Forum: Kultur
Frauen in der Öffentlichkeit: Willkommen in der Antike!
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Eine männliche Macht, die keine weiblichen Stimmen ertragen kann: Der Fall "Ligue du LOL" zeigt, wie systematisch in unserer Kultur Frauen zum Schweigen gebracht werden. Wir sind nicht weiter als die alten Griechen.

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caliper 17.02.2019, 14:38
80.

Zitat von egghead7
In den USA scheint sich das gerade massiv zu verändern. Es ist also kein Naturzustand.
Gibt es Anzeichen dafür?
Gut wäre es. Dem was die US Amerikaner so vormachen folgen wir meistens mit kleiner Verzögerung. Interesse führt auch zu mehr Informationsaufnahme, im Idealfall über mehrere Kanäle und Medien und damit auch zu fundierterem Wahlverhalten. Ausserdem würde sich dann die Diskussion über Quoten erübrigen, wenn auch Frauen sich stärker einbringen.

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im_ernst_56 17.02.2019, 14:40
81.

Zitat von fördeanwohner
Warum hat das ungeborene Leben VORRANG? Das erschließt sich mir immer noch nicht. Und wer darf das entscheiden? Weshalb sollen Fremde darüber entscheiden dürfen, was ein vernunftbegabter Mensch mit seinem Körper tut? Weshalb sollen Frauen das nicht tun dürfen? Als Mann kann man das einfach nicht entscheiden, finde ich. Der Kompromiss ist doch, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr abtrieben dürfen. Das finde ich absolut fair. Und da sind auch wieder beim Ausgangsthema: Männer entscheiden seit Jahrtausenden über Frauen.
"Der Kompromiss ist doch, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr abtrieben dürfen. Das finde ich absolut fair."

Diese Rechtslage bestand in der DDR. Die Übernahme in gesamtdeutsches Recht (§ 218a Abs. 1 StGB alter Fassung) wurde durch das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 28.05.1993 (BSGE 88, 203) für verfassungswidrig erklärt. Herausgekommen ist dann die Beratungslösung. In der Entscheidung hat das BVerfG die Schutzpflicht des Staates zugunsten des ungeborenen Lebens (das für das BVerG kein "Zellhaufen" ist) betont und die Grundsätze einer Beratungslösung festgelegt. Wenn Sie die Urteilsbegründung interessiert, Sie finden sie an verschiedenen Stellen im Internet.

Ihrer Vorstellung, die Entscheidung der Frau, das Kind auszutragen oder nicht, gehe den Mann, der das Kind gezeugt hat, überhaupt nichts an, teile ich nicht. Es soll Männer geben, die gerne Vater werden möchten. Bisher können Männer nicht schwanger werden.

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ghp2 17.02.2019, 15:58
82.

Das was die Ligue du LOL da hingelegt hat hätte ich mir schlicht nicht vorstellen können - zumindest nicht bei halbwegs intelligenten und gebildeten Männern, wovon ich mal ausgehe.
Und eher jung sind sie ja auch noch. Wenn ein alter Mann da einfach nicht mitgekommen ist dann habe ich da ja noch ein gewisses Verständnis oder wenn jemand der Verblödung nahe ist.

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vera gehlkiel 17.02.2019, 16:12
83.

Zitat von im_ernst_56
Juristisch unterscheidet man beim Schwangerschaftsabbruch zwischen der medizinischen Indikation (Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Frau), der kriminologischen Indikation (die Schwangerschaft wurde durch eine Vergewaltigung herbei geführt) und der sozialen Indikation (das Kind passt nicht in die Lebensplanung oder Lebenssituation der Frau). Im letzteren Fall ist eine Schwangerschaftsabbruch nur nach einer Beratung zulässig. Statistisch erfolgen über 90% der Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratung, fallen also unter die soziale Indikation. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 28.05.1993 (BSGE 88, 203) die Verpflichtung des Staates zum Schutz des ungeborenen Lebens betont und damit die Übernahme der reinen Fristenlösung, die es in DDR gegeben hatte, als grundgesetzwidrig verworfen. Die Entscheidung ist, wie die Diskussion um das Werbeverbot (§ 219a StGB) zeigt, allenthalben in Vergessenheit geraten.
Ich bin vollinhaltlich für den Schutz des ungeborenen Lebens, verstehe aber überhaupt nicht, wieso das, bei von der Frau als autonome Entscheidung so gewollten Schwangerschaftsabbruechen, eine die Freiheit der Gesundheitsfuersorge der Frau tangierende Beratungspflicht auslöst, während bei der In-Vitro-Fertilisation regelmäßig "ueberzaehlige Zellhaufen" produziert und abgetrieben werden dürfen. Ein Verfahren, für das übrigens fleißig geworben werden darf, was das Zeug hält. Hat wahrscheinlich ein Mann erfunden, daran wird es liegen.

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fördeanwohner 17.02.2019, 17:32
84. -

Zitat von im_ernst_56
"Der Kompromiss ist doch, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr abtrieben dürfen. Das finde ich absolut fair." Diese Rechtslage bestand in der DDR. Die Übernahme in gesamtdeutsches Recht (§ 218a Abs. 1 StGB alter Fassung) wurde durch das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 28.05.1993 (BSGE 88, 203) für verfassungswidrig erklärt. Herausgekommen ist dann die Beratungslösung. In der Entscheidung hat das BVerfG die Schutzpflicht des Staates zugunsten des ungeborenen Lebens (das für das BVerG kein "Zellhaufen" ist) betont und die Grundsätze einer Beratungslösung festgelegt. Wenn Sie die Urteilsbegründung interessiert, Sie finden sie an verschiedenen Stellen im Internet. Ihrer Vorstellung, die Entscheidung der Frau, das Kind auszutragen oder nicht, gehe den Mann, der das Kind gezeugt hat, überhaupt nichts an, teile ich nicht. Es soll Männer geben, die gerne Vater werden möchten. Bisher können Männer nicht schwanger werden.
Dass man sich beraten lassen muss, schließt aber die Fristenlösung nicht aus. Die besteht ja de facto immer noch. Und eine Beratung schadet nicht, weil jede betroffene Frau sich noch einmal mit den Konsequenzen auseinandersetzen kann.
Was nun Männer, die gern Väter werden wollen, angeht, muss ich sagen, dass das keine Rolle spielen darf. Frauen würden gegen ihren Willen zu Brutgefäßen gemacht. Stellen Sie sich das einfach mal vor! Sie müssten sich einer Prozedur unterziehen, die Sie nicht wollen, nur weil jemand anderes das so will.
Es gibt übrigens Menschen (Frauen und Männer), die keinen Nachwuchs produzieren können. Die könnten dann ja ... Eben, sie können nur adoptieren.
Und Männer, die gern Vater werden wollen, haben Möglichkeiten trotz Abtreibungen. Das Problem ist wohl eher, dass Mann dann unbedingt von der einen das Kind will. Das hat dann aber tatsächlich nichts mit "Vater-werden-wollen" zu tun, sondern damit, Macht über diese bestimmte Frau zu haben.
Nichts für ungut, aber die Kompromisslösungen, die es gibt, sind für alle Seiten fair.

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faz-leser 17.02.2019, 17:35
85. Eben!

Zitat von fördeanwohner
Warum hat das ungeborene Leben VORRANG? Das erschließt sich mir immer noch nicht. Und wer darf das entscheiden? Weshalb sollen Fremde darüber entscheiden dürfen, was ein vernunftbegabter Mensch mit seinem Körper tut? Weshalb sollen Frauen das nicht tun dürfen? Als Mann kann man das einfach nicht entscheiden, finde ich. Der Kompromiss ist doch, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr abtrieben dürfen. Das finde ich absolut fair. Und da sind auch wieder beim Ausgangsthema: Männer entscheiden seit Jahrtausenden über Frauen.
Sehen Sie, da schließt sich der Kreis. Sie selbst weisen doch darauf hin, dass es derzeit einen Kompromiss gibt, der selbstverständlich von Männern und Frauen gemeinsam erarbeitet wurde. Die Autorin dieses Beitrages ist aber offenbar der Ansicht, dass Männer nicht einmal dazu berechtigt sein sollen, an der Erarbeitung von derlei Kompromissen mitzuwirken. Warum sollte das so sein? Übrigens: Wenn meine Frau morgen erneut schwanger würde, ginge es mich sehr wohl etwas an, ob wir noch ein weiteres Kind bekommen oder nicht. Auch ein werdender Vater hat legitime Interessen. Ein Hinweis noch: unsere Rechtslage sieht derzeit nicht eine reine Fristenlösung, sondern eine Beratungslösung in Verbindung mit einer Fristenlösung vor.

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im_ernst_56 17.02.2019, 17:39
86.

Zitat von vera gehlkiel
Wenn Zumutbarkeit und Verfahrenssicherheit das Kriterium sind: ich finde es absolut zumutbar, dass jeder Deutsche Mann eine Niere spendet. Das reduziert den Leidensdruck von unendlich vielen Dialysepatienten und verbessert deren Überlebensratings massiv. Niemand stirbt am Nierenspenden, der Eingriff ist ein Witz und nicht mal, wie eine Schwangerschaft lebenslang, für länger als einen Monat prägend im Lebensweg. Finden Sie gar nicht prickelnd? Dann sind Sie für mich so egoistisch wie es die gefürchteten Kapos in Auschwitz waren! Ich glaube, wir müssen Sie mal am Arbeitsplatz aufmischen, wie es u.a. der Gynaekologin Haenel fortgesetzt und zu Recht geschieht, damit sie was kapieren.
Was für ein unsinniger Vergleich. Selbst wenn man die Meinung des Mitforisten faz-leser, dass eine unbedingte Verpflichtung zum Austragen des Kindes bestehen sollte, sofern keine medizinische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch besteht (was, wie jeder halbwegs informierte Leser - ich empfehle insoweit die Kolumne von Thomas Fischer- weiss, rechtlich nicht der Fall ist) für völlig abwegig hält, was hat das mit einer Verpflichtung, einen Körperteil, von dem die Natur aus bestimmten Gründen zwei geschaffen hat, zu Lebzeiten zu spenden, zu tun? Und was hat das mit den Kapos in Auschwitz zu tun? Und warum wollen Sie den Mitforisten am Arbeitsplatz "aufmischen"? Warum fällt es Ihnen so schwer, zu diesem Thema eine halbwegs sachliche Erwiderung zu verfassen?

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LauchJ 17.02.2019, 17:46
87.

Zitat von fördeanwohner
Warum hat das ungeborene Leben VORRANG? Das erschließt sich mir immer noch nicht. Und wer darf das entscheiden? Weshalb sollen Fremde darüber entscheiden dürfen, was ein vernunftbegabter Mensch mit seinem Körper tut? Weshalb sollen Frauen das nicht tun dürfen? Als Mann kann man das einfach nicht entscheiden, finde ich. Der Kompromiss ist doch, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr abtrieben dürfen. Das finde ich absolut fair. Und da sind auch wieder beim Ausgangsthema: Männer entscheiden seit Jahrtausenden über Frauen.
"Warum hat das ungeborene Leben Vorrang?" Gegenfrage: Inwiefern ist ein ungeborenes Leben für sie weniger Wert? Beispiel: Ein Hirntoter liegt im Krankenhaus, Sie wissen allerdings, dass er in 9 Monaten wieder Hirnaktivitäten haben wird/ gesund wird. Schalten Sie die Geräte trotzdem ab? Schließlich ist er ja momentan Hirntot, er hat nur das Potenzial dazu, es nicht mehr zu sein; denken Sie, Sie haben das Recht dazu ihn deshalb umzubringen? Bei einem Ungeborenen ist das nichts anderes.
"Als Mann kann man das einfach nicht entscheiden, finde ich. " Warum? Weil er dem anderen Geschlecht angehört? Wenn man dieser perfiden Logik folgt, warum wundert man sich dann noch über Begriffe wie "totalitärer Feminismus"?

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LauchJ 17.02.2019, 18:03
88.

Zitat von egghead7
- Die Entgleisung einer Gruppe sind gleich das Problem einer gesamten männlichen Gesellschaft. Unterm Strich sind es halt schon nicht wirklich wenige - die einen entgleisen auf Twitter, die anderen im realen Leben mit verbalen (z.b. im Arbeitsleben), andere wieder mit sexuellen bzw. gewalttätigen Übergriffen. Der gefühlte Rest scheint Sympathien für diese eher miesen Geschlechtsgenossen zu haben - in jedem Fall aber anscheinend nie mit den Frauen, die bei diesen Übergriffen zu Opfern werden. Natürlich sind das nicht alle Männer - und ich freue mich jedes Mal sehr, wenn eine männliche Stimme da etwas differenzierter, intelligenter, maßhaltender und vernünftiger reagiert. Aber es scheinen wirklich gar nicht so viele zu sein. Und das ist schon gruslig!
Ist das eine Darstellung ihrer individuellen Gefühle oder tatsächliche Fakten? Die Gruppe hatte 35 Mitglieder. Was genau empfinden Sie als "gruselig"? Nur weil häufig über #Metoo & wie Sie sagen "miese Geschlechtsgenossen" berichtet wird, muss das nichts mit der Realität zu tun haben. Hat es auch nicht. Es gibt weniger Belästigungen, weniger Vergewaltigungen & mehr Rechte für Frauen, als je zu vor. Wussten Sie das Nachrichten bevorzugt negative Themen behandeln, damit der im Wohlstand lebende, europäische Mensch sich aus seiner Unterhaltungsblase heraus so richtig "gruseln" kann und dort Bedrohungen sieht wo keine sind, nur damit für einen Moment die wohlgefütterte Langeweile verfliegt?
Bei aller Aufregung, bleiben Sie sachlich.

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Eddi Blanca 17.02.2019, 18:12
89. Ligue du LOL ist auch ein Echo auf den aggressiven Feminismus

Es ist natürlich richtig Mobbing und gezielte Attacken gegen einzelne Personen in sozialen Netzwerken zu verurteilen aber es überrascht mich auch gar nicht, dass so etwas wie Ligue du LOL entstanden ist: dies ist auch ein Echo auf den aggressiven Feminismus und Männerhass, der sich seit einigen Jahren in den sozialen Netzwerken breit macht. Mein Eindruck ist, dass in den sozialen Netzwerken bei #Metoo und Ähnlichem eher Frauen bzw. Feministen jagt auf Männer machen, als umgekehrt.

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