Forum: Kultur
Frauenverachtung im Theater : Alles doch ganz geil?
Arno Declair

Eine Vergewaltigte, die zur Sexpuppe wird: Anke Dürr hat im Theater schon zugeschaut, wenn Künstler sich in den Mund pinkelten und Väter ihre Tochter verkauften. Inszenierungen von Sebastian Hartmann besucht sie aber nicht mehr.

Seite 1 von 2
mirrorlady 23.06.2018, 16:41
1. die Pornographisierung des Theaters

...ist schon seit Jahren auf dem Vormarsch und man fragt sich, was solche Inszenierungen eigentlich bewirken sollen. Für mich ist das ein Armutszeugnis der Theatermachenden, da sie offensichtlich mit Worten und Ausdruck allein keine Zuschauer mehr ins Theater locken können. Getreu der Erkenntnis : Sex sells - werden immer abstrusere Inszenierungen gezeigt, die die voyeuristischen Gelüste und die abgründigsten Emotionen der Zuschauer ansprechen und befriedigen sollen. Welcher Kulturbegriff steht eigentlich dahinter? Selten wird der Theaterbesucher über die Motive und Metaphern des Gezeigten aufgeklärt, man sieht sich oft ratlos dem Schauspiel gegenüber und geht mit einem schalen Geschmack wieder nach Hause. Ich will mir nicht im Theater einen Mix aus Pornographie, Körperausscheidungen und ekelerregenden Szenen ansehen müssen. Für mich ist immer noch das gesprochene Wort das eigentliche Mittel der Theaterkunst, das lediglich durch Mimik und Gestik unterstützt wird, um die jeweilige Botschaft dem Zuschauer zu vermitteln
Ich kann der Autorin des Artikels nur beipflichten - mich widern solche Inszenierungen genauso an und ich habe mich schon vor Jahren von meinem Theater-Abo getrennt und bevorzuge heute die kleinen Theater wie z.B. das momentan stattfindende Shakespeare-Festival in Neuß. Auf die sog. "großen Regisseure" kann ich gut verzichten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mucschwabe 23.06.2018, 16:51
2.

Es scheint ja bekannt zu sein, wie der Regisseur so tickt. Warum engagiert man ausgerechnet ihn für das Stück und ist hinterher erstaunt, wenn es schief geht? Versteh das nicht. Löw stellt ja auch nicht Neuer in die Spitze und Gomez ins Tor! Bei dem Theaterstück ist es wohl wirklich sehr schade, da der Text und das Thema ja sehr gut und wichtig zu sein scheint. Ich finde es mittlerweile eher kitschig und peinlich, wenn Schauspieler nackt auftreten müssen. Das war vielleicht in den 70gern innovativ und neu - 2018 wirkt es albern und unnötig. Und den Faust mit seiner schönen Sprache ohne Text aufzuführen! Himmel hilf! Was für eine Arroganz!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tanjas 23.06.2018, 17:42
3. Regie-Egozentrik

Ich finde ja, dass Regisseure, die noch immer mit solchen Mitteln arbeiten, die in den 80-er Jahrenschon ausgelutscht wurden, sich selbst ein Armutszeugnis ausstellen. Sex, dessen Organe, und auch Exkremente sind doch ein ausgelutschtes Stilelement. Wenn soll das noch verstören oder beeindrucken - In Zeiten in denen der Realität in ihrer Surrealität und Tragik die Tageschau täglich ihr Momentum verleiht.? Als wie stehengeblieben kann man sich denn da als Regisseur präsentieren wollen? Das ist doch nur ein sich drehen und drehen im Kreise und Safte der eigenen Belang- und Einfallslosigkeit, gerne aber natürlich staatlich finanziert. Wirklich schade ist nur, dass man denen, die wirklich was zu sagen haben, nämlich den Autoren, die Worte nimmt und die ersetzt durch möglichst laute Hirnfürze von unfähigen Regisseuren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
theodoricus_lindauer 23.06.2018, 17:51
4. Besten dank für diesen Artikel,

Dieses hat nicht mit Kunst zu tun es ist vielmehr so, dass der Regisseur ein Trauma den Zuschauern einprogrammiert. Alle betroffenen, die als Kinder sexuell benutzt werden, wird vor Augen geführt wie ohmmächtigt sie sind. Die anderen werden programmiert, in dem eine Nackte Frau über die Bühne läuft. Somit wird ein Bild eingepflanzt, dass man bei Kindersex an nackte Frauen denken muss.

Dieser Regisseur gehört entlassen zu werden. Es hat nichts mit Kunst zu tun, sondern er benutzt das Theater um das Publikum zu traumatisieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Jamesteakirk 23.06.2018, 17:58
5. Modernes Theater

Wer das moderne Theater ernst nimmt, ist selbst schuld. Die Regisseure, Schauspieler und Autoren reinszenieren unbewußt im Theater traumatische Kindheitserfahrungenn von Gewalt und emotionalem Mißbrauch. Das ist nicht nur in diesem Stück so. Auch Marina Abramowitschs "Kunst" funktioniert so. Viel wichtiger wäre mal ein kritischer Artikel über den Abwehrcharakter von Kunst überhaupt, auch Literatur.

Es ist übrigens das gute Recht von Hartmann, das Stück zu verfremden. Er ist ja nicht der Therapeut der realen Frau, auf deren Aussagen das Stück basiert. Hier wird eine Verantwortung suggeriert, die so nicht vorhanden ist. Warum verteidigt diese reale Frau mit diesem Text die "Hoheit über ihr Leben"? Der Text ist von einem Autor. Er hat die Aussagen verwendet. Die Frau muß wissen, was sie tut, und außerdem ist es für sie bestimmt nicht entscheidend, daß ihre Erfahrungen nun korrekt im Theater laufen, sondern daß sie selbst diese Erfahrungen gegenüber sich selbst offen ausgesprochen hat. Hier wird meines Erachtens eine medial opportune Opferposition der Frau zelebriert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Koana 23.06.2018, 18:27
6. Günstige Peep Show......

.... dazu hoch subventioniert - das ist doch was. Schauspieler tun alles, solange sie dafür Gage bekommen.
Auch andere Menschen tun alles, solange der Sold passt.
Man soll nicht verallgemeinern? Ok, 1% ist anders.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BettyB. 23.06.2018, 18:41
7. Großartig!

Wenn es denn in Deutschland einen Preis für die beste Kritik geben sollte, Anke Dürr sollte ihn wohl bekommen. Und wenn es keine gibt, sollte jemand solch einen gut dotierten Preis stiften.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
der_rookie 23.06.2018, 19:20
8. Hm

Ernst gemeinte Frage: Gibt es eigentlich überführte Vergewaltiger die nach der Festnahme angeben, dass sie sich von Verwaltigungsdarstellungen inspirieren ließen? (Bei Amokläufern heißt es ja immer wieder, dass diese gewalttätige Computerspiele gespielt hätten)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stephan schad 23.06.2018, 19:31
9. Liebe Anke Dürr

das ist ein guter Artikel!

Stephan Schad, (Schauspieler)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2