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"Gelbwesten"-Proteste: Absage an eine Gesellschaft
AFP

Revolutionsfolklore, Medienphänomen, Macron-Bashing - die "Gelbwesten"-Proteste lassen sich beliebig ausdeuten und instrumentalisieren. Tatsächlich zeigt sich hier eine fundamentale Dimension der Verzweiflung.

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kayakclc 11.12.2018, 16:32
1. Macron Bashing

Es ist verwunderlich, dass das Macron-Bashing nicht früher begonnen hat. Auch in Frankreich herrscht die Unvernunft von Leuten, die nicht begreifen wollen, dass nicht der Staat den Wohlstand sichern kan, sondern die französischen Bürger durch ihre Arbeitskraft. Wenn jeder nur an sich denkt, keine Steuern bezahlen will, aber trotzdem von Staat leistungen erwartet, dann kann das nicht gut gehen. Die Mangelde Leistungsbereitschaft lähmt die Nation. Macron wird durch seine eigene Revolution attakiert, weil die Leute die unbequeme Wahrheit nicht hören wollen.

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Bondurant 11.12.2018, 16:44
2. Die Verzweiflung spricht

...Deutungen verkennen die fundamentale, ja intime Dimension der Verzweiflung in Frankreich. Sie hat mit der Erkenntnis zu tun, dass der Nationalstaat nicht mehr viel, aber Europa noch lange nicht genug vermag, um normale Bürger zu fördern.
...
Will man die "gilets jaunes" ernst nehmen, ist das ganze Land umzubauen und Europa auch. Es ist eine Absage an eine Gesellschaft, in der entweder Finanzkapital oder Bildungskapital über den Wert des Menschen entscheiden. Sicher, es geht um den Kontostand am Monatsende, aber auch um die damit einher gehende Würde als Bürger. Um eine Aufgabe im Zusammenhang mit der Belebung der Öffentlichkeit, der Demokratisierung der Provinzen und Europas. Nach den Dekaden des Primats der Ökonomie wird deutlich, dass auch die politische Rolle der und des Einzelnen lebenswichtig ist für eine Republik, für eine offene Gesellschaft.


aus solchen Phrasen. "Absage an eine Gesellschaft..." "Würde als Bürger", " Demokratisierung der Provinzen und Europas", ja, was soll das alles denn eigentlich heißen? Mir scheint, der Autor versteht nicht recht, dass die von ihm anscheinend angepeilte Lösung, nämlich immer noch mehr Europa, eigentlich das Problem ist. Wenn man sich nicht mehr um seine Leute kümmert, sondern lieber Globalpolitik macht, weil man sich mit dem Auftrag bedacht wähnt, heute und hier die Welt zu retten, dann fliegt einem der Laden eben um die Ohren. Die Info-Elite mit ihren hohen Gehältern und behaglichen Wohnungen registrieren das jetzt mit Staunen, wollen es aber immer noch nicht wahrhaben. Man kann wirklich nur hoffen, dass nicht der alte Spruch zur Anwendung kommt "wer nicht hören will, muss fühlen". Ich hoffe da kriegt man vorher noch die Kurve auf den richtigen Weg.

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kassandra21 11.12.2018, 16:45
3. Ein großer Teil...

...unserer Industriegesellschaft steht auf einem Fundament aus Lügen. Menschlicher Hang zur Selbsttäuschung kommt hinzu. Dazu kommt der unbedingte Wille des poltische-industriellen Komplexes, alles so zu lassen, wie es ist, damit die oberen zehn Prozent weiterhin in ihrer Realitätsblase feiern können.
Was übrigens - global betrachtet - uns West- und Mitteleuropäer allesamt mit einschließt.

Doch seit Beginn des 21. werden die Lügen immer offensichtlicher und immer weniger glaubwürdig verkaufbar. Natürlich glauben Trump-Fans alles, was der Mann sagt. Aber dazu muß man sich schon erhebliche Mühe geben, damit die Finger nicht aus den Ohren rutschen. Brexit ist auf denselben Symptomen gewachsen.

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Haarfoen 11.12.2018, 16:47
4. Absage an eine Gesellschaft?

Sehe ich nicht, bzw. würde ich anders formulieren: Absage an den Neo- Liberalismus, der diese Gesellschaft übernommen hat und den sozialen Frieden zerstört. Die "Gelbwesten" sind plural, entgegen der Darstellung in den deutschen Meiden handelt es sich zumeist um ganz "normale" Bürger, denn um "Chaoten und Randallierer". Die Leute haben einfach die Schnauze von dieser Extrem- Bereicherung und dem Diktat der Finanz voll - zurecht! Bonne chance!

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helmut.alt 11.12.2018, 16:48
5. Das Problem Frankreichs

beruht auf zwei Phänomenen, die man kurz so beschreiben kann: zu hohe Steuern, zu wenig Lebensqualität. Eine Lösung kann nur darin bestehen, dass die Nation die Ärmel aufkrempelt und mehr produziert, so wie dies andere Nationen erfolgreich vorexerziert haben (ich denke z.B. an Südkorea). Aber Frankreich ist bekannt dafür, dass es nicht gewillt ist soziale Wohltaten zurückzuführen, die Arbeitszeiten zu verlängern und das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Mit aggressivem Protest allein wird es sein Problem nicht lösen können.

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Eine Stimme der Vernunft 11.12.2018, 16:50
6. Die Gelbwesten haben recht , auch das deutsche System ist zu ungerecht

Meine Solidarität haben die Gelbwesten. Dieses kapitalistische System in diesem Jahrtausend ist bisher katastrophal. Seit der Finanzkrise 2008 haben große Teile der Bevölkerung den Anschluss verloren. Weil sie falsch gemanagt worden ist. Anstatt die großen Überschuldeten bankrott gehen zu lassen, hat man die Großen auf Kosten der kleinen Leute gerettet. Die damals Schuldigen werden immer reicher. Für den Normalo bleibt nur die nackte Existenzangst. Weg mit dem System. Ich fordere die Rückkehr zu einer wirklich sozialen Marktwirtschaft. Die Gelbwesten brauchen wir auch als breite Bewegung in Deutschland.

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Mister Stone 11.12.2018, 16:51
7.

Ist Macron an allem schuld? Oder muss man genauer hinsehen?

Diese Alternativen suggerieren, dass Macron nicht an allem schuld ist, wenn man genauer hinsieht. "Nicht an allem schuld" ist einje Binsenweisheit. Es ist hier eine typische Strohmann-Argumentation. Niemand hat behauptet, dass Macron "an allem schuld" wäre. Macron ist nicht der Urvater des brutalen Neoliberalismus, er ist "nur" eine ihrer Gallionsfiguren. Er ist aber wegen seiner arroganten Haltung und seinem wochenlangen Zögern maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass es Tote und mehr als 1000 Verletzte gegeben hat. All das wäre so in dieser Schrecklichkeit kaum geschehen, wenn er früher auf die ersten Proteste reagiert hätte. Ich hatte den Eindruck, dass ihm die gelben Westen lästig waren (ähnlich wie Sarkozy damals vom Ungeziefer sprach angesichts der Randale in den Banlieus) und er sie von der Polizei wegputzen lassen wollte. Auch jetzt habe ich nicht wirklich den Eindruck, dass er etwas für die Franzosen tun will. Seine Politik ist nach wie vor eine Politik für den internationalen Kapitalismus. Macron weiß nun, wo die Revolutionsschwelle ist, und er will sie kontrollieren können.

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westin 11.12.2018, 16:52
8. Macron unglaubwürdig

Zitat "Will man die "gilets jaunes" ernst nehmen, ist das ganze Land umzubauen und Europa auch"
Es reicht völlig aus,wenn Macron erstmal ersetzt wird ohne Neuwahlen und die Benzinsteuer abgeschaft wird.Erst dann gibts Ruhe. Wer Macrons Ansprache gestern verfolgt hat wird feststellen ;diese war völlig unglaubwürdig.

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gottseidank.de 11.12.2018, 16:56
9. Oui Oui...

Die Gelbwesten sind besser als die Rechtspopulisten. Im Gegensatz zu den Europäischen Rechten, lassen sie sich nicht gegen Schwächere und Flüchtlinge aufhetzen, sondern fordern Gerechtigkeit und faire "Lebenshaltungskosten".
Vielleicht wird es Zeit sich dieses Geld endlich ebei den L'oreals, Louis Vuittons und Cartiers zu holen, anstatt ständig den "kleinen Mann" auszuquetschen, um das Großkapital zu schonen. Wieviele Milliarden legen sich die Quandt-Geschwister hierzulande unter den Weihnachtsbaum? Da sollte die SPD mal ansetzen, wenn sie überhaupt noch vor hat als Partei zu überleben.

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