Forum: Kultur
Fünf Jahre Holocaust-Mahnmal: Fiddeln und jiddeln am Stelenfeld

Vor fünf Jahren wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet, jtzt feiern die Initiatoren eine große Berliner Touristenattraktion - und sich selbst. Dabei lösen die Stelen bei Besuchern bloß eine Erschütterung aus, die an der nächsten Currywurstbude schon wieder verdaut ist.

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dosmundos 05.05.2010, 23:08
20. Für und Wider...

Zitat von Quadrat10
Sogenannte Stolpersteine werden von unterschiedlichen jüdischen Gemeinden und Organisationen abgelehnt, insbesondere auch von der Münchner jüdischen Gemeinde: ...
Tja, das ist eben wie mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin. Man kann es einfach nie jedem recht machen.

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multi_io 06.05.2010, 05:41
21. Gefahr

Zitat von mavoe
Ich habe schon mit einigen Juden gesprochen, und denen ist das Ding meistens sch*ßegal, sagten sie. Wenigstens können Kinder dort prima verstecken spielen.
Klingt nicht ungefährlich. Versteckspielen ist das eine, aber mit etwas Pech werden Kinder auf die Betonblöcke draufklettern und darauf herumhopsen. Wenn dann jemand abrutscht und mit dem Hals/Hinterkopf/Rücken auf eine Betonkante knallt, dann hat der Holocaust noch ein weiteres Opfer gefordert.

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machorka-muff 06.05.2010, 16:58
22. aug um aug, zahn um zahn?

Zitat von Henryk Broder
"Es zentralisiert das Gedenken und zieht einen tonnenschweren Schlussstrich unter die Erinnerung. Es dient der kollektiven Entlastung, nicht der individuellen Gewissensprüfung. Denn es hat nichts, überhaupt nichts mit der Gegenwart der Bundesrepublik zu tun. Es stellt keine Verbindung zwischen dem Gestern und dem Morgen her, es zelebriert den Holocaust als ein einzigartiges Ereignis, ohne auch nur anzudeuten, dass sich das Ereignis wiederholen könnte - woanders und unter anderen Voraussetzungen."
wenn broder sich selbst zur speerspitze des aktuellen muslim bashing macht wie soll ich das dann lesen?
entweder man zählt sich zur aufklärung und ihren werten oder man hetzt gegen leute anderen glaubens weil die angeblich gegen leute anderen glaubens hetzen.

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pandrodor 06.05.2010, 21:44
23. Wettbewerb

Es ist doch meist leider dasselbe. Das ganze ist ein Wettbewerb wer am betroffensten ist, weil er ja so ein toller Mensch ist.

Daran zu arbeiten, dass so etwas nicht nocheinmal passiert, egal wo, ist den allermeisten doch vollkommen egal. Wie viele Menschen in Deutschland können mir beantworten wo es im Moment Völkermorde gibt?

Genauso die Darstellung Hitlers. Es wird gerne als Reinkarnation Satans und komplett Irrer (medizinisch gesehen ist das nicht bewiesen) dargestellt. Die wichtige Erkenntnis ist doch aber, dass Adolf Hitler ein Mensch war und Menschen zu so etwas fähig sind. Auch heutzutage. Das muss man sich vor Augen halten und nicht nur einen Gedenkwettbewerb abhalten. Es ist doch wichtig im Gedenken ähnliche Taten zu verhindern.

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bärbel46 16.05.2010, 03:04
24. Morgenthauplan jetzt.

Zitat von Pinky42
Danke für den Beitrag!! Die Deutschen haben wie kein Volk ihre große Schuld auf sich genommen, diese Schuld verarbeitet und sich zu einem pluralistischen, freien, liberalen und antisemitischen Volk gewandelt. Dies wird ihnen von der ganzen Welt bescheinigt, mit Ausnahme von Herrn Broder – aber auf dessen Meinung kann man wirklich getrost verzichten.
Da mögen sie wohl recht haben: ein pluralistisches, freies, liberales und antisemitisches Volk. Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen, der Tippfehler fördet's zutage...

Zitat von Pinky42
Dazu noch ein Zitat von Martin Walser, der damals nahezu hingerichtet wurde für das, was er in der Paulskirche sagte. Dies kann man nun - nach einigen Jahren - doch mit etwas mehr Vernunft und Realismus lesen:
(Walser wurde nicht nahezu hingerichtet, er hat von ein paar vernünftigen Leuten ordentlich Gegenwind bekommen, und das zu recht. Ansonsten haben ihm viele Deutsche zugestimmt.)

Zitat von Pinky42
„In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande. Der Historiker Heinrich August Winkler nennt das "negativen Nationalismus". Daß der, auch wenn er sich tausendmal besser vorkommt, kein bißchen besser ist als sein Gegenteil, wage ich zu vermuten. Wahrscheinlich gibt es auch eine Banalität des Guten.“
Ich finde es ja auch nicht sinnvoll, ein solches Monument aufzurichten. Nicht dieses. Ich hätte mich ja gefreut, wenn der Entwurf mit dem kleingeschrederten Brandenburger Tor das Rennen gemacht hätte. Zumindest symbolisch hätte so der längst fällige Bruch mit Deutschland endlich stattgefunden.

Aber nein. Stattdessen steht da dieses Angeberding, das der ganzen Welt sagen soll: schaut mal, wie toll wir verarbeitet haben! Da muss ich auch mal dem Walser recht geben: dieser, wie er es nennt "negative Nationalismus" ist auch Stück besser. Es ist die reine Heuchelei.

Die Mörder und ihre Helfer wurden größtenteils laufengelassen, die Entschädigung von Zwangsarbeitern so lange hinausgezögert, bis kaum einer mehr von ihnen am Leben war, Deutsche Firmen treiben mit den todfeinden Israels fröhlich Handel, ganz zu schweigen von den weit verbreiteten antisemitischen und antiisraelischen Haltungen im Volk...

Der Morgenthauplan wäre die sinnvollere Idee gewesen. Die Deutschen können nicht so gut mit Abstraktionen wie z.B. "Nation", weder im negativem noch im positiven. Sie sollten es einfach lassen und den Laden endlich auflösen. Das wäre die längst fällige Geste des guten Willens und des Lernens aus der Geschichte.

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