Forum: Kultur
"Gelbwesten"-Proteste: Absage an eine Gesellschaft
AFP

Revolutionsfolklore, Medienphänomen, Macron-Bashing - die "Gelbwesten"-Proteste lassen sich beliebig ausdeuten und instrumentalisieren. Tatsächlich zeigt sich hier eine fundamentale Dimension der Verzweiflung.

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capote 11.12.2018, 17:37
30. Zu teuer

Zitat von helmut.alt
beruht auf zwei Phänomenen, die man kurz so beschreiben kann: zu hohe Steuern, zu wenig Lebensqualität. Eine Lösung kann nur darin bestehen, dass die Nation die Ärmel aufkrempelt und mehr produziert, so wie dies andere Nationen erfolgreich vorexerziert haben (ich denke z.B. an Südkorea). Aber Frankreich ist bekannt dafür, dass es nicht gewillt ist soziale Wohltaten zurückzuführen, die Arbeitszeiten zu verlängern und das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Mit aggressivem Protest allein wird es sein Problem nicht lösen können.
Richtig, die Produktion in Frankreich ist zu teuer. Die Frage ist nicht, ob die grossen Firmen das trotzdem bezahlen könnten, da produziert man lieber im Ausland und steckt sich das gesparte Geld als BONI in die Tasche, da kann auch der Präsident nichts dran ändern. Also müssen antweder die Löhne dem Geleisteten angepasst werden oder das Geleistete den Löhnen. Weniger Geld (ein Niedriglohnsektor) heisst, dass viele nicht mehr über die Runden kommen, also muss mehr gearbeitet werden.

Die rezepte aus der Mottenkiste des Kommunismus, man muss nur die Reichen schröpfen, funktioniert nicht, siehe Gérard Depardieu, der gar nicht so reich ist, sich aber schon abgesetzt hat.

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catomaior 11.12.2018, 17:41
31. Das Ende der Spassgesellschaft

Auch wenn es "die Linken" nicht wahrhaben wollen, steigende Renten bei steigender Lebenserwartung, verbunden mit vollem Lohnausgleich bei reduzierter Arbeitszeit, finanziert von einem Staat der Bildung, Kindergärten und Studium kostenlos zur Verfügung stellt; zugleich Wohnen zu niedrigen Mieten ermöglicht, natürlich ohne die Pflicht Steuern zu zahlen, da der letzte Teil der Aufgabe allein den vermeintlich "Reichen" zufallen soll existiert nur im Märchen. Die Proteste sind kein Vorbild für Europa sondern ein beschämendes Fanal aus einem Staat der versagt hat. Schluss mit den Gruppeninteressen, wer einen Staat zum Wohle Aller führen will muss derartige Auswüchse mit jeglicher Härte unterbinden. Statt einer Rücknahme der Steuererhöhungen wäre es angesagt gewesen die Schäden über neue Steuern auszugleichen.

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loskochos 11.12.2018, 17:45
32. ach gottchen..

4 Beiträge hat es denn gedauert, bis man wieder das Bullshit-Bingo-verdächtige Wort "Neokapitalismus" lesen durfte. Wer soll denn das Kapital, damit alle auf dem Niveau leben können, denn so zur Verfügung stellen? Die "Reichen"? Die "Konzerne"? Na dann. Können sie ja mal versuchen. Ich vermute mal dass ihnen dann schneller Steuereinnahmen fehlen werden als sie gucken können.

Und wer Autos umwirft und anzünde4 und Geschäfte plündert ist ein Chaot. Und wer diese Leute deckt, die mit einem durch die Straßen zieht, ist nicht viel besser. Auch wenn das ihr linkes Gehirn nicht wahrhaben mag.

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fjodormichailowitsch 11.12.2018, 17:46
33. sie ist darum

Zitat von shotaro_kaneda
Sehr gute Analyse. Sie ist aus meiner Sicht 1:1 auf Deutschland übertragbar.
auf Deutschland übertragbar weil Marion genau das machen wollte as Schröder angefangen hat, Harz 4 und Merkel fortgesetzt hat bis heute obwohl seit langem nicht mehr nötig.
Macron schätzt nicht umsonst Merkel so sehr, der Unterschied ist, das französische Volk ist mutiger.
Nix Werksverträge, nix Zeitarbeit und sonstigen Lohnmissbrauch.
Mit solch einer Ausbeutung kann niemand der eine Familie gründen möchte das wirklich verantwortlich auch tun.
Auch wir zahlen immer mehr, zuletzt auch für den Sprit, angeblich wegen dem Tiefstand auf den Flüssen, so ein Quatsch.

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bernd.hofmann 11.12.2018, 17:47
34. Danke, Herr Minkmar ...

.... endlich ein interessanter und gut analysierender Beitrag zur Protestwelle einfacher Bürger hier in Frankreich. Endlich mal jemand, der in seiner Analyse auf die eigentlichen Gründe dieses Widerstands eingeht, der versteht, dass sich das Alles seit Jahren, seit Jahrzehnten zusammengebraut hat und das der letztliche Anlass für dieses "Jetzt reicht's" eigentlich nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Jemand der versteht und dies auch verständlich ausdrückt, dass es nicht nur um Geld geht, sondern um Respekt, Anerkennung, Gerechtigkeit und Recht auf ein Leben, das auch angenehme Seiten hat. Dass die ewigen Parolen im Sinne einer "den Gürtel enger schnallen"- Doktrin, herablassend von Denen verbreitet die noch nie gepürt haben, was das eigentlich bedeutet, irgendwann einmal Reaktionen hervorrufen, selbst wenn es solche sind, mit denen niemand gerechnet hat. Nicht mal die, die jetzt auf der Strasse sich Gehör verschaffen.
Gestern Abend hat Herr Macron endlich gezeigt, dass da etwas bei den hohen Damen und Herren angekommen ist. Allerdings besteht ein grosses Risiko, dass der Herr und seine Kommunikationsberater und Politfüchse da ganz geschickt AUgenwischerei betrieben haben, indem sie die Kosten (man liest von 10 Milliarden Euro) eigentlcih der ALlgemeinheit aufbürden und nicht denen, die seit Jahrzehnten das Land hier ausnehmen. Nur ein paar Zahlen : Im Staatshaushalt 2018 sind Einnahmen von 302 Mrd € vorgesehen (nach Abzug der staatlichen Zahlungen an die Regionalbudgets und and die EU). Davon werden aufgebracht 152,8 Mrd. von der Mehrwertsteuer (zahlt nur der Bürger), 72,7 Mrd € von der Einkommenssteuer (zahlt der Bürger, hauptsächlich der Mittelschicht - 50% der Haushalte in Frankreich sind davon ausgenommen !!). Steuern auf Unternehmensgewinne machen voll und ganz 25,3 Milliarden € aus (nach Abzug von ca. 40 Mrd. € Steuererleichterung (CICE-Steuererleichterung und andere für Forschungsaufwand etc ...) - während bloss die 40 CAC40-Unternehmen (so etwas wie der deutsche DAX) im Jahre 2017 fast 56 Mrd € an Dividende ausgeschüttet haben !!!! Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor).
Leben wie Gott in Frankreich heisst es - aber nur für eine kleine Minderheit stinkreicher Menschen, die man gemeinhin "Elite" nennt. Nicht wahr, Herr Macron ?
Pfüat Eich, Grüsse aus dem Musterland der Bourgeoisie

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Stormwatch 11.12.2018, 17:51
35. Mangelnde Leistungsbereitschaft???

Zitat von kayakclc
Auch in Frankreich herrscht die Unvernunft von Leuten, die nicht begreifen wollen, dass nicht der Staat den Wohlstand sichern kan, sondern die französischen Bürger durch ihre Arbeitskraft. Wenn jeder nur an sich denkt, keine Steuern bezahlen will, aber trotzdem von Staat leistungen erwartet, dann kann das nicht gut gehen. Die Mangelde Leistungsbereitschaft lähmt die Nation.
Für alle, die hier zu glauben scheinen, dass "die Franzosen nur mehr leisten müssten" und dann würde schon alles gut in Frankreich: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Arbeitsproduktivität in Frankreich inzwischen höher ist als in Deutschland. Die Qualität der Produkte übrigens auch. Leistung liegt dort also durchaus vor! Die Französische Wirtschaft wird nach wie vor von der deutschen durch Lohndumping an die Wand gedrückt und Macron zieht nun ähnliche neoliberale Systemverschlechterungen (für die Bevölkerungsmehrheit) durch, wie wir sie in Deutschland seit über 10 Jahren haben. Dass die Leute darüber stinksauer sind, ist nur ein Zeichen gesunden Menschenverstandes.

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three-horses 11.12.2018, 17:55
36. Schlechte Zeichen.

Zitat von wolfabc
"Gäbe es eine Grippewelle, würde sich Frankreich sich auch irgendwann an den Präsidenten wenden, damit er was macht." So ist das in einem Zentralstaat wie Frankreich, der zudem noch einen übermächtigen Präsidenten hat, der tatsächlich für fast alles verantwortlich gemacht werden kann. Und fast unausweichlich in Frankreich ist auch, dass ein Präsident irgendwann wie besoffen wirkt ob seiner Stellung, Machtfülle und als erster Mann der "Grand Nation". Die "Gelbwesten" werden sich mit den Erfolgen nicht zufrieden geben, Macron hat sich in ihren Augen als Weichei erwiesen, aus dem noch mehr herauszuholen ist. Das wird sich bald rächen. Denn dann kann er nur noch abtreten, einem anderen Platz machen, der den Unzufriedenen verspricht, alles besser zu machen. Der neue Messias kann jedoch seine Versprechen nicht halten - und die ganze Geschichte beginnt wieder von vorn. Das ist Frankreich, und auch ein Erlöser Europas ist aus dem Land nicht zu erwarten.
"Macron hat sich in ihren Augen als Weichei erwiesen"...sieht eher nicht so aus. Die "Vier" Zugeständnisse müssen die Bürger selbst bezahlen/aufbringen. Da ist Kapital nicht belastet. Das muss nicht falsch sein, nur wer bezahlt nun das Klimawandel? Die Mauer um Paris herum wie in New Orleans. Oder soll Paris ersaufen. Ob übertrieben oder nicht...die Politiker aus der Nördliche Provinz wie AKK ziehen nun nach Berlin. Aus Angst vor nassen Füßen?

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der_sinnlose 11.12.2018, 17:55
37. mehr oder weniger Europa

mit den ähnlichen Problemen kämpfen im Grunde alle europäische Staaten. Eigentlich gibt es nur zwei Wege hier eine klare Linie rein zu bringen. Sehr viel weniger Europa oder sehr viel mehr Europa. Wie das erster funktioniert sehen wir gerade bei den Briten. Die andere Variante wird auch nicht schmerzfrei sein aber ist vermutlich die weitaus bessere Alternative. Das würde dann so etwas bedeuten wie die Vereinigten Staaten von Europa. Allerdings demokratisch legitimiert und nicht durch Kommisionen nach Gutsherrenart regiert wie heute. Das würde für uns zweifelsohne extrem viel Transfergeld bedeuten. Ich sehe aber inzwischen tatsächlich keinen anderen gangbaren Weg mehr. Augen zu und durch. Dabei kann und muss man dann für alle Mitglider verbindliche Sozialleistungen vorschreiben die sich prozentual an der jeweiligen Kaufkraft des Landes orientieren aber ansonsten einheitlich sind. Damit würde man auf jeden Fall den Druck aus dem Kessel nehmen den so fällt der Unterbietungswettbewerb bei den Sozialstandarts der EU-Staaten untereinander weg. Und das bedeutet dann auch wieder eine EU für die Menschen zu machen die in ihr wohnen und nicht gegen sie oder nur für Verbände, Lobbyisten und Institutionen. Ich sehe eigentlich nur eine Möglichkeit - Augen zu und durch auch wenn es extrem schwer fällt.

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kunibertus 11.12.2018, 17:55
38. Zitat aus einem anderen SPON-Beitrag:

"Andere sind an diesem Abend beunruhigter denn je. Zu ihnen zählt der Wirtschaftsprofessor Gilbert Cette von der Universität Aix-Marseille, Vordenker von Macrons Arbeitsrechtsreformen und damit ein Art französischer Hartz. Über die Finanzierung der Maßnahmen habe ich nichts vernommen. Will Macron den europäischen Stabilitätspakt explodieren lassen?" Wir haben doch gerade erst mit Italien erlebt was passiert, wenn Maastricht-Kriterien nicht eingehalten werden (können), weil die Regierenden Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit nachkommen müssen, um die Volkszorn einigermaßen in Grenzen zu halten. Dazu passt auch die heutige Entscheidung des EUGH, dass die EZB auch weiterhin unbegrenzt verschuldete Staaten finanzieren darf. Ich wollte gestern eine Warnweste für mein Auto kaufen - leider keine erhalten: Ausverkauft.

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ArminBiermann 11.12.2018, 17:57
39. Der erste gute Beitrag...

den ich zu diesem Themenkomplex lese. Die Analyse kommt zu dem folgerichtigen Ergebnis: So geht es nicht weiter. Die Konsequenz daraus wird aber nicht benannt: Frankreich steht kurz vor einem Bürgerkrieg, denn die Angebote Macrons reichen bei weitem nicht aus, um die Not breiter Teile der Bevölkerung zu lindern. Derzeit kann niemand sagen, wie es weitergeht und was noch alles passieren wird. Die Sprengkraft, die in dieser verfahrenen Ausgangslage liegt, ist nicht zu unterschätzen. Aber auch die Börsen signalisieren, dass nun irreversibel ein Umbruch bevorsteht...

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