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Gendergerechte Sprache: "Es geht auch darum, Macht abzugeben"
DPA

Heute will der Rat für deutsche Rechtschreibung Ergebnisse zu gerechtem Schreiben vorlegen. Die Leiterin der Duden-Redaktion favorisiert das Gendersternchen - hier erklärt sie, warum.

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Fuxx81 16.11.2018, 11:53
110. Postfaktisch

Zitat von mrm_berlin
Der Fehler ist schon, dass sogar Befürworter sagen, damit seien Frauen "mitgemeint". Stimmt so nicht, mit dem generischen Manskulinum sind Personen aller Geschlechter gleichermassen (und nicht nur "mit-") gemeint. Aber ist halt ein Problem, da fast niemand mehr grammatisches und natürliches Geschlecht auseinanderhalten kann oder will.
Wir leben eben in postfaktischen Zeiten und den Befürwortern Geschlechtsneutraler Sprache ist an sachlichen Diskussionen verständlicherweise nicht gelegen, denn dann würde ihre Argumentation ganz schnell in sich zusammenbrechen...

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kumi-ori 16.11.2018, 11:55
111.

Zitat von Bondurant
Und es hat einen großen Vorteil: Es bildet mehr als zwei Geschlechter ab und löst damit die Binarität auf. Es gibt nur zwei Geschlechter, auch wenn man das gern anders hätte. Nur ganz wenige Menschen sind biologisch nicht eindeutig zuzuordnen. In Deutschland 0,1 %.
Biologisch gesehen ist jeder Mensch eindeutig einem der beiden Geschlechter zuzuordnen. Hat er ein Y-Chromosom, ist er männlich, hat sie keines, ist sie weiblich. Medizinisch, sozial, äußerlich, psychisch, von der sexuellen Orientierung oder vom Lustempfinden kann und darf jeder sein, was ihm näher scheint oder was er sein will, auch, wenn vielleicht bei unterschiedlichen Kategorien nicht immer das gleiche Geschlecht passt. Hier sollten wir uns maximale Toleranz aneignen und jeden darin unterstützen, das für sich zu finden, was zu ihm passt, anstatt mit albernen Zwängen zu versuchen, für jedes Individuum die Geschlechtsidentifikation zum bürokratischen Monstrum zu machen. In der Bibel steht irgendwas von "schufen sie als Mann und Frau", und da unsere Gesellschaft noch immer stark von klerikalen Vorgaben geprägt ist, hat sich diese Dichotomie ins Gesellschaftsleben eingeprägt. In praktischen Fragen sollte damit begonnen werden, die Geschlechtertrennung aufzuheben, und nicht mit Albernheiten an der Computertastatur.

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ziehenimbein 16.11.2018, 11:55
112. Aber "Sehr geehrte Damen und Herren"

geht noch? Wie soll ich bei einer Bewerbung den transsexuellen Personaler mit einbeziehen? Lieber Regenbogen geht nicht, weil der Regenbogen männlich ist? Sorry, hunderttausende Kinder verhungern und wir zahlen Spitzengehälter an Menschen, die sich mit Pillepalle beschäftigen. Wenn keiner mehr hungert oder vor Krieg flüchten muß, sind vielleicht Zeit und Ressourcen für so einen Quatsch da, hier und jetzt definitiv nicht!

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dasfred 16.11.2018, 11:56
113. Frauschaftssprache statt Herrschaftssprache

Juhu, darauf hab ich gewartet. Endlich jemand, oder wie Wilhelm Busch schon formulierte eine Jemandin, die der Gemeinschaft eine neue Regel über die Umgangssprache stülpen will. Männer und Frauen sind ja auch sowas von gleich. Das muss ständig betont werden. Weil wir nämlich immer noch den Geschlechtern unterschiedliche Eigenschaften zuordnen. Dann ist endlich Schluss mit dem Weiberhelden, der in seinen Kreisen Anerkennung für sein ausschweifendes Liebesleben erhält, während eine Frau mit ähnlichen Bedürfnissen auch unter ihresgleichen nicht die selbe Ehrbezeugung erwarten darf. Umgangssprache, auch Muttersprache genannt, geht zuerst von der Mutter auf Sohn und Tochter. Vater hat meist wenig Zeit zum reden. Also lasst Frauen eine Sprache gendern, die von Frauen weitergegeben wird. Sollen sie sich erstmal einigen, und wenn den Frauen diese Sprache leicht von den Lippen rutscht, wird sie automatisch in die Gesellschaft eingehen.

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G. Samsa 16.11.2018, 11:58
114.

Was ist eigentlich mit "der Mensch"? Können die Sprachreformer nicht auch kritisieren, dass hier zuerst an Männer gedacht wird? Muss dieses Wort nun reformiert werden? Und warum eigentlich "der Mond"? Im Italienischen haben wir "la luna". Wieso also nicht lieber "die Mond"? So wie "die Sonne"? In dieser Verteilung der Genera verbergen sich ja möglicherweise auch subliminale Suggestionen, die junge Menschen auf schädliche Weise beeinflussen. Und dann natürlich "man". Wird man sich dieses Wortes noch unverdächtigt bedienen dürfen?

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MatthiasPetersbach 16.11.2018, 12:02
115.

Zitat von und der Wolf
Für mich ist alles andere ein Angriff auf die offene Gesellschaft. Extremisten und Sprachpanscher rühren eine Suppe an, die Gift für die Freiheit ist. Da freut sich nicht nur die AfD.
Da freuen sich wohl auch die Machos und Ewiggestrigen. Eine Sache zu übersteigern, ruft immer auch ne Gegenbewegung hervor.

Vor 20 - 30 Jahren (und schon früher*) war nicht die halbe Aufregung über Feminismus und Gleichstellung - in den Köpfen (wenn auch nicht immer in der Realität) war das aber "alternativlos". Wenn damals irgendjemand ernsthaft verkündet hätte, alle Menschen wären nicht gleich, wären die Leute mit den weisen Kitteln angerückt.

Wenn man natürlich mit solch hanebüchenen, über Gebühr überinterpretierten und unterstellenden Stellungnahmen konfrontiert wird. ist es klar, daß da mancher weit draussen das andere Lager aufmacht. So wie es wohl für jedes Konzert gegen rechts auch eines -wenn auch kleineres - gegen links gibt.

Dabei sollten wir Brücken schlagen - nicht Gräben ziehen.

Um aus einer simplen Sprachregelung einen Machtanspruch hineinzuinterpretieren - und dann herauszudestillieren, muß man schon gehörig auf dem falschen Dampfer sein. Und das ruft natürlich wieder ein paar Id*ten auf den Plan, mit denen sich der aufgeklärte Mensch wieder rumschlagen muß. Was hier doppelt schwer ist - weil in der Sache Sprachregelung haben sie ja recht.

Ein Bärendienst. Danke, liebe "Femninistinnen" dafür.


*also wenn vor 80 Jahren mein Großvater behauptet hätte, daß er mehr wert wäre als seine Frau, hätte er verloren gehabt. Und umgekehrt auch. Die wussten ALLE, was sie aneinander hatten.

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kaeptn99 16.11.2018, 12:04
116. Herrlich, die Digitalwüste .de macht sich die Zukunft schwer ...

... mit dem *, denn es dient in vielen Fällen bzw Programmiersprachen als Wildcard - falls dieser Begriff den Linguistikern (geschlechtsunspezifische Mehrzahl) nicht schon wieder zu Englisch ist - bzw als Zeichen mit besonderer Bedeutung. Ich sehe schon die vielen Stunden Arbeit und tonnenweise Nerven die das kosten wird ...

Zudem finde ich Fenstern Blödsinn hoch zehn. Inder Einzahl benutze ich das Geschlecht der Person, in der Mehrzahl den Gattungsbegriff. Oder sagt irgendjemand "Hebamminnen"? Was wird aus Komposita? Bäckerinnung wird zu ... ? Wie heißt in neudeutsch eigentlich Müllmann? Welcher Mann hat da je für Gleichstellung gekämpft?

Wie gesagt ... Herrje :-)

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Chris888 16.11.2018, 12:05
117. Ist "Kinder erziehen zu müssen" eigentlich gerechte Sprache?

"... sich um die Kinder kümmern müssen". Da Frau Kunkel-Razum über die Wirkung von Sprache Bescheid weiß, muss ich ihre Formulierung wohl ernst nehmen.

Und trotzdem: Es gibt auch Menschen, die es als Privileg empfinden, sich in die nächste Generation investieren zu dürfen. Es gibt sogar Menschen, die das wichtiger finden, als Excel-Tabellen zu füllen.

Es tut mir leid, aber solche Formulierungen wie die von Frau Kunkel-Razum führen bei mir zur Wahrnehmung, dass die Rechte und Bedürfnisse von Kindern in der ganzen Gender-Debatte als ziemlich lästig empfunden und Frauen, welche einen Karrierenachteil wegen ihrer Kinder in Kauf nehmen, als "unmodern", "rückständig", "völkisch", etc. betrachtet werden. Ich würde mir wünschen, dass man bei der lobenswerten Absicht, dem 3. bis 10. Geschlecht mehr Gerechtigkeit zukommen zu lassen, auch Lebens-Schwerpunkte, die gemeinhin als "konservativ" bezeichnet werden, gleichberechtigt stehen zu lassen.

Es zeigt sich mal wieder, dass diese Debatte eigentlich von keiner Seite ohne Emotionen und ideologische Verzerrung geführt wird.

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antoculos 16.11.2018, 12:06
118. Da hat die Redakteur-IN

mal wieder sanft gepennt. Hätte sie ihr eigenes Medium besser studiert, wäre ihr ein derart peinlicher Fauxpas nicht passiert. Es war der Bundesgerichtshof, nicht das Bundesverfassungsgericht. Guckst du da: http://www.spiegel.de/karriere/kundin-urteil-des-bgh-pro-und-contra-a-1197894.html. Aber vor lauter Freude über so viel Gendern kann das mit der journalistischen Exaktheit schon mal danebengehen. Frauen dürfen das ja - oder sie können es nicht besser. Was auch immer.

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kumi-ori 16.11.2018, 12:12
119.

Zitat von felisconcolor
könnte man jetzt drüber diskutieren ob ein Studierender jemand sein muss der gerade jetzt studiert. ein toter Studierender (wenn das Geschlecht des Opfers evtl. noch nicht feststeht) kann ein toter Student oder tote Studentin sein. Allen gemeinsam ist doch, das das studieren mit dem Ableben aufhört. Und ein toter Studierender studiert eben nicht mehr. sonst würde man ja schreiben lebender Studierender
"Student" ist die Stammform des lateinischen "studens" und bedeutet wörtlich "Studierend". "studens" ist dabei die männliche wie auch die weibliche Form. "Student" schließt daher automatisch beide Geschlechter ein. Im Mittelalter studierten nur Männer an der Universtät, weshalb man den Student automatisch als männlich betrachtete. Später kamen auch Frauen hinzu, und aus politischer Korrektness erfand man die "Studentin" (also wörtlich: die Studierendin), weil man eben doch nicht so weit gehen wollte, das gleiche Wort für beide Geschlechter zu benutzen. Wenn man jetzt wieder zur Entgeschlechtlichung der Sprache zurückwill, warum besinnt man sich nicht einfach auf den Ursprung des Worts und sagt "der Student" bzw. "die Student" (wie auch im Englischen), anstatt sich mit dämlichen Sternchen zum Affen zu machen.

Ein anderes Beispiel: "Manager" ist eindeutig ein englisches Wort und bezeichnet daher die männliche wie auch die weibliche Form. Die Kolleginnen, die in meiner Firma im Produktmanagement arbeiten, bezeichnen sich selbst als "Produktmanager" ("Produktmanagerin" ist ein Wort, das es gar nicht gibt). Trotzdem schreibt meine Firma in den Stellenanzeigen "Produktmanagerin/Produktmanager" aus Angst, jemand könnte sich in die Stelle einklagen, weil der Richter vielleicht kein Englisch kann und Diskriminierung wittert.

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