und sich leisten zu können was immer man als wichtig betrachtet
- kinder zeugen/empfangen (je nach geschlecht)
- niemandem schaden und zusätzlich: anderen ab und an was gutes zu tun
- sich um das restliche geschwätz nicht mehr kümmern

das ist die formel

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#Nachgedacht 07.04.2012, 22:13
27. Geld allein macht nicht glücklich!

Zitat von sysop
Warum sieht man in Slums lachende Kinderaugen? Und macht Geld eigentlich wirklich nicht glücklich? Doch, natürlich: Deshalb machen Sie doch bitte jetzt endgültig Schluss mit dem linksliberalen Wahn vom glücklichen Eingeborenen!
In anderen Ländern hat man nur begriffen das es mehr als Geld ist was glücklich macht. Das Reichtum eine weit größere Bandbreite hat als man in Deutschlands seitens der Egosten und Machtgeilen zugeben möchte.
#Nachgedacht

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einzelkönig 07.04.2012, 23:01
28. So ist es, so und nicht anders!

Der Brite Richard Layard veröffentlichte im letzten Jahr sein leicht verständliches Werk: The New Happiness. Es existiert ein Journal of Happiness Studies. Umfragen wie die World Happiness Database beschäftigen sich ebenso mit dem Glücklichsein, wie der Nobelpreisträger in Ökonomie Daniel Kahnemann in seinem Buch Well-Being: The Foundations of a Hedonic Psychology. Alle kommen zu ähnlichen Thesen. Die Hauptaussage ist vereinfacht: Geld macht leider glücklich. Jedenfalls in einem Maße, in dem es ein von Existenzängsten freies Leben garantiert, und wo ein Mehr immer noch möglich ist. Die Hoffnung auf mehr Geld ist also ein Garant auf Zufriedenheit, gemeinsam mit den Basisfaktoren Autonomie und Kompetenz, Verbundenheit mit anderen und Selbstwertgefühl.

Danke Frau Berg, ehrlich gemeinten, herzlichen Dank, auch für den - wie soll ich sagen - "Freitodartikel" neulichst. Absolute Hochachtung.

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Sam_Vimes 08.04.2012, 00:04
29.

Zitat von observer2025
Das Sujet des "glücklichen Eingeborenen" oder der 'edlen Wilden' stammt eher aus dem imperialen, nationalistischen Denken der Wilhelminischen Zeit. Mit dieser Rechtfertigung wollte man den vermeintlich unbedarften 'Wilden' Zivilisation und Christentum europäischer Lesart aufdrängen; Und den Einwohnern der neuen Kolonien hat man mal eben auf diese Weise ihr Land geraubt.
Auch nicht richtig. Mit welcher Berechtigung sollte man "glücklichen" oder gar "edlen" Menschen irgendwas aufzwängen?

Höhepunkt dieses Topos ist die Zeit nach der Entdeckung Amerikas, v.a. dann im Zeitalter der Aufklärung. Allerdings findet man derartige Verkärungen auch in der Bibel ,de griechisch römischen Mythen und bei Tacitus.

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