Forum: Kultur
Fünf Jahre Holocaust-Mahnmal: Fiddeln und jiddeln am Stelenfeld

Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.

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mavoe 05.05.2010, 13:23
10. Ja

Zitat von superdoc
Die wenigsten Monumente taugen dazu, das Grauen des Krieges und die Verbrechen des Nazi-Regimes für nachgewachsene Generationen wirklich greifbar zu machen. Das schafft das Mahnmal der Frauengruppe der evangelischen Gemeinde Grunewald ebenso wenig wie das Mahnmal des Bezirks an der Rampe zum Güterbahnhof oder das Mahnmal „Gleis 17“ der Deutschen Bahn AG. Und die 2711 (bitte um Verzeihung) "Dominosteine" von Herrn Eisenmann schon mal gar nicht. Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich mit der Linie 7 vom Bahnhof Grunewald aus in die Stadt fahren wollte und sähe plötzlich neben dem Bahnhofgebäude einen alten Güterwagen der Reichsbahn stehen, mit weit geöffneter Tür, dann kommen mir schon allein bei dem Gedanken die Tränen. Manchmal ist eben weniger tatsächlich mehr.
Der Film "Schindlers Liste" sollte Pflichtprogramm für alle Schüler in .de und .at sein. Das reicht eigentlich schon.

Gruß aus Berlin-Mitte

P.S. "Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich mit der Linie 7 vom Bahnhof Grunewald aus in die Stadt fahren wollte und sähe plötzlich neben dem Bahnhofgebäude einen alten Güterwagen der Reichsbahn stehen, mit weit geöffneter Tür, dann kommen mir schon allein bei dem Gedanken die Tränen."

Hat die Bahn nicht schonmal zumindest versucht zu verhindern, dass eine Wanderaustellung zu diesem Thema auf deutschen Bahnhöfen gezeigt werden soll?

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superdoc 05.05.2010, 13:40
11. Deckel drauf und fertig...

Zitat von mavoe
Hat die Bahn nicht schonmal zumindest versucht zu verhindern, dass eine Wanderaustellung zu diesem Thema auf deutschen Bahnhöfen gezeigt werden soll?
Das hat sie in der Tat. Es gibt eben "Logistikleistungen", mit denen man lieber nicht angibt. Und genau aus dem Grund wird es die von mir angeregte Art des Gedenkens wohl weder in Grunewald, noch an einem der anderen deutschen Bahnhöfe geben, von denen aus die Todeszüge rollten.

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A.D.H. 05.05.2010, 13:44
12. Deutschland zahlt

Zitat von gloton7
Anstatt ein Denkmal in Berlin aufzubauen wird zugeschaut, wie das existierende Denkmal zusammenfällt [Auschwitz]. Deutschland hätte sich glaubwürdiger verhalten können. So wird der Anschein möglich, sich in Geschichtsritualisierung anstelle in Aufarbeitung und Aussöhnung zu üben. Etwas mehr Demut hätte sichtbar werden können.
Sie irren sich. Deutschland hatte bereits vor wenigen Jahren mehrere Millionen Euro für den Erhalt von Auschwitz bereitgestellt. Zudem zahlte Deutschland 60 Mio. Euro an die ominöse"Auschwitzstiftung", die laut eigener Aussage 120 Mio. benötigt, ohne dass die Verantwortlichen der Stiftung bisher erklärt haben, wozu sie dermaßen viel Geld benötigen, geschweige denn, wozu das Geld bisher verwendet wurde.

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A.D.H. 05.05.2010, 13:48
13. Bayern, Keimzelle des Nationasozialismus

Zitat von mavoe
Die Stolpersteinaktion, mittlerweise Deutschlandweit, hilft da meiner Ansicht nach mehr der Erinnerung.
Finde ich auch, doch während Hamburg und Berlin mittlerweile regelerecht zugepflastert wurden (des Guten zuviel), weigert sich die "Hauptstadt der Bewegung", aka München, bisher notorisch Stolpersteine zu installieren.

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suum.cuique 05.05.2010, 14:21
14. warum nur in de und at?

Zitat von mavoe
Der Film "Schindlers Liste" sollte Pflichtprogramm für alle Schüler in .de und .at sein. Das reicht eigentlich schon.
Ich denke mal, in .de und .at hat man seine Lektion gelernt.
Nirgends auf der Welt ist man gegen Rassenwahn und Voelkermord etc. gefeit. Siehe Ruanda, Serbien/Bosnien, etc.
Wenn, dann sollte der Film weltweit in allen Schulen gezeigt werden. Nirgends auf der Welt ist das Gedenken an die ermodeten Juden besser geschuetzt als in .de und in .at
(§§ gegen Volksverhetzung, Gedenkenschutz, § 86 StGB, etc.)

Holocaustleugner werden in D gnadenlos bestraft waehrend sie in anderen Laendern ihre Meinung frei aeussern koennen, da es dort unter Meinungsfreiheit laeuft. Auch wenn es die Opfer beleidigt oder verhoehnt, etc.
In .de und .at hat man aus der Geschichte gelernt, in vielen anderen Laendern (noch) nicht.
Wenn man sieht, dass hinter dem Brenner Weinflaschen in Italien mit dem Antglitz von A.H. verkauft wird, dann kann man sich schon wundern, da man es .de nicht kennt. Aber dort wird halt anders mit der Geschichte umgegangen.

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Pinky42 05.05.2010, 16:22
15. In .de und .at hat man seine Lektion gelernt

Zitat von suum.cuique
Ich denke mal, in .de und .at hat man seine Lektion gelernt. Nirgends auf der Welt ist man gegen Rassenwahn und Voelkermord etc. gefeit. Siehe Ruanda, Serbien/Bosnien, etc. Nirgends auf der Welt ist das Gedenken an die ermodeten Juden besser geschuetzt als in .de und in .at (§§ gegen Volksverhetzung, Gedenkenschutz, § 86 StGB, etc.) Holocaustleugner werden in D gnadenlos bestraft waehrend sie in anderen Laendern ihre Meinung frei aeussern koennen, da es dort unter Meinungsfreiheit laeuft. Auch wenn es die Opfer beleidigt oder verhoehnt, etc. In .de und .at hat man aus der Geschichte gelernt, in vielen anderen Laendern nicht.
Danke für den Beitrag!!

Die Deutschen haben wie kein Volk ihre große Schuld auf sich genommen, diese Schuld verarbeitet und sich zu einem pluralistischen, freien, liberalen und antisemitischen Volk gewandelt. Dies wird ihnen von der ganzen Welt bescheinigt, mit Ausnahme von Herrn Broder – aber auf dessen Meinung kann man wirklich getrost verzichten.

Dazu noch ein Zitat von Martin Walser, der damals nahezu hingerichtet wurde für das, was er in der Paulskirche sagte. Dies kann man nun - nach einigen Jahren - doch mit etwas mehr Vernunft und Realismus lesen:

„In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande. Der Historiker Heinrich August Winkler nennt das "negativen Nationalismus". Daß der, auch wenn er sich tausendmal besser vorkommt, kein bißchen besser ist als sein Gegenteil, wage ich zu vermuten. Wahrscheinlich gibt es auch eine Banalität des Guten.“

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brux 05.05.2010, 16:51
16. Ach, Broder!

Broders Geschäftsmodell ist nun einmal so wie es ist: Ein bißchen jüdisch, ein bißchen deutsch, eine Prise polnisch. Das Ganze angerührt mit der urbanen Lockerheit, die man sich wohl auf den Strassen Berlins, New Yorks oder Tel Avivs aneignet. Aber immer auf der Gegenfahrbahn, weil sich konträre Ansichten besser lesen (und verkaufen).

Natürlich können es die Deutschen beim Thema Holocaust nie richtig machen. Verdrängung geht nicht, Erinnerung auch nicht, und pädagogische Hinweise auf ähnliche Unmenschlichkeiten gestern, heute oder morgen schon mal gar nicht. Diese Unmöglichkeit ist den Deutschen bewusst, dafür brauchen wir den Broder nicht. Was ist also der Nährwert dieser Auslassung?

Ich jedenfalls habe letztes Jahr an einem regnerischen Märzmorgen das Mahnmal durchstreift und fand die Grundidee des Künstlers bestätigt: Es macht leer im Kopf und lässt die Gedanken bezüglich des Verbrechens hinein. Es ist halt nicht jeder so abgebrüht wie unser Henryk.

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Quadrat10 05.05.2010, 18:17
17. Stolpersteine werden von der jüdischen Gemeine abgelehnt

Zitat von A.D.H.
Finde ich auch, doch während Hamburg und Berlin mittlerweile regelerecht zugepflastert wurden (des Guten zuviel), weigert sich die "Hauptstadt der Bewegung", aka München, bisher notorisch Stolpersteine zu installieren.

Sogenannte Stolpersteine werden von unterschiedlichen jüdischen Gemeinden und Organisationen abgelehnt, insbesondere auch von der Münchner jüdischen Gemeinde:

(Göttinger) Kultusgemeinde kritisiert Stolpersteine

http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/07/22/a0268

und München:

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, lehnte die Stolpersteine rundheraus ab. Sie fand den Gedanken schier unerträglich, dass man auf den Namen der Opfer herumtrete. Sie ging sogar soweit, die Befürworter der Erinnerungstafeln als "Gedenk-Täter" zu bezeichnen. Auch Oberbürgermeister Christian Ude war und ist gegen die Tafeln und ließ die Stolpersteine vom öffentlichen Gelände der Stadt München entfernen.

http://www.br-online.de/bayern2/kult...equestid=28066

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Quadrat10 05.05.2010, 18:36
18. Freudscher Versprecher ?

Zitat von Pinky42
... Die Deutschen haben wie kein Volk ihre große Schuld auf sich genommen, diese Schuld verarbeitet und sich zu einem pluralistischen, freien, liberalen und antisemitischen Volk gewandelt. Dies wird ihnen von der ganzen Welt bescheinigt, mit Ausnahme von Herrn Broder – aber auf dessen Meinung kann man wirklich getrost verzichten.
Also vorab, Sie meinten sicherlich "weltoffenenes" Volk, ich zumindest als deutscher Bürger bin NICHT antisemitisch. Ansonsten bitte nochmals Begriffe VOR dem tippen überprüfen, wikipedia leistet dazu gute Dienste:

http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitisch
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Ich glaube, Sie mißverstehen die Intention Broders - er kritisiert, daß es eben NICHT reicht zigtausende Gedenkstätten, Gedenksteine, Gedenktage, Gedenksonstwas zu errichten. Er plädiert dafür die Vertreter des deutschen Staates (Politik, Justiz, Verwaltung) an seinen aktuellen Handlungen und NICHT am Gedenkgedöns zu messen.

Zitat Broder:
...

Zitat von
Wahrscheinlich wäre auch der Kölner Staatsanwalt tief erschüttert, wenn er das Denkmal für die ermordeten Juden Europas besuchen würde. Wieder daheim in Kölle könnte er dann seinen Kollegen berichten, was er bei dem Besuch gelernt hat:

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toyotapur 05.05.2010, 20:22
19. Nichts anderes hat Broder damit sagen wollen

Zitat von Quadrat10
Ich glaube, Sie mißverstehen die Intention Broders - er kritisiert, daß es eben NICHT reicht zigtausende Gedenkstätten, Gedenksteine, Gedenktage, Gedenksonstwas zu errichten. Er plädiert dafür die Vertreter des deutschen Staates (Politik, Justiz, Verwaltung) an seinen aktuellen Handlungen und NICHT am Gedenkgedöns zu messen.
Du hast begriffen was Broder in seinem Artikel sagen wollte. Eigentlich kann seine Intention gar nicht missverstanden werden, wenn man nur wollte...

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