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"Game of Thrones", eine Emanzipationsgeschichte?: Es gibt nichts Richtiges im Erdacht
Sky/DPA

Drachen, Zombies und schöne Aufnahmen: Mit richtiger Abstammung kann man Geschichte schreiben, für Frauen ist Macht immer Rache für erlittene sexuelle Gewalt. Das ist die symbolische Ordnung von "Game of Thrones".

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Rabirius 14.04.2019, 16:19
1.

Arya wurde nie vergewaltigt und ist eine zentrale Figur. Bronn, Grey Worm und Missandei sind keine Red Shirts. Harry Potter hat sich seine Welt nicht zusammengeträumt. . . . . Dieser Text strotzt von gesundem Nichtwissen. Hat da jemand eine Abneigung gegen den popkulturellen Mainstream und wollte seinem (oder ihrem) Ärger mal Luft machen, weil auch auf den Redaktionsfluren von SPON nur noch über GoT gefachsimpelt wird?

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.patou 14.04.2019, 16:57
2.

Alles schön und gut, aber mehr als Adorno-Bezüge oder Martins vermeintliche Verfehlungen hinsichtlich Geschlechterfragen und Vernachlässigung der Nicht-Adligen treibt mich im Moment die Frage um, ob die Drehbuchautoren es tatsächlich fertigbringen, die beiden Langweiler Daenerys oder Jon Snow auf den Thron zu befördern, während ich mir beispielsweise Arya und Gendry wünsche.

Zumal der Vorwurf, dass die sozial Benachteiligten dramaturgisches "Kanonenfutter" sind und, kaum eingeführt, schon über die Klinge springen, nicht wirklich greift in einer Serie, in der Ned Stark ganz am Anfang geköpft wird und anschließend große Teile seiner Familie gemeuchelt werden, wie auch andere adlige Protagonisten häufig ein abruptes Ende finden (Tywin, Joffrey, Baelish, Ramsay, Oberyn, Olenna, Margaery, Stannis, Viserys, Jeor Mormont, Myrcella und Tommen etc.).

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patriae. 14.04.2019, 17:34
3. Und das kommt heraus..

wenn irgendwelche Feministen irgendetwas überanalysieren und die heutigen gesellschaftlichen Standards bzw deren eigenen narrative zu versuchen in Fantasygeschichten zu finden, dies aber nicht können, weil ein im Mittelalter angehauchtes Universum eben solche Standards noch nicht kennt und sie anstatt einfach eine fantastische Fantasiewelt zu loben, diese kritisieren aufgrund von mangelnder Eigenschaften, die zu dieser Zeit undenkbar gewesen wären. Diesen Artikel braucht niemand, da er die komplexen Geschichten und Regeln dieses Universums in keinster Weise gerecht wird.

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patriae. 14.04.2019, 17:46
4. In Anbetracht der Tatsache...

wie viele starke Frauen es in diesem Universum gibt: die alte und neue Lady von Winterfell, Caitlyn wurde nie vergewaltigt. Brienne von Tart, die nie vergewaltigt wurde und die körperliche Stärke und Loyalität einer Frau darstellt. Arya, die nie vergewaltigt wurde und eine kleine, listige und fähige Kämpferin darstellt. Daenerys, die zwar in ihrer ersten Hochzeitsnacht zum Sex durch Khal Drogo gezwungen wurde, aber später daraus eine Liebesgeschichte wurde (oder war Drogo nur Mittel zum Zweck? Na?) Melisandre, die Nummer 2 von Daenerys. Die rote Hexe, die überaus mächtig ist und der man viel Respekt entgegen brachte (Stannis, Jon). Cersei die die mächtigste Frau Westeros ist (schön bevor sie am Sarg ihres Sohnes von Ihrem Bruder vergewaltigt wurde). Die Schwester Caitlyns, die Herrscherin ihres Landes ist - wurde ebenfalls nicht vergewaltigt. Ygrit, die eine angesehene Kriegerin bei den Wildlingen war. Orlenna Tyrel, die Herrscherin von Rosengarten - sehr mächtig und einflussreich - auch ohne vorherige Vergealtigung ebenso wie Margaery Tyrell die für Macht FREIWILLIG Joeffrey geheiratet hat und ebenfalls nie vergewaltigt wurde. Ihre Vergleiche hinken einfach. Nicht immer alles überanalysieren - der Artikel wird der Serie nicht gerecht.

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Braveheart Jr. 14.04.2019, 17:58
5. Und für alle GoT Charaktere gilt der Vierzeiler von Horaz ...

... den Alexander Pope wie folgt übersetzt hat: "Get wealth and place / if you can, with grace / if not, by any means / get wealth and place!".

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nilsczert 14.04.2019, 19:32
6. Einfach nur streng durchkonstruierte Unterhaltung...

...mit Anleihen bei nahezu allen in der westlichen Welt populären Sagen und Mythen - quasi Harry Potter für Erwachsene.
Sich davon eine emanzipatorische Vorbildrolle zu erwarten, ist nun wirklich zu viel verlangt.
Die Zwangsläufigkeit der Handlung auch über mehrere Staffeln hinweg ergibt sich nicht aus einem wie auch immer gearteten gesellschaftlich-moralischen Konzept - sondern aus der Arbeitsweise von Bestsellerautoren, die ihren Erfolg minutiös mit den richtigen Zutaten durchplanen und angesichts einer sehr besserwisserischen Fangemeinde jegliche Unstimmigkeit peinlichst genau vermeiden müssen, um sich nicht den Zorn der Nerds zuzuziehen (wie man prompt hier im Forum sieht).
Und die grandiose Tragik der Hochgeborenen war angesichts ihrer Fallhöhe schon immer tragischer, als die ganz alltägliche Tragik des Lumpenproletariats, das von Geburt an im Elend lebt.
Mich persönlich hat diese einmillionste Variante von Sex und Intrige nie einen Deut interessiert. Der Erkenntnisgewinn in punkto Mittelalter ist gleich Null - und der Unterschied zu anderem Drachen-Elfen-Fantasy-Schrott ebenfalls!
Wer etwas über das echte Mittelalter aus der Sicht der kleinen Leute erfahren will, sollte den "Simplicissimus" oder "Tyll Ulenspiegel" in den Erwachsenenausgaben lesen. Deutlich humorvoller und auch deutlich grausamer - aber historisch fundiert und ganz ohne Drachen und Zombies. Das wahre Monster war (und ist) der Mensch!

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snickerman 15.04.2019, 03:00
7.

Zitat von nilsczert
...mit Anleihen bei nahezu allen in der westlichen Welt populären Sagen und Mythen - quasi Harry Potter für Erwachsene. Sich davon eine emanzipatorische Vorbildrolle zu erwarten, ist nun wirklich zu viel verlangt. Die Zwangsläufigkeit der Handlung auch über mehrere Staffeln hinweg ergibt sich nicht aus einem wie auch immer gearteten gesellschaftlich-moralischen Konzept - sondern aus der Arbeitsweise von Bestsellerautoren, die ihren Erfolg minutiös mit den richtigen Zutaten durchplanen und angesichts einer sehr besserwisserischen Fangemeinde jegliche Unstimmigkeit peinlichst genau vermeiden müssen, um sich nicht den Zorn der Nerds zuzuziehen (wie man prompt hier im Forum sieht). Und die grandiose Tragik der Hochgeborenen war angesichts ihrer Fallhöhe schon immer tragischer, als die ganz alltägliche Tragik des Lumpenproletariats, das von Geburt an im Elend lebt. Mich persönlich hat diese einmillionste Variante von Sex und Intrige nie einen Deut interessiert. Der Erkenntnisgewinn in punkto Mittelalter ist gleich Null - und der Unterschied zu anderem Drachen-Elfen-Fantasy-Schrott ebenfalls! Wer etwas über das echte Mittelalter aus der Sicht der kleinen Leute erfahren will, sollte den "Simplicissimus" oder "Tyll Ulenspiegel" in den Erwachsenenausgaben lesen. Deutlich humorvoller und auch deutlich grausamer - aber historisch fundiert und ganz ohne Drachen und Zombies. Das wahre Monster war (und ist) der Mensch!
Schreibt da "rae" selber einen Kommentar der intellektuell angehauchten, blasierten Arroganz?
Wenn es "nilsczert" doch so wenig interessiert- warum dann dieser Sermon?
Nicht zu vergessen dieser schmallippig-geifernde Rundumschlag gegen Fantasy-"Schrott" im Allgemeinen.
Für mich hätte es allerdings ebenfalls weder Drachen noch Magie noch Eiszombies gebraucht- das eigentliche "Spiel der Throne", vergleichbar mit der ersten (besten) Staffel von "House of Cards", hätte mir völlig gereicht.

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spon-facebook-10000001784 15.04.2019, 18:09
8. Weder Serie noch Bücher wurden da offenbar wirklich verstanden

Die Serie heißt nicht umsonst Spiel der Throne bzw. als Buchreihe das Lied von Eis und Feuer. Es dreht sich alles um Adelshäuser, weil es quasi die altertümliche Art der Geschichtsschreibung in Epen, Poesie, Gleichnissen und natürlich die Bewegungen der Mächtigen verfolgt.
Von diesem Konzept ausgehend, begreift man schnell, das alles, was man dort sieht quasi durch die Augen eines innerweltlichen Geschichtsschreibers sieht, der sich durchaus künstlerische Freiheiten nimmt.
Ich persönlich vermute, das Samwell Tarly dieser Schreiber ist, der im Nachgang alles in diesem Lied von Eis und Feuer aufzeichnet und deswegen an sich auch der eigentliche "Held" ist, der alles im Weltbild dieses Gefüges aufzeichnet für die Nachwelt.
Davon mal abgesehen ist dies auch keine Geschichte über Diener, Sklaven oder Bauern, es sei denn, es berührt das Leben der Adeligen, es ist immer noch aus der Sicht dieser Adeligen geschrieben.
In dieser Logik sind dann auch Gilly und etliche der anderen Wildlinge wichtig, weil sie quasi die Adeligen der Wildinge sind aus dieser Sicht.
Der Blickwinkel der Emanzipationsgeschichte ist in dem Rahmen auch zu eng gefasst, ja, die geschehen im Spiel um Macht, Einfluß und Leben natürlich, aber auch Rückschläge, Gewalt und Tod.
Dieser wird dann aus dem Blickwinkel eines altertümlichen Geschichtsschreibers natürlich eingeordnet und bewertet und gegebenenfalls auch entsprechend prosaisch hervorgehoben.
Aus den Büchern geht das besser hervor, aber gerade mit Samwells Szenen in der Zitadelle wird einem dieses Konzept sehr deutlich unter die Nase gerieben.
Das erklärt auch die Heroisierung Jons recht gut ;) . An der haben sich hier ja auch schon andere Schreiber abgearbeitet, aber wenn der eigene Freund die Geschichte aufzeichnet, fallen schon mal Fehler unter den Tisch.
Manche werden einwenden, das man ja die Gedanken der Leute in den Büchern mitbekommt, was einem Geschichtsschreiber ja kaum einfallen dürfte, aber das ist halt künstlerische Freiheit, um es spannend zu machen. Eine in rhythmischen Reimen verpackte Geschichtsschreibung wie in der Ilias dürfte heutzutage wohl nicht mehr so gut ankommen, da ist dieses Format besser.
Meine Hoffnung ist ja, das am Ende der letzten Folge tatsächlich ein alter Samwell in der Zitadelle sein "Lied von Eis und Feuer" als Buch zuschlägt und sich dann zu Gilly am warmen Kamin gesellt, wo sie beim lesen eines Folianten eingeschlafen ist :D.

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Bondurant 15.04.2019, 18:47
9. Immerhin

Drachen, jahrelange Winter und untote Eiskönige erschienen Martin unproblematisch, eine Welt aber, in der Männer keine Gewalt gegen Frauen ausüben, unvorstellbar.

scheint ja wenigstens der Autor Realist zu sein. In unserer real existierenden Gesellschaft neigen ja die Torbens und Annalenas im Anschluss an den Besuch eines betreuten Gymnasiums oder einer Waldorfschule zu der etwas naiven Ansicht, man könne dem ein Ende machen, wenn man denn nur wolle. Wenn GoT schon keinen wirklichen Realitätsbezug hat, dann wäre es immerhin eine Leistung, diese ewige Wahrheit ins Bewusstsein geholt zu haben. ich sag das böse Wort: ja, eine Welt, in der Männer keine Gewalt gegen Frauen ausüben, ist in der Tat unvorstellbar. Und je eher man das begreift, umso besser.

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