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Fünf Jahre Holocaust-Mahnmal: Fiddeln und jiddeln am Stelenfeld

Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.

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gloton7 05.05.2010, 11:49
1. Warum wird Auschwitz nicht restauriert?

Zitat von sysop
Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.
Anstatt ein Denkmal in Berlin aufzubauen wird zugeschaut, wie das existierende Denkmal zusammenfällt. Deutschland hätte sich glaubwürdiger verhalten können. So wird der Anschein möglich, sich in Geschichtsritualisierung anstelle in Aufarbeitung und Aussöhnung zu üben. Etwas mehr Demut hätte sichtbar werden können.

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dr_tone 05.05.2010, 12:15
2. Die Denkmäler haben versagt!

Man kann ja von dem Mahnmal halten was man will; ich finde die Stoplerstein-Aktion, d.i. die Dezentralisierung und Allgegenwärtigmachug einen besseren Ansatz. Aber nun ist es einmal da, das Stelenfeld und es wieder abzureissen, nunja, das ist bei der Symbolik praktisch undenkbar. Wafür also streitet HM Broder? Gut, dass er Lea Rosh ans Mieder gehen will, merke ich schon, aberich frage ja auch: Wofür will er streiten?

Wer liest, der findet; dafür streitet er: "Denn es hat nichts, überhaupt nichts mit der Gegenwart der Bundesrepublik zu tun. Es stellt keine Verbindung zwischen dem Gestern und dem Morgen her, es zelebriert den Holocaust als ein einzigartiges Ereignis, ohne auch nur anzudeuten, dass sich das Ereignis wiederholen könnte (...)
Während die Ermordeten "geehrt" werden, machen deutsche Firmen weiter Geschäfte mit Iran (...)"

Und das soll ein Denkmal verhindern helfen? Wie gesagt, man kann von dem Ding ja halten, was man will; Aber dass uns ein Denkmal das politische Handeln abnehmen wird, wie albern ist das denn? Man kann das ja gern fortspinnen. Machen wir den Mahnmalen gegen den Faschismus ruhig die Neonazis zum Vorwurf. Den Friedhöfen und Obelisken vom ersten Weltkriegs den wieder aufkeimenden Militarismus. Eigentlich ist das praktisch. Haben wir einen Schuldigen: Die Denkmäler haben versagt! Und Politk ist ja die Kunst des Schuldigenfindens. Et voila!

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sysiphus 05.05.2010, 12:27
3. knapp

Das war knapp.
Beinahe wäre ich von Herrn Broder bitter enttäuscht worden. Ich dachte schon, diesmal er kriegt die Kurve nicht mehr. Aber dann, im 13. Absatz, endlich - die allzeit fällige Hetze gegen den Iran.
Danke Herr Broder.

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mavoe 05.05.2010, 12:36
4. Titel

Zitat von sysop
Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.
Ich habe schon mit einigen Juden gesprochen, und denen ist das Ding meistens sch*ßegal, sagten sie. Wenigstens können Kinder dort prima verstecken spielen.

Die Stolpersteinaktion, mittlerweise Deutschlandweit, hilft da meiner Ansicht nach mehr der Erinnerung.

mfg

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frubi 05.05.2010, 12:44
5. .

Zitat von sysop
Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.
Mich interessieren solche Dinge nicht. Ich habe meine persönliche Einstellung zur zeithistorischen Verantwortung. Was hat die heutige Generation mit damals zu tun? Die Aufarbeitung ist in den meisten Fällen gelungen sonst hätten wir heute eine wesentlich höhere Anzahl an Rechtsradikalen. Aus den meisten Deutschen sind gute Menschen geworden. Diese muss man nun nicht alle 5 Minuten an die Taten ihrer Großväter erinnern.

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Ammoudia 05.05.2010, 12:45
6. Was falsch verstanden, Herr Broder?

Obwohl ich die Beiträge von Herrn Broder bisher sehr schätzte, hat er hier wohl etwas nicht verstanden.

Das Denkmal löst durchaus nachhaltige Erschütterung aus.
Wenn man in das Steelenfeld hineingeht, kann man deutlich spüren, wir die gnadenlose Struktur eines geordneten Systems von einem Besitz ergreift. Die Ordnung der Steelen bestimmt die Wege, am Anfang wenig und noch überwindbar, zum Schluss dominiert die Struktur, man ist gefangen und kann seine Wege nicht mehr bestimmen.
Ich meine, der Bezug zur Funktion des Nazi System -und damit seine mögliche frühe Verhinderung- wird hier ganz deutlich und wirkt für empfindsame Menschen auch über die nächste Curry Wurst hinaus.

Das Denkmal ist für mich einer der ganz wenigen Gründe, auf Deutschland stolz zu sein. Nur wir Deutschen haben es bisher fertig gebracht, an zentraler Stelle an die Sünden der Vergangenheit zu erinnern.
Man stelle sich mal ein Denkmal zum Gedenken an die Vernichtung der Indianer in Washington vor dem Regierungsgebäude vor...

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Hedwig_Paschulke 05.05.2010, 12:49
7. Schmerzhafte Wunde.

Dieses optisch wenig ansprechende Denkmal inmitten der Hauptstadt der Täter erfüllt seinen Zweck mehr als beabsichtigt. Diese "Steine des Anstoßes" werden für lange Zeit eine Wunde zwischen preussischer Herrlichkeit und neuer Geschäftigkeit markieren, die durch keinen altmodernen (Banken-)Prachtbau mehr geschlossen werden kann.Bleibt nur zu hoffen, daß die Verantwortlichen sich nicht dazu hinreißen lassen, dieses Schandmal der Deutschen übermäßig zu begrünen oder ihm beispielsweise einen prachtvollen Glasbau (passend zum Zeigeist) überzustülpen.
Jeder Versuch eines weihevollen Gedenkrituals gerät hier zur Farce. Und das ist gut so !

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mohr&broderfan 05.05.2010, 12:52
8. Worum ging es Broder?

Nun, im Zweifel darum, daran zu erinnern, daß ("sich selbst") zu feiern im Stelenfeld/Mahnmal, wenn man denn selbst ernst nimmt, was man bei Initiierung alles beabsichtigt hatte, doch etwas makaber ist...
Darüberhinaus ist der wichtige Hinweis entscheidend, daß vor allem die heute lebenden Juden unserer Solidarität und unseres "Gedenkens" (im Sinne von "an jemanden Denken") bedürfen.

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superdoc 05.05.2010, 13:11
9. Gigantomanie wider das Vergessen? Hilft auch nicht.

Die wenigsten Monumente taugen dazu, das Grauen des Krieges und die Verbrechen des Nazi-Regimes für nachgewachsene Generationen wirklich greifbar zu machen.

Das schafft das Mahnmal der Frauengruppe der evangelischen Gemeinde Grunewald ebenso wenig wie das Mahnmal des Bezirks an der Rampe zum Güterbahnhof oder das Mahnmal „Gleis 17“ der Deutschen Bahn AG. Und die 2711 (bitte um Verzeihung) "Dominosteine" von Herrn Eisenmann schon mal gar nicht.

Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich mit der Linie 7 vom Bahnhof Grunewald aus in die Stadt fahren wollte und sähe plötzlich neben dem Bahnhofgebäude einen alten Güterwagen der Reichsbahn stehen, mit weit geöffneter Tür, dann kommen mir schon allein bei dem Gedanken die Tränen.

Manchmal ist eben weniger tatsächlich mehr.

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