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Francis Ford Coppola über "Apocalypse Now - Final Cut": "Jedes Bild wühlte wieder etw
Studiocanal

Zum 40. Jubiläum von "Apocalypse Now" hat Francis Ford Coppola eine neue Fassung seines Meisterwerks geschaffen. Warum dies seine Lieblingsversion ist - und welche Traumata vom Dreh bleiben.

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panzerknacker 51 14.07.2019, 10:10
1. Spannend

Ich habe alle auf dem Markt verfügbaren Versionen als Konserve. Auch diese werde ich mir besorgen. Meiner Meinung nach der beste (Anti)kriegsfilm aller Zeiten neben Wickis "Die Brücke". Dagegen verblassen Werke wie "Die durch die Hölle gehen" mit Robert DeNiro; aber der Streifen wurde ja auch schon von Peter Scholl-Latour zurecht verrissen.

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Dr.Gnaa 14.07.2019, 10:18
2. Einatmen

"Eine Karte von Vietnam hin in meiner Wohnung in Saigin an er Wand, und wenn ich manchmal abends spät in die Stadt zurückkam,....."
Den Film und dann das Buch "dispatches" von Michael Herr, das den Film bestimmt beeinflußt hat.

Wer jetzt Krieg immer noch toll findet, dem ist nicht nicht mehr zu helfen.

"Wie kannst Du Kinder und Frauen erschiessen?", wurden GIs von Journalisten gefragt.

"Is doch klar Mann, pumpst se nich so voll".

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Papazaca 14.07.2019, 10:22
3. Ging "Das Herz der Finsternis" im Eifer des Gefechtes verloren?

Interessant an dem interview sind formale und inhaltliche Aspekte, aber auch die Fragen des Ablaufs: Der chaotische Ablauf des Films, Brandos Übergewicht, ein überzeugender Schluss und natürlich die Finanzierung sowie der Schnitt.

Interessant ist die Amerikanisierung eines Romanes, der eigentlich im belgischen Congo spielt und die Grauen des Kolonialismus thematisiert. Dazu kommt die verrückte, teuflische, ja fast surreale Figur des Stationsleiter Kurtz, hier Marlon Brando.

Der Film ist außerordentlich, aber hat sich von dem vielleicht afrikanischsten aller Bücher weit entfernt. Das hat auch sehr viel Reiz, wie in den Surfszenen und war natürlich für ein Kinopublikum in den USA spektakulär. Denn es war der Krieg der USA in Vietnam und nicht der für einen US-Amerikaner eher schwer nachvollziehende grausame Kolonialismus des belgischen König im Congo.

Leider ist dadurch viel von der ursprünglichen Idee des Buches verloren gegangen. Geblieben ist der verrückte, grausame Kurtz, von Brando genial gespielt.

Es ist trotz der "Amerikanisierung" der Originalstory (Josef Conrads Herz der Finsternis) ein großartiger Film. Um Ihn besser zu verstehen sollte man aber auch Conrads Meisterwerk, Das Herz der Finsternis lesen. Danach weiß man, dass das Herz der Finsternis der Kolonialismus war und ist. Und Vietnam liegt nicht in Afrika sondern ist ein Kapitel in der Geschichte der USA.

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alexdsmith 14.07.2019, 10:29
4. Großartiger Film

Sehe ihn immer wieder gerne.

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Neustädter_02 14.07.2019, 10:30
5. Ach ja...?

Zitat von panzerknacker 51
Ich habe alle auf dem Markt verfügbaren Versionen als Konserve. Auch diese werde ich mir besorgen. Meiner Meinung nach der beste (Anti)kriegsfilm aller Zeiten neben Wickis "Die Brücke". Dagegen verblassen Werke wie "Die durch die Hölle gehen" mit Robert DeNiro; aber der Streifen wurde ja auch schon von Peter Scholl-Latour zurecht verrissen.
Mir hat vor Jahren ein Vietnam-Veteran erzählt, dass für ihn "Deer Hunter" der Film sei, der die Atmosphäre in Vietnam am besten wiedergebe. Aber gegen eine Autorität wie Scholl-Latour wird so ein kleiner Sergeant natürlich nicht ankommen.

Im anderen Punkt gebe ich Ihnen aber Recht: "Apokalypse Now" ist großartig, sogar in der Langfassung von fast 3 1/2 Stunden.

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Rossi-LSD 14.07.2019, 10:30
6. Werbung vor den Trailer

Das ist schon eine klasse Fügung, dass vor dem Trailer die Werbung einer friesischen Biermarke läuft und die Surfer gerade mit dem Surfbrett aus dem Meer in die Dünen laufen. Hatte doch anfangs glatt gedacht, dass Francis extra noch Robert Duvall in einen Neopren Anzug gesteckt hat und die Szene neu gedreht wurde. So unpassend ist der Strand in Friesland aber gar nicht. Da könnte für einer Fortsetzung die Filmförderung Niedersachsen doch mal mit Francis Kontakt aufnehmen. Apocalypse Now im Wattenmeer. Die Boote der Angreifer liegen bei Ebbe verwundbar im Watt, die Nachschubtruppen rauschen im Tiefflug mit Hubschraubern an und zerschellen dann im Offshorewindpark, die Playboy Bunnies liegen in den Dünen in Strandkörben und das Finale findet dann hinter dem Deich im Moor statt.

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Hexavalentes Chrom 14.07.2019, 10:39
7. Via dolorosa americana

Die radikale Autonomie der Kunst, ihre Anarchie, ist es, die den Film letztlich zur perfekten Mimesis des Krieges macht. Es ist eben nicht die strenge Komposition von Full Metal Jacket - die dessen unerreichte Poiesis darstellt. Die Inspiration durch Conrad und Leopold II mit dem langsamen Einsinken in Terror und Wahnsinn ist natürlich nicht erreichbar - aber Quelle genug für den Boulevard der Dämmerung, den eine Nation eingeschlagen hat und immer weiter geht: als eine via dolorosa americana. Am Vorabend des großen amerikanisch-persischen Krieges ein Menetekel. Oder auch nicht.

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Pela1961 14.07.2019, 11:01
8. Man kann

über diesen Film eigentlich gar nicht schreiben, ohne auch die geniale Anfangsszene und die Musik dazu zu erwähnen. Fand ich noch beeindruckender als die Surfer. Ich war damals knappe 18 Jahre alt, hatte mich gerade entschlossen, NICHT Soldat zu werden und wusste nach diesem Film noch besser, warum ich das getan hatte. Wir waren zu dritt im Kino und gingen danach schweigend durch die Stadt. Und einige Idioten lachten und machten blöde Witze über die Todesszene von Marlon Brando. Wir dachten damals schon - Idioten gibts halt immer und überall.

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Papazaca 14.07.2019, 11:24
9. Der historische Hintergrund von Buch und Film

Zwischen 1888-1906 wurden geschätzte 8-10 Millionen
Menschen im Congo direkt oder mittelbar umgebracht. Über diesen Völkermord - bekannt als Congo Gräuel- hat der Stanford-Professor Adam Hochschild ein ausgezeichnetes Buch geschrieben: "Schatten über dem Congo". Wer dieses Buch liest, hat Mühe zu glauben, was der Kolonialismus in der Welt, hier im Congo, angerichtet hat.

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